Bin ich ungerecht?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von ewi70 07.09.06 - 20:57 Uhr

Hi zusammen

Meine Schwester ist 4 Jahre jünger als ich. Fast seit sie auf der Welt ist, steht sie im Mittelpunkt. Allerdings nicht immer im Guten Sinn. Sie hatte schon, als sie klein war, gesundheitlich viele Probleme. Sie hatte 3 Gehirnerschütterungen, Fingerkuppen abgeschnitten usw. Als sie älter wurde, kamen Brüche dazu und seit sie 20 ist, hat sie schon 2 Schleudertraumas gehabt. Sie hat 2 verpfuschte Hüftoperationen hinter sich, Migräne, Nackenprobleme und fast ständig Kopfschmerzen. Sie hat x Therapien hinter sich (und ist immer noch dran), Schmerzklinik, kennt bald jeden Arzt in der Umgebung und und und...Im Geschäft wird sie gemobbt, weil sie natürlich oft nicht arbeiten kann. Es ist wirklich schlimm. Ich liebe sie über alles und sie tut mir so leid.
Ich hingegen habe einmal das Bein gebrochen und das wars. Ich bin verheiratet und habe 2 süsse Kids.
Durch all diese gesundheitlichen Problem kümmerten sich unsre Eltern schon früh gezwungenermassen mehr um sie. Das versteh ich auch. Und doch bin ich oft traurig darüber, da ich ein ausgesprochener Familienmensch bin, aber ständig zurückstecken muss. Immer dreht sich alles um meine Schwester. Wenn sie zum Arzt muss, geht meine Mutter mit. Immer mal wieder wohnt meine Schwester bei den Eltern, um sich zu erholen (sie wohnt sonst mit ihrem Freund zusammen). Dann kommt abends natürlich ihr Freund vorbei, und sie essen alle zusammen. Morgen gehen meine Eltern wieder mit ihr zum Arzt und gehen danach bestimmt essen. Mit meiner Mutter alleine habe ich seit Monaten nicht gesprochen. Und wenn, dann geht es sicher um meine Schwester. Das belastet echt die ganze Familie. Ich habe das Gefühl, dass niemand merkt, dass es mir auch mal schlecht geht. Meine Eltern hüten oft meine Kinder, aber sie merken nicht, dass auch ich persönlich mal was von ihnen möchte. Ich habe dann noch oft das Gefühl, ich kann meine ELtern nicht auch noch belasten, und halte oft den Mund. Aber dann höre ich wieder, dass meine Mutter mit meiner Schwester einkaufen war, und ich bin echt verletzt. Wie gesagt, ich habe kein Problem damit, dass ich zurückstecken muss, da ich auch weiss, dass meine Schwester meine Eltern mehr braucht als ich. Aber ich fühle mich echt manchmal etwas "ausgestossen". Ich habe darüber auch schon mit meiner Mutter geredet. aber viel gebracht aht das nciht. Ich höre nur immer wieder, dass sie dasselbe auch für mich tun würden, und sie mir gegenüber oft ein schlechtes Gewissen haben. Das bringt mir aber gar nichts.
Was meint ihr dazu?

Ewi, die momentan wieder ziemlich traurig ist, obwohl sie eigentlich (fast) alles hat.

Beitrag von klaus_ 07.09.06 - 22:12 Uhr

Zitat
Ewi, die momentan wieder ziemlich traurig ist, obwohl sie eigentlich (fast) alles hat.


Ich freue mich für Dich, dass es Dir gesundheitlich gut geht, und Du "alles hast" . Auch Deinen Kindern scheint es gut zu gehen

Ich denke , heute ist Gesundheit das A und O und danach kommt gleich eine einigermaßen vernünftige Arbeitsstelle.


Dass Deine Eltern sich um Deine Schwester kümmern ist auch logisch und liegt in der Natur der Sache.

Sicherlich würdest Du nie im Leben mit Deiner Schwester tauschen wollen - oder ?

Was willst Du noch von Deinen Eltern ausser Kinder hüten (machen meine übrigens nicht - denen ist ihre Rentnerfreizeit wichtiger - schade)
Ich denke, mit dem Erwachsenwerden muß auch die Forderung, die Eltern haben für die Kinder da zu sein, wegfallen. Daß dies bei Deiner Schwester (noch) nicht möglich ist,
wurmt vielleicht andererseits wieder Deine Schwester .


Laßt es Euch weiterhin gut gehen !

Klaus


Lade Du halt mal Deine Eltern zu Euch ein !


Klaus

Beitrag von trabant 08.09.06 - 14:13 Uhr

Entschuldigung, ich schreibe sehr, sehr selten hier rein, aber bei der ersten Antwort sah ich mich jetzt mal genötigt.
Denn zumindest ich kann dir nachempfinden. Ich habe zwar keine kranke Schwester, aber es ist für einen Menschen schwer, wenn man von den Eltern nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die man benötigt. Dieser Verlust begleitet einen dann sein Leben lang und man kann noch so schlau sein und alles wissen, aber es bleibt ein Gefühl, dass man nicht los wird und an schlechten Tagen wird man davon eingeholt. Mit Aufmerksamkeit meinte ich keine materiellen Zuwendungen, sondern ein offenes Ohr, Verständnis und Zärtlichkeit.
Manchmal habe ich gerade auf diesem Gebiet das Gefühl, dass manche Männer keine Ahnung von den leisen Tönen haben.
Einen Rat kann ich dir allerdings auch nicht geben.
lg trabant