mal mut machen

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von jamey 01.09.06 - 13:20 Uhr

will mal allen traurigen mut machen. ganz egal was passiert, wenn man es richtig angeht, ist alles zu überstehen und zwar so, dass man wirklich weiter LEBT und nicht nur leidet.

am 13 juni ist der vater meines damals 3 monate alten kindes nach einem streit (mit mir) verschwunden. wir hatten ein sehr enges verhältnis und wenn wir auch keine beziehung mehr hatten, trotzdem, wir mohten uns sehr und irgendwie war es auch ne form der liebe. ich habe ihn überall gesucht, keiner wusste, wo er war, absolut keiner. am 13 juli, also genau 1 monat später, wurde er gefunden, er hatte sich noch am tag unseres streites das leben genommen - erhängt.(das hatte viele ursachen-der streit war nicht der grund)für mich brach die welt zusammen.wie man sich da fühlt- dafür gibt es keine worte, nicht mal annähernd.einige werden in etwa wissen wovon ich spreche. die ersten tage ging nix, ich konnte kaum atmen und nur das gröbste mit dem kleinen machen, also füttern und wickeln, mehr ging nicht.ich war wie gelähmt.

also, bin ich zu einer psychologin, denn mit dem zwerg musste ich ja nun halbwegs normal funktionieren...
haltet es für affig oder niht, aber das war die beste entscheidung meines lebens!!!!!!! die gespräche, erklärungen, etc. alles mit einer unabhängigen person, haben mich aus dem tal geholt. wir fanden mittel und wege der trauerbewältigung (mein kleiner und ich, wir begrüßen den papa jeden morgen, erzählen ihm unsere träume, binden ihn einfach ein, so komisch das klingen mag. wir malen bilder mit fingerfarbe und schreiben briefe, bringen alles ans grab, er ist immer und überall präsent)

ich will nur allen mut machen, man muss sich aktiv mit dem leid auseinandersetzen, der gang zum psychologen ist keine schande, im gegenteil.ich vermisse ihn ganz arg, aber ich habe gelernt, ihm einen frieden, den er so wollte, zu gönnen, auch wenn er uns allein ließ. lasst die köpfe nicht hängen, so schlimm wie alles ist, eure lieben sind immer irgendwie da, lasst sie teil haben an eurem leben, aber vergesst nicht, ein leben, euer leben zu leben!!!

Beitrag von felizitaz 01.09.06 - 18:54 Uhr

ich danke dir für diese aufmunternde worte. ich habe selber schon öfter darüber nachgedacht einen psychologen aufzusuchen und doch den mut dazu nicht gefunden, da es mir albern erscheint....weil es doch nichts ändert und ich ja weiß warum ich mich nicht gut fühle. aber nach deinem bericht denke ich, es würde vielleicht doch helfen.
gruß feli

Beitrag von mellika 02.09.06 - 10:49 Uhr

Hallo,

sich Hilfe bei einem Psychologen zu holen, ist manchmal ein sehr guter Schritt. Und überhaupt nicht affig.

Leider haben wir beide fast die gleiche Geschichte erlebt. Bloß, dass bei mir mein kleiner Bruder am 20.12.2003 spurlos nach einer Weihnachtsfeier verschwand.

6 Wochen war er wie vom Erdboden verschluckt und dann hat man ihn tot aus der Weser gefischt.

Irgendwie war das erlösend, da wir nun endlich wussten was mit Sveni passiert war. Aber es war auch so endgültig.

Als ich von Svenis Tod erfahren habe, bin ich schreiend zusammengebrochen. Meine Stiefmutter hat immer nur "Luft holen, Luft holen" zu mir gesagt.

Von diesem Zeitpunkt an, blieb die Welt für mich stehen. Ich hab nur noch funktioniert.

Alle haben immer gedacht, dass ich mich vor den Zug werfe. Denn Sveni war nicht nur mein Bruder, sondern auch mein bester Freund.
Ich weiss nicht, was gewesen wäre, wenn ich meinen Mann nicht gehabt hätte.

Bin dann auch zu einer Psychologin. Die konnte mir helfen. Alleine hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft. Zumindest nicht so schnell.

Heute glaube ich, dass Sveni den Job als Schutzengel für meinen Mann, unsere Tochter und mich übernommen hat.
Und das das Leben Schicksal ist und alles vorbestimmt ist.

Ich kann nun mein Leben leben, ohne das mich die Trauer auffrisst.
Ich kann das Bild von ihm angucken, ohne das ich in Tränen ausbreche.
Und ich kann meiner Tochter von ihrem verstorbenen Onkel erzählen (auch, wenn sie das mit 8 Monaten noch überhaupt nicht versteht), wie sehr er sich doch über sie gefreut hätte.

Der Verlust eines geliebten Menschen ist hart, ganz hart.
Aber nach Regen folgt auch wieder Sonnenschein.
Irgendwann.

Sveni, ich vermisse dich so.
Deine einzige Lieblingsschwester Melli