Perfekt - Linus meine zweite Geburt

Archiv des urbia-Forums Geburtsberichte.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von rusujo 13.09.06 - 17:18 Uhr

Geburtsbericht Linus #sonne
(meine zweite Geburt)

geboren am Sonntag, 10.07.2005
um 6.49 Uhr
Gewicht: 4000 g
Größe: 53 cm
Kopfumfang: 37 cm

Um Mitternacht am 10.07.2005 wollte ich gerade einschlafen, als ich Wehen verspürte. Sie waren noch nicht sehr stark und ich dachte, vielleicht sind es ja nur Vorwehen. Doch die Wehen wurden stärker und immer häufiger und an schlafen war gar nicht zu denken. Das Liegen war mir auch viel zu unbequem.

So stand ich auf und fing an meine Kliniktasche und den Koffer für meine Tochter Mara zu packen. So verging die Zeit und gegen 2.30 Uhr habe ich meinem Mann Bescheid gegeben, dass ich nun in die Badewanne gehen werde, um zu sehen ob die Schmerzen nun aufhören oder stärker werden. In der Badewanne konnte ich nicht lange bleiben, denn ich musste heftig veratmen und die Wehen wurden stärker und kamen in immer kürzeren Abständen (alle 3-5 Minuten). Ich weckte meinen Mann auf und er sollte seine Eltern anrufen damit sie kommen und auf Mara achten.

In der Wartezeit haben wir uns fertig gemacht und noch eine Kleinigkeit gegessen. Was mir sehr schwer fiel, denn die Schmerzen waren schon sehr arg. In den Wehenpausen habe ich rege das Becken kreisen lassen, das tat mir sehr gut.
Um ca. 3.15 Uhr waren meine Schwiegereltern dann auch da. Da fiel meinem Mann ein, er müsste noch mal auf Toilette und auch noch Zähneputzen. Die Zeit kam mir endlos lange vor…
Als wir endlich losgingen zum Klinikum (Fußweg von ca. 10 Minuten) fiel ihm wieder was ein: er hätte sein Asthmaspray vergessen. So ging er zurück und ich stand da und veratmete fleißig.

In der Klinik wurden wir um ca. 3.45 Uhr aufgenommen. Im Kreißsaal war nichts los, wir waren die einzigen Patienten.
Die Hebamme hat zuerst den Muttermund kontrolliert und dieser war immerhin schon 3cm geöffnet. Nach einer halben Stunde CTG schreiben (veratmete weiterhin wie wild) wurde, von der nun dazugekommenen Ärztin, eine Ultraschalluntersuchung gemacht und der Muttermund überprüft. Er war nun schon 5cm auf.
Anschließend gegen 4.45 Uhr wurden wir in den Kreißsaal gebracht und die Hebamme meinte zu uns: „Den Einlauf sparen wir uns, denn das Kind auf dem Klo zu bekommen, wäre so unromantisch.“

Im Kreißsaal (lustigerweise war es dasselbe Zimmer wie vor 2 Jahren bei Mara, und das Klinikum hat immerhin 5 Kreißsäle) versuchte ich Stellungen zu finden die bequem waren um die Wehen vernünftig veratmen zu können. Meist war ich im Vierfüßlerstand, mal auf den Gymnastikball oder auf das Bett aufgestützt. Nach einer Stunde Beckenkreisen und Wehenveratmen hat die Hebamme wieder den Muttermund kontrolliert. Und was war? Er war noch immer 5cm geöffnet und hart! Ich hätte in dem Moment echt verzweifeln können.

Nach einem Toilettengang hat mir die Hebamme empfohlen ein Schmerzmittel per Infusion einträufeln zu lassen und dazu noch bei jeder Wehe homöopathische Kügelchen zu nehmen. Das Angebot habe ich dankend angenommen. Die Hebamme machte eine Entspannungsmusik-CD an. Für die Infusion sollte ich mich seitlich hinlegen. Das war sogar anfänglich sehr entspannend. Mir wurde von dem Medikament allerdings recht schwindelig und ich schloss meine Augen. Doch nach ein paar Minuten kamen die Wehen immer stärker und häufiger und kaum war der Tropf fertig (dauerte ca. 30 Minuten) schrie ich panisch: „Ich muss pressen!“ Mein Mann klingelte schnell die Hebamme herbei. Und ab da (es war ca. 6.15 Uhr) fingen die Presswehen an. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Hebamme mir kein Schmerzmittel sondern einen Wehenanregenden Cocktail verpasst hat. Wie auch immer, der Tropf hat’s jedenfalls gebracht!

Die Zeit von der ersten bis zur letzten Presswehe war der absolute Marsch durch die Hölle. Ich gebe zu, dass ich geschrieen habe, so sehr, dass ich hinterher einen ganz trockenen Hals hatte und sogar ein bisschen Halsweh. Aber ich konnte gar nicht anders!

Zu uns gesellten sich dann eine weitere Hebamme und die Ärztin. Meine Hebamme hat irgendwann gesagt: „Ich solle mal fühlen, den Kopf könnte ich schon ertasten“. In meinem Delirium jammerte ich bloß: „Nein, ich will nicht“. Als der Kopf endlich vollständig geboren war, verspürte ich noch keine Erleichterung. Dieses Gefühl, auseinander gerissen zu werden, war riesengroß. Als die nächste Wehe kam, wurde endlich der Körper meines Sohnes Linus geboren (6.49 Uhr) und dieses hinausgleiten war unbeschreiblich! Der Druck hat auf einmal wunderbar nachgelassen und ich fühlte mich schon da um Welten besser!

Die Hebamme bot meinen Mann an die Nabelschnur durchzuschneiden. Er lehnte ab, denn er findet manches doch ekelig (und dazu zählt die gummiartige Nabelschnur). Ich lehnte ebenfalls dankend ab, denn ich teile in diesem Punkt seine Empfindung. So schnitt die Hebamme eben die Nabelschnur durch und ich bekam Linus auf meine Brust gelegt. Das war ein wunderschöner Moment! Ich kann bestätigen, dass in diesem Moment alle Schmerzen vergessen sind! Er sah recht zerknautscht aus mit vielen dunklen Haaren auf den Kopf. Auch auf den Schläfen, den Ohren, Rücken und Oberarmen hat er ganz viele dunkle Härchen.

Als die Plazenta geboren war fühlte sich mein Bauch endgültig leer an. Die Ärztin kam und betäubte meinen Damm, denn während der Geburt musste doch ein kleiner Dammschnitt gemacht werden. So musste ich noch genäht werden. Aber mit meinem kleinen Linus auf der Brust war ich abgelenkt.
Mein Mann ging an die frische Luft. Er war wohl doch sehr ergriffen.

Irgendwann wurde Linus gemessen, gewogen und bekleidet und nach der Zeit im Wehenzimmer (ca. 2 Stunden) zur Sicherheit kamen wir beide auf unser Zimmer auf die Wochenstation.
Einfach super: Die Geburt hat nur ca. 7 Stunden gedauert! Perfekt!

Susan mit Mara (3 J.), Linus (14 Mon.) und Justus (8 Tage alt)