Nackenfaltenmessung

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von red_heat_cat 01.09.06 - 12:10 Uhr

Hallo,
meine Ärztin hat mir die Nackenfaltemessung als Früherkennungsdiagnostik vorgeschlagen? Hat es jemand von euch gemacht? Ist es sinnvoll? Zu welchen Fehlbildungen gibt es dort Aussagen? Ich weiß schon, dass es nur eine statistische Aussage gibt, wie 1 : 4000. Ich würde gern ein paar Erfahrungberichte von anderen hören. Ich bin mir noch unsicher, ob ich es machen soll.
Welchen Zweck erfühllt Feindiagnostik (3D US) in der 20. SSW?

Danke

Amalia (8+6)

Beitrag von chrissim 01.09.06 - 12:15 Uhr

hallo

also ich hatte auch diese untersuchung. da wird berechnet wie groß das risiko einer fehlbildung ist. schon vorher ist das risiko bei einigen aber höher als bei anderen. z.b. durch erbliche krankheiten oder durchs alter. aber normalerweise wirst du da nochmal gesondert drauf hingewiesen. bei mir war zwar kein besonderes risiko vorhanden da ich noch recht jung bin aber ich habs trotzdem machen lassen. nachteil ist man muss es selbst bezahlen kostet ca 160 euro.
vorteil....du kannst ganz toll dein baby angucken. :-) :-D
in der 20. woche wird dann gecheckt ob das wurmi schon zeitgerecht entwickelt ist und mit den organen alles stimmt.

viele grüße

Beitrag von red_heat_cat 01.09.06 - 12:32 Uhr

Danke für die Antwort. Ich bin auch erst 23, aber es evtl angebracht, da ich im Labor tätig bin und heufig mit mutagenen Substanzen gearbeitet habe.

Beitrag von schmacko76 01.09.06 - 12:16 Uhr

hi
Ich hab bei mir letztes Jahr die Nackenfaltenmessung machen lassen. Damit kann man mit hoher Genauigkeit das individuelle Risiko für eine Erkrankung mit dem Down Syndorm ausschliessen. Wollten einfach wissen ob das risiko besteht ( 100% weisst du erst wen das Kind auf der Welt ist) .Feindiagnostik habe ich nicht gemacht.
gruß schamcko und #baby Tiara 15.09.2005

Beitrag von red_heat_cat 01.09.06 - 12:33 Uhr

Vielen Dank für deine Antwort.

Beitrag von s_a_m 01.09.06 - 12:19 Uhr

Eine Prognose vorweg: Von den werdenden Mamis, die unauffällige Werte bescheinigt bekommen haben, wirst du eher positives hören (Beruhigung, schöne Bilder, die das gezahlte Geld locker wert sind usw.) und von denen, die durch auffällige Werte in die weitere Diagnostikspirale gerutscht sind und mitgekriegt haben, wo die Grenzen des NT-Screenings sind, wirst du eher ablehnendes hören (starke Verunsicherung, viel Geld gezahlt und dafür keine klare Aussage bekommen, nun weiterführende Untersuchungen nötig, um nicht die Krise zu kriegen usw.).

Zur Feindiagnostik, die einen hohen diagnostischen Wert bezüglich körperlicher Besonderheiten beim Kind hat (z.B. Spina bifida aperta, Anencephalie, Dysmelie, Bauchwandspalten, Lippen-Kiefer-Spalten usw.), wirst du sicher viel positives hören.

Ich persönlich habe den Eindruck, es kommt hier sehr darauf an, was sich die einzelne vom NT-Screening verspricht. Es ist KEINE diagnostische Untersuchung, sondern nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Man muss also mit dem Ergebnis gucken, ob einem das genügt oder ob man größtmögliche Sicherheit will. Dann müsste man weiterführende Untersuchungen (z.B. Amniozentese) in Anspruch nehmen, die teils nicht risikolos sind.

Ich persönlich bin nicht so ein großer Freund der Nackentransparenzmessung bzw. des First-Trimester-Screenings (Bluttest + Nackentransparenzmessung).

Diese Untersuchung(en) werden sehr häufig deshalb gemacht, weil man sich davon eine gewisse Sicherheit verspricht. Im Grund möchte man danach hören: "Alles ok mit Ihrem Kind." Das ist so aber nicht möglich. Man bekommt nur zu hören, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Dinge vermutlich ok sind beim Kind. Keine Diagnose, kein Ausschluss einer Diagnose, keine Garantie für irgendetwas.

Viel zu oft für meinen Geschmack gehen Schwangere die Nackentransparenzmessung bzw. das First-Trimester-Screening mit dem Gedanken an, dass ja "nur mal schnell geguckt wird, dass es dem Baby auch gut geht" und man ja außerdem so schönes Baby-TV geboten bekommt.

Und viele stehen dann plötzlich tief verunsichert da durch vermeintlich schlechte Ergebnisse, lassen nach bangen Tagen oder sogar Wochen des Wartens weitere Untersuchungen machen (auch oft mit viel Angst) und nach weiteren stressreichen Wochen, in denen sich manche werdende Mami die Freude an der Schwangerschaft und die Vorfreude auf das Baby ziemlich verleidet durch die Angst, stellt sich die ganze Aufregung in vielen Fällen als falscher Alarm heraus. Viele schwören sich dann, diese Untersuchung in einer Folgeschwangerschaft nicht nochmal machen zu lassen, denn sie haben letztlich nur viel Geld für Sorge, Verunsicherung und Stress bezahlt ;-)

Es gibt auch die Fälle, in denen die Werte auffällig sind, aus diesem Grund weitere Untersuchungen in Anspruch genommen werden und sich dadurch nach einigen Tagen oder auch erst Wochen herausstellt, dass das Kind eine körperliche Fehlbildung (z.B. einen Herzfehler) oder eine chromosomal bedingte Behinderung hat (z.B. eine Form der Trisomie). Diese Diagnosen sind jedoch erst durch Folgeuntersuchungen und nicht (!) durch die Nackentransparenzmessung bzw. das First-Trimester-Screening möglich. Deren Werte können lediglich Anlass für die Entscheidung der werdenden Mutter zu weiteren Untersuchungen mit hoher diagnostischer Sicherheit sein, diese Verfahren jedoch nicht ersetzen.

Dann gibt es diejenigen werdenden Mütter, die gute, unauffällige Werte bei Nackentransparenzmessung und First-Trimester-Screening bescheinigt bekommen, durch die Ergebnisse beruhigt sind, keine diagnostischen Untersuchungen machen lassen und ein Regelkind bekommen.

Bei anderen kommen ähnlich tolle Ergebnisse dabei heraus, die Beruhigung verschaffen und die Entscheidung gegen diagnostische Untersuchungen bestärken, aber ihr Kind ist kein Regelkind. Zwei Beispiele sind Eric und Louis:

Die Nackentransparenz von Eric, dem Sohn einer Freundin, war vorbildlich im Normbereich, ebenso wie die Blutwerte seiner Mama. Im August 2004 kam der kleine Fratz #liebe mit Freier Trisomie 21, einer der vier Formen von Down-Syndrom, zur Welt ( http://www.ericmagnus.de / bis zum 17.08.06 schon mehr als 13.600 Mal besucht #blume). Ähnlich lief es bei Louis #sonne , der im März 2006 geboren wurde und im First-Trimester-Screening ebenfalls unauffällige Werte hatte (http://www.louisgrossewelt.de). Soviel zur Zuverlässigkeit dieser Untersuchung(en)... Sicherheit und Aussagekraft ist einfach was anderes, denn Eric und Louis sind nicht die großen Ausnahmen.
Wer größtmögliche Sicherheit über bestimmte körperliche Besonderheiten möchte, sollte sich meiner Meinung nach besser für den Feinultraschall entscheiden, wer größtmögliche Sicherheit bezüglich bestimmter Chromosomenbesonderheiten will, muss sich wohl oder übel in den Bauch pieksen lassen und die damit verbundenen Risiken (u.a. eventuell das einer Fehlgeburt) in Kauf nehmen. Auch weil es ohne eine anständige Diagnose, deren individuelle Tragweite es dann abzuwägen gilt, nicht erlaubt ist, eine Schwangerschaft abzubrechen (http://www.regenbogenzeiten.de/abbruch.html). Diese Entscheidung könnte dann auf einen zukommen, wenn man diagnostische Untersuchungen in Anspruch nimmt. Ob man sich zutraut, es psychisch unbeschadet zu überstehen, sich gegebenenfalls für den Tod des eigenen Kindes zu entscheiden, sollte man bei seinen Überlegungen zur Untersuchungswahl nicht außeracht lassen. Wenn ich mal den kleinen Louis (s.o.) zitieren darf ;-) : „Mami meint, dass ich in der Schwangerschaft alles gut versteckt habe, um sicher zu gehen, dass ich ja bleiben darf und zu den beiden gehören wollte (man weiß ja nie, was sonst geschehen wäre). Entscheidungen kann man erst dann aufrichtig treffen, wenn man in der Situation ist. Mami sagt, sie ist unendlich dankbar, dass sie in der Schwangerschaft nicht vor die Entscheidung gestellt wurde, ob sie mich haben will, oder nicht. Die Chancen hätten wohl schlecht gestanden, denn 9 von 10 Kindern werden wohl getötet, wenn das Down-Syndrom in der SS erkannt wird.“

Ein Schwangerschaftsabbruch ist erst nach einer richtigen Diagnose erlaubt und eine solche bekommt man weder bei der Blutuntersuchung noch bei der Nackentransparenzmessung und auch nicht bei der Kombination aus beidem (= First-Trimester-Screening), sondern insbesondere was Chromosomenbesonderheiten angeht eben nur eine statistische Wahrscheinlichkeitsangabe. Sonst nichts, denn Chromosomen sind nunmal schlicht und einfach nicht im Ultraschall zu sehen und im Blut der Mutter sind sie (noch) nicht nachweisbar bzw. untersuchbar.

Alles, was bei der Nackentransparenzmessung bzw. beim First-Trimester-Screening herausgefunden wird, müsste im Grunde durch weitere Untersuchungen auf seine Richtigkeit hin überprüft werden. Und – wie die Beispiele von Eric und Louis zeigen – eben eigentlich auch, wenn die Werte unauffällig sind. Denn es sind halt nur Wahrscheinlichkeiten und keine Diagnosen oder Ausschlüsse von möglichen Diagnosen ;-)

Mehr dazu kann man z.B. hier nachlesen: http://www.regenbogenzeiten.de/nt.html

Meinungen / Erfahrungen von werdenden Müttern:

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&tid=538703

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=354982

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=310137

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=361028

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=355941

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=312786

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=331476

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=2&id=393019


Auf meiner Website (erreichbar über meine Visitenkarte / Klick auf den Nicknamen s_a_m) habe ich u.a. ausführliche Texte zum Thema Pränataldiagnostik zusammengestellt. Eingegangen wird unter anderem auf einige der gängigsten derzeit möglichen Untersuchungen (Was wird gemacht? Was sind die Vorteile, wo liegen Risiken? Welche Konsequenzen könnten sich durch das Ergebnis ergeben?), die Untersuchungszeitpunkte sowie auf die Erkennbarkeit verschiedener Formen von Behinderung und Fehlbildungen. Die Texte sind auch für medizinische Laien gut verständlich; schwierige Begriffe werden z.B. erläutert. Die Texte geben nicht meine persönliche Meinung wieder, sondern es sind Sachinfos, die allgemeine Informationen bieten, nach denen man selbst entscheiden kann, was für einen persönlich sinnvoll und langfristig tragfähig erscheint.

Liebe Grüße
Sabine (Mail- & Homepage-Kontakt über die Visitenkarte)

Beitrag von red_heat_cat 01.09.06 - 12:48 Uhr

Vielen Dank für deine umfangreiche Info. Ich finde es gut, dass du es aus allen Perspektiven her erläutert hast und bin natürlich auch für die Links dankbar. Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen.

Amalia