Arbeitszeugnis beurteilen

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Beitrag von urbani 13.09.06 - 08:36 Uhr

Ich bin jetzt schon bald 6 Jahre bei meinem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt und gestern kam ich mit meinem Chef ins Gespräch, der meinte, dass mein letztes Arbeitszeugnis nicht so gut gewesen sei. Wenn ich jetzt ein Zwischenzeugnis haben möchte (bei uns sind verschiedene Umstrukturierungen am Laufen, deshalb will ich eins), würde er mir ein besseres schreiben.

Ich bin aber der Meinung, dass mein letztes Zeugnis das beste war, welches ich je hatte. Bin ich jetzt blind? Kann ich nicht zwischen den Zeilen lesen? Wie würdet Ihr folgende Sätze beurteilen:

...zeichnete sich durch Sorgfalt und Zuverlässigkeit aus. Teamfähigkeit und Bereitschaft zum verstärkten Arbeitseinsatz machten sie in ihrem gesamten Arbeitsumfeld zu einer geschätzten Mitarbeiterin. Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets mit großer Sorgfalt und zu meiner vollsten Zufriedenheit.

Aufgrund ihres ausgeglichenen und freundlichen Wesens war Frau ... eine allseits beliebte und anerkannte Mitarbeiterin und Kollegin.

Ich bedauere das Ausscheiden von Frau ... sehr und danke ihr für die ausgezeichnete Arbeit. Ich wünsche ihr für ihre weitere Zukunft alles Gute.

Also Mädels, sagt mir mal, was ich nicht sehe!

Vielen Dank!

urbani

Beitrag von darkmoon66 13.09.06 - 09:01 Uhr

Hallo

Also:vollsten Zufriedenheit----starke übertreibung heißt soviel wie Arbeiten so lala ausgeführt


allseits beliebte und anerkannte Mitarbeiterin und Kollegin.
heißt soviel wie feierstark und trascht gerne

ausgezeichnete Arbeit. ist auch eine übertreibung die den zukünftigen AG warnen soll

Gruß Darkmoon66
(die das beruflich macht)

Beitrag von urbani 13.09.06 - 09:07 Uhr

Hallo darkmoon!

Wie soll denn dann ein Arbeitgeber einer Mitarbeiterin ein Zeugnis ausstellen, wenn er wirklich sehr zufrieden mit ihr war? Wenn du ein gutes Zeugnis als derart übertrieben ansiehst, dass es schon wieder schlecht sein soll?

Anscheinend war mein damaliger Chef sehr zufrieden mit mir, denn er hatte mich unter allen Umständen zu halten versucht und wollte nicht, dass ich mich beruflich verändere.

Was ist denn nun, wenn einer wirklich ausgezeichnete Arbeit leistet. Darf das nicht im Zeugnis drin stehen oder wie?

Ich habe immer im Ohr, dass das Wörtchen "stets" und "vollsten" ein "Sehr gut" bedeutet.

Korrigiert mich, wenn ich falsch liege!

urbani

Beitrag von darkmoon66 13.09.06 - 09:25 Uhr

Hallo stets und vollsten ist eine Übertreibung,die dann in der "Zeugnissprache negativ ausgelegt wird obwohl es sich auf den ersten Blick top anhört

Beitrag von darkmoon66 13.09.06 - 09:27 Uhr

Hab DIr hier mal was rausgesucht:

In der Fachliteratur sind häufig folgende, an Schulnoten angelehnte, Bewertungen für die Leistungen zu finden:

Sehr gut "Die Leistungen der Frau S. waren immer zufriedenstellend."
Gut "Mit Herrn K.'s Leistungen waren wir voll und ganz zufrieden."
Befriedigend "Frau M. erfüllte Aufgaben jederzeit zu unserer Zufriedenheit."
Ausreichend "Mit der Arbeit von Herrn P. im Bereich ... waren wir zufrieden."
Mangelhaft "Die Mitarbeiterin L. war stets bemüht ..."
Ungenügend "Kollege Z. war nach Kräften bemüht ..."

Einzelne Formulierungen sind wegen ihrer Doppeldeutigkeit gefürchtet. Tauchen sie im Arbeitszeugnis auf, sollte man sich dem Verantwortlichen auseinadersetzen.

erfolglos "im Rahmen der Fähigkeiten eingesetzt"
leistungsschwach "mit großen Eifer an die Aufgaben"
keine Initiative "alles ordnungsgemäß erledigt"
angedeuteter Alkoholismus "Geselligkeit"
nichtumgesetztes Fachwissen "um Verbesserungsvorschläge bemüht"
nichts geleistet "gewissenhaft gearbeitet"
Probleme mit dem Chef "toleranter Mitarbeiter"
Sex mit Kollegen "Einfühlungsvermögen"
rechthaberisch/wichtigtuerisch "wußte sich zu verkaufen."
unbeliebt "zuverlässig/umgänglich

Beitrag von kruemlschen 13.09.06 - 11:10 Uhr

Hallo Darkmoon,

sorry, aber das was Du da schreibst ich schlichtweg totaler Käse!

Ich weiß ja nicht woher Du Deine Informationen hast, wer hat Dir denn diesen Schmarrn erzählt?

Ich habe 3 Jahre lang im Personalbereich gearbeitet und massig mit Zeugnissen zu tun gehabt und hatte unter anderem auch mehrere Schulungen diesbezüglich.

Gängige Formulierungen sind z.B.:

Ausgezeichnet:
"Wir waren mit seinen Leistungen in jeder Hinsicht außergewöhnlich zufrieden"
Sehr gut:
"Er hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt"
Gut:
"Er hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt"

Ich könnte Dir für jede "Note" zig Beispiele von "überspitzten" Formulierungen nennen, nichts desto trotz ist eine Formulierung die für Ausgezeichnet steht einfach eine 1 mit Sternchen und ganz sicherlich nicht dafür gedacht dem „Nachfolger“ zur Vorsicht zu raten.
Wenn Du in Deinem Job nichts geleistet hast, bzw. nicht ausreichend gut warst, dann steht eben ein Satz wie z.B.: „Sie war stets um eine sorgfältige Arbeitsweise bemüht“ oder „Die Arbeitsqualität entsprach im allgemeinen den Erwartungen“
Wörter wie „im allgemeinen“ weisen z.B. immer auf ein Mangelhaft, „bemüht“ immer auf ein Ungenügend hin.

Bei den Negativbeispielen geb ich Dir recht bis auf das mit dem Sex, denn nur "Einfühlungsvermögen" bedeutet nicht gleich, dass sie mit jedem ins Bett gegangen ist. Hierfür wird der Zusatz "in die Belange der Belegschaft bzw. der Kollegen" angefügt, was aber auch auf Homosexualität hinweisen kann.

Es gibt allgemein gültige Regeln für Zeugnisformulierungen, das ist keine Interpretationssache.

Grundsätzlich gilt, je mehr fachliches Wissen und je umfangreicher die Ausführung des Einsatzgebietes beschrieben ist, desto besser ist das Zeugnis zu werten. Das wichtigste bleibt aber immer die Formulierung.

Im Internet kursieren die interessantesten Interpretationen und Formulierungen von Zeugnissen, wenn man aber selbst keine Ahnung davon hat, sollte man besser die Finger von dem Stoff lassen, das kann böse nach hinten los gehen!

Grüßle Krüml #mampf

Beitrag von lara2003 13.09.06 - 14:27 Uhr

Dann müßte ich ein grotten schlechtes Zeugnis haben und das kann beim besten willen nicht sein

Gruß Lara

Beitrag von urbani 13.09.06 - 10:15 Uhr

Ich habe gerade gegoogelt und auf folgender Seite herausgefunden, dass meine Vermutung stimmt:

http://www.klinform.de/forward/index.jsp?key=cc0edad8

Er hat stets die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt bedeutet ein SEHR GUT!


Juhu! Jetzt lass ich mich nicht mehr verunsichern. Ich habe sehr gute Arbeit geleistet. Nicht umsonst hat mir mein Chef meinen Vertrag 2 Mal verlängert und wollte meine Kündigung nicht akzeptieren!

urbani

Beitrag von urbani 13.09.06 - 10:27 Uhr

Hallo Darkmoon!

Scheinbar hast du von deinem Job nicht so die große Ahnung. Denn wenn du beruflich Arbeitszeugnisse ausstellst, solltest du doch wirklich wissen, was die Formulierungen bedeuten.

Ich habe noch weiter gegoogelt und finde immer nur Seiten, in denen die Worte "stets zur vollsten Zufriedenheit" ein "Sehr gut" bedeuten und nicht als starke Übertreibung und somit mangelhaft gewertet werden.

Hier kannst du es nachlesen, wenn du wieder mal ein Arbeitszeugnis ausstellen musst:

http://www.grasboeck.com/azubiseite/karriere/zeugnis.htm

* Aussagen und deren Bedeutung

Sehr gut:

Durch Zusätze wie "stets", "jederzeit" oder "in jeder Hinsicht" und durch Superlative wird die Arbeit angepriesen. z.B. Herr/Frau... hat die ihm/ihr übertragenen Arbeiten stets zur vollsten Zufriedenheit erledigt. Oder, die Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden.

urbani

Beitrag von darkmoon66 13.09.06 - 11:02 Uhr

dann hätte dein chef auch keine Ahnung denn auch er sagt ja das das Zeugnis nicht gut war.
Wir sind eben noch vom alten Schlag!!!

Beitrag von urbani 13.09.06 - 11:26 Uhr

Das Zeugnis ist ja von vor 6 Jahren und es stimmt, dass mein Chef auch meinte, einige Formulierungen seien nicht gut. Das war ja der Ausgangspunkt meiner Frage. Ich bin jetzt mal gespannt, was mein derzeitiger Chef mir für ein Zwischenzeugnis ausstellt und wie du das denn finden würdest, denn er meint ja, mir ein besseres Zeugnis auszustellen.

Er hat mir gesagt, ich solle mir schon mal selber ein Zeugnis schreiben und er würde seins dann mit meinem verbinden, was ich aber als sehr schwer empfinde, denn nachdem ich weiß, dass jeder über jedes Zeugnis anders denkt, wüsste ich nicht, wie ich mein Zeugnis formulieren sollte!

Jetzt bin ich völlig durcheinander!

urbani

Beitrag von urbani 13.09.06 - 11:27 Uhr

Was bedeutet denn "vom alten Schlag" ? Altersmäßig kann das ja nicht gemeint sein, denn du bist doch erst 31, oder?

Beitrag von darkmoon66 13.09.06 - 12:25 Uhr

ich wollte Dich nun wirklich nicht verunsichern,

das ist richtig ich bin zwar erst 31 aber meione Firma besteht seit 50 Jahren (bin die 3. NAchfolggeneration) und so ist es mir vermittelt worden.
Vor 2 Jahren hab ich dann noch den Betriebswirt abgeschlossen und selbst da hab ich es noch so gelernt.

Das mit dem Zeugnis selbst schreiben stelle ich mir auch sehr schwer vor denn jeder beurteilt eine Leistung anders.

Alles Gute für das neue Zeugnis wenn Du magst kannst du es mir ja auszugsweise mailen,würde mioch freuen.
Gruß Darkmoon66

Beitrag von bezzi 14.09.06 - 12:21 Uhr

Sorry, aber da liegst Du leider nicht nur knapp daneben.

Mache doch mal diesen Test:

http://www1.spiegel.de/active/zeugnisquiz/fcgi/zeugnisquiz.fcgi?f=++++++++++++++

Beitrag von nica76 13.09.06 - 09:47 Uhr

Im Gegensatz zu meiner Vorredenerin bin ich Deiner Meinung...

Bei uns steht in einem sehr guten Arbeitszeugnis auch immer "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit". Dies ist keine Übertreibung sondern eine gängige Redewendung, um Lob auszusprechen.

Dein Zeugnis ist also vollkommen in Ordnung.

Gruß, Nicola

Beitrag von urbani 13.09.06 - 10:01 Uhr

Danke! Puh! Mir fällt ein Stein vom Herzen!

Obwohl es mir ja eigentlich jetzt egal sein könnte, da ich ja schon 6 Jahre bei einer anderen Behörde beschäftigt bin, war ich doch sehr geschockt, dass das Zeugnis so negativ ausgelegt wird.

Ich war superstolz auf dieses Zeugnis und da mein Chef meine Kündigung auch nicht akzeptieren wollte, konnte ich ja auch davon ausgehen, dass er zufrieden mit mir war und nicht ein gutes Zeugnis schreibt, welches eigentlich total negativ gemeint ist.

Was mich nur stutzig macht ist, wenn ich mich irgendwann einmal woanders bewerbe und auch jeder etwas anderes in dieses Zeugnis hineininterpretiert, weiß ich nicht, wie andere Firmen/Behörden über dieses Zeugnis denken.

Warum kann nicht einfach ausgezeichnete Arbeit auch bedeuten, dass ich ausgezeichnet gearbeitet habe?

Versteh die Welt nicht mehr!

urbani

Beitrag von flocke123 13.09.06 - 10:25 Uhr

Hallo,

laß Dich nicht verunsichern - das ist ein gutes Zeugnis.

Daß sehr gute Formulierungen als Übertreibungen gelten und dann schon wieder negativ sein sollen, habe ich noch nicht gehört.#augen

VG
Susi (die auch beruflich solche Zeugnisse überprüft).;-)

Beitrag von kruemlschen 13.09.06 - 11:25 Uhr

Hallo Urbani,

wie Nicola ja auch schon sagte, und Du ja jetzt auch schon selbst rausgefunden hast, ist Dein bestehendes Zeugnis liegt zwischen gut und sehr gut, also eine 1-2.

Vllt. hat Dein Chef ja einfach gemeint, dass Dein Zeugnis nicht so gut ist wie er Deine Leistung einschätzt und möchte Dir nun eines ausstellen, dass zwischen sehr gut und ausgezeichnet liegt?

LG Krüml #mampf

Beitrag von lara2003 13.09.06 - 14:25 Uhr

Bei meinem ersten AZ stand: zu unserer vollen Zufriedenheit. Mein nächster chef sagte zu mir, es wäre ein 2er Zeugnis. In meinen letzten beiden steht jetzt auch zu unserer vollsten Zufriedenheit und bei goggle stand auch --> 1er Zeugnis.

Ich finde es gut.

LG Lara

Beitrag von klaus_ 13.09.06 - 23:05 Uhr

stets zu unserer vollsten = Note 1
zu unserer vollsten = Note 2
zu unserer vollen = Note 3


dass das sprachlich abstrus ist, ist auch klar



Klaus