Liebe ich ihn noch?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von mir 09.09.06 - 15:51 Uhr

Hallo,

ich bin seit vier Jahren mit meinem Mann zusammen. Haben eine 6 Monate alte Tochter. Wir sind beide selbstständig und arbeiten hauptsächlich abends in sehr unregelmäßigen Abständen, ich fange demnächst auch wieder an nach einer Babypause.

Seitdem wir Eltern sind ist natürlich alles anders als vorher. Da er weitergearbeitet hat habe ich mich um die Kleine gekümmert und mache einigermassen den Haushalt. Mein Problem ist dass er wohl vergisst dass ich seine Frau bin! Er redet mit mir nur übers nötigste, Alltagskram und so. Er nimmt mich kaum noch in Arm, Sex ist seit der Geburt auch nicht. Er geht sehr spät ins Bett, ich viel früher (wegen unserer Tochter). Ich stehe dann auch so um halb sieben auf, er schläft dann bis elf oder mittags. Wir haben ausgemacht dass ich mich erstmal hauptsächlich um die Kleine kümmere.

Ich finde aber sehr unfair dass er ganz selten im Haushalt hilft und alles liegen lässt. Er sagt auch "wenn ich Arbeit habe ich WILL ICH NICHT im Haushalt was machen". Wenn er Arbeit hat muss er erst gegen 17.00 Uhr aus dem Haus... den Rest des Tages gammelt er rum.

Wenn er keine Arbeit hat kocht er ab und zu, manchmal räumt er die Spülmaschine aus, das nennt er "die Küche machen". Mehr macht er im Haushalt nicht. Um die Kleine kann er sich sehr gut kümmern, aber nur wenn ich sie ihm gebe, von alleine kommt nichts. Er spielt auch gerne und lange mit ihr, aber nur wenn ich sie zu ihm ins Bett lege. Er ist von ihr ganz begeistert...

Ich habe mit ihm schon öfter gesprochen, dann bemüht er sich eine Woche und kuschelt mit mir mal oder so... im Haushalt macht er genug, findet er.

Ich muss mir auch leider immer wieder anhören "so wie du dich um die Kleine kümmerst, das könnte ich nie! ich hab die Nerven für so was nicht, mich stresst das total...". Er passt schon manchmal auf sie auf wenn ich wohin muss, dann muss ich mir immer den 'Spruch anhören...

Jetzt will ich wieder arbeiten, auch wenn er zuhause wäre meint er es müsste vielleicht doch ein Babysitter her...

Wir haben auch nicht so viel Geld. Sein Vorschlag: wir müssen halt das Auto verkaufen und ohne Auto leben. Mein Vorschlag: ich suche mir einen "normalen" Teilzeitjob, vielleicht 2 volle Tage die Woche... Das findet er nicht so gut, er muss dann nämlich auf die Kleine aufpassen.

Diese ganzen Sachen haben dazu geführt dass ich ihn seit einer Woche nicht mehr aushalten kann. Alles was er macht finde ich nur nervig, jede Kleinigkeit ist für mich wieder ein Beweis dafür dass er schlecht ist. Er hats gemerkt und mich darauf angesprochen, wenn ich was sage kommt halt ich übertreibe, er hilft immer wieder, wenn er Arbeit hat will er halt nicht, usw...

Ich bin inzwischen total zickig und trocken zu ihm, ganz lieblos... er zeigt viel Geduld und wundert sich, versteht es nicht ganz. Manchmal tut er mir sogar leid.

Ich frage mich, ob ich ihn noch liebe.

Oder ob ich einfach nur gestresst und schlecht gelaunt bin und mich fürchterlich anstelle.

Gruss

ich

Beitrag von sissy1981 09.09.06 - 16:15 Uhr

Ob du ihn noch liebst wird dir keiner hier beantworten können.

Die Sache mit dem Haushalt. Wie war er denn vorher? Hat er vorher geholfen? Wenn du wieder arbeiten gehst sollte natürlich jeder Haushaltstechnisch sein Päckchen zu tragen haben. Wenn du aber in Elternzeit bist und er wirtschaftlich arbeiten geht dann erachte ich es als normal dass der Part der daheim bleibt sich um den Haushalt kümmert.

Und um eure Kleine kümmert er sich doch gut wie du sagst. Dass er nicht auf sie aufpassen will wenn du arbeiten gehst...kann es vielleicht sein dass er damit überfordert ist? Seine Aussagen lassen darauf schließen. Dann solltet ihr euch eventuell wirklich um eine Tagesmutter oder einen Hortplatz für die Zeit kümmern - immer noch besser als ein vollkommen überforderter Vater - das schafft im Endeffekt nur Frustration.

Dein Mann ist anscheinend von allein sehr antriebslos - andererseits beschreibst du trotzdem dass er sich Mühe gibt (siehe Vörschläge zur Finanzierung der Kinderbetreuung).

Wenn du dich selbst schon als zickig, trocken etc. siehst - und das wird ja ein schleichender Prozess gewesen sein, dann braucht dich die fehlende Zärtlichkeit in eurer Ehe nicht zu wundern.

Ich glaube ihr habt wirklich ein Problem. Aber ich glaube nicht dass es unbedingt im Haushalt oder in der Kinderbetreuung zu suchen ist. Versucht doch eine gemeinsame Zeit am Tag für euch rauszuschlagen, nix großes ne stunde am Abend wenn die Kleine im Bett ist in der ihr euch widmet. Um euch wieder näherzukommen oder um herauszufinden was ihr euch noch bedeutet

Beitrag von abraxas8 09.09.06 - 23:16 Uhr

Hallo.
Vielleicht wäre es sinnvoll wenn er malfür ein paar Tage verreist oder du mit der KLeinen mal wegfährst. WEnn der Alltag so in der Beziehung steckt, ist es hilfreich mal Abstand zu haben. Ich hab immer erst gemerkt wie wichtig mir mein Freund ist, wenn er mal übers Wochenende im Gebirge war. Dann freut man sich(normalerweise) aufs Wiedersehen und kann wieder ein bisschen von vorn beginnen. Vielleicht kann er ja auch für ein Paar Tage zu seinen Eltern wenn ihr kein Geld für ne richtige Reise habt. Mit ein bisschen Abstand sieht man die Dinge einfach viel klarer.
Viel Glück.
abraxas8