Schlechtes Gewissen wg. Fertig-Milch???

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von friend6 11.09.06 - 11:09 Uhr

Hallo,
ich brauche mal eure Hilfe.Ich stille derzeit voll,weil meine Tochter (3 Monate) ein erhöhtes Neurodermitis-Risiko hat. (Ich selbst habe auch Neurodermitis.)
Das hat bis jetzt auch super geklappt, aber jetzt muss ich wieder anfangen, nebenbei zu arbeiten, da ich das Geld doch brauche. Also habe ich abgepumpt, damit mein Freund ihr die Milch dann geben kann.
Anfangs hat es mit dem Abpumpen auch funktioniert, aber jetzt geht gar nichts mehr. Es ist, als ob ich absolut keine Milch mehr "über" hätte.
Ich habe jetzt HA1-Milch gekauft, weil wir die dann meiner Tochter in der Zeit, wenn ich arbeite (anstatt der abgepumpten Milch) geben wollen, aber ich habe ein total schlechtes Gewissen, weil ich sie dann nicht mehr voll stille, und das doch so wichtig ist.
Ich habe auch schon überlegt, mit dem Arbeiten aufzuhören, aber das Geld ist auch dringend notwendig.
Ich kriege einen Heulkrampf nach dem anderen und denke, dass ich doch eine wahnsinnig schlechte Mutter bin, weil ich es nicht schaffe, meine Tochter richtig zu ernähren. Wenn sie dadurch früher Neurodermitis kriegen würde, könnte ich mir das wohl nie verzeihen, weil ich weiß, wie schrecklich das ist.
Sehe ich das alles zu schwarz?
Über eure Meinungen wäre ich dankbar.

Beitrag von raquel77 11.09.06 - 11:36 Uhr

Hallo,

schön, dass dir das Stillen so wichtig ist. Schade, dass es dich aber gleichzeitig auch so fertig macht. Ich habe aufgehört zu stillen, als die Kleine 8 Wochen alt war. Ich wollte zwar abpumpen, aber der Stress, den ich mir gemacht hatte, hat dazu geführt, dass ich bereits alles an Milch abgebaut hatte.

Ich kann mir vorstellen, dass es mit einem Allergierisiko noch definitiv härter ist, sich damit abzufinden. Aber wir hatten absolut keine Probleme damit. Meiner Kleinen ging es schon immer gut und sie ist jetzt (20 Mon) topfit und putzmunter, kerngesund.

Lass dir von deinem Kinderarzt noch einmal bestätigen, dass es absolut nicht gesundheitsgefährdend für dein Kind ist. Denn wenn du daran denkst, mit der Arbeit aufzuhören und eure Existenz aufs Spiel zu setzen, "nur" weil du Stillen möchtest, dann halte ich es für ein massives psychisches Problem, von dem du dich schnellstens, also am besten durch Ratschlag von dem KiA, lösen musst!

LG
Sonja

Beitrag von uchtmann 11.09.06 - 11:49 Uhr

Hallo,

lass Dich erstmal #liebdrueck. Deine Gedanken kenne ich. Hatte ich zum Anfang auch, als ich wieder anfing zu arbeiten (ich arbeite voll und mein Mann ist zu Hause). Joscha bekommt so 2x am Tag eine Flasche Fertig-Milch. Allerdings nehmen wir Pre-Milch, da diese der Muttermilch am nächsten sein soll.
Die 1-er Nahrung hat ja schon mehr Kohlenhydrate.

Mach Dich nicht fertig. Ich habe unseren auch 3 Monate voll gestillt und nun stille ich "nur" noch 3 x am Tag. Deine kleine muss doch nicht zwingend Allergien bekommen. Ich bin der Meinung, dass "unsere" Milch und gleichzeitig unsere Kinder viel mehr "leiden", wenn man sich soooo viele negative Gedanken macht.

Versuch es locker zu sehen (ich weiß, es ist leichter gesagt, als getan).

LG
Sandra mit Joscha *09.04.06

Beitrag von smile1967 11.09.06 - 12:42 Uhr

Hallo!

Weder ich noch mein Mann haben zwar Allergien, trotzdem war es mir wichtig, mein Baby zu stillen. Muttermilch ist ja nicht nur für Allergiegefährdete gut, sondern hat natürlich noch andere Vorteile.
Leider ging bei der Geburt meines Sohnes einiges schief. Um es kurz zusammenzufassen: Die Nachgeburt wollte sich nicht lösen, die Hebamme zog so kräftig an der Nabelschnur dass diese riss und ich somit notfallmässig im OP landete. Nach knapp 2 Stunden und 2,5 litern Blutverlust kam ich zurück zu meinem Sohn, der zum Glück so lange bei Papi im Arm liegen durfte.

Durch den hohen Blutverlust bekam ich keinen Milcheinschuss (mein Körper hat die Flüssigkeit wohl anderswo dringender gebraucht...) und konnte somit nicht stillen. Habs noch 4 Wochen lang versucht, mit regelmässig Abpumpen die Sache in Gang zu bringen: NICHTS :-(

Nun ja, mittlerweilen habe ich mich damit abgefunden, dass Jan ein Flaschenkind ist und bleibt und sehe durchaus auch die Vorteile. Wenn Du HA-Milch gekauft hast, ist doch alles gut, die ist ja hypoallergen, besser gehts nicht!

Mach Dir keine Vorwürfe, Dein Zwerg wird trotzdem gross und - so Gott will - auch keine Allergien entwickeln. Manchmal will man zwar mit ganzem Herzen etwas, kann aber nicht :-) Du hasts doch versucht und wenns nicht geht, dann gehts nicht!

Liebe Grüsse und alles Gute aus der Schweiz
Dani mit Jan Hendrik, 18.03.2006

Beitrag von boesemaus7 11.09.06 - 12:54 Uhr

hallo, ich kann dich vielleicht etwas beruhigen, ich habe auch neurodermitis, und 3 kinder, die alle 3 nicht gestillt wurden und keins der kinder hat bis jetzt neurodermitis bekommen :-)
es muss nicht sein das deine tochter das bekommt nur weil du sie nicht mehr voll stillst !
ich hoffe ich konnte dich etwas beruhigen, und das mit dem nebenbeiarbeiten gehen, das ist ganz allein deine entschdung ihr müsst wissen wie es am besten für eure komplette familie ist !
LG Andrea#blume

Beitrag von lonedies 11.09.06 - 13:27 Uhr

Hallo!

Na da bin ich auch so eine "wahnsinnig schlechte Mutter...weil ich es nicht schaffe <meinen Sohn> richtig zu ernähren".

Meine Meinung: Du siehst das alles definitiv zu schwarz!

So wie du es schilderst, ist es (in deinen Augen finanziell) sehr wichtig, dass du wieder arbeitest. Abpumpen klappt nicht mehr. Tja, da bleibt dir nunmal keine andere Wahl, als Fertigmilch zu geben. Wenn deine Tochter tatsächlich mal Neurodermitis bekommen sollte, kannst du dir sagen: Ich habe alles - mir mögliche - getan und habe 3 Monate voll und danach teilweise gestillt. Mehr ging halt nicht.

Zerfleisch dich deswegen doch nicht so!!! Ist ja nicht so, dass du komplett abstillen musst. Im Gegenteil: sei froh über die neu gewonnene "Freiheit".

Ich habe auch Neurodermitis und konnte Kilian nur 3 Monate voll und bis Anfang 5. Monat teilweise stillen, weil meine Milch immer mehr zurückging und das Stillen der reinste Horror war: Über Wochen alle 1 - 2 Stunden anlegen, Brust anbrüllen, literweise trinken und dann nur im ruhigen, dunklen Kämmerchen im Liegen stillen,...
Um ehrlich zu sein, bin ich sogar froh, jetzt Flasche zu füttern, wenn ich Kilian so ansehe. Er ist soooo lieb und ausgeglichen, satt und rundherum zufrieden. Lieber eine entspannte Flaschenmami als eine total gestresste Stillmami, die nur noch auf dem Zahnfleisch kriecht.

Also Kopf hoch: Es gibt weis Gott schlimmeres, als zuzufüttern.

In diesem Sinne entspannte Grüße
Claudi + Kilian (23 Wochen), der grad selig beim Fläschchen geben eingeduselt ist