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Forum: Gute Laune für alle!

Witze, Kindermund, lustige Begebenheiten: der schweizer Schriftsteller Max Frisch hat einmal geschrieben: "Alltag ist nur durch Wunder erträglich." Zaubert ein Lächeln auf das Gesicht der anderen Forumsbesucher oder lasst euch selbst zum Schmunzeln verführen.

Beitrag von eineve 12.09.06 - 11:54 Uhr

Silvester
Das Feuerwerk
Samstag, 31. Dezember 2005


14:45 Uhr
Endlich, das Jahr ist so gut wie vorbei. Beschließe dies gebührend zu feiern und dafür noch einzukaufen.

14:57
Ankunft Supermarktparkplatz. Versuche den vereinzelten Gefechten um Parkraum in der Nähe des Eingangs zu entgehen, indem ich einen blauen Helm aufsetze und mich als Angehöriger der UN-Friedenstruppe ausgebe.

15:21
Nachdem sich der erbitterte Widerstand rings um den Eingangsbereich parkplatzsuchender Mitbürger ein wenig gelegt hat, krieche ich aus dem kürzlich entstandenen Krater einer Mörsergranate in Richtung Supermarkt.

15:38
Immernoch eine weiße Fahne schwingend, werde ich vom Geschäftsführer, welcher mich als potenziellen Kunden erkannt hat und 27 Security-Leuten mit Schutzwesten in das Geschäft geleitet, während die Mitarbeiter der Fleisch- und Wurstwarenabteilung uns vom Dach des Gebäudes Feuerschutz geben.

15:44
Im Innern des Gebäudes bin ich nun völlig schutzlos mir selbst überlassen und gerate unausweichlich in den Strom sich dort bewegender Menschenmassen. Da ich mich ziemlich in der Mitte befinde gelingt es mir nicht die dringend benötigten Lebensmittel aus den Regalen zu ergattern. Bediene mich deshalb aus den umherfahrenden Einkaufswagen.

15:57
Der Mob bewegt sich unaufhörlich weiter in Richtung der auf den Ansturm bestens vorbereiteten einzig geöffneten Kasse.

16:23
Habe alle erforderlichen Einkäufe getätigt und den Rückweg zu meinem Auto mit nur leichten Verletzungen zurücklegen können. Stelle beim Verladen der Einkäufe fest, habe für etwa 10, - Euro Lebensmittel und 257, 38 Euro Feuerwerksartikel erworben.

17:45
Verladung beendet. 3 Taxen versperren mir jedoch jede Möglichkeit den Parkplatz zu verlassen. Drücke erstem Taxifahrer 10 Euro in die Hand und sage er solle am Bahnhof auf mich warten.. Den anderen beiden Fahrern gebe ich mich als Polizist aus und sage den Satz aus den Krimis: Schnell Mann, folgen sie diesem Taxi!!!

17:49
Freie Fahrt. Hatte diverse Probleme mein Auto zu starten. Hängt möglicherweise mit der Tatsache zusammen dass dies gar nicht mein Auto ist. Da aber kein anderes mehr auf dem Parkplatz war, habe ich dieses kurz entschlossen kurzgeschlossen.

18:07
Ankunft Zuhause. Bringe voller Vorfreude erworbene Feuerwerksartikel zur Lagerung in den Garten, während ich mir auf einem Bunsenbrenner einen Glühwein koche.

18:17
Höre in der Nachbarschaft vereinzelte Böller und beschließe zu Testzwecken ebenfalls einen zu zünden.

18:23
Lässig entflamme ich mit einem Streichholz die Zündschnur eines mittelschweren Böllers der Marke "Zauberwumme" und werfe diesen gekonnt über den Zaun.

18:24
Habe nicht mit den Fähigkeiten meines kürzlich erworbenen Jagdhundes Edgar gerechnet, der dieses mit Schwarzpulver gefüllte Röhrchen augenblicklich apportiert und brav in etwa einem Meter Entfernung vor mir wieder ablegt.
Dummerweise genau neben meine Feuerwerksbatterie "Armageddon" welche sich, nach mühevoller handwerklicher Betätigung, mittlerweile
im Zusammenschluß mit dem Sortiment "End Of Days" befindet.

18:25
Ein leichtes Donnergrollen erhebt sich über der Stadt, als die Raketenzündung ihren Höhepunkt erreicht und mehrere Dutzend schlanker, silberglänzender Geschosse sich in den Himmel erheben.

18:30
Alle Sirenen der Stadt, welche die Wirren des Weltkriegs überstanden haben, heulen nun beständig und die Bevölkerung wird über Radio und Lautsprecherdurchsagen aufgefordert die Luftschutzbunker aufzusuchen.

18:37
Zu diesem Zeitpunkt verlässt auch die letzte meiner Raketen die Startrampe. Leider war die Treibstoffbefüllung noch nicht abgeschlossen und die Flugbahn nicht vollkommen ausgereift.

18:38
Mit interessiertem, jedoch leicht ungläubigem Blick verfolgt mein sich im Garten befindlicher Nachbar, Erwin K. , die Flugbahn meines Silvestergrußes, welcher zielsicher seinen Weg durch die geöffnete Kellertür findet und zur Landung unmittelbar neben seinem Heizöldepot ansetzt.

18:42
Offenbar verwirrt meldet der Pilot einer im Landeanflug auf Düsseldorf befindlichen Boing 737 der Singapour Airlines soeben dem Dach und der ersten Etage eines Einfamilienhauses ausgewichen zu sein, welches sich verbotenerweise und mit unerhörter Geschwindigkeit in seiner Einflugschneise befindet und bittet um weitere Instruktionen, da er die Landessprache nicht ausreichend spricht um die verzweifelt klingenden Rufe der dort am Dachfenster befindlichen Dame zu verstehen. Weiterhin sende er ein Mayday da er sich unter Raketenbeschuß befände.

18:47
Die Luftaufsichtsbehörde entzieht dem Piloten mit sofortiger Wirkung seine Lizenz wegen Trunkenheit

18:52
Ein Gartentisch und zwei brennende Sommerreifen samt Felgen aus den Kellerbeständen meines Nachbarn Erwin K., welche durch die Detonation des Heizöldepots beflügelt wurden, erreichen am 3 km entfernten Ostufer des nahe gelegenen Sees den Balkon des 83jähringen Kriegsveteranen und Militarierhändlers August R.
Vom Feuerschein und alten Erinnerungen geweckt beschließt er, sein kostbarstes Sammlerstück zu opfern.
Minuten später gleitet ein acht Meter langer Torpedo der "V-Klasse" vom seinerzeit vor Danzig havarierten "U 435" aus seinem Bootsschuppen und nimmt Kurs auf das gegenüber liegende Seeufer. Nach vier Minuten und zwölf Sekunden erfolgt der Einschlag in die Uferterrasse des Gasthofs "Seeblick".


18:58
Ein dekorativer Bollerwagen und zwei Sonnenschirmständer aus Beton, welche ursprünglich die Uferterrasse des Gasthofs "Seeblick" schmückten, durchschlagen das Dach der Wachbaracke der 5 Kilometer entfernten Theodor Heuss Kaserne und überraschen den wachhabenden Unteroffizier Lohmeier auf das Heftigste.

19:12
Wegen des Weihnachtsurlaubs ist die Kaserne fast vollständig entvölkert und so trifft Lohmeier, nach dem hastigen aber zur Beruhigung notwendigen Genuß zweier Flaschen Jim Beam, eine einsame Entscheidung.

19:24
Die 16 Luftabwehrraketen des Typs "Herkules III" erheben sich majestätisch in den sternenklaren Dezemberhimmel.

20:13
Die Knallerei wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Beschließe deswegen heute früh zu Bett zu gehen.
Auch wenn ich zugeben muß, dieser rötliche Schein am nächtlichen Himmel über dem Horizont hat schon was romantisches.
Schade nur, dass Du nicht da bist um Silvester mit mir zu feiern ;-)