Wahnsinn: priv. Krankenversicherung

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Beitrag von linastern007 08.09.06 - 08:40 Uhr

Hallo,

vielleicht hat jemand das gleiche Problem gehabt. Mein Freund ist selbständig und daher privat krankenversichert. Aufgrund von Beitragsrückständen (insges. 3 Monate) ist er infolgedessen im Schadensfall nicht weiter krankenversichert gewesen und musste zudem 12 Monatsbeiträge (Mindestlaufzeit) weiterzahlen und

Ich finde diese Vorgehensweise der Versicherer unglaublich und äußerst fragwürdig !

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht ? Für Hinweise und Tipps wären
wir sehr dankbar !

Viele Grüße Lina

Beitrag von peterklahr 08.09.06 - 08:56 Uhr

hallo
ich weiss nicht was ihr wollt.
wenn man nicht bezahlt ist man auch nicht versichert.
wo würden wir denn da sonst hinkommen.
und da die mindestlaufzeit nun mal 12 monate ist ist es völlig rechtens dies auch bezahlen zu müssen.

Beitrag von linastern007 08.09.06 - 09:07 Uhr

Hallo,

Aber: man ist trotz der Zahlung nicht weiter krankenversichert ! Man "fliegt" sozusagen aus dem System raus.

Wenn es einer Person nicht weiter möglich ist, die rückständigen Raten und die laufenden Raten zu begleichen, fällt man aus der privaten Krankenversicherung raus. Der Vertrag muss aber weiter erfüllt werden. Im Zweifelsfall muss man sich dann bei einer anderen privaten
Krankenversicherung versichern lassen, um krankenversichert zu sein. Demnach bezahlt man dann die alte weiter (Vertragserfüllung) und die neue dazu ! Hat aber aus der alten Krankenversicherung keine Ansprüche mehr. Das sind dann mal eben knapp 1000 Euro Krankenversicherung im Monat.

Gruß lina

Beitrag von malawia 08.09.06 - 09:05 Uhr

Ich seh das genauso wie mein Vorschreiber. Wenn man mind. 2 Monate nicht gezahlt hat können die ihm die Krankenversicherung kündigen.

Wobei die Krankenkasse verpflichtet ist deinen Freund darauf hinzuweisen, was es für Folgen hat, wenn er nicht bezahlt. Hat sie ihn nicht darauf hingewiesen müssen sie ihn weiterversichern.

Sie sollten ihn also bei Versicherungsabschluss darauf hingewiesen haben. Steht in der Regel in den Unterlagen.

Beitrag von schnuffinchen 08.09.06 - 09:22 Uhr

Das Vorgehen ist weder fragwürdig noch sonstwie irgendwie zu beanstanden.

Ein Beispiel: Kannst Du Deine Handyrechnung nicht mehr zahlen, wird Dir auch der Vertrag gekündigt, und Du musst trotzdem die Grundgebühr bis Laufzeitende zahlen, ohne weiter telefonieren zu können.

Eine PKV ist nunmal ein Wirtschaftsunternehmen, kein Wohlfahrtsverein. Warum sollten die das anders machen?

Beitrag von parzifal 08.09.06 - 10:06 Uhr

Hallo,

ganz so logisch wie hier manche das finden ist es nicht, dass man Beiträge ohne Leistung schuldet.

Für die Vergangenheit ja, aber ab Kündigung?

Die KK kündigt doch (wegen Zahlungsverzugs). Wenn der Vertrag gekündigt ist wieso besteht eine Zahlungspflicht?

Ich habe meine Zweifel, dass tatsächlich noch 12 Monate Beiträge gezahlt werden müssen.

Beitrag von malawia 08.09.06 - 10:14 Uhr

Es ist aber richtigt. Denn man hat es ja verschuldet das man rausfliegt und muss darum noch die Beiträge bis zum Ende der MVLZ bezahlen.

Ist wie beim Internet. Beispiel:
Du hast bei einem Anbieter eine Flatrate mit 24 Monaten MVLZ, du zahlst jetzt deine Flatrategebühr auf einmal nicht mehr. Restvertragslaufzeit sind noch meinetwegen 16 Monate. Der Anbieter kündigt dir und du musst natürlich noch die ausstehenden Beträge bezahlen und die der Restlaufzeit. Das ist ganz normal.

Was anderes ist es, wenn man die Kündigung nicht verschuldet hat.

Beitrag von parzifal 10.09.06 - 19:25 Uhr

Falls tatsächlich Mobilfunkanbieter so handeln heisst das nicht, dass es rechtmäßig ist. Gerade die Mobilfunkanbieter sind kein Vorbild fpr rechtmäßiges handeln.
Dein Beispiel ist somit nicht repräsentativ.

Eine private Krankenversicherung kann leicht EUR 400-500 im Monat (und nicht ca. 20 EUR im Monat wie beim Mobilfunk) kosten.

In diesem Fall müsste der Gekündigte nach Deiner Ansicht bis zu EUR 6.000,-- zahlen ohne jede Gegenleistung. Das halte ich nicht für wahrscheinlich.

Ich gehe immer noch davon aus, dass der Verfasser eine falsche Auskunft erhalten hat.

parzifal

der sich gerade fragt, ob es überhaupt bei den privaten KK (bei den gesetzl. KK ja) eine einjährige Bindung gibt.



Beitrag von pete1323 11.09.06 - 12:22 Uhr

Hallo parzifal!

Zum Thema Mobilfunk kann ich Dir nur Recht geben.

Sie Sache mit der KV ist aber gesetzlich so geregelt (s. meine Antwort).

Es gibt bei vielen PKVs eine Mindestlaufzeit; bei vielen 1 Jahr, bei manchen 3 Jahre.


gruß pete

Beitrag von parzifal 13.09.06 - 15:53 Uhr

Hallo,

das mit den Laufzeiten ist wohl richtig.

Aber hier hat doch die Versicherung außerordentlich gekündigt.
Die Versicherung hat doch damit keinen Anspruch mehr aus Vertrag auf die Beiträge.

Man könnte aber über einen Schadensersatzanspruch der Versicherung nachdenken. Diesen müsste die Versicherung dann aber konkretisieren (vielleicht? in etwa: entgangene Beiträge abzüglich erwarteter (durchschnittlicher?) Krankenrechnungen).

Viele Grüße
parzifal

Beitrag von pete1323 13.09.06 - 18:03 Uhr

Hallo parzifal!

Vielleicht wäre dieses gerechter.

Aber in den Gesetzen (§§ 38, 39 VVG) ist das eben so geregelt. Und wer diese Verträge eingeht, der kennt diese Paragrphen und akzeptiert diese.


gruß pete

Beitrag von parzifal 15.09.06 - 09:50 Uhr

Hallo,

die zitierten Paragrafen begründen das Kündigungsrecht der Versicherung bei Zahlungsverzug bzw. die Folge der Leistungsfreiheit der Versicherung.

Eine Regelung dergestalt, dass die Versicherung das Recht behält auch ohne Leistung NACH KÜNDIGUNG weiter die vollen Beiträge (am Ende sogar drei Jahre lang!!) zu erhalten ist dort nicht geregelt.

Nach Deiner Ansicht müsste bei dreijähriger Laufzeit der ehemals Versicherte nach Kündigung wegen Zahlungsverzugs
bei ca. 400 EUR Monatsbeitrag und 3-jähriger Laufzeit bis zu EUR 15.000,-- zahlen (unterstellt er könnte dies tatsächlich aufbringen) ohne in diesen drei Jahren einen Anspruch auf Leistung zu erhalten oder irgendetwas daran ändern zu können.
Dies kann doch gar nicht sein.

Man kann nicht einen Vertag einfach (berechtigt) kündigen und weiterhin so gestellt werden,als wenn der Vertrag nur noch einseitig zu seinen Gunsten besteht.

Nach rechtmäßiger (hier außerordentlicher) Kündigung ist der Vertrag beendet.

Eine Zahlungsverpflichtung für zukünftige Beiträge besteht dann nicht mehr mangels Vertrag.

Schadensersatzansprüche bleiben vermutlich bestehen, aber diese wären zu beziffern.


Beitrag von pete1323 15.09.06 - 16:28 Uhr

Bis zum Ende der VersPersiode bedeutet: Bis zum Ende des VersJahres; nicht bis zum Ende der Mindestvertragslaufzeit.


gruß pete
(der hofft, dass das hema jetzt beendet ist)

Beitrag von parzifal 16.09.06 - 14:43 Uhr

Und wo soll geregelt sein, dass man nur bis zum Ende der Versicherungsperiode zahlen muss?

Ich habe begründet, dass eine fristlose Kündigung ein Vertragsverhältnis beendet.

Schlüssige Darlegungen warum dies nicht der Fall sein soll habe ich m.E. bis jetzt nicht erhalten (das zitierte Versicherungsvertagsgesetz passte ja nicht).

Viele Grüße
parzifal

Beitrag von pete1323 18.09.06 - 12:51 Uhr

Hallo Parzifal!

M. E. geht es hieraus hervor:

Folgeprämie (geregelt nach § 39 VVG):

"(3) Der Versicherer kann nach dem Ablauf der Frist, wenn der Versicherungsnehmer mit der Zahlung im Verzuge ist, das Versicherungsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Die Kündigung kann bereits bei der Bestimmung der Zahlungsfrist dergestalt erfolgen, daß sie mit Fristablauf wirksam wird, wenn der Versicherungsnehmer in diesem Zeitpunkt mit der Zahlung im Verzuge ist; hierauf ist der Versicherungsnehmer bei der Kündigung ausdrücklich hinzuweisen. Die Wirkungen der Kündigung fallen fort, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb eines Monats nach der Kündigung oder, falls die Kündigung mit der Fristbestimmung verbunden worden ist, innerhalb eines Monats nach dem Ablauf der Zahlungsfrist die Zahlung nachholt, sofern nicht der Versicherungsfall bereits eingetreten ist."

Hier folgt ebenfalls § 40 Abs. 2 VVG:

"(2) Wird das Versicherungsverhältnis wegen nicht rechtzeitiger Zahlung der Prämie nach § 39 gekündigt, so gebührt dem Versicherer die Prämie bis zur Beendigung der laufenden Versicherungsperiode...."


gruß pete

Beitrag von parzifal 19.09.06 - 10:20 Uhr

Hallo,

ja ich muss Dir Recht geben.

Der jetzt von Dir zitierte Paragraf 40 VVG ist vom Wortlaut her eindeutig.

Danke dass Du die Disskussion nicht eingestellt hast, da ich dadurch etwas dazugelernt habe.

Diese Regelung fand ich wie geschildert ja nicht gerade einleuchtend.



Beitrag von pete1323 19.09.06 - 12:28 Uhr

Kein Problem, dafür sind Foren ja auch unter anderem da.


gruß pete

Beitrag von jasminb 08.09.06 - 10:59 Uhr

Hallo,

ich arbeite bei einer grossen Privaten KV. Und diese Vorgehensweise der KV wundert mich.

Wer bei uns 3 MB´s nicht bezahlt werden, wird angemahnt, kommt dann keine Reaktion, gehts vor Gericht -aber nicht gleich gekündigt. Bei uns kann die fehlenden MB in Raten abgezahlt werden. Und wegen Leistungen im Schadensfall ist es bei uns so, dass wenn Rechnung eingereicht werden, ziehen wir einfach von der Erstattung die fehlenden Monatsbeiträge ab und wenn das Konto dann ausgeglichen ist, bekommt der Kunde den Rest ausbezahlt.
Das man ihm gleich kündigt, könnte vielleicht auch andere Gründe haben............hat er Vertragsbruch begannen, weil er irgendwelche Krankheiten verschwiegen hat. Die Privaten prüfen da sehr genau und fragen bei den Ärzten nach, ohne dass der Kunde das mitbekommt.

Ruf doch dort mal an und frage, ob die Versicherung weiter bestehen bleiben kann, wenn ihr die MB in Raten abbezahlt.

Jede Private machts halt anders. Aber sorry, Dein Freund ist wirklich selbst Schuld. Er kann nicht Leistungen verlangen, wenn er die MB´s für die Versicherung nicht bezahlt.

Dumm gelaufen

LG Jasmin

Beitrag von pete1323 08.09.06 - 11:28 Uhr

Hallo Lina!

Ich schließe mich grundsätzlich meinen Vorrednern an: Wer die Prämie nicht zahlt, erhält keinen weiteren Versicherungsschutz.

Hier hätte man im Vorfeld mit der Versicherung sprechen können, um eine Lösung zu finden; es sind ja keine Unmenschen. Man muss eben nur kommunizieren.

Für diesen Fall ist es wichtig zu wissen, ob es sich um die Erst- oder um eine Folgeprämie handelt. Es scheint sich hier um die Folgeprämie zu handeln.


Erstprämie (geregelt nach §38 VVG [Versicherungsvertragsgesetz]):

"(1) Wird die erste oder einmalige Prämie nicht rechtzeitig gezahlt, so ist der Versicherer, solange die Zahlung nicht bewirkt ist, berechtigt, vom Vertrag zurückzutreten. Es gilt als Rücktritt, wenn der Anspruch auf die Prämie nicht innerhalb von drei Monaten vom Fälligkeitstage an gerichtlich geltend gemacht wird.

(2) Ist die Prämie zur Zeit des Eintritts des Versicherungsfalls noch nicht gezahlt, so ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei."

Hier folgt §40 Abs. 2 VVG:

"... Tritt der Versicherer nach § 38 Abs. 1 zurück, so kann er nur eine angemessene Geschäftsgebühr verlangen."


Folgeprämie (geregelt nach § 39 VVG):

"(1) Wird eine Folgeprämie nicht rechtzeitig gezahlt, so kann der Versicherer dem Versicherungsnehmer auf dessen Kosten schriftlich eine Zahlungsfrist von mindestens zwei Wochen bestimmen; zur Unterzeichnung genügt eine Nachbildung der eigenhändigen Unterschrift. Dabei sind die Rechtsfolgen anzugeben, die nach den Absätzen 2, 3 mit dem Ablauf der Frist verbunden sind. Eine Fristbestimmung, die ohne Beachtung dieser Vorschriften erfolgt, ist unwirksam.

(2) Tritt der Versicherungsfall nach dem Ablauf der Frist ein und ist der Versicherungsnehmer zur Zeit des Eintritts mit der Zahlung der Prämie oder der geschuldeten Zinsen oder Kosten im Verzuge, so ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei.

(3) Der Versicherer kann nach dem Ablauf der Frist, wenn der Versicherungsnehmer mit der Zahlung im Verzuge ist, das Versicherungsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Die Kündigung kann bereits bei der Bestimmung der Zahlungsfrist dergestalt erfolgen, daß sie mit Fristablauf wirksam wird, wenn der Versicherungsnehmer in diesem Zeitpunkt mit der Zahlung im Verzuge ist; hierauf ist der Versicherungsnehmer bei der Kündigung ausdrücklich hinzuweisen. Die Wirkungen der Kündigung fallen fort, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb eines Monats nach der Kündigung oder, falls die Kündigung mit der Fristbestimmung verbunden worden ist, innerhalb eines Monats nach dem Ablauf der Zahlungsfrist die Zahlung nachholt, sofern nicht der Versicherungsfall bereits eingetreten ist.

(4) Soweit die in den Absätzen 2, 3 bezeichneten Rechtsfolgen davon abhängen, daß Zinsen oder Kosten nicht gezahlt worden sind, treten sie nur ein, wenn die Fristbestimmung die Höhe der Zinsen oder den Betrag der Kosten angibt."

Hier folgt ebenfalls § 40 Abs. 2 VVG:

"(2) Wird das Versicherungsverhältnis wegen nicht rechtzeitiger Zahlung der Prämie nach § 39 gekündigt, so gebührt dem Versicherer die Prämie bis zur Beendigung der laufenden Versicherungsperiode...."


gruß pete