Großvater - Pflege? (länger)

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von sweeteden 06.09.06 - 17:24 Uhr

Hallo an alle,

folgende Problemsituation hat sich in meiner Familie ergeben:

der Großvater meines Mannes ist schon ziemlich alt und baut zusehends ab. Er ist schon recht verwirrt und zunehmend weniger in der Lage, sich um seinen Alltag zu kümmern. Das heißt, er pflegt sich nicht mehr alleine, vergisst zu essen und zu trinken etc.

Er wohnt noch in einer eigenen Wohnung, in der Wohnung darunter seine Tochter (also die Mutter meines Mannes). Sie ist vollzeit berufstätig und konnte ihm bisher jeden Tag etwas zum Essen richten und nach ihm sehen. Da sie jedoch in der Gastronomie arbeitet, ist ihr Arbeitstag recht lang (teilweise natürlich auch bis spät in die Nacht), so dass die Zeiten, in denen der Großvater alleine zuhause ist, immer "gefährlicher" werden. Er ist z. B. schon mehrfach gestürzt oder wurde verwirrt irgendwo im Ort aufgefunden etc.

Wir wohnen leider 400 km weit entfernt und können uns nicht um ihn kümmern - genauso wenig kann die Mutter meines Mannes ihren Job aufgeben. Der Vater meines Mannes ist eigentlich nur der "Erzeuger" und spielt in dieser Situtation gar keine Rolle.

Ca. 20 km entfernt wohnt noch der Sohn des Großvaters, also der Onkel meines Mannes. Er hat sich gerade selbständig gemacht und eine Familie mit drei Kindern - von daher also auch nicht übermäßig viel Zeit, sich um seinen Vater zu kümmern - und besonders eben tagsüber nicht.

So - das Problem ist also: es ist abzusehen, dass es so nicht mehr weitergeht, aber keiner ist zeitlich in der Lage, sich tagsüber um den Großvater zu kümmern, ihn zu pflegen und aufzupassen, dass er nicht draußen herumgeistert.

Kennt sich jemand aus, welche Pflegemöglichkeiten es gibt oder was da in Frage kommt? Wir (als Familie) stehen einfach vor der Frage, was a) sinnvoll für alle Beteiligten und b) realistisch (vom finanziellen Rahmen her) ist. Die Tochter des Großvaters kann sich einfach nicht weiter so intensiv um ihn kümmern - es geht nicht mehr und sie ist durch die doppelte Belastung am Ende ihrer Kräfte und völlig überfordert (davon abgesehen, dass sie zu ihrem Vater persönlich kein besonders gutes - um nicht zu sagen ein ausgesprochen schlechtes - Verhältnis hat).

Kann mir in dieser Situation jemand weiterhelfen?

Vielen Dank schon mal und herzliche Grüße
von

SE

Beitrag von risala 06.09.06 - 17:52 Uhr

hi!

das hört sich sehr stark nach altersdemenz od. sogar alzheimer an (ist das mal getestet worden?)... ich hab sowas im altenheim (wo ich 6 jahre nebenbei gearbeitet habe) oft gesehen.

meiner meinung nach habt ihr folgende möglichkeiten:

1. eine tagespflege (z.b. über die caritas) und "essen auf rädern" zu organisieren. allerdings sind die mobilen pflegedienste nicht den ganzen tag da. es müsste also jemand sein, der ausserhalb der arbeitszeiten der tochter immer da sein kann. ist denke ich eine sher teure angelegenheit und nicht mein favorit, weil abzusehen ist, dass auch das nicht lange machbar ist.

2. ihn ein ein gut ausgewähltes altenheim geben. allerdings nicht nach dem motto: so, jetzt kannst dus nicht mehr alleine, deshalb schieben wir dich ab. sondern nehmt ihn mit, lasst ihn sich umschauen und evtl. kann er mal eine woche "urlaub" machen. dann ist der schnitt zum alten und eigenständigen leben nicht so hart, weil er u.u. merkt, wie schön es ist, wenn immer ein ansprechpartner da ist.

klar, auch ein altenheim kann nicht 24h händchenhalten, aber die betreuung ist, wenn man sich die einrichtung gut aussucht , doch besser als man es selbst machen könnte (bei voller berufstätigkeit).

die kosten, die auf euch zukommen hängen von der pflegestufe ab, in die der großvater eingestuft wird. wo ich früher gearbeitet habe fingen die kosten im 2-bett-zimmer bei 2500dm im monat an... und hörten in etwa bei 8000dm auf...

gruß
kim

Beitrag von sweeteden 07.09.06 - 09:57 Uhr

#danke für Deine Antwort!

Beitrag von manavgat 06.09.06 - 18:01 Uhr

Es gibt sehr gute Ratgeberliteratur bei den Verbraucherzentralen.

Gruß und alles Gute

Manavgat

Beitrag von sweeteden 07.09.06 - 09:58 Uhr

Vielen Dank für den Tipp #danke !

Beitrag von shadow11170 06.09.06 - 18:08 Uhr

Hallo SE,

"Tagespflege" hat, so wie meine Vorrednerin beschrieben hat,
nichts mit "Ambulanter Pflege" zu tun!

Tagespflege bedeutet eine Betreuung in der Zeit von z.B. 8-16 Uhr.
Die Kunden werden in der Regel abgeholt und wieder heimgebracht.

Ambulante Pflege bedeutet, das die Kunden zu Hause versorgt werden und Hilfestellung bei der Grundpflege, Ernährung und hauswirtschaft. Versorgung, bei Bedarf auch nach Arztanordnug Behandlungspflege wie Blutdruchmessung, Verbände, etc. geleistet wird.
Diese Pflege dauert dann zwischen 20 und 45
in. und kann mehrmals am Tag erfolgen.
Kosten sind je nach Leistung und Zeitaufwand, in der Regel zwischen 15 und 25 Euro je Einsatz, Behandlungspflege wird über die KK abgerechnet.

Hat dein Großvater eine Pflegestufe?
Wenn nein, beantragen, mehr als ablehnen kann die Kasse nicht.
Gibt es bei Euch eine Nachbarschafthilfe?
Die arbeiten ehrenamtlich und können jeden Tag kommen , leisten aber keine Grundpflege, machen aber Spaziergänge, Arztgänge, gehen mit und ohnen Deinen Grossvater einkaufen.

Alles aufzuzählen wäre hier zuviel.

Ich kann Dir ein Buch von "Stiftung Warentest" ans Herz legen, dort steht alles sehr gut für Laien beschrieben drin.

LG die shadow
( die Krankenschwester ist und einen ambulanten Pflegedienst leitet.)

Beitrag von shadow11170 06.09.06 - 18:11 Uhr

Uhpsss,
das Buch von Stiftung Warentest heißt "Pflege" und kostst ca. 8 €.

Bei weiteren Fragen kannst Du mich gerne anmailen.

LG die shadow

Beitrag von sweeteden 07.09.06 - 09:59 Uhr

#danke für Deine Antwort :-)

Beitrag von aggie69 07.09.06 - 15:46 Uhr

Ich kenne zwei Familien mit ähnlichen Situationen, die haben "Aupair-Mädchen" die sich rund um die Uhr um die Leute kümmern. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit?

Beitrag von sweeteden 24.11.06 - 22:01 Uhr

Hallo Aggie,

ich hab tatsächlich erst jetzt Deinen Beitrag gesehen... Wir glauben tatsächlich, dass wir ihn daheim betreuen lassen sollten. Denn ihn jetzt in ein Heim zu stecken, das wäre vermutlich nicht so das Rechte...
Auch wenns schon EEEEEEEEEEEWIG her ist: Danke für Deine Antwort!!!

SE

Beitrag von moonerl 07.09.06 - 17:16 Uhr

Hallo,

die einfachste und beste Möglichkeit wird wohl ein Altenheim sein. Euer Opa wäre den ganzen Tag in Betreuung. Ihr bräuchtet euch keine Sorge mehr machen, sollte was passieren.

Hat euer Opa Pflegestufe ??
Wenn nicht, sprecht mit dem Arzt.

Bezahlung Altenheim:
Pflegestufe 1: 1023 € oder 1029 € (weiß ich jetzt nicht mehr so genau)
Der Rest muß euer Opa selber bezahlen.

Sollte das Vermögen eures Opa's nicht mehr reichen, wird es schwierig, denn dann müßen die Kinder ran, allerdings auch nur soweit als möglich ist. Ansonsten zahlt die Sozialhilfe. Aber ich nehme an euer Opa bezieht Rente.

Weitere Möglichkeit: Der Sozialdienst kommt 3mal am Tag. Wird dann auch von der Pflegekasse bzw. Rest Eigenvermögen bezahlt.
Essen auf Rädern, gibt es z.B. von den Maltesern

Ansonsten könnt ihr noch eine Privatperson einstellen, die den Haushalt und Pflege eures Opa's übernimmt.

Als 1. müßt schauen, das euer Opa in Pflegestufe kommt.

Dann soll sich euer Opa jetzt sofort in allen möglichen Altenheimen anmelden, die in eurer Umgebung sind. Wichtig ist, das er angemeldet ist, er muß dann den Platz noch nicht nehmen wenn einer frei wird.
Die Wartezeiten auf einen Platz im Heim sind oft sehr lang !!

Grüßle :-)

Beitrag von sweeteden 24.11.06 - 22:04 Uhr

Hallo Moonerl,

irgendwie hab ich etliche Antworten "übersehen" und jetzt wollte ich mich auch noch für Deine Antwort bedanken! Ich denke, wir werden eine Lösung für Betreuung daheim suchen, denn wenn man ihn jetzt aus seiner gewohnten Umgebung herausreißt, dann weiß ich nicht, was er anstellt...

Danke Dir auf jeden Fall noch mal :-)

SE

Beitrag von hemmi 23.11.06 - 12:50 Uhr

Ich denke auch, dass hört sich ganz schön nach Alzheimer an. Ward ihr schonmal beim Arzt mit ihm?
Vielleicht mach ihr auch einmal einen Test, bzw. Fragebogen zur Früherkennung von Hirnleistungsstörungen bei Alzheimer-Demenz. Findest du unter http://www.altern-in-wuerde.de/web/aiw_files/Frueherkennungsbogen.pdf

Beitrag von sweeteden 24.11.06 - 21:58 Uhr

Hallo Hemmi,

vielen Dank für Deine Antwort. Wir hatten schon einmal jemanen von der Krankenkasse zu Besuch, aber zum Arzt kriegt man ihn halt ganz schwer. Aber ich denke, es wird sich auf lange Sicht nicht vermeiden lassen, dass wir ihn da mal hinschleifen, denn so gehts wirklich nicht weiter...
Danke auf jeden Fall :-)

SE