Erbe: Pflichtteil einfordern

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Beitrag von katja_und_bernd 13.09.06 - 13:15 Uhr

Hallo zusammen,
meine Schwiegermutter ist vor einem Jahr gestorben. :-(
Leider hat sich das Verhältnis von meinem Schwiegervater zu seinen beiden Kindern im Laufe dieses Jahres dermaßen zum Negativen entwickelt, das mein Mann und seine Schwester nun wohl den Pflichtteil, d.h. das Erbe ihrer Mutter einfordern.
Frage 1: wie funktioniert das?
Frage 2: die Eltern meines Mannes haben sich gegenseitig als Alleinerben eingesetzt. Falls eines der Kinder den Pflichtteil vor dem Tod beider einfordert, so steht es im Testament, soll es dann auch beim Pflichtteil bleiben. Was passiert aber, wenn beide Kinder gleichzeitig das Erbe jetzt schon einfordern und der Schwiegervater mal stirbt - wer bekommt dann den anderen Teil?
Für Antworten tausendmal #danke !
LG Katja #sonne

Beitrag von flocke123 13.09.06 - 14:11 Uhr

Hallo,

der Erbe muß den Pflichtteil vom Erben herausfordern, dh. Geltendmachung des entsprechenden Geldbetrags. Ist der Umfang des Nachlasses nicht bekannt, kann zunächst vom Erben Auskunft hierüber verlangt und der Anspruch anschließend beziffert werden. Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Wenn beide Kinder nur den Pflichtteil bekommen sollen, wäre der Rest an Erben entfernterer Ordnungen zu verteilen.

VG
Susi

Beitrag von katja_und_bernd 13.09.06 - 15:19 Uhr

Hallo Susi!
Danke, das hat mir sehr weitergeholfen. #freu
Noch zwei Fragen dazu:
- An wen wendet man sich am besten als erstes - Rechtsanwalt?
- Mein Schwiegervater hat sonst keine Verwandten mehr, keine Geschwister etc. Wären in dem Falle z.B. die Nichten/Neffen meiner verstorbenen Schwiegermutter "dran"?
Wäre dankbar für weitere Antwort!
LG Katja #sonne

Beitrag von flocke123 13.09.06 - 15:42 Uhr

Hallo,

ein Rechtsanwalt wäre natürlich am einfachsten, da er Euch die Korrespondenz abnimmt. Grundsätzlich braucht ihr aber keinen, sondern könnt Eure Ansprüche natürlich auch selbst schriftlich geltend machen.

Nein, die Verwandten Deiner Schwiegermutter können den Schwiegervater nicht beerben. Man geht dann soweit zurück (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, etc.), bis sich irgendwo noch ein Abkömmling findet.

Ist kein Erbe auffindbar, erbt Vater Staat.

VG
Susi

Ach ja: Für die Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs gilt eine Frist von 3 Jahren ab Kenntnis vom Nachlaßfall.

Beitrag von martina129 13.09.06 - 14:56 Uhr

Hallo Katja,

das hört sich verdammt nach Berliner Testament an ...

hier lies selber :

Der Begriff "Berliner Testament" dürfte allgemein bekannt sein. Was damit genau gemeint ist, dagegen nicht.

1. Beim Berliner Testament setzen sich die Ehepartner in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig zu alleinigen (Voll-) Erben oder alleinigen Vorerben ein. Sinn und Zweck: Die Kinder sollen das Vermögen beider Elternteile erst nach dem Tod beider Ehepartner erben. Eine solche Verfügung hat für den überlebenden Ehegatten den Vorteil, dass er in der Verfügung über den Nachlass nicht beschränkt ist und somit frei darüber verfügen kann. Im Falle des Todes des zweiten Elternteils, geht das Vermögen beider Elternteile dann als eine (vereinigte) Vermögensmasse auf die Kinder über.

Gruß Tina

Beitrag von mork 13.09.06 - 15:05 Uhr

Deswegen können die Kinder aber trotzdem schon jetzt ihren Pflichtteil einfordern. Sie erben dann halt nach dem Tod des Vaters nichts mehr, sondern erhalten auch dann nur den Pflichtteil.

Beitrag von mork 13.09.06 - 15:09 Uhr

Mir ist nicht ganz klar warum man denn Pflichtteil einfordert, nur "weil sich das Verhältnis zum Vater im Laufe des Jahres zum Negativen entwickelt hat".

Das Recht dazu besteht aber. Aber wieso muss man dieses auch wahrnehmen?

Beitrag von katja_und_bernd 13.09.06 - 15:25 Uhr

Hallo, damit kein falscher Eindruck entsteht: mein Mann und meine Schwägerin machen sich die Entscheidung nicht leicht. Es geht darum, dass meine SM ein Leben lang für die Kinder gespart hat damit sie diesen mal was vererben kann. Mein SV ist nun auf eine mehr oder weniger professionelle (nennen wir es mal) Heiratsschwindlerin hereingefallen, will von seinen Kindern von einen auf den anderen Tag nix mehr wissen und hat wohl (laut Nachbarn) vor das Haus zu verkaufen und bei der anderen Frau einzuziehen. Was könnte man in so einem Fall sonst machen?:-(
LG Katja #sonne

Beitrag von silver206 13.09.06 - 16:30 Uhr

Hallo Katja,

einerseits kann ich es ja ein wenig verstehen, aber: So ein Schritt wird das Verhältnis zum Vater komplett zerstören. In meinen Augen unwiderruflich :-(

Warum ist die Dame eine Heiratsschwindlerin? So etwas hört man oft, wenn ein Elternteil sich neu bindet und vielleicht nochmal so richtig einen drauf machen möchte.

Sicherlich kennt ihr die Situation besser, aber ich würde das Geld, Geld sein lassen und hoffen, dass sich das Verhältnis irgendwann bessert. Ihr habt doch nicht weniger als vorher, wenn ihr nix erbt?

Viele Grüße Irene

Beitrag von gh1954 13.09.06 - 19:47 Uhr

>>> Ihr habt doch nicht weniger als vorher, wenn ihr nix erbt? <<<

Aber sie haben mehr, wenn sie das Recht auf ihren Pflichtteil in Anspruch nehmen.


Ein Teil des Erbes der Mutter steht ihnen zu und wer kann sich schon leisten zu sagen: "aber ich würde das Geld, Geld sein lassen".

Wenn die Gefahr besteht, dass evtl. alles durchgebracht wir, ist es nur vernünftig, sich den Pflichtteil zu sichern.

Gruß
geha

Beitrag von silver206 13.09.06 - 20:57 Uhr

Na gut, ich seh das halt anders. Mir wäre Geld weniger wichtig als ein gutes Verhältnis zu meinem Vater, auch wenn es momentan nicht gut ist..

Die Bezeichnung "zu stehen" habe ich persönlich nicht in meinem Wortschatz, tut mir leid. Jedes ist seines Glückes Schmied und wenn ich mit Geld rechne, was ich eventuell irgendwann mal erbe, bin ich selbst schuld, wenn es dann vielleicht doch mal anders kommt.

gruß Irene

Beitrag von bambolina 13.09.06 - 22:18 Uhr

kann dir nur in allen Punkten zustimmen...

Diese Erbgeschichten sind oftmals ein Graus. Der Opa meines Mannes lag im Sterben, als sich seine Kinder im Krankenhaus ums Erbe stritten.
Könnte dir noch mehr erzählen :-(

Ich lebe mein Leben, wer mir was zu vererben hat ok - wenn nich auch Recht. Wir schwimmen nicht im Geld - und trotzdem würde ich nie darauf bestehen meinen "Pflichteil" zubekommen.

lg bamnolina

Beitrag von mork 15.09.06 - 09:22 Uhr

Wenn das Haus wirklich verkauft wird und droht, dass der Vater das Erbe durchbringt, kann man das nachvollziehen.

Ob dies tatsächlich der Fall ist entzieht sich der Kenntnis von Aussenstehenden.

Wenn der Vater aber beispielsweise das Haus hätte verkaufen müssen um Euch auszuzahlen hätte ich weniger Verständnis.

Beitrag von nick71 13.09.06 - 22:15 Uhr

Deine Schwiegereltern haben ein sogenanntes "Berliner Testament" (steht ja hier schon irgendwo).

Wenn der Schwiegervater verstirbt, habt Ihr (bzw Dein Mann) m.E. nochmal Anspruch auf den Pflichtteil SEINER Hinterlassenschaft.

Am besten erkundigt Ihr Euch da aber nochmal bei einem Anwalt...Erbrecht ist eines der komplexesten und kompliziertesten Rechtsgebiete.

Beitrag von susanni 13.09.06 - 22:50 Uhr

Hallo,
so eine Sache lässt sich wohl nur mit RA machen.
Ich würde es auch tun, denn sonst ist alles an andere verteilt, auch wenn ihr dann theoretisch einen Anspruch auf Vermögen habt, könnt ihr sonst nichts machen, wenn alles weg ist.

LG

Beitrag von katja_und_bernd 15.09.06 - 07:07 Uhr

?en,
vielen Dank für die Antworten.
Am Wochenende werden wir alles ausführlich mit meiner Schwägerin und ihrem Mann besprechen. Wir haben nun auch einen Jurist gefragt, der meint, man kann eh wenig sagen, da die Vermögensverhältnisse nicht offengelegt sind und wir auch nicht wissen wieviel Geld da ist. Dazu kommt, dass der SV seinen Kindern ein Grundstück überschrieben hat, das mit dem Pflichtteil verrechnet werden soll.
Bei der Frau handelt es sich wirklich um eine Betrügerin, es geht da nicht um ein Liebes-Verhältnis, was wir dem SV nicht gönnen. :-( Ich kann gut verstehen dass sich das blöd anhört. Es haben aber sogar schon Außenstehende meinen Mann angesprochen, dass er nicht zulassen soll, dass das Erbe der Mutter verschleudert wird. Die "Freundin" ist 30 Jahre jünger, lügt uns von Anfang an die Hucke voll, mein SV darf kaum mehr mit seinen Kindern telefonieren und schon gar nicht, ohne dass sie dabei ist, so dass man auch kaum mal mit ihm über die Sache reden kann usw. Es ist zuviel das alles hier zu schreiben, aber ihr habt mit den Antworten alle irgendwie recht. ;-)
#danke nochmel,
LG Katja #sonne