Sportbefreiung wg. zwei Handicaps

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von martha13 01.09.06 - 22:37 Uhr

Hallo,

also wir würden gerne mal Rat bekommen.

Unsere Tochter wurde mit einem hypoplastischen Daumen geboren. Also einem unterentwickelten Daumen. Diese wurde abgenommen und ihr eigentlicher Zeigefinger in Daumenposition gesetzt. Sie hat also einen "Ersatz-Daumen" und keinen Zeigefinger. Weiterhin wurde später festgestellt, dass sie nur eine Niere hat.

Wo kann man erfahren, bei welchen Sportarten, insbesondere wegen des Sportunterrichts, sie Probleme bekommt? Sie ist jetzt im August eingeschult worden.

Einerseits hat sie natürlich in der entsprechenden Hand nicht so viel Kraft (da sind ja nun vier Finger, wir haben ja nicht umsonst fünf davon). Wenn ich da an Stangenklettern aus meiner Schulzeit denke. Und wegen der Niere hat man uns bei irgendeiner Untersuchung gesagt, es sei besser, keine Ballsportarten wegen der Verletzungsgefahr (z. B. Handball), zu betreiben.

So richtig wissen wir nicht, wer uns da weiterhelfen könnte. Wir wollen die Sache auch nicht dramatisieren, aber etwas ist sie doch benachteiligt bzw. sollte Risiken meiden.

Danke im Voraus für Eure Antworten.

martha 13

Beitrag von flornett 03.09.06 - 13:30 Uhr

HAllo Martha!!

Mein Sohn wurde auch mit einer Nierenagenesie geboren. Und ich muss sagen ihm geht es bestens. Er darf auch im Sportuntericht an allem teilnehmen, auch Schwimmen und so weiter. Das einzigste auf was ich achten muss ist, das er genügend trinkt. Denn auch mit nur einer Niere kann er leben, denn diese ist gross genug und arbeitet für 2.

Wegen Ihren Händen kann ich dir leider nichts sagen. Da solltest du zu deiner Kinderärztin gehen und mit ihr über eine Sportbefreiung sprechen. Denn nur Ärzte dürfen diese ausstellen.

Beitrag von marion2 03.09.06 - 15:02 Uhr

Hallo,

wegen der Verletzungsgefahr sollte man grundsätzlich keinen Sport treiben.;-)

Mein Sohn hat einen winzigen, unbedeutenden Herzfehler. Das einzige was ihm hilft ist Bewegung. Das stärkt Körper und Geist.
#freu

Sprich doch mal mit der Sportlehrerin über deine Ängste, vielleicht findet ihr ja gemeinsam eine Lösung. Die Sportlehrerin könnte beobachten, wo deine Tochter tatsächlich Probleme hat und eine Empfehlung aussprechen, bei welchen Sportarten deine Tochter dann besser nicht mitmacht (falls das wirklich nötig ist).

Vielleicht reicht ja fürs erste auch eine Zensurenbefreiung.

LG Marion

Beitrag von kleinkili 03.09.06 - 21:23 Uhr

Hallo Martha,

meine Schwester hat auch nur eine Niere und konnte trotzdem den Schulsport mitmachen, und ein ehemaliger Klassenkamerad in der Grundschule hatte sogar, gleich zwei Finger zu wenig auch Er nahm am Sportuntericht teil nur seile hochklettern machte Ihm Probleme.

Was meint den die Kleine dazu, ich denke Sie könnte mit einer Sportbefreiung zum Aussenseiter werden.........

Beitrag von eva.hamburg 07.09.06 - 01:08 Uhr

Hallo Martha,

habe eine Tochter (15) im Rollstuhl. Ich kann Dir nur den Tipp geben, die Behinderung nicht mehr Raum in Deinem und ihrem Leben einnehmen zu lassen als unbedingt nötig. Ich würde den Arzt fragen, was sie machen darf, wenn Einschränkungen da sind, soll er die gleich attestieren für den Sportlehrer, und dann gehts auf zum Sport! Meine Tochter sagt heute, mit 15: "Ich habe zwei Handicaps. Meine Behinderung und deren Verwaltung. Manchmal weiß ich nicht, welches schlimmer ist."

Wenn es nicht unbedingt anders erforderlich ist, sollte Deine Tochter genauso leben wie ein Kind ohne diese Behinderung.

Noch heute mache ich mir 1000 Gedanken darum, ob sie zurecht kommt. Es ist sehr schwer, sie entsprechend loszulassen. Sie macht neben dem Schulsport noch Rollstuhlsport im Verein, Basketball, da rasseln zwei Leute zusammen und hebeln sich dabei gegenseitig aus den Sportstühlen, klatschen mit dem Gesicht voran auf die Erde, die Stühle überschlagen sich hinter und auf ihnen mehrere Male und von der Trainerin, selbst Rollifahrerin, kommt nur ein: "Na, so ganz klappt das mit dem Laufen anscheinend noch nicht."

Ich hab einen Blutdruck, der jedes Messgerät platzen lassen würde, will meiner Tochter helfen, den Rollstuhl wieder aufzurichten, sie wieder reinsetzen, da werd ich zusammengestaucht: "Stehen Sie auch dabei, wenn sich Ihre Tochter auf dem Weg zur Schule auf die Fresse packt?" *Schluck*

Am Anfang hab ich gedacht: Sind wir hier beim Militär? Aber sie hat recht, wenn sie zu mir sagt, dass ich mir nicht den Kopf meiner Tochter zerbrechen darf. Sie ist diejenige, die ihr Leben in den Griff bekommen muss, die Behinderung hat und mit ihr leben muss. Die Trainerin sagt: "Liebe, Halt, Nähe, Wärme, Zuneigung, das alles dürfen und müssen Sie mit ihr teilen. Aber ihre Behinderung gehört ihr ganz alleine."

Es ist schon klar, dass eine Erstklässlerin nicht so selbständig ist wie ein Fünfzehnjährige. Ich habe Dir diesen Text geschrieben, um Deine Gedanken in die eine oder andere Richtung zu bewegen; mögen sie an der richtigen Stelle stehen bleiben. Beziehe Deine Tochter dort mit ein, dramatisiere das ganze nicht, aber pass auf sie auf. Und vor allem: Gib der Behinderung nicht mehr Platz in Eurem Leben als unbedingt nötig.

Alles Gute
Eva