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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von lucysengel 06.09.06 - 11:06 Uhr

hallo,
bin zwar noch nicht schwanger - bin also noch im KIWU-forum, habe aber gestern eine sendung von Plusminus gesehen und da kam nachfolgender Bericht, den ich euch nicht vorenthalten möchte, es geht um Arzneimittel.

die komplette liste der betroffenen Arzneimittel unter.

plusminus.de


Phthalate in Arzneimitteln II
WDR, Dienstag, 5. September 2006


Von Jörg Heimbrecht und Rebecca Gudisch
Wer schwanger ist, versucht sich gesund zu ernähren und fit zu halten für das freudige Ereignis. Hauptsache dem ungeborenen Baby geht es gut. Und wenn sich Medikamente nicht vermeiden lassen, greifen viele möglichst auf pflanzliche Wirkstoffe zurück – weil sie ihr ungeborenes Baby nicht belasten wollen.

Doch auch pflanzliche Mittel können einen gefährlichen Stoff in der Kapselhülle haben, wie [plusminus vor einem halben Jahr herausgefunden hat: Dibutylphthalat, kurz DBP. Und das haben EU und Weltgesundheitsorganisation als fruchtbarkeits- und entwicklungsschädigend eingestuft. Also als Risiko für das ungeborene Leben. Aber wie viel von dem DBP kann aus den Arzneien in den Körper gelangen?

[plusminus hatte getestet. Nach Einnahme von Aspecton Eucaps oder Gelomyrtol, also eigentlich harmlosen Mitteln gegen Erkältung oder Bronchitis, hatten die Testpersonen extrem viel DBP im Körper - der Grenzwert der europäischen Lebensmittelbehörde wurde bei Gelomyrtol sogar bis zu 63-fach überschritten.

Der Hersteller von Gelomyrtol, Pohl-Boskamp, zog gegen [plusminus vor Gericht: Und das untersagte uns unter anderem vorläufig im Zusammenhang mit diesem Ergebnis Kapseln vom weit häufiger verkauften Gelomyrtol forte zu zeigen. Ist das wirklich weniger problematisch?

Das können wir kaum glauben – schließlich haben beide Medikamenten DBP in der Hülle.

Also haben wir unseren Test erweitert, und auch Gelomyrtol forte untersucht. Das Ergebnis: Auch nach Einnahme der im Beipackzettel empfohlenen Menge von täglich vier Kapseln Gelomyrtol forte hatten unsere Testpersonen mehrere Hundert Mal mehr DBP im Körper als vorher. Der Langzeitgrenzwert der EU für DBP in Lebensmitteln wurde bis zu 51-fach überschritten.

Der Hersteller Pohl-Boskamp geht davon aus, dass der Grenzwert nicht für Arzneimittel gilt, und hält seine Produkte, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel auch, immer noch für unbedenklich.

Prof. Dietrich Klingmüller von der Bonner Uniklinik, einer der führenden Hormonexperten, kommt dagegen zu einer anderen Bewertung: „Ich bin entsetzt, dass Sie derart hohe Konzentrationen gefunden haben, dass die Grenzwerte derart massiv überschritten sind“, so Klingmüller im Interview mit [plusminus. „Man muss doch befürchten, dass bei Jungen im Mutterleib es zu Störungen der geschlechtlichen Entwicklung kommt, und ich würde jeder Schwangeren abraten, diese Medikamente, die diese Substanzen enthalten, zu nehmen.“

Im März hatte [plusminus berichtet: Missbildungen der Geschlechtsorgane bei Jungen, wie zum Beispiel Hodenhochstand, nehmen immer mehr zu. Ohne Operation können Betroffene niemals Kinder zeugen.

Fachleute wie Prof. Klingmüller machen für die Zunahme vor allem Phthalate wie DBP verantwortlich, wenn die Mutter damit während der Schwangerschaft belastet war. „Es ist eindeutig belegt beim Tier, dass es dort zu ganz erheblichen Störungen der geschlechtlichen Entwicklung kommt“, meint Prof. Klingmüller im Interview mit [plusminus und weiter: „Beim Menschen ist das durch wissenschaftliche Untersuchungen sehr wahrscheinlich gemacht, dass es dort ähnlich ist; es führt zum Hodenhochstand, zu relativ zu kleinen Hoden, zur Fehleinmündung der Harnröhre und wahrscheinlich auch zu Störungen der Samenzellbildung.“

In Kosmetikartikeln und Kinderspielzeug hat die EU deshalb DBP inzwischen verboten. In Arzneimitteln ist es immer noch erlaubt.

Trotzdem verzichten einige Pharmahersteller wie ratiopharm aus Ulm bei Mitteln für Schwangere schon lange freiwillig auf DBP, weil sie Berichte über mögliche Missbildungen im Mutterleib sehr ernst nehmen. „Wir haben bereits die aufkeimende Diskussion in den 80er Jahren verfolgt, und wir haben uns entschlossen, diesen Hilfsstoff herauszunehmen, sodass wir in der Lage sind, seit 1989 diese Arzneiform ohne DBP anbieten zu können“, erläutert Dr. Dieter Eckhardt von der ratiopharm-Geschäftsführung. „Das ist eine eigenverantwortliche Maßnahme. Das ist eine Maßnahme, bei der wir die schwangeren Frauen schützen wollten, das ungeborene Kind schützen wollten und ein besonders verträgliches unbedenkliches Arzneimittel kreieren wollten.“

Schon vor 17 Jahren hat ratiopharm deshalb DBP aus Medikamenten entfernt. Und wie ratiopharm haben auch andere Hersteller die gefährliche Chemikalie in Medikamenten inzwischen durch Substanzen ersetzt, die nicht in Verdacht stehen, ungeborene Kinder schädigen zu können.

Sogar der Hersteller von Gelomyrtol und Gelomyrtol forte, Pohl Boskamp, will DBP aus seinen Pillen verbannen – allerdings nicht aus Sorge um Schwangere, sondern, wie er uns schreibt, um die Eigenschaften seiner Kapseln zu optimieren. Bis zur Umstellung werden die weiter mit DBP in der Hülle verkauft – und auf den Beipackzetteln steht nach wie vor: Die beiden Pillen können „… in der Schwangerschaft nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ohne Risiko eingenommen“ werden.