Legastenie. Wann ist es frühestens feststellbar?

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Beitrag von tanja0475 02.09.06 - 00:21 Uhr

Hallo!
Mein Sohn ist 6 und kommt nächstes Jahr mit 7 in die Schule.
Da er grob-und feinmotorische Schwierigkeiten hat und auch sonst Auffälligkeiten zeigt, mache ich mir eben sehr viele Gedanken um ihn. Mir ist schon klar, das das eine nicht mit dem anderen zu tun haben muß. Aber kann man evtl. schon vor der Schule herausfinden, ob eine Lese-Rechtschreibschwäche besteht?

Ist Legastenie vererbar? Mein Mann liest und schreibt katastrophal!
Könnte er nicht auch Legastenie haben?
Da er aus der ehm. DDR kommt, hat man sich nie darum gekümmert.
Allerdings kann es auch darin liegen, das er als Linkshänder auf Rechts "umgepolt" wurde.

Was meint ihr dazu? Ist meine Sorge unbegründet?

Danke sagt
Tanja

Beitrag von f.j.neffe 02.09.06 - 00:52 Uhr

Liebe Tanja, seit dem Kultusministerkonferenzbeschluss vom April 1978 wird bei uns "Legasthenie" gefördert. Das Ergebnis: Heute schreiben die Schüler doppelt soviel Rechtschreibfehler wie damals. Insofern tät ich mir - ich bin Volks- und Sonderschullehrer - eher Sorgen machen, dass mein Kind zu früh mit dieser Pädagogik + Wissenschaft in Berührung kommt als zu spät. Auch die Wissenschaft muss sich fortlaufend selbst korrigieren (nicht nur) in diesem Bereich. Wir können zwar heute eine Menge messen z.B. am Gehirn, aber jeder interpretiert sich die Ergebnisse als Beweis für seine These. Und das läuft in sehr vielen Fällen darauf hinaus - ich sag´s einmal mit den Worten der Lehrerin Hiltraud Prem, die das Problem in der Praxis ausgezeichnet gelöst hat - dass LegastheNIE gar kein LERNproblem ist sondern ein Lehrproblem. Man kann es gut daran beobachten, dass Schüler z.B. in Rechtschreiben total absacken, wenn sie mit dem neuen Lehrer nicht klar kommen. Das zeigt, dass Fähigkeiten blockiert werden können mit weitreichenden psychosomatischen Auswirkungen usw. Es ist einfach lächerlich solche Probleme auf Vererbung schieben zu wollen, die sich so extrem z.B. durch Sympathie und Antipathie verändern können. In der Praxis der neuen Ich-kann-Schule mache ich immer binnen manchmal 1 - 2 Stunden die Erfahrung, dass das Kind Fähigkeiten entwickelt, die deutlich über den "diagnostizierten" Grenzen liegen.
Wenn Dein Kind motorische Probleme hat, würde ich erst einmal daran denken, dass die Körperfunktionen alle über Nervenleitungen gesteuert werden. Die Nerven treten paarweise an den Wirbeln aus. Weniger als 1/2 mm Wirbelverschiebung oder verdrehung kann den Informationsfluss schon erheblich beeinträchtigen. Ein einfacher Test wäre die Blickprüfung der Wirbelsäule auf Ungleichheit oder die Fühlprüfung, wobei man mit den Fingern beidseitig die Wirbelsäule abfährt und auf schmerzempfindliche Stellen achtet. Falls Reaktion ist, kann man zu einem Therapeuten mit sanften Methoden wie z.B. der DORN-Methode gehen - aber bitte vorher alles fragen, was man wissen will und darauf achten, dass man eine Erleichterung bekommt und nicht neue Belastung, sonst war der Therapeut nix.
Wenn Dein Mann als Erwachsener noch katastrophal schreibt, ist er zu bequem, sich sein Selbstbild genau anzuschauen - das ist das Problem. Sein Auto schaut er an, ob die Reifen noch genug Profil haben, und wechselt sie rechtzeitig. Und sein eigenes Profil - da schaut er immer weg. Das ist ein grob fahrlässiger Umgang mit sich selbst. Wenn er einmal eine Stunde genau hinschaut, würde er die grobe Struktur und die GRENZEN seines Problems erkennen und dann wüsste er4 schon, dass es bewältigbar ist. Wenn er noch ein paar Stunden konkret investiert, hätte er bei immer weniger Aufwand schon die Hälfte des Problems gelöst (die erste Hälfte geht immer schnell und leicht) und das würde ihm in allen anderen Lebensbereichen soviel Auftrieb geben, dass es ihm so gut gehen würde wie noch nie im Leben.
Darauf "verzichtet" er, weil er eine nette Frau hat, die ihm die Hälfte seiner Probleme abnimmt. Wenn sie ihn immer hoch hebt, braucht er nicht wachsen umd kann sich trotzdem groß vorkommen. Schade um die schönen Potentiale in ihm, die dabei ungenutzt vergammelt. Ich denke, das Anziehende an ihm waren/sind doch gerade die Talente in ihm (aus denen er noch nichts gemacht hat) - oder? Ich kann da natürlich vollkommen verkehrt liegen.
Statt bach Rechtschreib- und anderen SCHWÄCHEN Ausschau zu halten, tätest Du besser, mal die STÄRKEN nach vorne zu pfeifen bei Deinen Männern. Wünsche jedenfalls viel Vergnügen bei der Lösung der Probleme.
Franz Josef Neffe

Beitrag von traumwolke 02.09.06 - 10:03 Uhr

Hallo Tanja,

soweit ich weiß, ist Legasthenie vererbbar. Da mein Mann ebenfalls Legastheniker ist, hatte ich auch Sorge, dass meine Kinder die LRS von ihm geerbt haben könnten. Zumindest auf unseren großen Sohn hat sich die Legasthenie nicht vererbt #schwitz - bei unserem Kleinen wissen wir es noch nicht, denn er kommt ebenfalls erst im nächsten Jahr in die Schule.
In unserem Kindergarten macht man neuerdings mit den Kindern im letzten (halben?) Jahr vor der Schule spezielle Tests, um eine evtl. LRS bereits zu diesem Zeitpunkt feststellen zu können. Das ganze nennt sich "Bielefelder Sreening" und 2 unserer Erzieherinnen sind auf diesem Gebiet speziell geschult worden. Frag doch mal bei Euch im Kindergarten nach, ob sie diese Tests ebenfalls durchführen. Ansonsten kannst Du es auf jeden Fall auf eigene Faust in diesem Alter schon testen lassen und wenn sich bei Deinem Sohn herausstellen sollte, dass er Probleme auf diesem Gebiet hat, kann er jetzt schon entsprechend gefördert werden.

Liebe Grüße,
Alexandra

Beitrag von manavgat 02.09.06 - 10:15 Uhr

Viele die nicht Lesen und Schreiben können, haben es einfach nicht gelernt.

Feststellen lassen kannst Du das in einem sozialpädiatrischen Zentrum. Allerdings würde ich die erste Klasse abwarten.

Gruß

Manavgat

Beitrag von eli1966 02.09.06 - 13:28 Uhr

Hallo,
mein Mann ist "anerkannter" Legastheniker und auch unser 10 jähriger Sohn hat große Probleme im Lesen und in der Rechtschreibung. Nach Wiederholen der ersten Klasse, verbunden mit einem Wechsel zu einer Lehrkraft, die er sehr mochte, hat diese uns nun am Ende der 2. Klasse geraten, ihn auf LSR testen zu lassen. Er hatte vor den Ferien 3 Termine bei einem Kinder-und Jugendpsychiater, die Testergebnisse stehen allerdings noch aus.
Lese-Rechtschreibschwäche ist sehr wohl vererbbar, der Arzt fragte bei der Anamnese gleich, ob ein Elternteil daran litte.
Ich halte einen Test für sehr sinnvoll, weil man ja mittlerweile die LSR nicht einfach hinnehmen muss, sondern gezielt daran arbeiten kann. Aber man sieht sein Kind mit anderen Augen, weil man weiß, dass es viele Dinge einfach nicht besser kann, auch wenn es sich bemüht!
Aber zu deiner Frage: Ich würde ihn auch erst einmal die erste Klasse besuchen lassen, bevor ich ihn teste. Laut Lehrerin meines Sohnes ist es normal, dass einige Kinder auch am Ende der 2. Klasse noch nicht flüssig lesen und noch viele Rechtschreibfehler machen.

VG, Gabriele

Beitrag von tanja0475 02.09.06 - 18:02 Uhr

Danke. Das beruhigt mich sehr.

Gruß
Tanja

Beitrag von juliado 04.09.06 - 20:51 Uhr

Ich würde ein Memory erstellen mit ähnlichen Symbolen. Ein Gespenst das nach links guckt und eins das nach rechts guckt, und so weiter. Kann dein Sohn das nicht unterscheiden würde ich den Kinderarzt um Hilfe bitten. Ist zwar keine Garantie um Legastenie festzustellen aber so kannst du deinen Sohn spielerisch testen.