Brauche dringend nochmal fachliche Hilfe!!!!!! Lang

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von jacqi 30.03.06 - 12:59 Uhr

Hallo!

Wie vielleicht einige von Euch in den letzten Postings gelesen haben ging es um meinen Mann, der rückwirkend fristlos gekündigt wurde.
Gut das Thema ist jetzt vorm Arbeitsgericht und wird da am 10.04. ausgehandelt.
Heute haben wir wieder einmal Post von seinem EX Arbeitgeber bekommen, bzw. von seiner Anwältin.

Also mal zur Geschichte......mein Mann geht gegen die fristlose Kündigung vor. Der EX Arbeitgeber will der Lohnzahlung umgehen.
Nun steht in dem Schreiben von der Anwältin folgendes:

Im Auftrag meines Mandanten habe ich im Hinblick auf die bevorstehende Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht mitzuteilen, dass mein Mandant beabsichtigt, mit den Ihrerseits im Rechtstreit geltenden gemachten Ansprüchen Aufrechnung zu erklären. Die Aufrechnung erfolgt mit Schadenersatzansprüchen, welche aus Schlechtleistungen Ihrerseits im Rahmen Ihrer Tätigkeit im Planungs- und Ingenieurbüro resultieren. Die Ansprüche hat mein Mandant vorläufig mit 15.000€ ermittelt #augen


WASSSSS???? Versucht er uns jetzt einzuschüchtern?
Mein Mann ist frisch vom Studium und hat noch garkeine Vorlagenberechtigung für die ersten 2 Jahre.
Der Chef war Projektleiter und kann er das machen???
Er muss doch als Chef kontrollieren, ob alles in Ordnung ist???

Was sollen wir tun??? #augen als ob man nicht schon genug Ärger mit diesem Menschen hat.

Meint Ihr er bekommt Recht mit sowas?

Danke für Eure Hilfe!!!!#klee

Jacqi und Thomas

Beitrag von entichen 30.03.06 - 14:51 Uhr

Erst mal:

Ja, er will euch einschüchtern. Wenn diese These keinen Halt findet (sprich: Beweise - Zeugen, Sachverständige, Urkunden, Augenschein (hier würde Gericht vor Ort gehen - trifft aber bei euch wohl nicht zu)), dann kann er soviel rummotzen wie er will.

Schadenersatzansprüche müssen ebenfalls erst mal nachgewiesen werden. Sollten diese Ansprüche bestehen, haftet doch im Allgemeinen die Versicherung der Firma, dafür ist die ja da.

Ich bin natürlich kein Anwalt, hab aber für einen gearbeitet (hab Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte gemacht).

Am besten Ihr besorgt euch einen Termin bei eurer Anwältin. Die hat euch doch bestimmt geschrieben, dass Ihr diesbezüglich mit ihr Rücksprache halten sollt, oder ähnliches. Aber auch wenn nicht: Termin bei Anwältin machen, dafür wird sie ja bezahlt. :-p


Die kann euch alles erklären, Vorgehensweise im Termin besprechen usw. Außerdem beruhigt so ein Gespräch ungemein die Nerven;-)

Also, hoffe, ich konnte schon mal etwas weiterhelfen.

Liebe Grüße und macht euch erst mal nicht verrückt.

entichen

Beitrag von smily2 30.03.06 - 18:05 Uhr

Üblicherweise ist für jede Maßnahme ein Bauhaftpflichtversicherung abgeschlossen. Ich denke auch mal, dass es der Versuch einer Einschüchterung ist. Dein Mann müsste schon grob fahrlässig gehandelt haben, wenn er persönlich haftbar gemacht werden soll. Sicher habt ihr aber sowieso einen Fachanwalt für die Verhandlung im April, der kann euch sicher in dieser Sache auch weiterhelfen.
LG

Beitrag von manavgat 30.03.06 - 20:47 Uhr

Dafür hast Du einen Anwalt, dass Du Dich nicht aufregst.

Lass die Anwälte sich gegenseitig anmachen und bleib cool. Das ist nur heiße Luft und gehört zum Spiel.

Gruß

Manavgat

Beitrag von jacqi 31.03.06 - 07:25 Uhr

Vorm Arbeitsgericht hat man bzw. braucht man in erster Instanz keinen Anwalt, wir hoffen ja ohne einen auszukommen. Naja falls er Klage erheben sollte müssen wir uns sowieso einen nehmen. Erstmal sehen was am 10.04. beim Arbeitsgericht rauskommt.

Danke für die Antworten, wir denken es nun auch das es ein Einschüchterungsversuch ist.

Jacqi

Beitrag von biancahgw 31.03.06 - 08:18 Uhr

Ihr solltet euch unbedingt einen Anwalt nehmen - die Gegenseite hat auch einen, und Ihr könntet euch auch "um Kopf und Kragen reden".


Vertraut nicht darauf, dass der Richter weiß, wie der Hase in dieser Sache läuft. Ein Anwalt kennt den Prozessablauf viel besser und hat der Gegenseite bessere Fakten entgegen zu setzen.

Gütetermin = Versuch der gütlichen Einigung! Da könntet Ihr auch den kürzeren ziehen, wenn Ihr euch "beschwatzen" lasst.

Will euch keine Angst vorm Gerichtstermin machen und euch auch nichts einreden, aber mit Anwalt seid Ihr da auf alle Fälle besser dran.

Liebe Grüße und viel Glück

Bianca

Beitrag von nobility 31.03.06 - 16:29 Uhr

Hallo Jacqi,

noch einmal, eine schriftliche Kündigung ist erst mit dem Tag des Zugangs wirksam. Diese wird in aller Regel per E/R oder per Boten als Nachweis für den Absender ( Arbeitgeber ) an den Arbeitnehmer zugesandt. Wird eine solche Kündigung mit normaler Post oder etwa durch einen Azubi in den Briefkasten gesteckt, fehlt dem Absender ( Arbeitgeber ) dieser Nachweis.

Eine Rückwirkende Kündigung egal ob Fristgerecht oder Fristlos ist unwirksam.

Eine Fristlose also außerordentliche Kündigung ist - wenn überhaupt - nur bei sehr schwerem Fehlverhalten ( z.B. schwere Beleidigung, tätliche Bedrohung, Tätlichkeit gegenüber dem Chef ( z.B. eine Ohrfeige), Vergewaltigung eines/r Mitarbeiters/in und ähnlich schwere Straftaten möglich.

Dem gegnerischen Anwalt geht es nicht allein nur um eine Art Einschüchterung oder Verunsicherung des Arbeitnehmers sondern vor allem um die Chancen Ausspähung des angekündigten Vorhabens der Aufrechnung von Gegenforderungen seitens des Arbeitgebers. Er möchte im Vorfeld schon mal wissen, wie stellt sich der Arbeitnehmer zu diesem Vorhaben.

Ob überhaupt aus einem vergangenen Anstellungsverhältnis heraus Schadensersatzansprüche durch den Arbeitgeber erhoben werden können hängt nicht zuletzt auch vom Inhalt des Anstellungsvertrages ab. In der Regel geht aus einem Anstellungsvertrag u.a. der Tätigkeits- und Verantwortungsbereich ( Kompetenzbereich ) hervor. In ihm ist im einzelnen genau zu beschrieben, für welche Art von Tätigkeiten der Angestellte gegenüber seinem unmittelbaren Vorgesetzten verantwortlich ist. Darüber hinaus gibt es noch Tätigkeiten aus Anweisungen von unmittelbaren Vorgesetzten ( z.B. Chef, Inhaber etc.). Der Arbeitgeber ist letztendlich für die Befolgung von Anweisungen und Einhaltung von Tätigkeiten des Arbeitnehmers verantwortlich.

Der Arbeitgeber hat die Pflicht, den Angestellten (Arbeitnehmer) umfassend gemäß seinem Aufgabenbereich einzuweisen. Stellt der Arbeitgeber ein Fehlverhalten in der Person des Arbeitnehmers oder an seinen ihm übertragenen Arbeitsleistungen fest, so hat der Arbeitgeber das Recht und die Pflicht den Arbeitnehmer darauf hinzuweisen. Des weiteren kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer diesbezüglich abmahnen. Der Arbeitgeber hat die Pflicht diese Abmahnung im Einzelnen genau zu belegen ( durch Tag, Uhrzeit, Ort, Zeugen, Vorfall ) und einlaßfähig zu begründen. Sinn einer solchen Abmahnung ist, dem Arbeitnehmer sein Fehlverhalten bewusst zu machen und vor Augen zu führen so dass der Arbeitnehmer sein Fehlverhalten entsprechend ändern kann. Eine Abmahnung ohne eine solche Begründung ist unzulässig und nichtig. Der Arbeitnehmer hat das Recht von der Möglichkeit eines Widerspruches gegen eine evtl unberechtigte Abmahnung Gebrauch zu machen. Einer Kündigung geht in aller Regel eine Abmahnung voraus.

Der Arbeitgeber müsste in einem streitigen Verfahren hinreichend darlegen und beweisen aus welchem Fehlverhalten des Arbeitnehmers heraus ihm ein Schaden entstanden ist und diesen der Höhe nach im einzelnen explizit belegen. Pauschal erhobene Schadensersatzansprüche sind nichtig.

Insoweit ist dem Anschreiben des Gegnerischen Anwaltes Gesamtinhaltlich schon jetzt zu widersprechen. Dieser Satz dürfte vollauf genügen.

mfg
Nobility

Beitrag von jacqi 31.03.06 - 19:22 Uhr

Ich danke Dir für die Antwort vielmals.
Du scheinst da viel Ahnung zu haben und hast uns auf jedem Fall weitergeholfen.

Lieben Dank nochmal #klee

Jacqi und Thomas