Trotzphase???? Was machen?

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um euer Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von diana1608 30.03.06 - 13:22 Uhr

Hallo, unsere kleine Tochter ist knapp 2 Jahre alt. Momentan ist sie in der Trotzphase. Wenn sie was nicht bekommt, schreit sie wie verrückt rum, schmeißt ihre Spielsachen oder alles andere, was ihr in die Quere kommt durch die Wohnung. Essen mag sie momentan gar nicht. Sie isst ein paar Löffel, dann leert sie ihren Teller um und manscht mit dem Essen rum. Beim Trinken ist es genauso. Wir wissen echt nicht, was wir noch machen sollen. Ich schimpfe mit ihr, wenn sie das macht, sie lacht mich aus. Sonst ist sie wirklich total lieb und hilfsbereit, aber momentan ist sie manchmal echt unausstehlich. Was gibt ihr mir für einen Rat? Wenn ich sie links liegen lasse, dann wird sie noch zorniger.

Beitrag von ayshe 30.03.06 - 13:32 Uhr

hallo,

links liegen lassen, finde ich auch nicht so richtig, funktiniert ja auch wohl nicht.

ich bleibe bei meiner tochter einfach dabei, erkläre kurz, warum etwas nicht geht/sie nicht haben darf, biete etwas anderes an, sage, daß ich sie verstehe, verstehe, daß sie sauer ist,
und signalisiere ihr aber immer, daß ich für sie da bin, sie sofort kommen kann.

was das mantschen angeht:
meine tochter durfte immer recht viel mantschen.
jetzt hat sie das interesse daran verloren.


jedenfalls ist es auch für die kleinen eine schwere zeit.
sie lernen, daßsie selbst ein eigenständiger mensch sind, wollen auch so behandelt werden, wollen selbst entscheiden usw.


also ich versuche, solche anfälle zu meiden, wenn es geht.
ich biete ihr möglichst gleich eine entscheidungsmöglichkeit an, dann freut sie sich, daß sie etwas entscheiden durfte, z.b.: sie will aus der kita spielzeug mitnehmen (möchte ich aber nicht), also darf sie entscheiden, ob sie es beim gehen auf die bank legt, in ihr fach oder den raum,
naja usw.

lg
ayshe

Beitrag von hen71 30.03.06 - 14:26 Uhr

Hallo,

ich würde es so machen, dass Du "trotziges" Verhalten soweit und sogut wie möglich ignorierst (klar, wird sie erstmal noch zorniger, weil Du ihr ja Aufmerksamkeit entziehst, die sie ja gerade mit ihrem Verhalten erhalten möchte, aber Du wirst sehen, sie wird irgendwann "leerlaufen", weil das Echo ausbleibt) und rasch zu etwas anderem übergehst: also: ablenken.
Das kann ruhig auch etwas Absurdes sein:"Guck mal, da fliegt ein Elefant." Oder, falls Dir das zu blöd erscheint:"Guck mal, da ist ein Auto/Flugzeug/Vogel" etc.- irgendetwas, das sie halt aus ihrer "Stimmung" rauskatapultiert. Ablenken, möglichst wenig Zeit und Energie auf das trotzige Verhalten lenken lassen, dem gar keinen so großen Stellenwert einräumen (weder bei Dir noch bei ihr; sagt sich leicht, ich weiß#augen). Möglichst nicht laut werden- ich weiß, das ist nicht leicht.

Hingegen würde ich sie total loben, wenn sie sich nicht trotzig oder sehr kooperativ verhält. Jedes 'positive', konstruktive Verhalten würde ich
sozusagen würdigen- gerade wenn es im Kontrast zu vorherigem destruktivem steht. Das verdient einen großen Stellenwert und große Beachtung Deinerseits. Ihr immer wieder viel Aufmerksamkeit geben für das, was gutklappt- so soll sie Deine Aufmerksamkeit kriegen und zwar viel mehr davon als durch die Trotzanfälle.

Notfall -bei einem regelrechten "Wutanfall"- übrigens auch mal das Ignorieren steigern, indem Du sie in ihr Zimmer schickst- und ihr deutlich sagst, wenn sie sich beruhigt hat, kommst Du wieder (allerdings würde ich sie nicht länger als sie "alt" ist, also nicht mehr als zwei Minuten, allein lassen). Wenn ihr Zimmer ein zu abwechslungsreicher Ort ist, würde ich sie dann auf eine Art "Time-Out"/Auszeit-Stuhl setzen- einen möglichst langweiligen Ort, an dem sie wieder "abkühlen" kann- das aber nur im absoluten Notfall, wenn sie völlig destruktiv war (trotz Deiner Ermahnung, z.B.).
Diese kurze Distanz ist auch gut für Euch beide- damit Ihr Euch nicht zusehr hochschaukelt.

Beim Essen ist das natürlich so eine Sache mit dem Ignorieren. Kannst Du es trotzdem probieren? Und einfach Deinen Teller leeressen und sie vorsichhinwurschteln lassen (aber natürlich alle "Wurfwerkzeuge" entfernen)? Unbedingt dafür loben, wenn sie einmal ganz normal und gut isst- Du sagts ja selbst, dass es nur "Phasen" sind und sie die meiste Zeit über hilfsbereit und nett ist.

Beim Herumschmeißen generell: Ihr auch deutlich sagen, dass das nicht geht, man Dinge so nicht behandelt usw.- und sie ihr auch ruhig aus der Hand nehmen, ehe es zum Schmeißen kommt.

Aber auf alle Fälle sie lieber ignorieren, als sie zulange ausschimpfen (siehe Aufmerksamkeit!). Auch ignorieren, dass sie Dich auslacht und einfach "mit der Tagesordnung" weitermachen.

Ich weiß, dass das alles nicht einfach ist- unser Ältester hatte von ca. 1 1/2 bis vor ein paar Monaten (im Mai wird er 3) immer mal wieder seine Trotzphasen.
Je ruhiger ich dabeiblieb, desto erfolgreicher "schnappte" er auch wieder"aus"- und für destruktives Verhalten ignorieren und für gutes Verhalten loben hat wirklich geholfen!
Bei unserm Kleinen (15 Monate alt) begann sich auch neulich ein "Trotzstreifen am Horizont" abzuzeichnen: er bekam seinen Willen nicht (und das verstehen sie ja überhaupt nicht, dass sie nicht immer alles und das sofort kriegen können) und schrie daraufhin wie ein Verrückter- pausierte-guckte mich an- schaute genau, wie ich reagierte- und schrie wieder wie ein Berserker- ich begann darauf zu singen, aus dem Fenster zu schauen, holte ein Liederbuch raus, kurz ich habe ihm überhaupt keine Aufmerksamkeit für das Gekreische gegeben- und siehe da, er hörte auf zu schreien und blätterte mit mir durch das Liederbuch, während ich sang- er war abgelenkt.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein bisschen helfen- wie gesagt, es sind alles nur Tipps, die ich selbst umgesetzt habe, nachdem ich sie in einem wirklich witzigen, praxisnahen, realitischen Erziehungsratgeber gefunden hatte von

Dr Christopher Green: Unser Kleinkind. Mit Liebe, Konsequenz und Verständnis durch die Jahre 1-4. (Goldmann Taschenbuch)

Ist hier im englischsprachigen Raum ein Bestseller seit Jahren-
und wie gesagt, hat mich durch die "trotzigsten" Zeiten begleitet.

Liebe Grüße,
Caroline

Beitrag von rastagirl04 30.03.06 - 15:05 Uhr

Hallo!

Tja, das mit den Trotzphasen ist echt nervig, meine Tochter (gerade 2) ist auch voll drin und leider habe ich für mich auch noch kein Patentrezept entdeckt. Manchmal hilft ablenken, manchmal hilft ignorieren...ist je nach Situation total unterschiedlich. Um mich selbst bei ihren Anfällen nicht als totale Rabenmutter zu fühlen, hilft mir immer zu überlegen "Du hast absolut richtig gehandelt, sie muss Grenzen erfahren, bleib stark und vor allem ruhig, das ist bald vorbei!" Wenn ich merke, ich werde wütend, gehe ich kurz raus und versuche daran zu denken, wie sehr ich sie liebe und dass sie doch mein kleines Mädchen ist.... klingt sehr theoretisch aber es funktioniert bei mir tatsächlich und ist bestimmt besser als rumschreien!
Zum Essen: das Buch "Jedes Kind kann richtig essen" hat bei uns wieder Ruhe an den Tisch gebracht. Matschen ist nicht erlaubt, dann ist das Essen beendet und es gibt erst bei der nächsten Mahlzeit wieder etwas (klingt jetzt härter, als es ist: meistens matschen Kinder eh erst dann, wenn sie keinen Hunger mehr haben).
Ich entscheide was wann auf den Tisch kommt und Alia darf entscheiden, ob und wieviel sie davon essen möchte. Das funktioniert super! So gelassen kann ich das aber auch erst sehen, seitdem mich das Buch davon überzeugt hat, dass Kinder nicht sofort verhungert sind und tot umfallen, wenn sie mal einen Tag lang nichts essen!

Viel #klee!!