Depression und Partnerschaft

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Nada 04.09.06 - 08:25 Uhr

Hallo,

wollte mal nachfragen, ob jemand Erfahrung damit hat.
Ich habe angefangen mit Citalopram, und bin seit kurzem bei einer Psychologin.
Meine Partnerschaft, und letztendlich Ehe war schon immer gekennzeichnet mit Auf und Abs.
Ich konnte mit einigen Sachen nicht so ganz umgehen, was seine Vergangenheit betrafen.
Auf jeden Fall bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich ihn noch liebe.
Fühle mich sowieso durch die Krankheit gefühllos, leer und als ob ich neben mir stehen würde.
Durch meinen Libidoverlust (auch im Zusammenhang mit der Erkrankung) hatten wir auch schon ewig lange keinen Sex mehr.
Meine Psychologin meinte, ich würde vor meinen Gedanken und Gefühlen weglaufen.
Ich kenne meine Gefühle momentan aber nicht.
Wie finde ich heraus, ob ich ihn noch liebe?
Sorry, für das wirre Zeug.
Danke für Antworten.

Beitrag von habe das auch schon durch 04.09.06 - 08:53 Uhr

hallo,
ich glaube du musst dir erst mal zeit nehmen und lassen. bei mir hat die ganze krankheitsphase über ein jahr gedauert (ich bin glücklicherweise nicht dauerdepressiv).
du wirst bald merken, dass das medikament anfängt zu wirken, du morgens in der lage bist, wieder aufzustehen und wieder etwas in angriff nehmen zu können. natürlich wirst du immer wieder mal in ein loch fallen, aber die werden mit der zeit immer kleiner.
wenn es dir besser geht, wirst du bestimmt bald merken, ob du deinen mann noch liebst.
ich habe meinen (jetzt) mann zu beginn meiner depression kennengelernt. ohne ihn hätte ich es sicherlich nicht so schnell geschafft, da raus zu kommen. aber ich glaube es ist unheimlich schwer für andere menschen mit einem depressiven menschen/partner umzugehen (darum habe ich auch allergrössten respekt vor meinem mann).
da du ja wohl schon immer mehr oder weniger unter depressionen leidest, wirst du medikament ein leben lang weiternehmen. ich war den med. damals sehr dankbar.
ich wünsche dir viel glück und dass die dunklen schatten immer kleiner werden.

Beitrag von kenne ich 04.09.06 - 09:54 Uhr

"Ich habe angefangen mit Citalopram, "
Mit Medikamenten werkelst du nur an den Symtomen, du must die Ursache deiner Depression erkennen.

"Fühle mich sowieso durch die Krankheit gefühllos, leer und als ob ich neben mir stehen würde. "
Das ist andersherum.
Du fühlst dich nicht durch deine Krankheit gefühllos und leer.. du bist krank geworden, WEIL du diese Gefühle hast, weil bei dir was nicht in Ordnung ist.
Man kann eine kranke Seele sehr lange ignorieren, nur irgendwann wehrt die Seele sich, indem sie den Körper krank macht.

"Wie finde ich heraus, ob ich ihn noch liebe? "
Das wird sich im Rahmen einer Therapie klären.
Das sollte auch jetzt nicht deine vorrangige Frage sein.
Frag dich: Was kan ich tun, damit es mir wieder besser geht.

Beitrag von Nada 04.09.06 - 12:44 Uhr

Ich stelle mir deshalb die Frage, ob ich ihn noch liebe, weil die Depression und Panikstörung wahrscheinlich auch ihre Wurzeln in der Partnerschaft hat. Bzw. wie ich mit Sachen umgehen kann.
Ich weiß es nicht genau.
Bist Du also gegen Psychopharmika?
Mein Neurologe hat mir versichert, wenn ich es nicht mit SSRI behandle, dann komm ich nie mehr auf den normalen Serotoninspiegel hin. Da würden auch keine 3 Monate Urlaub auf der Karibik helfen, so nach dem Motto.
Ich weiß nicht, was genau die Gründe für die Krankheit sind.
Auf jeden Fall muss ich etwas ändern in meinem Leben. Nur was?
Ich weiß, dass ich meine innere Einstellung, Verhalten, Denken ändern muss, nur wie?

Beitrag von kenne ich 04.09.06 - 22:51 Uhr

Nein, ich bin nicht prinzipiell gegen Psychopharmaka.
Wenn es um die Gesundheit eines Menschen geht, wäre ich nie prinzipiell gegen etwas.
Was dem einen hilft, schadet vielleicht dem anderen.
Darum muss jede Behandlung individuell bleiben.
Aber das wolltest du ja gar nicht wissen. :-) egal
Ich würde dir auf jeden Fall raten, mal einen Psychologen aufzusuchen.
Falls er dir sagt, dass du gar keine Therapie brauchst, wärst du doch schonmal ein gutes Stück weiter.
"Ich weiß, dass ich meine innere Einstellung, Verhalten, Denken ändern muss, nur wie?"
Oder bist du in der falschen Umgebung, muss sich daran was ändern?

Beitrag von Nada 05.09.06 - 16:10 Uhr

hallo,

ich bin ja schon bei einer Psychologin.
Und die hat mich darauf hingewiesen, dass ich einige Sachen an mir ändern soll, und mein Selbstwertgefühl "aufpolieren" soll.
Sie stellte auch die Frage in den Raum, ob es mir vielleicht auch durch die Partnerschaft so geht, wie gerade.
Sie meinte schon, dass ich eine Therapie brauche gegen meine Depressionen und Panik. Ebenso riet sie mir, das Citalopram zu nehmen, dass ich vom Neurologen schon 3 Monate in der Schublade hatte.

Beitrag von gh1954 05.09.06 - 22:42 Uhr

Hallo Nada,

das scheint mir aber eine seltsame Psychologin zu sein, die einem Patienten sagt, er solle sich ändern.
Und dann auch noch die Frage an dich, ob es dir vielleicht wegen der Partnerschaft so schlecht geht.
Deswegen bist du doch in Behandlung, weil du nicht WEIßT, was mit der los ist.
Und Sinn und Ziel einer Therapie ist es doch, das alles aufzudecken.

Gruß
geha

Beitrag von dhyan 04.09.06 - 10:38 Uhr

Hallo Nada,

"kenn ich" hat das sehr schön beschrieben.
Richte Deine ganz Aufmerksamt weg von der "Krankheit" auf das was Dir Freude bereitet oder positive Gefühle verschafft.
z.B. intensive Körperpflege, entspannende Musik, gute Düfte, angenehmes Licht usw.

Mach Dich nicht wirr mit Deinen Gedanken, weisst Du viele Menschen betrachten ihre vielen negativen Gedanken als Last.
Wenn das Gedankenmachen dann aber nicht da ist und diese Menschen nur noch Frieden, Stille und Liebe umgibt, dann halten sie auch das widerum nicht aus, obwohl sie sich ein Leben lang danach sehnen.

Wenn der Kopf leer ist, hat das durchaus seine positiven Seiten. Vielleicht kannst Du ja den Frieden in Dir spüren.

Vetraue darauf dass Liebe (auch und gerade besonders bei Dir) immer anwesend ist. Nur manchmal ist sie wie die Sonne von Wolken verdeckt, aber Du weisst dass sie da ist.

Wenn Du Dich geborgen und in Frieden mit Deinem Partner fühlst, dann kannst Du das als Liebe wahrnehmen.

Möge Deine Seele wieder strahlen
Marcus

Beitrag von gh1954 04.09.06 - 13:06 Uhr

Du hast noch nie in deinem Leben wirklich unter Depressionen gelitten, sonst wüsstest du, dass

>>>z.B. intensive Körperpflege, entspannende Musik, gute Düfte, angenehmes Licht usw.<<<

keine Depressionen heilen können.

Einen entzündeten Blinddarm kannst du dir auch nicht "wegdenken".

Das ist leider ein Fehlschluß, den viele Menschen ziehen, also müssen sich depressive Menschen oft den Spruch anhören: "Reiß dich doch mal zusammen" .

Depressionen sind eine Krankheit, die behandelt werden muss.

Gruß
geha

Beitrag von dhyan 04.09.06 - 14:05 Uhr

Hallo Geha,

da magst Du recht für Dich behalten.

Für mich ist ganz klar, dass Heilung von innen heraus geschieht und immer mit Liebe einhergeht, sonst behandle ich nur die Symptome aber nicht die Ursache.
Wenn ich fixiert bin auf den Begriff "Krankheit" dann bleibe ich auch krank und werde es immer wieder in mein Leben ziehen.

Nada ist da schon sehr bewusst wie ich gerade gelesen habe. Sie hat den Willen etwas zu ändern, sie weiss nur noch nicht wie, das finde ich sehr schön. Das ist der Ausweg aus der "Falle Krankheit".
Die Aufmerksamkeit weg von der Negativität auf Positives lenken.

Liebe Grüsse
Marcus

Beitrag von gh1954 04.09.06 - 15:00 Uhr

Du weißt wirklich nicht, was Depressionen sind.

Sei froh darüber.



Gruß
geha

Beitrag von elodia1980 05.09.06 - 17:38 Uhr

hallo geha,

du hast recht damit, dass die depression eine krankheit ist, die man nicht mit einem entspannungsbad oder schöner musik auskurieren kann.
dennoch finde ich, können die ratschläge, die marcus gegeben hat, (und das sehr einfühlsam), auf keinen fall schaden.
an erster stelle stehen freilich eine ärztliche behandlung und professionelle therapie. aber dann kommt, und damit hat marcus recht, die unterstützung liebender menschen und das aktive sich-selbst-verwöhnen. zum heilungsprozess kann das nur beitragen.

lg
elodia

Beitrag von Mary 05.09.06 - 22:05 Uhr

Depressionen sind etwas furchtbares,ich selber habe nach einer schweren Erkrankung darunter gelitten und habe es bei meinem Partner auch mit erlebt.

>>Wenn ich fixiert bin auf den Begriff "Krankheit" dann bleibe ich auch krank und werde es immer wieder in mein Leben ziehen. <<

Die Krankheit zieht sich in dein Leben und dagegen kann man selbst wenig tun.

@ Marcus,

Deine Ratschläge Marcus,sind sicherlich Streicheleinheiten für die Seele,nur bei Depressionen,kommen sie nicht bis dahin.Du denkst nicht daran,dir selber etwas Gutes zu tun.Du versinkst in deinen grauen,wabbernden Gedanken.Du fühlst dich schlecht und krank und auch der Partner,der einen aufrichtig liebt und sicherlich nur das Beste möchte,steht irgendwie auf verlorenem Posten und muss Schläge einstecken und wird an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht.

Mit dem Citalopram wäre ich etwas vorsichtig.Über einen Zeitraum von ca einem Jahr eingenommen,kann es nach dem Absetzen zu Entzugserscheinungen kommen wie,nächtliche Alpträume und Kreislaufprobleme.Erfahrungen die ich von zwei Bekannten weiß,die dieses Medikament genommen haben.


Gruß Mary

Beitrag von elodia1980 04.09.06 - 20:20 Uhr

vielleicht sind nicht primär die depressionen die ursachen. vielleicht ist es das citalopram, das eigentlich dagegen helfen soll und es stattdessen noch verschlimmert.
libidoverlust? gefühlserstarrung und gleichgültigkeit?
den eindruck, man würde nichts und niemanden mehr lieben, es wäre alles egal, man hätte an nichts mehr freude, könnte kein einziges gefühl mehr verspüren, würde wie in watte gepackt stumpf vor sich hin leben? jegliches positive gefühl ist eben so tot und millionen lichtjahre weit weg wie die negativen?
das klingt seeeehr nach citalopram! ich würde dieses zeug ums verrecken niemals in mich reinstopfen!!! für effektiver halte ich doch die therapie, aber dafür wird dein freund, so er dich liebt, noch ein bisschen geduld und nachsicht aufbringen müssen, bis man erste fortschritte bemerkt.

dir alles gute,
elodia

Beitrag von Nada 05.09.06 - 16:13 Uhr

hallo,

ich hatte ja zuvor diese Symptome schon, nehme das Citalopram erst 2 Wochen.
Woher hast Du diese Erfahrungen mit dem Medikament?
Hast Du selbst Erfahrungen mit Depressionen usw.?

Beitrag von elodia1980 05.09.06 - 16:31 Uhr

hallo nada,

ich hatte keine depressionen, aber meine erfahrungen mit dem medikament stammen aus erster hand.
wenn du das citalopram erst einige wochen nimmst, sind nebenwirkungen (auch erhebliche) nicht ungewöhnlich. man soll ja das antidepressivum einschleichen und muss damit rechnen, dass der körper eine weile braucht, bis er sich dran gewöhnt hat.
sollten sich deine beschwerden nicht bessern, würde ich nochmal mit dem arzt sprechen, der es dir verschrieben hat. vielleicht verträgst du dieses medikament einfach nicht und ein anderes ist besser geeignet.
ich persönlich halte von diesen chemiebomben allerdings gar nichts, egal, welches antidepressivum. das ist aber eine ganz eigene meinung und darf nicht als universalaussage gewertet werden.
hast du denn bestimmte fragen, was depressionen angeht? mittlerweile ist diese krankheit sehr gut erforscht. wenn du etwas wissen möchtest, frag einfach.

alles liebe
elodia

alles liebe

Beitrag von Nada 05.09.06 - 17:00 Uhr

hallo elodia,

ich hab mich auch erst nach 3 monaten dazu durchgerungen, die tabletten zu nehmen. hab eine ähnliche einstellung wie du, bzgl. chemiebomben. aber mir gings einfach immer schlechter. und mein arzt meinte auch, dass ich meinen serotoninspiegel nie wieder ohne chemische hilfe in die normalhöhe kriege.
das hat mich dann letztendlich dazu bewogen, die dinger zu nehmen. bin auch bei einer psychologin.
bei mir hats angefangen, mit einer panikattacke, jetzt herrscht die depression vor.
wie hat dann "deine erste hand" die depression überstanden, bzw. aktiv dazu beigetragen?

Nada

Beitrag von elodia1980 05.09.06 - 17:34 Uhr

hallo nada,

es sind keine depressionen diagnostiziert worden, sondern die andauernde psychische belastung stammte aus einem nicht verarbeiteten trauma und derzeit akuten und schwer den alltag und die psyche störenden äußeren belastungen. das medikament sollte "nur" unterstützend für das nervenkostüm eine zeitlang genommen werden.
soll heißen, wenn tatsächlich ein serotoninmangel bei dir vorliegt, dann wirst du wohl nicht drumrum kommen, trotz aller abneigungen die arznei zu nehmen, wenigstens eine zeitlang, bis sich der spiegel normalisiert hat.
du bekommst das medikament ja nicht "nur" zur stärkung einer dünnwandigen und extrem durch äußere faktoren belasteten psyche, deshalb hast du vermutlich keine wahl.
es kann natürlich auch sein, dass das medikament noch gar nicht wirkt und du deshalb dieselben beschwerden hast wie vor der einnahme. der körper baut den serotoninspiegel sehr langsam auf, das kann bis zu mehreren wochen dauern, ehe der patient eine besserung verspürt. mag sein, dass es daran liegt und noch eine besserung kommt.
wichtig ist, dass du menschen hast, die verständnis für dich und deine situation haben und dass du, stück für stück, in regelmäßigen therapiesitzungen deinen problemen auf den grund gehst. ohne näheres wissen ist es für mich natürlich schwer, dir direkt eine hilfestellung zu geben.
sind es endogene oder exogene depris? falls letzteres, was könnte sie ausgelöst haben? wie ist dein alltag, dein familiäres umfeld, deine berufliche und familiäre situation? welche probleme sind grund oder verstärker der erkrankung? (selbstwertgefühl, verletzung, erlebnisse, etc.)
das schlimme ist, dass man sich gern auf die wirkung irgendwelcher medikamente verlässt, die tatsächlichen probleme aber nicht löst, weil man irrtümlicherweise denkt, mir gehts ja schon viel besser. das führt dazu, dass man sofort nach absetzen der medikamente in einer ähnlich misslichen lage steckt. es ist also wichtig, die gründe an der wurzel anzupacken. neben der therapie kannst du das am besten im gespräch mit einem menschen, dem du vertraust und den du selbst für stark und kompetent genug hältst, dir den rücken zu stärken und dich auf deinem gedanklichen weg zu begleiten.
was das medikament angeht, würde ich den arzt auf jeden fall über deine erfahrungen informieren. ich denke, er wird noch ne weile abwarten, um zu schauen, ob es nicht doch besser wird (wie gesagt, es kann mehrere woche dauern), oder dir dann vielleicht ein anderes geben. das ist wie mit der pille, es ist nicht jedes antidepressivum für jeden geeignet.
und das wichtigste ist:
nicht davonlaufen. stell dich deiner krankheit, damit du sie besiegen und wieder in zufriedenheit und ausgeglichenheit leben kannst. es ist schon ein großer schritt, dass du erkannt hast, dass du hilfe brauchst und dass du aktiv und sehr mutig den schritt in die therapie und zum arzt gegangen bist.
ich wünsch dir sehr, dass dein partner den mut und die kraft in sich findet, diesen weg mit dir zu gehen. auch für ihn, das darf man nicht vergessen, ist deine depression eine belastung und auch seine möglichkeiten und reserven sind endlich. ideal wäre, wenn er mal mit zur therapeutin käme, vielleicht kann man ihn sinnvoll in deinen heilungsprozess einbeziehen. und für ihn ist es sicher auch hilfreich, wenn er richtig und gut informiert ist, dann kann er souveräner und einfühlsamer mit der sitation umgehen.

elodia