Heutzutage WIRD man geboren!!!

Archiv des urbia-Forums Geburtsberichte.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von guagua 13.09.06 - 10:13 Uhr

Hallo!

Hier folgt der Geburtsbericht einer enttäuschten Mutter, die ALLES versucht hat, um ihr Kind auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen und die an den medizinischen Standards (die teilweise völlig übertrieben sind...) gescheitert ist...hinzu kam, dass sich unser Töchterchen im Verlaufe der Geburt mit dem Kopf im Becken verkeilt hatte.

Lilly, unsere Tochter, ist am 03.08. zur Welt gekommen, nachdem sie uns 10 Tage lang auf die Folter gespannt hat und mich - freundlicherweise - die heißesten Tage vor der anstrengenden Aufgabe der Geburt verschont hat. Als
es dann endlich losging, habe ich mich fast gefreut!
Die Geburt selber war äußerst nervig und anstrengend...wenn man heutzutage ein Kind ohne medizinische Verstärkung (Wehentropf, PDA...) auf die Welt bringen will, muss man sich permanent gegen die gesamte medizinische Abteilung des Kreißsaals wehren und hat währenddessen überhaupt keine Zeit mehr, sich auf die Geburt zu konzentrieren.
In der Klinik gab es den Standard, 6 Std. nach einem Blasensprung die Geburt künstlich voranzutreiben. Diesem Druck wollten wir entgehen...weil es dafür nicht
wirklich eine medizinische Notwendigkeit gab. Denn ich hatte Wehen, die sich steigerten und die muttermundwirksam waren. Anscheinend waren wir nur nicht schnell genug für die Ärzte.
Naja, dementsprechend haben wir uns stundenlang mit dem Klinikpersonal gefetzt. Darüber ließen natürlich die Wehen nach und nach 12 Std. haben wir dann doch den Wehentropf zugelassen - das wollte ich zuerst nicht, weil ich von anderen Frauen gehört hatte, dass man den nur mit einer PDA übersteht, weil die durch den Tropf künstlich erzeugten Wehen Schmerzen verursachen, die man nur unter Betäubung verarbeiten kann. Also folgte zwangsläufig - nach anderthalb
Stunden - die PDA, die mich völlig lähmte. Dadurch konnte ich meine Beine und mein Becken nicht mehr bewegen, was - wie sich später herausstellte - superwichtig gewesen wäre, um den Kopf von Lilly durch mein Becken zu lotsen. So wurde nach ca. 20 Stunden (!!!!!!!) ein Ultraschall gemacht, wo festgestellt wurde, dass Lilly sich mit dem Hinterkopf im Becken verkeilt
hatte und deshalb nicht tiefer rutschen konnte.
Toll! Jetzt wäre Bewegungsfähigkeit absolut wichtig gewesen, aber ich fühlte mich kopfabwärts wie Pudding...
Also bin ich davon ausgegangen, dass jetzt nur noch ein Kaiserschnitt helfen kann. Die neu hinzugekommene Hebamme (die dritte Schicht, die wir kennenlernten...) war aber so motiviert, Lilly auf natürlichem Wege auf die Erde zu befördern, dass sie mich noch zu zwei Stunden Preßwehen aufraffen konnte, obwohl ich mit dem Kräften am Ende war.
Weil sich aber kein Fortschritt einstellte, entschied der Oberarzt, einen Kaiserschnitt zu machen.
So wurde ich dann doch noch aufgeschnitten...und habe innerhalb einer Geburt fast alle Möglichkeiten der modernen Geburtshilfe kennengelernt, fast so, als hätte ich schon drei Geburten hinter mir.
(Fehlt nur noch Saugglocke und Zange...)

Lilly ist gesund und munter und hat sich - genau wie ich - schnell von den Strapazen der Geburt erholt. Am besten wurde es, nachdem wir am vierten Tag aus der Klinik abgehauen sind, in der auf der Wochenbettstation ein
dermaßener Stress wegen der Stillzeiten gemacht wurde, dass ich die totale Krise bekommen habe (Zitat: Wenn ihr Kind nícht alle 2-3 Stunden trinkt sondern weiterschläft, dann verliert es an Kraft und schläft noch mehr und trinkt noch weniger...das ist ein Teufelskreis an dessen Ende das Kind verdurstet).

Hier zu Hause haben wir endlich Ruhe!
So langsam kommt ein bißchen Ordnung in die Anarchie des Alltags und Lilly ist so nett und lässt mich nachts auch mal drei Stunden am Stück schlafen.

Vor dem nächsten Kind lasse ich mein Becken röntgen, um zu überprüfen, ob ein Kind da überhaupt durchpasst. Dann nehme ich mir EINE Hebamme meines Vertrauens mit, die mich unterstützt und vermeide (wenn es die medizinische Lage erlaubt) das Krankehaus, da ich hier das Gefühl hatte, dass die Ärzte mehr Angst vor natürlichen, aber von den Standards abweichenden Geburten haben, als den Müttern Ruhe, Zeit und Vertrauen zu schenken, ihr Kind SELBER zu gebären!

Liebe Grüße von der jetzt überglücklichen Guagua mit der süßen kleinen Lilly!

Beitrag von yriamusic 13.09.06 - 11:42 Uhr

Hi

Herzlichen Glückwunsch zu deiner süßen Tochter!
Der Bericht hörte sich echt nach viel Leiden an und ich bewundere dich das du es ohne Unterstützung durchziehen wolltest.
Es ist erstaunlich wie sehr einem Ärzte momentan reinreden wollen.
Man selbst muss das Kind ja bekommen und abwägen bei welcher Geburtsmethode man sich am wohlsten fühlt.
Hab die Erfahrung auch gemacht. Erst haben mich alle auf Kaiserschnitt gerdrängt wegen meiner Becken Symphyse und Schwäche des Babys. Dann fingen die wieder alle an das ich doch ne normale Geburt haben soll, allerdings mit der Gefahr auf Notkaiserschnitt. Und das will ich nun mal gar nich. Deswegen bekomme ich in eins, zwei Wochen einen geplanten Kaiserschnitt. Aber das habe ich für mich entschieden und nicht auf irgendnen Arzt gehört...
Also nochmal ganz viel Glück mit deiner Kleinen!#fest

lg, Claudia plus Gina Maria im Bauch (36ssw)

Beitrag von diamant78 13.09.06 - 12:01 Uhr

Hallo,

ganz herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Tochter!

Wenn ich das so lese, dann bestätigt es genau das, was mir meine Hausgeburtshebamme von ihrer Zeit als Hebamme im KH erzählt hat. Die Schwangere als Geldmaschine und Versuchskaninchen, toll oder! Ich werde richtig aggressiv, wenn ich die Vorgehensweise der Ärzte hier lese, daß ist echt ein Unding. Wahrscheinlich wurdest du gleich nach dem Platzen der Fruchtblase in ein Bett verfrachtet: so nach dem Motto - bloß nicht mehr Laufen! #schock

Puh, daß hast du ja echt was über dich ergehen müssen und das finde ich ist eine echte Meisterleistung.

Aber genau aus diesen Gründen habe ich gleich zu Hause entbunden und ich kann es nur jeder "gesunden" Schwangeren empfehlen.

... und nimmt nicht gleich die erste Hebamme, ich habe drei verschiedenen angerufen bis die Chemie endlich stimmte. Meine Hebi hat mich machen und entscheiden lassen, sie hat mir "nur" unterstützt und das fand ich super klasse.

Euch alles Gute und genieße die Zeit mit deiner kleiner Tochter.

LG
Julia + Coco 10.05.05

Beitrag von bomaus79 13.09.06 - 12:27 Uhr

ich kann dir nur zustimmen das man sich privat eine hebamme suchen sollte.

hatte drei superliebe und kompetente hebammen die ihre arbeit super gemacht haben.

hatte zwar auch einen kaiserschnitt weil die herztöne runtergingen aber das ist etwas anderes.

ich hatte auch an eine hausgeburt gedacht aber ich bin froh das meine hebammen das nicht anbieten denn das wäre für uns nicht gut ausgegangen.

Beitrag von conny2404 13.09.06 - 13:47 Uhr

Hallöchen,

huhu, das hört sich ja furchtbar an. Man, in welchem KH warst du denn? Das es so etwas heutzutage noch gibt?! #schock Solltest du vielleicht doch irgendwann noch ein Baby erwarten (ich weiß!.... ich sagte ja vielleicht #freu), dann kann ich dir nur die Klinikabende empfehlen. Die haben unsere Entscheidung über den Geburtsort eindeutig leichter gemacht, denn persönlich halten wir nichts von Hausgeburten bzw. Geburtshäusern. Aber das muß jeder selbst entscheiden. Bei mir hat man am Vortag der Entbindung den Mumu mit pflanzlichen Mitteln (war den ganzen Tag beschäftigt) weich gemacht. Somit dauerte die Geburt (mit Wehentropf-Schmerzen waren geradeso noch auszuhalten) nur 1 1/4 Std.. 16.00 Uhr Wehentropf, 16.30 Fruchtblase geplatzt, 17.00 Presswehen und 17.17 Uhr Pippi im Arm gehabt. Schneller als der Papa, der unterwegs noch 2 Radkappen verlor ;-)

Na dann, noch viel Spaß mit der Kleinen, sieht ja wirklich süß aus!
LG Conny

Beitrag von guagua 13.09.06 - 14:14 Uhr

Ich war in Göttingen im Neu-Bethlehem. Eigentlich wird es von allen hier als das fortschrittlichste und den natürlichen Geburtsprozess unterstüzendste Krankenhaus in Gö bezeichnet (hier gibt es drei Kliniken). Deshalb bin ich da ja auch hingegangen. Beim nächsten Mal versuche ich es vielleícht auch im Geburtshaus...
LG, Guagua

Beitrag von guagua 13.09.06 - 14:11 Uhr

Bin überrascht, dass doch so viele Frauen hier gerne eine bewusste, natürliche Geburt der medizinisch-sterilen-schmerzlos-Geburt vorziehen.
Ich glaube nachwievor, dass wir Frauen den gesamten Geburtsprozess mit Unterstützung einer vertrauensvollen Hebamme am allerbesten hinkriegen - ohne Ärzte, die oft nur Hektik verbreiten. Natürlich gilt das nicht für alle Risikofälle!
Ich bin mir aber auch durchaus bewusst, dass der Kaiserschnitt eine sehr segensreiche Erfindung ist, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt das Kind auf die Welt zu bringen.
Schlimm finde ich aber, wenn der Geburtsprozess künstlich eingeleitet wird oder ein geplanter Kaiserschnitt stattfindet, nur damit das Kind während des Urlaubs des Vaters geboren wird oder damit es am Geburtstag der Oma zur Welt kommt.
Auch in den einschlägigen Sendungen bei RTL sieht man immer nur Liegendgeburten oder Kaiserschnitte: Das sind meiner Meinung keine motivierenden Vorbilder, die über das TV verbreitet werden sollten. Im Gegenteil - durch sie wird der Geburtsvorgang zu etwas sterilem und künstlichen. Dabei ist er das Natürlichste von der Welt!!!

...nur meine Meinung!
Alles Liebe und Danke für eure guten Wünsche!
Guagua und Lilly (42 Tage alt)

Beitrag von wuzzi 13.09.06 - 14:45 Uhr

Himmel, wo hast Du denn entbunden?

Bei mir wurde ALLES (!) getan um einen Kaiserschnitt zu vermeiden! Meine Kleine hatte erst die Hand vor dem Kopf, die wurde dann zurückgeschoben, aufstehen durfte ich allerdings nicht mehr, da die Gefahr bestand, dass die Hand wieder vorrutscht. Das wurde auch mehrmals per US kontrolliert. Sie ist auch ned so recht ins Becken gerutscht und da ich ned aufstehen durfte, mußte ich mich auf die Seite legen. Die Ärztin oder die Hebamme haben immerzu neben mir gesessen und am Becken geruckelt und gewackelt. Sie versuchten das einigermaßen kreisförmig zu machen und irgendwann spürte ich den Drang zu pressen und durfte auch.

Vor allem das mit den Stillzeiten, das doch aus der Urzeit. Meine beiden Kinder haben an den ersten Tagen soviel geschlafen, jeweils beide an einem Tag über sieben Stunden am Stück. Ich wurde schon unruhig, aber die Schwestern waren die Ruhe selbst. Auch nach den Klinikaufenthalten habe ich gestillt wenn meine Mädels Hunger hatten bzw. haben und keineswegs nach dem Wecker.

Alles Gute für Euch
von einer ausm Kopfschütteln nimmer rauskommenden wuzzi

Beitrag von bine3002 13.09.06 - 15:15 Uhr

Herzlichen Glückwunsch erstmal.

Dein Geburtsverlauf klingt wie meiner mit dem Unterschied, dass ich im Geburtshaus war und deswegen mein Kind natürlich zur Welt bringen durfte. Meine Tochter hatte sich auch verkeilt, hatte nach der Geburt eine fette Beule am Kopf, aber sie kam ohne Schmerzmitteln und Kaiserschnitt nach 3,5 Stunden Presswehen, die zwar heftig waren, sich aber gelohnt haben. Ich empfehle dir mit deiner Einstellung auf jeden Fall das Geburtshaus oder eine Hausgeburt. Du hättest es nämlich ganz sicher auch so geschafft!

Beitrag von guagua 14.09.06 - 10:11 Uhr

#pro...du glaubst nicht, wie sehr mich dein kommentar erleichtert und in meiner meinung bekräftigt...#pro

ich habe mit mehreren hebis über meinen geburtsverlauf gesprochen: 2 meinten, dass ich es auf alle fälle allein geschafft hätte (sie waren von der hebammenpraxis) und eine war der ansicht, dass lilly und ich ohne kaiserschnitt gestorben wären (sie war vom kkh)...#schock

das ist eine frage, die mich schon seit der geburt umtreibt...deshalb erleichtert mich dein kommentar sehr!!! #freu

liebe grüße,
nina und lilly

Beitrag von die_optimistin 13.09.06 - 18:11 Uhr

hallo,

hast du die klinik vorher denn besichtigt? ... wir hatten uns zuerst die klinik in starnberg auf einem info-abend angeschaut, dann habe ich mit den hebammen gesprochen und erst dann fiel die endgültige entscheidung, denn wir haben uns dort auf anhieb wohlgefühlt ... sowohl was die räume anging (wunderschönes großes familienzimmer) wie auch bei den hebammen ...

mit ausschlaggebend war, dass sie dort sehr homöopathisch eingestellt waren, pda nur auf ausdrückliches verlangen der werdenden mutter gemacht wurde und eine intensivstation mit dabei war (man weiß ja nie ...) ... unsere lilly kam dann leider auch per kaiserschnitt, weil sie eine querlage war und sich nicht drehen liess ...

sollte bei uns nochmals ein kind kommen (wir überlegen noch :-)), dann werde ich ganz sicher wieder dort entbinden ...

liebe grüße,

heike mit lilly *25.03.06

Beitrag von karinbrigitta 14.09.06 - 11:57 Uhr

Hallo Guagua,

Mensch, da hast du was mitgemacht!! Meine Geburt in der Klinik war zwar nicht ganz so schlimm wie bei dir - sie haben mich nicht so stark unter Druck gesetzt. Aber man fühlt sich schon ziemlich ausgeliefert. Vor allem hätte ich am liebsten auf dem Gebärhocker entbunden, weil man da Kraft zum Pressen hat, aber ich war irgendwann nicht mehr fähig, mich gegen irgendwen zu wehren, und die Hebamme hat nicht gesagt, dass wir es doch mal versuchen sollten, sondern hat mich ins Bett verfrachtet. Und die Panik mit dem Stillen kenn ich auch. Eine Klinik ist echt der letzte Ort, wo man nach einer Geburt zur Ruhe kommt!!

Kannst ja mal meinen Bericht lesen, hab ihn grade rein gestellt.

#herzlich Karin mit Jakob *15.08.

Beitrag von kaeptnblaubaer 22.09.06 - 18:20 Uhr

HI DU!

Schön, dass du das alles offenbar doch noch ganz gelassen und mit Galgenhumor nimmst!

Da ich auch (obwohl es mein erstes Kind war) das Gefühl hatte, ich würde mich vor den eifrigen Medizinern retten müssen, entschied ich mich gleich fürs Geburtshaus und es war einfach toll! Mein Bericht: http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=43&id=496206#3241234

Wäre ich an deiner Stelle gewesen, ich hätte das Krankenhaus verlassen ( an der Stelle wo sie dir den Wehentropf "aufschwatzen" wollten! ) und wäre ins nächste gefahren.

Wahrscheinlich wäre Lilly ganz normal zur Welt gekommen, wenn die dich in Ruhe gelassen hätten. Denn dass ein Becken zu eng ist fürs Kind ist sehr selten!

Naja, ich freue mich für dich, dass es doch noch alles schön geworden ist und wünsche dir viele schöne Momente mit deiner kleinen Maus!

Liebe Grüße, Claudia & #baby Luis