Vorwürfe

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von barcelona 12.09.06 - 23:10 Uhr

Hallo,

bin grade durch Zufall in diesem Forum gelandet und alles kommt hoch. Möchte mir unsere Geschichte mal von der Seele schreiben, weil ich mir wirklich Vorwürfe mache.

Unsere kleine Nova war ein geplanter Kaiserschnitt, da ich Epilepsie habe - zum Glück unter Medikamten anfallsfrei - aber ich hatte Angst vor einer einem Anfall unter der Geburt bzw. einer sehr langen Geburt.

Naja, wie gesagt, geplanter Kaiserschnitt. Nova wurde zwei Wochen vor dem errechneten Termin geholt. Wir haben uns also ganz bewußt für den ersten Termin nach der vollendeten 38. Woche entschieden, nachdem uns die Ärzte versichert hatten, dass ein Kind in diesem Stadium reif ist. Allein dafür könnte ich mich im Nachhinein ohrfeigen.

Der 24. November 2005 kam dann auch und alles lief perfekt. Nova gesund, Apgar von 9, das vollkommene Glück. Dann bekam sie plötzlich Atembeschwerden, Atemnotsyndrom. Sie wurde auf die Kinderklinik verlegt. Ich sah das zu dem Zeitpunkt noch relativ locker, nachdem man mir zu verstehen gegeben hatte, dass keine akute Gefahr bestand.

Letzten Endes ist dann folgendes passiert: Nova musste beatmet werden, weil ihre Lunge noch unreif war. Aufgrund dessen entstand an mehreren Stellen in der Lunge ein Pneumothorax (das sind kleine Löcher in der Lunge, durch die die Luft in den Brustkorb entweicht). Ein Pneumothorax an sich ist aus medizinischer Sicht eher Routine, da diese Löcher angeblich a) sehr klein sind und b) innerhalb von relativ kurzer Zeit, oft innerhalb von Stunden wieder verkleben. Problematisch ist vielmehr, dass sofort gehandelt werden muss, was bei Nova zum Glück der Fall war.

Das Problem bei Nova war, dass man es trotz drei Drainagen nicht auf Anhieb schaffte die Luft aus dem Thorax abzusaugen. Ihr Leben hing für zwei Tage wirklich am seidenen Faden.

Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen. Nach vier Wochen wurde sie direkt von der Frühgeborenintensiv nach Hause entlassen und sie ist ein gesundes, süßes Baby.

Ich hingegen mache mir große Vorwürfe. Hätte ich mich gegen einen Kaiserschnitt entschieden, wäre dies alles wahrscheinlich (zumindest in dieser Ausprägung) nicht passiert.

Ich wünsche euch allen, dass eure Babies bald gesund werden, ich wünsche euch vor allem viel Kraft für diese anstrengende Zeit. Ich fühle mit euch.

Ganz liebe Grüße
Barcelona

Beitrag von espirino 12.09.06 - 23:34 Uhr

Hallo,

nuja, daß mit den Vorwürfen ist so eine Sache... Dieses "Wenn" und "Aber", alles abwägen und bedenken hilft manchmal nicht verhindern, daß doch etwas passiert, womit man nicht rechnen konnte.
Ohne Zweifel hätte ich in deiner Situation genauso gehandelt. Da ich Zwillinge erwartet habe, wurde mir sogar gesagt, daß diese sowieso in der 38. Woche geholt werden. Schon lange vor der 36. Woche ging es mir nicht mehr gut. Also stimmte ich einem KS in der 36. Woche zu, bzw. sagte ich den Ärzten, daß ich nicht mehr kann. Und die entschieden dann auf KS.
Ich hatte Glück, meinen Jungs ging es blendend, und hätte es Probleme gegeben, wäre ich auch nicht drum rum gekommen, mir Vorwürfe zu machen.
Am Ende aber, und das ist eigentlich das einzige was zählt, den Mäusen geht es gut. Sie sind gesund. Das ist die Hauptsache.

LG Jana + Jonas & Florian 10.06.05