Unser Sohn (fast 3) tanzt uns auf der Nase rum. Bitte Hilfe!

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von mischu 08.09.06 - 16:52 Uhr

So langsam reicht es. Ich bin mit dem Kleinen noch im Erziehungsurlaub, seit Montag geht er aber 4 Stunden in die Kita. Ich bin mit ihm eigentlich immer gut klar gekommen, nur seit etwa 4 Wochen treibt er mich zur Weisglut. Ich kann ihm sagen was ich will - er hört nicht darauf. Manchmal tut er als höre er es nicht, manchmal macht er das komplette Gegenteil. Wenn mein Mann da ist und ihm etwas sagt, dann lacht der Kleine ihn aus. Meine Schwiegermutter hat mir vor längerer Zeit schon gesagt ich solle den Kleinen mal (wörtlich!) "ordentlich züchtigen" damit er weiss wer hier das Sagen hat. Ich bin als Kind selbst oft geschlagen worden und lehne das für mein Kind komplett ab. Im Gegenteil, ich krieg schon einen Anfall wenn der Kleine von meinem Mann mal ne Ohrfeige bekommt. Nun geht er wie gesagt in die Kita und die Erzieherin sagte mir, er hätte keine Ohren, ich solle ihn doch bestrafen. Wie bitteschön bestrafe ich denn ein 2 jähriges Kind? Der hat doch nach 10 Minuten vergessen was er falsch gemacht hat, oder? Ich bin euch für jede ernst gemeinte Antwort wirklich dankbar.

Beitrag von zaubertroll1972 08.09.06 - 17:46 Uhr

Hallo,

Dein Mann ohrfeigt den Kleinen??? Das kann nicht Dein Ernst sein! Find` ich schon mal unmöglich und völlig falsch!
Besser ist doch dem Kind Konsequenzen aufzuzeigen.
Du hast jetzt kein Beispiel genannt. Daher erzähle ich kurz von uns:
Mein Sohn wollte vor dem Mittag etwas essen, er hatte Hunger da er aus dem Kiga kam. Da es aber in kürze Essen gab habe ich ihm eine halbe Banane gegeben. Es paßte ihm nicht, er wollte die ganze und hat sie auf den Boden geworfen. Ich habe sie ihn aufheben lassen und sie anschließend weg gelegt. Es gab dann bis zum Mittag nichts.

Oder aber er bockt und schreit. Ich sage ihm daß er in sein Zimmer geht wenn er nicht aufhört. Wenn er weiter macht geht er hoch bis er sich ausgetobt hat.

Ich hab das jetzt mal kurz umschrieben und hoffe daß Du was damit anfangen kannst.

LG Z.

Beitrag von cathie_g 08.09.06 - 17:54 Uhr

Bestrafen ist doof und unwirksam - jede Ohrfeige ist kontraproduktiv. Jedes Kind muss lernen, dass sein Handeln "natuerliche Konsequenzen" hat. Nur so kann es erkennen, dass bestimmte Handlungen nicht akzeptabel sind und wird damit aufhoeren. Ein paar Beispiele:

Das Kind will von der Kita nicht weg und troedelt - Konsequenz: heute leider keine Zeit zum Spielplatz zu gehen (Achtung nicht schimpfen, sondern mitteilen "die Zeit haben wir leider beim Troedeln verloren, vielleicht bist du das naechste Mal schneller fertig, dann koennen wir ja noch...").

Das Kind wirft oder haut mit einem Spielzeug - Konsequenz: das Spielzeug kommt unerreichbar auf den Schrank. Wieder - nicht schimpfen, sondern feststellen: "das ist jetzt ein bisschen gefaehrlich mit dem fliegenden Spielzeug, wir legen es besser weg, bis Du damit ruhiger spielen kannst").

Das Kind haut bei einem Besuch/auf dem Spielplatz ein anderes Kind - Konsequenz: sofort einpacken und nach hause gehen, mit der Bemerkung "so koennen wir leider nicht weiter hier bleiben. Schade, ich haette gerne noch gespielt, aber es geht ja nicht, dass ein anderes Kind dadurch verletzt wird".

Wenn Dein Sohn Dreck macht: Wischlappen in die Hand und mit aufraeumen lassen - danach ausfuehrlich loben fuers Helfen.

Wenn er tobt, weil er etwas nicht darf: Bedauern "ja, es ist wirklich schade, dass YX jetzt nicht geht. Wenn Du das naechste Mal - hier einsetzen was Du von ihm willst - dann koennen wir sicher XY.

Damit bist Du nicht die keifende, strafende Mutti und er lernt, dass sein Verhalten Konsequenzen hat, die er selber, durch Wohlverhalten, beieinflussen kann.

Klappt echt und hilft langfristig. Nach ein paar Monaten braucht es nur noch eine kleine Erinnerung (dabei NICHT das unerwuenschte Verhalten nennen, sondern das erwuenschte - also NICHT "Du sollst nicht auf die Tapete malen", sondern "wir malen nur auf Papier").

Konsequent sein, auch wenn er weint oder sauer ist, dann wird das was. Kleine Szene als meine Tochter knapp 4 war und eine Freundin Aerger machte:

ich zur Freundin: "Du, M, wenn Du so wild mit dem Spielzeug bist muessen wir es auf den Schrank retten".

M ist weiter wild

Meine Tochter, schon halb panisch: "M, die meint das Ernst, die tut das echt auf den Schrank".

LG und viel Erfolg

Catherina

PS Dein Mann sollte Dein Kind nicht schlagen - bringt nichts. Schlaegt er Dich wenn Du was nicht richtig machst? Erwartet er von der Politesse eine Ohrfeige zu bekommen wenn er falsch parkt? Mit Schlaegen erreicht man nichts und sie legen die Grundlage fuer einen respektlosen Umgang miteinander in der Familie. Irgendwann ist Euer Sohn 15 und groesser als Dein Mann - bis dahin sollte er besser gelernt haben, dass Schlaege nichts bringen.

Beitrag von vivien1908 08.09.06 - 20:59 Uhr

hey du,
mir geht es auch nicht anderes meine kleine ist jetzt im august drei geworden und hört auch zur zeit ganz schlecht bis garnicht. bei mir ist es aber so das sie nur auf mich und andere leute nicht hört. beim papa aber hört sie wie ne eins. nur sieht sie ihn sehr wenig da er viel arbeitet.
ich handhabe es jetzt so, dass ich ihr das süße streiche oder wenn wir mal was für sie gekauft haben, bekommt sie es erst wenn sie den ganzen tag lieb war! bei mir klappt es ganz gut. manchmal bekommt sie wenn es ganz schlimm ist auch eine auf den hintern angedeutet aber ne ohrfeige würde ich auch nie machen.
naja, ich hoffe für uns und für euch das sich die phase bald legt! also kopf hoch das wird schon wieder!
mfg vivien1908

Beitrag von monique_15 08.09.06 - 21:48 Uhr

Hallo Mischu,

ich weiß natürlich so aus der Ferne nicht, was deinem Sohn fehlt, aber es sieht für mich so aus, als vermisse er etwas. Er provoziert euch, weil er etwas sucht. Ohrfeigen sind da ganz sicher keine Lösung, und auch drakonische Strafen nicht. Ihr werdet ihn vielleicht zum Gehorchen dressieren, aber das Problem an der Wurzel packen tut ihr gewiss nicht. Das geht dann eine Weile gut, bis zur nächsten Gelegenheit, dann kommt die ganze Sache wieder hoch, nur schlimmer.

Ich weiß, die kleinen Monster können einen zur absoluten Weißglut bringen... meine Tochter hat auch manchmal solche Phasen. Aber am besten solltet ihr in dem Moment erst mal tief durchatmen und den Sohnemann machen lassen. Kannst du dir vielleicht vorstellen, warum er sich taub stellt? Was will er dir mitteilen? Braucht er mehr Aufmerksamkeit, mehr Kuscheln und Zuwendung? Fühlt er sich vielleicht überfordert? Hat er zu viel Neues erlebt? Irgendwas ist der Grund für sein Verhalten, du solltest versuchen herauszufinden, was es ist.

Was mir wirklich sehr geholfen hat, war das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff. Es ist KEIN Erziehungsratgeber! Die Autorin war 2 1/2 Jahre bei venezolanischen Indianern. Die Kinder dort streiten sich nie, gehorchen anstandslos, sind fröhlich, alle Menschen scheinen permanent glücklich zu sein. Hört sich echt utopisch an, gelle? Aber sie beschreibt, wie man dort miteinander umgeht und vor allem, wie mit Kindern umgegangen wird.
Viele, die das Buch gelesen haben, müssen erst mal weinen (um ihre eigene Kindheit, in der so viel falsch lief). Es öffnet einem echt die Augen, wie viel wir falsch machen, obwohl wir es doch so gut meinen.
Ich kann dir das Buch nur ans Herz legen. Lass dich nicht abschrecken, wenn es anfangs manchmal ein bisschen intellektuell klingt, es bleibt nicht so.

Wenn du das Buch gelesen hast, wird sich dein Umgang mit deinem Sohn ganz automatisch ändern, und glaube mir, manches wird SO einfach sein, dass du dir an den Kopf schlägst und dich fragst, wieso du es bisher nicht schon immer so gemacht hast. Es geht grob gesagt darum, MIT deinem Kind zu leben und nicht GEGEN es. Und noch viel mehr als das...

Na ja, ich weiß nicht, ob es dir hilft. Aber schlagt den kleinen Mann nicht, bitte. Er weiß doch noch gar nicht, was er tut. Geht eventuell mal zur Erziehungsberatung (Caritas, Haus der Familie usw.), die können euch auch ganz sicher weiterhelfen.

Lieben Gruß,
Monique

Beitrag von mischu 09.09.06 - 14:12 Uhr

Ich dank euch erstmal für die Tips. Da sind wirklich Sachen auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Vielleicht fehlt ihm ja tatsächlich etwas. Ich bin wieder schwanger und da nehm ich mich eben etwas zurück mit dem Toben. Ich hab ihm auch versucht zu erklären warum er jetzt nicht mehr auf meinem Bauch reiten kann etc. Möglicherweise fühlt er sich schon zurückgestellt?
Ich werd auf jeden Fall mal austesten was ihr so für Empfehlungen habt. Danke schonmal.
Wichtig ist mir noch zu sagen, dass der Kleine natürlich nicht von uns geschlagen wird. Richtig ist, dass er halt ab und an was auf den Hintern bekommt. Das ist nicht richtig von meinem Mann und ich sage ihm das auch. Aber schlagen und schlagen sind in dem Moment wirklich 2 völlig unterschiedliche Sachen. Und das sag ich jetzt nicht um meinem Mann in Schutz zu nehmen.

Beitrag von ayshe 09.09.06 - 22:09 Uhr

hallo,


es wurde ja schon viel schönes gesagt, auch liedloff erwähnt :-) , .

ihr müßt vor allem euer kind VERSTEHEN!!!!

er ist in einem schwierigen alter.
alles hat hintergründe.


versucht doch bitte, mal einige saus seiner sicht zu sehen und am besten geht es mit verständnis und libe, nähe,

aber NIE mit schlagen, auch keine ohrfeigen!!


lg
ayshe

Beitrag von 3blade3 10.09.06 - 22:50 Uhr

Hallo. Du böse böse Mutter. Wie kannst du dein Kind schlagen bzw. eine Ohrfeige von deinem Mann verpassen lassen?#schein Tz tz, und dann noch sowas hier öffentlich verlauten lassen!!? Das war eine Totsünde, wie du nun gemerkt hast. Hier gibt es doch nur Supermütter!:-p Ich kann dich sehr gut verstehen, könnt dir jetzt x Tips geben, aber wollte dir nur sagen: Laß dich nicht verrückt machen, eine Ohrfeige (von schlagen! reden wir nicht!) hat noch keinem Kind geschadet, wenn es auch pädagogisch nicht korrekt ist!#hicks Wir bösen Mütter, lach. Starke Nerven und es wird schon! LG (immer KOnsequenzen durchziehen, das wirkt. Buchtip: Stephen Biddulph: Das Geheimnis glücklicher Kinder oder wie Jungen glücklch heranwachsen!:-D

Beitrag von mischu 11.09.06 - 12:47 Uhr

Danke. Hab mich schon wirklich schlecht gefühlt. Da ich wie gesagt als Kind selber geschlagen wurde, kann ich sehr gut beurteilen wo die Grenze liegt. Du hast recht. Hier gibt es scheinbar nur Supermütter. Jedenfalls offiziell. Und dass das ne Lüge ist, wissen die sicher auch selber wenn sie ganz ehrlich sind. Wie gesagt, danke für deine Worte. Wollte mich schon selbst beim Jugendamt anzeigen;-)

Beitrag von monique_15 12.09.06 - 18:56 Uhr

*ironie an* Sorry, hier ist nochmal eine von den Supermüttern. *ironie aus*

Wenn euch schon sonst nix überzeugt, dann aber mal noch ein ganz anderes Argument gegen das Schlagen:
Neuere Studien haben gezeigt, dass laute Musik und laute Geräusche viel seltener die Ursache für Schwerhörigkeit sind als angenommen. Dagegen sind Knalltraumas sehr oft die Ursache. Und die kommen von Ohrfeigen, Knallkörpern (Silvesterböller, Kinderpistole) und ähnlichem, was plötzliche Geräusche nah am Ohr auslöst. Schlagen ist also in doppeltem Sinne Körperverletzung...

Und: Wenn man jemand schlägt, nimmt man ihm die Würde, man sagt ihm, dass er nichts wert ist. Ist es das, was deine Kinder von dir mitgegeben bekommen sollen?
Für den, der schlägt, ist es dagegen ein Zeichen der Schwäche. Ich weiß keine vernünftigen Argumente mehr, also haue ich drauf (oder schreie).

Es geht doch hier nicht drum, sich selbst beim Jugenamt anzuzeigen oder Eltern zu verurteilen. Es geht drum, für die Kleinen eine neue Möglichkeit zu suchen, den alten Teufelskreis zu durchbrechen. Ich wurde so mies erzogen, ich wurde geschlagen, also mache ich es genauso.

Schöner wäre doch, einen Menschen (egal wie jung) erst mal so zu nehmen wie er ist und MIT ihm gemeinsam Lösungen zu suchen. Zwang hat noch nie etwas Positives hervorgebracht. Zwang führt zu Hass und Ablehnung. Wenn ich MIT jemandem arbeite, dann führt es viel eher zu Respekt und positiven Ergebnissen.

Ich will das hier jetzt nicht noch weiter ausbreiten, aber es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit. Keine Gewalt, bitte. Es GIBT immer eine andere Lösung.

Nix für ungut.
Liebe Grüße,
Monique

Beitrag von mischu 13.09.06 - 13:07 Uhr

Also irgendwie lässt mir das keine Ruhe, sorry. Erstensmal schlage ich mein Kind nicht. Er bekommt einen Klaps wenn es gar nicht anders geht. Von einem Knalltrauma kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Sicherlich ist das ein sehr sensibeles Thema und jeder versucht herauszufinden ob da vielleicht doch mehr dahinter steckt. Das kann ich ja verstehen. Sicher ist es auch oft der Fall, dass Eltern in diesem von dir beschriebenen Teufelskreis stecken. Soll es ja geben, ist bei mir aber nicht der Fall. Das hab ich auch schon mehrere Male erwähnt.

Ja, ich schreie mein Kind an. Wenn ich drei oder vier mal sage, dass ich nicht möchte, dass er z.B. mit seinem Auto gegen den TV schlägt, dann werde ich laut. Darauf reagiert er dann meist und ich kann ihm in Ruhe erklären warum ich das nicht möchte. Was er natürlich nach 5 Minuten wieder vergessen hat - oder warum tut er das dann wieder und wieder? Hat er aber mal einen schlechten Tag, kann es passieren, dass er sich umdreht und mit dem Auto nach uns wirft.

Wenn er auf den Po bekommt, wird ihm nicht die Würde genommen, er kriegt zu verstehen, dass er weit über seine Grenzen gegeangen ist und dass seine Eltern das Sagen haben.

So, nun schimpft wieder und erzählt mir was ich für ne schlechte Mutter bin. Ich wollte gern Tips, die mir das Leben mit ihm erleichtern und keine Schuldgefühle weil ich mein Kind schlage.
Was ich definitiv nicht tue - aber man kann hier ja sagen was man will.

Beitrag von monique_15 13.09.06 - 14:46 Uhr

Hallo Mischu,

ich sage eben NICHT, dass du ne schlechte Mutter bist. Aber ich sage, dass es "ein bisschen schlagen" nicht gibt. Genauso wenig wie "ein bisschen schwanger".
Gewalt bleibt Gewalt. Dazu gehört der Klaps auf den Po ebenso wie verbale Gewalt (das Kind mit Worten erniedrigen, beschimpfen usw.). Das ist meine persönliche Meinung und die hab ich hier gesagt. Du hast doch gefragt, wie es in der Erziehung deines Sohnes besser laufen könnte. Nun, MEINE Meinung ist, dass es auf die Art, wie du es machst ("ein bisschen schlagen und ein bisschen anschreien") auf Dauer nicht gut gehen KANN.

Du möchtest doch, dass dein Sohn dich respektiert, oder? Dass er deine Meinung akzeptiert. Dass er dich als vollwertige Person ansieht und auch immer ein bisschen zu dir aufschaut. (Also ich jedenfalls wünsche mir das von meinen Kindern). All dies sind Dinge, die meiner Erfahrung nach NUR auf Gegenseitigkeit funktionieren. Dein Sohn wird dich niemals respektieren, wenn du ihn nicht ebenfalls respektierst und ernst nimmst. Wenn du aber seine persönliche Grenze häufig überschreitest und Gewalt anwendest, kann er dich nicht respektieren. Er kann dich fürchten, dich hassen, dir misstrauen, dich verachten, alles mögliche... aber Liebe, Vertrauen und Respekt benötigen nunmal Gegenseitigkeit.
(Vielleicht wirst du in seiner Pubertät nochmal an meine Worte denken?)

Daher wäre mein Ratschlag nochmal: Lass das bitte sein. Es gibt einen anderen Weg. Der Anfang ist sehr schwer zu finden, und es gibt auch immer mal wieder schlechte Tage (wo man sein Kind am liebsten erwürgen möchte) - aber das Umlernen lohnt sich. Das Problem, dass dein Sohn nicht auf dich hört und macht was er will, wird sich dann auch von alleine lösen, glaub mir. Es ist ein Trugschluss, wenn du glaubst, er werde nur durch Strenge lernen zu gehorchen.

Ich hab eine 4-jährige Tochter, die teilweise extrem getrotzt hat und ich weiß wovon ich rede. Du tust DIR echt keinen Gefallen mit dem "nur ein Klaps auf den Po".
Bei uns ist es seit 3, 4 Monaten sehr viel besser geworden, und wir haben dazu keine Gewalt (weder körperlich noch mit Worten) gebraucht.

So. Das war meine Meinung. Wenn du dich entschließt, nicht drauf zu hören, so ist das okay. Aber du hattest doch nach Meinungen gefragt, nicht?

Egal, welchen Weg du gehst, ich wünsch euch auf jeden Fall alles Gute.

Viele Grüße,
Monique

Beitrag von mischu 13.09.06 - 20:11 Uhr

Sicher. Du hast recht. Ich hab nach Meinungen gefragt. Vielleicht ist das auch schwer zu verstehen - und damit meine ich nicht gutheißen. Ich bin wie gesagt selbst geschlagen wurden. Meine Mutter hat misch geschlagen bis ich 12 oder 13 war. Und das war nicht nur ein Klaps auf den Po. Ich habe mich zum Teil in einer Zimmerecke zusammengekrümmt, die Arme schützend über den Kopf gehalten und sie angefleht sie möge endlich aufhören. Das weiß ich noch als wäre es gestern gewesen. Heute bin ich 28 Jahre alt. Ich liebe meine Mutter mehr als alles andere und ich kann sie sogar verstehen. Glaubste nicht? Ich kann nachvollziehen, dass sie mich geschlagen hat weil sie überfordert war. Ich kann das natürlich nicht vergessen. Und ich nehme ihr wirklich übel, dass sie sich bis heute nicht dafür entschuldigt und dass sie nicht versteht, dass sie damals Fehler gemacht hat.

Natürlich will ich diesbezüglich nicht in ihre Fußstapfen treten. Deshalb schlage ich mein Kind nicht!

Ich glaube nicht, dass sich die Probleme mit ihm irgendwann von selbst geben. Er muss Grenzen gesteckt bekommen. Dass Schläge erstenes mal falsch und zweitens mal nicht zu rechtfertigen sind ist mir sehr wohl bewußt.

Beitrag von monique_15 13.09.06 - 20:58 Uhr

Schön, dass du nicht beleidigt bist von meinen Worten :-)

Ich finde deine Geschichte ganz traurig. Tut mir leid, dass du geschlagen wurdest. Ich habe in meinem Leben einmal eine richtige heftige Ohrfeige bekommen: Von meinem Onkel. Sie kam für mich total unerwartet und ich konnte nicht verstehen, warum er das tat. Ich habe ihn dafür gehasst. Meine Oma dagegen hat uns auch hin und wieder mal auf den Hintern geklapst, wenn sie nicht mehr weiter wusste. Ich habe sie dennoch geliebt, aber auch zeitweise verachtet.
Wenn ich höre (oder mitbekomme), dass Kinder geschlagen werden, empfinde ich immer diese Hilflosigkeit und das Nicht-Verstehen von damals, als mein Onkel mir eine reingehauen hat. Ich wusste überhaupt nicht, was der von mir will. Und ich war empört, weil er es gewagt hatte, mir Gewalt anzutun. Er hatte nicht das Recht dazu. Wenn er solche Gefühle in mir auslöste (und nicht etwa das, was er wollte), wie hätte er mich also mit dieser Maßnahme sinnvoll erziehen können?

Klar muss man einem Kind Grenzen aufzeigen. Das tun wir auch mit unserer Tochter (der Kleine ist ja noch zu jung). Aber man kann es auch liebevoll und ganz ohne jegliche Gewalt tun. So ein bisschen ähnlich wie das, was cathie_g in ihrer Antwort geschrieben hat. Einfach, indem man immer konsequent ist. Ohne das Kind persönlich anzugreifen. Immer nur: Du wirfst mit deinem Auto nach Menschen? Dann muss das Auto auf den Schrank, damit ES (!) niemandem wehtun kann. Du schlägst ein anderes Kind? Dann tröste ich das andere Kind (und schenke dir nicht die Aufmerksamkeit, die du damit erreichen wolltest).
... ganz easy... ;-) (Nein, ich weiß, es ist das Schwierigste überhaupt, vernünftig mit bockigen kleinen Kröten umzugehen).

Ich sag's nochmal: Wenn du magst, lies mal das Buch von Jean Liedloff. Bei mir hat das ganz viel in Bewegung gebracht. Dein Sohn wird dich dafür lieben. :-)

So,
Gruß nochmal von
Monique (die jetzt endlich die Klappe hält)

Beitrag von mischu 14.09.06 - 09:33 Uhr

Hallo Monique,
wenn ich ehrlich bin, haben mich deine Beiträge z.T.schon auf die Palme gebracht. Ich bin im Moment aber auch ziemlich sensibel - das kommt wohl durch die Schwangerschaft. Das Buch hab ich tatsächlich schon bestellt. :-)
Das mit deinem Onkel kann ich total nachvollziehen. Ich würde wahnsinnig werden wenn irgendwer die Hand gegen mein Kind erheben würde. Bitte glaub mir endlich, unser Niklas bekommt keine Prügel. Ich flehe meinen Mann an ihn nicht zu Klapsen. Doch manchmal bist du so hilflos, dass du deine guten Vorsätze vergisst. Ich will alles tun um ihm eine schöne Kindheit zu ermöglichen und das funktioniert natürlich nur gewaltfrei. Dessen bin ich mir sehr wohl bewußt. Also "Super-Mami", wir arbeiten an uns und ich weiß, dass wir das schaffen. Danke für deine deutlichen Worte.
Liebe Grüße, mischu

Beitrag von monique_15 14.09.06 - 12:07 Uhr

Klar schafft ihr das :-)#pro

Ich hoffe, du kannst mit dem Liedloff-Buch was anfangen. Es gibt auch ein Liedloff-Forum, wo u.a. verzweifelte Mütter nach Hilfe fragen (man muss sich aber anmelden, ist kein offenes Forum). Ich hab dort schon einige gute Tipps bekommen. Es ist aber teilweise ein bisschen "alternativ".

Ich wünsch dir für die SS und mit deiner Familie alles Gute. #klee

LG, Monique