meine Oma

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von funkelchen25 08.09.06 - 11:53 Uhr

Hallo!

Meine Oma hatte am Dienstag einen schweren Schlaganfall ist rechtssteitig gelähmt und seitdem nicht mehr aufgewacht. Sie liegt im Krankenhaus.
Sie war zuvor mit Ihren 89 Jahren für ihr Alter sehr fit. Immer eine ganz liebe und fleißige Frau und stehts um Ihre 2 Enkel bemüht. Ihre größte Angst war immer in ein Pflegeheim zu kommen! Doch meine Eltern sind Beide noch voll berufstätig und ich wohne 130 km entfernt. Es wird keine andere möglichkeit geben, obwohl ich das soooo schrecklich finde. Ich bin sooo traurig, wir wollen ihr das einfach nicht antun, genauso wenig wie eine künstliche Ernährung.
Oh Oma ich wünschte Du wärst einfach friedlich eingeschlafen und müsstest jetzt diese ganze tortur nicht mitmachen.

Danke fürs zuhören
Silvie

Beitrag von muckel1204 08.09.06 - 12:13 Uhr

Hallo Silvie,

erst mal bin ich in Gedanken bei Dir, denn es ist schwer wenn ein geliebter Mensch leiden muss.

Nun zu der Sache mit dem Heim und der Ernährung.
Hat Deine Oma einen gesetzlichen Vormund? Wenn ja, dann kann dieser sich gegen die künstliche Ernährung entscheiden.
Lasst Euch über die Vor-Nachteile aufklären, denn viele Menschen entscheiden sich für eine Ernährung obwohl es ein langer schwerer Kampf für den Betroffenen ist.
Redet miteinander darüber, denn es ist eine schwierige Entscheidung.

Ich wünsche ganz viel Kraft#liebdrueck
Wenn Du fragen hast, kannst Du Dich gerne melden.
LG Carina

Beitrag von funkelchen25 09.09.06 - 20:09 Uhr

Hallo Carina,

danke für deine lieben Worte. Ich kenne das Problem mit der Magensonde oder PEG, "leider" muss ich jetzt sagen war ich Krankenschwester und habe das Problem bei vielen Patienten und Angehörigen miterlebt. Und bei den Angehörigen die wo sich gegen diese Ernährung entschieden haben, diese Patienten sind sozusagen verdurstet und verhungert. Das war für mich als zuständige Schwester auch etwas schreckliches, zu sehen wie die Haut immer faltiger wird und die Zunge immer trockener und irgendwie ist das auch passive Sterbehilfe. Bei den Angigeh. die wo sich für die Magensonde entschieden haben, bei den Patienten geht das dann so ewig weiter und weiter und sie führen ein Leben in dem sie selbst nicht mehr zu sagen und zu bestimmen haben. Ich finde beides seeehr schrecklich. Mein Papa muß diese entscheidung dann in den nächsten Wochen treffen, denn er ist der einzige Sohn. Ich werden nächste Woche nach Hause fahren und das alles wird dann beredet. Danke nochmals

LG Silvie

Beitrag von smartcandi 08.09.06 - 17:18 Uhr

Hallo Silvie,

bei mir ist es exact die selbe Geschichte.

Zwei Hirninfarke und meine Oma ist von heute auf morgen ein Pflegefall. Sie hatte zwar schon Demenz, aber sie hat uns alle noch erkannt und man konnte sich mit ihr relativ gut unterhalten. Und dann peng. Klar, meine Oma ist alt (85), aber einer der besten Menschen der Erde.

Ich wohne auch 170 km weg von zuhause und war erst einmal bei ihr (sie ist seit 2 Wochen drin), aber der Anblick war ein Schock für mich. Nicht nur, weil sie mitgenommen ausieht, sondern all die alten Menschen - hilflos und verwirrt - um sie herum. Meine Oma passt da nicht rein und sie wollte auch nie dortrein, aber die Möglichkeit sie aufzunehmen hat keiner von uns. Ich weine sehr oft, wenn ich an meine Oma denke und genauso wie bei Dir, würde ich mir wünschen, dass der liebe Gott sie bald zu sich holt. Ich liebe sie sehr, sie war ewig ein steter ruhender Pol in meinem Leben und nun soll sie weg sein? Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mehr da bin und vorallem war.

Ich glaube, sie versteht, wo sie ist, und das tut noch mehr weh. Obwohl sie ansonsten fast nur wirres unverständliches Zeug redet.Ich will nicht, dass sie denkt, dass wir sie im Stich gelassen haben.Meine Mutter ist jeden tag im Heim, damit sie nicht alleine ist.

Als ich bei ihr war, redete meine Oma nur von ihrer Kindheit dem Krieg und verschiedene absolut verwirrte Sachen ohne Zusammenhang und starrt durch einen durch. Ich hockte mich vor ihr auf den Boden, nahm ihre Hand und fing an zu weinen. Dann schaute sie mich an, und sagte:"komm her mein Schätzchen. Kleine, Du musst nicht weinen. Der Oma geht es nicht so gut. Ihr ist nicht so wohl,aber die Zeit ist gekommen"....."aber bevor es soweit ist und die Welt verwelkt, gehen wir beide noch ein Eis essen" Das hat mich einfach nur umgehauen und ich habe die ganze Zeit geweint,besonders als ich sie dann so da sitzen lassen musste - mit einem Bauchgurt im Rollstuhl und traurigen Augen.

Auch wenn es vielleicht keiner mehr liest, danke ich Euch, dass ich mir mal Luft machen konnte.

Maren

Beitrag von funkelchen25 09.09.06 - 20:21 Uhr

Hallo Maren,

das tut mir sehr leid, dass haben unsere lieben Omas einfach nicht verdient. Meine ist immer noch nicht aufgewacht, sie liegt ganz friedlich da, als ob sie schläft. Langsam muß mein Papa dann die Entscheidung treffen zwecks Pflegeheim und Magensonde. Da ich Krankenschwester war, weiß ich leider was das alles zu bedeuten hat und das macht mich noch trauriger. Soll man jemand verhungern oder verdursten lassen, oder aber soll man ihn durch diese Ernährungsart künstlich am Leben halten. Ich war als Schwester immer froh das ich nicht diese Entscheidung treffen mußte sondern nur ausführen. Aber wenn man plötzlich auf der anderen Seite steht bringt einem diese Frage fast um den Verstand.
Danke das du mir nochmal zugehört hast.

LG Silvie