Sammelbestattung bei Totgeburt / Spendenkonto

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von marie73 09.09.06 - 00:49 Uhr

Liebe Urbianerinnen,

in den nächsten Tagen wird die Bestattung der Tochter unserer Freunde sein.
Vielleicht kann mir jemand, der l e i d e r damit Erfahrung hat,
kurz umschreiben, wie der ungefähre Ablauf sein wird.
Ich weiß nur, daß es einen gemeinsamen Gottesdienst gibt und danach die Sammelbestattung mehrerer Kinder auf dem Friedhof.
Werden die Kinder wie bei einer "normalen" Beerdigung zu Grabe getragen? Legt man Blumen nieder? Wird jedes Elternpaar angesprochen? Meine Freundin mag sich nicht informieren, was im Detail passiert, ich glaube, sie versucht sich darauf zu konzentrieren, es einfach zu überstehen.
Wäre also sehr dankbar, wenn jemand etwas berichten könnte, der es schon erlebt hat, damit wir sie etwas vorbereiten können und auch wir wissen, was auf uns zukommt. :-(

Noch eine Frage: würden statt Blumen etc. gerne etwas spenden. Gibt es ein Spendenkonto für Vereine, die sich um die Familien von Totgeburten kümmern, oder besser noch, Forschungseinrichtungen, die sich damit befassen, und die man unterstützen kann, damit manche Totgeburten in Zukunft vielleicht vermieden werden können?

Meiner Freundin hat die Idee gefallen.

Vielen lieben Dank im voraus #blume ,
Grüsse, Marie

Beitrag von stefanie73 10.09.06 - 09:03 Uhr

#scheinLiebe Marie,
wir haben vor drei Jahren Zwillingsjungen bekommen und einer war leider eine Totgeburt. Er kam mit fast 2 Kilo zu Welt und wir mußten uns auch für eine Bestattungsform entscheiden. Wir haben dann uns dann auch für eine Sammelbestattung entschieden. Zur Welt kamen die Babys im März und die Bestattung war dann aber erst im Juni, weil es so lange dauerte, bis genug Babys aus verschiedenen Krankhäusern in unserer Stadt gestorben waren. Meistens ist das alle viertel Jahre der Fall. Die Trauerfeier war wunderschön. Der Sammelsarg, eine Holzkiste, in der jedes
Baby seinen eigenen winzigen Sarg hatte, sogar mit kleinen Kisschen und Samtdecken ausgelegt, wurde vorher von einer Kindergartengruppe ganz bunt bemalt. Auf dem Sarg lag auch ein Blumenbouquet. Wir mußten gar nichts dafür bezahlen, weil das ganze Material, die Stoffe, das Holz, eine ehrenamtliche Stiftung von verschiedenen Bestattungsfirmen gewesen ist. Auch der Pastor hat die Predigt völlig umsonst gehalten, genau wie die Träger der Organist usw. Die eigentliche Feier war zwar sehr, sehr traurig, aber auch wunderschön. Zum Eingang hat der Orgelspieler das Lied gespielt, "Weißt Du wieviel Sternlein stehen", seitdem bring ich es immer damit in Verbindung. Die Rede des Pastors war auch sehr ergreifend und es gab keinen der nicht geweint hat. Unsere Freunde und Verwandten haben nachher auch bestätigt, dass sie noch keine schrecklichere aber gleichzeitig so schöne Trauerfeier erlebt haben. Sie dauert ca. 20 Minuten, dann wurde der Sarg von Trägern zum vorbereiteten Erdloch getragen. Die Eltern haben sich dann wie bei jeder anderen Beerdigung auch in einer Reihe aufgestellt und jeder hat eine Rose oder einen kleinen Strauß hineingeschmissen, wenn er an der Reihe war. Nach ein paar Tagen war die kleine Sammelgrabstätte voll mit Teddys, Blumensträußen, kleinen Holzkreuzen und Steinen, auf denen Sprüche stehen. Allerdings ist es der Sinn der anonymen Sammebestattung, das keine Namen auf die Kreuze etc. geschrieben werden dürfen. Wenn das jemand gemacht hat, so wurde das Kreuz etc. von der Friedhofsleitung hinuntergenommen. Das wäre ja dann wie ein normales Kindergrab. Auch jetzt gehen wir noch jedes Vierteljahr einmal mit unseren Kindern zu dem Sammelgrab und besuchen Niklas. Alle Sammelgräber sind eigentlich immer gepflegt, weil immer irgendjemand was dran macht. Das ist halt das schöne, man hat nicht diese Verpflichtung wie bei einem Einzelgrab und wir finden nichts schlimmer, als die verwaisten Kindereinzelgräber, die nach einigen Jahren doch keiner mehr besucht. Wir haben dann auch eine Spende an den Förderverein für verwaiste Eltern gestiftet, der diese Sammelbestattungen organisiert, da man ja sonst nichts machen konnte.
Ich hoffe, ich konnte Dir mit meiner SChilderung helfen. Viele liebe Grüße, Stefanie

Beitrag von marie73 11.09.06 - 01:00 Uhr

Liebe Stefanie,

erst einmal liebsten Dank für Deine ausführliche Schilderung, obwohl es mir sehr, sehr leid tut, dass es sich bei Dir um eine Erfahrung handelt, die Du selbst machen mußtest.

Da ich selbst Mutter von zwei Kindern bin und jetzt an der Seite meiner Freundin diese Tragödie miterlebt habe, kann ich mir ein ungefähres Bild von dem Leid machen, dass Eltern, die soetwas erfahren mußten, zu tragen haben.

Dein Bericht hat mir wirklich geholfen, ich hoffe, dass die Trauerfeier bei uns allen einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wird, wie bei Dir.
Die Vorstellung, dass alle Babies beisammen sind und keines allein, wird vielleicht etwas helfen, diese Bestattung zu ertragen, bei der man sonst vielleicht nur schreien möchte:
"Nein, nicht hinein in die dunkle Erde und weg von uns!".

Ich habe schon etwas Angst, und ich wage nicht mir vorzustellen, wie es in meiner Freundin an dem Tag aussehen wird, obwohl die Totgeburt selbst auch schon läger her ist.

Für Dich und Deine Familie wünsche ich das Allerbeste und glaube, dass Euer "zweiter Zwilling" den besten Schutzengel hat, den man sich wünschen kann.

Liebe Grüsse, Marie

Beitrag von muriel347 10.09.06 - 15:39 Uhr

es gibt den verein verwaiste eltern. die helfen den hinterbliebenen von kindern allen alters. oder du hilfst vereinen, die frühchen-eltern helfen. die gibt es meistens in den krankenhäusern, wo es auch frühchenstationen gibt.

sei für deine freunde da. signalisiere, dass du wirklich immer zuhören wirst und sie auch noch in einem jahr fest in den arm nimmst, wenn die tränen kommen. versiegen werden sie nie. sie werden nur seltener und erträglicher.

#herzlich Muriel

Beitrag von marie73 11.09.06 - 01:04 Uhr

Liebe Muriel,

vielen Dank für Deinen Tip, werde im Krankenhaus nachfragen, da man sich dort auch liebevoll um unsere Freunde und ihr Kind gekümmert hat.

Denke auch, dass es das wichtigste ist, immer ein offenes Ohr zu haben und auch, wenn viel Zeit vergangen sein wird und die Wunden scheinbar heilen, die Tochter unserer Freunde immer wieder zu thematisieren, wenn ihnen danach ist.

Liebe Grüsse, Marie

Beitrag von _lasse 15.09.06 - 18:56 Uhr

Hallo Marie,
bei meinem Engel war es so, dass das KH und die evang. Kirche und eine betroffene Mutter sich für die Frühgeburten stark gemacht haben.
Dieser Verein kann natürlich mit Spenden unterstützt werden.
Wir haben ein kleines Haus als Denkmal, drum herum ist ein Garten... dort werden die Kinder begraben.
Ich kann Dir leider nicht sagen ob die sterblichen Überreste in einem Sarg bestattet wurden... ich habe es nicht übers Herz gebracht bis zum offenen Grab zu geben (hätte eh nix gesehen, so viele #heul )
In der Kapelle wurde ein Gottesdienst gehalten, von einer katholischen Schwester und einer evang. Pastorin. Wir sind dann gemeinsam zur Grabstätte gegangen, viele Eltern haben kleine Geschenke, Blumen usw. ins Grab gelegt.... danach ist alles auseinander gelaufen.
Es war eine sehr tränenreiche Beerdigung und es tut mir heute noch weh darüber zu schreiben #heul
Aber seit dem komme ich mit der FG viel besser zurecht.
Die FG war übrigens im Dez. 05 und die Beerdigung im März 06.
Also ca. alle 3 Monate... ich war geschockt, dass es sooo viele Betroffene gibt, die Kapelle war rappelvoll und einige mußten sogar draussen stehen #schmoll
Unsere Kirche gedenkt den Sternenkinder immer jeden 1. Sonntag im Dezember mit einer gesonderten Andacht... da werde ich dieses Jahr dann hingehen.
Ich hoffe Du kannst Deine Freundin kräftig unterstützen.
Viele Worte muß man nicht machen, hauptsache man ist da #pro
LG Karin #katze