Mein Saugglocken-Mädchen - Mara meine erste Geburt

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Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von rusujo 13.09.06 - 17:23 Uhr

Geburtsbericht Mara #klee
(meine erste Geburt)

geboren am Donnerstag, 24.07.2003
um 2.18 Uhr
Gewicht: 3750 g
Größe: 50 cm
Kopfumfang: 33,5 cm

Am Dienstagabend, 22.07.2003 lag ich mit meinem Mann im Bett und wir haben uns noch unterhalten. Wir haben Witzchen gerissen, haben uns über Mara und die Geburt unterhalten und er meinte spaßeshalber, morgen würde es ihm ganz gut passen, denn er hat da keinen Termin.
Meinen Mann schlief dann ein und ich las noch ein bisschen in meinem Lucky-Luke-Comic.

Gegen 23.30 Uhr bemerkte ich einen Schmerz, ähnlich wie bei Regelschmerzen. Die Schmerzen kamen immer wieder. Erst alle 10 Minuten, dann sogar alle 5-7 Minuten. Etwas heftiger wurden sie auch. Ich versuchte zu schlafen, doch die einsetzenden Wehen ließen mir keinen Schlaf. Dabei war ich noch am Morgen beim Frauenarzt, da zeigte das CTG wie immer noch keine Wehentätigkeit.

Um 2.30 Uhr (am Mittwoch, 23.07.2003) sagte ich meinem Mann Bescheid, dass ich Schmerzen habe und nun in die Badewanne gehen möchte. Ich ließ die Türen von Schlafzimmer und Bad offen, so hätte er mich hören können, wenn ich Hilfe gebraucht hätte. Denn er schlummerte weiter. Das Bad war zwar entspannend, doch die Wehen kamen trotzdem alle 5-7 Minuten und es trat weder eine Linderung ein, noch wurden sie stärker.

Nach dem Bad legte ich mich wieder ins Bett, doch an schlafen war gar nicht zu denken. Gegen 5 Uhr weckte ich meinen Mann auf. Ich wollte doch lieber losfahren in die Klinik, denn die Wehen kamen immer noch alle 5 Minuten.

Wir frühstückten noch einen Happen und fuhren dann los. Gegen 6 Uhr checkten wir beim Klinikum ein. Zuerst wurde ich ans CTG angeschlossen. Dort zeigten sich die Wehen ganz deutlich. Anschließend wurde ich untersucht: Ultraschall und Muttermundkontrolle. Ich habe gehofft, dass nach der Wehen-Nacht der Muttermund schon weit offen wäre. Doch von wegen: Gerade mal ein Fingerbreit geöffnet! Die Ärztin legte mir gleich eine Nadel am Handgelenk und schickte uns noch mal 2 Stunden Spazieren und Frühstücken.

Danach war ich wieder am CTG- Gerät angeschlossen. Die Wehen wurden immer ein bisschen stärker, aber waren noch gut aushaltbar, und kamen alle 5-10 Minuten. Über 10 Stunden sind seit der ersten Wehe vergangen. Nach einer Untersuchung vom Oberarzt (2 Gynäkologen, 1 Hebamme und einer Praktikantin waren mit im Raum) stand fest, dass der Muttermund weiterhin Fingerbreit geöffnet war und wir erst einmal zum Mittagessen gehen sollten.

Nach dem Essen musste ich erneut ans CTG. Mittlerweile hat die mich betreuende Hebamme gewechselt. Die „neue“ Hebamme schickte uns erstmal eine Runde schlafen. Mein Mann fuhr heim und ich lag in meinem Krankenhauszimmer und versuchte ein bisschen zu schlafen. Das gelang mir aber nicht so recht, denn die Schmerzen waren ja noch immer präsent.

Nach dem Abendessen und einer weiteren Untersuchung durch das CTG sind wir Spazieren gegangen und haben uns ein Eis gegönnt. Die Wehen kamen ab da immer häufiger und wurden immer kräftiger und ohne richtiges Veratmen kam ich nicht mehr zurecht. Mein Mann half mir prima dabei. Er atmete mit oder bremste mich, wenn ich zu schnell wurde. Bald hielt ich es nicht mehr aus und wir gingen zurück in den Kreißsaal. Dort nahm ich ein Bad. Diesmal bezweckte die Wanne endlich etwas: Die Wehen kamen ab da immer schneller und stärker.
Wir wurden trotzdem aufs Zimmer geschickt und ich sollte mich dort noch etwas ausruhen, wenn möglich schlafen.

Um 20.30 Uhr sollten wir wieder kommen. Bis dahin hatte ich schon an die 37 Stunden nicht mehr geschlafen. Doch Ausruhen war nicht möglich. Die Wehen kamen so kräftig und in so kurzen Abständen, dass ich mich wirklich aufs Veratmen konzentrieren musste. Um 20.15 Uhr hielt ich es nicht mehr aus und wir gingen in den Kreißsaal zurück. Dort wurde mal wieder eine CTG- Kontrolle gemacht. Ich konnte mich aber nicht mehr hinlegen dazu, denn die Wehen kamen alle 2 Minuten und ich klammerte mich an meinen Mann fest um die Wehen zu Veratmen. Die Hebamme merkte, dass es nun Zeit war und ich ließ mir einen Einlauf verpassen. Nach der „Sitzung“ wurden wir in den „richtigen“ Kreißsaal gebracht. Bis dahin waren wir immer nur in den Vorräumen zugange gewesen. Mittlerweile war es schon 21.30 Uhr und es war wieder Schichtwechsel und eine „neue“ Hebamme war für mich da. Ab da kamen die Wehen noch schneller und stärker und ich krümmte mich vor Schmerzen und verkrampfte immer mehr. Das Veratmen klappte nicht mehr so gut und ich krallte mich regelrecht an der Hand von meinem Mann fest.

Ursprünglich wollte ich die Geburt wenn möglich ohne PDA schaffen. Doch ich war so fertig und kaputt, dass ich gegen 22 Uhr nach einer PDA schrie! Nach über 39 Stunden ohne Schlaf und an die 23 Stunden Wehen wahrscheinlich auch kein Wunder. Ich wollte einfach die gemeinen Schmerzen, die ständig von den Eierstöcken ins Schambein zogen, los sein. Bis die Anästhesistin kam vergingen für mich noch endlose Minuten. Nach einem Wehenhemmer, um die PDA in Ruhe legen zu können, fühlte ich mich schon etwas besser. Nach der Wirkung der PDA richtig befreit. Ich war völlig schmerzfrei und spürte die Wehen nur durch einen hartwerdenden Bauch. Durch den Tropfer und die mir dadurch zugefügte Flüssigkeit (eineinhalb Liter), füllte sich meine Blase. Daraufhin wurde ich von der Hebamme auf Toilette geschickt. Doch meine Beine waren so gefühllos, dass ich nicht laufen konnte. So sollte ich in die Bettpfanne machen. Doch ich hatte überhaupt kein Gefühl und konnte nicht von alleine pinkeln. Ein Katheder musste nachhelfen. 1 Liter Urin war das Ergebnis.

Wir warteten dass der Muttermund endlich seine vollständige Öffnung erreicht hat. Ich war so relaxed durch die PDA! In der Zeit bekamen wir aus den Nachbarkreißsälen 3 Geburten als Zuhörer mit und wir freuten uns darüber, dass es wieder eine Frau geschafft hat. Die Hebamme war ständig auf Achse um die anderen Frauen ebenfalls zu betreuen. So langsam wollte ich auch endlich mein Baby im Arm halten. Die Zeit verging und der Mittwoch neigte sich dem Ende zu. Um 23.55 Uhr spürte ich plötzlich eine Feuchtigkeit zwischen den Beinen und siehe da, die Fruchtblase war geplatzt. Der Donnerstag, 24.07.2003 fing an und meine Kleine war noch immer nicht auf der Welt.
Gegen 0.45 Uhr ließ ich mir Schmerzmittel nachspritzen, denn die PDA fing langsam an nicht mehr zu wirken.

Um 1.30 Uhr war der Muttermund nun endlich vollständig geöffnet. Nun sollte ich mich seitlich legen und mit dem Becken „wackeln“ um dem Köpfchen den Weg besser zu bahnen. Wenn ich Presswehen verspüren würde, sollte ich mich melden. Doch ich spürte ja gar keine Wehen mehr. Doch um 2 Uhr merkte ich wirklich einen Druck nach unten. Nun sollte ich mit dem Pressen beginnen. Doch leichter gesagt als getan. Durch die totale Schmerzfreiheit und auch die übermächtige Müdigkeit bekam ich den nötigen Druck nicht her. Bald schon hörte ich die Hebamme sagen: Das Kind muss sofort raus, die Herztöne sind schlecht!

Ich bekam einen Riesenschreck, dachte schon an Notkaiserschnitt, Mein Mann hatte den gleichen Gedanken. Aber innerhalb von Sekunden holte die Hebamme den Arzt und mein Mann sollte durch Druck auf den Bauch mithelfen das Kind rauszudrücken. Dieser Versuch schlug aber fehl. Bei der nächsten Presswehe versuchte der Arzt sein Glück und drückte wesentlich kräftiger als mein Mann. Doch auch das führte nicht zum Erfolg. Danach entschied sich der Arzt für die Saugglocke. Daraufhin kamen eine weitere Ärztin und eine Hebamme herbei mit der Saugglocke. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mein Mann vergrub sein Gesicht in meinem Kissen, redete mir gut zu (es wird alles gut). Schnell schnitten sie meinen Damm, was ich wegen der Taubheit nicht spürte, und setzten die Saugglocke an. Die Gynäkologin stemmte sich mit voller Wucht auf meinen Bauch um das Kind nach draußen zu drücken. Ich sollte dabei helfen und pressen. Mir blieb förmlich die Luft weg, als die Ärztin sich auf meinen Bauch „schmiss“. Das Köpfchen war dann draußen und die Hebamme zog meine kleine Tochter heraus. Das Gefühl, wie sich der Bauch plötzlich leerte, war unbeschreiblich. Ein komisches Flutschgefühl.

Zwischen meinen Beinen sah ich Mara auf einen Tisch liegen. Aber sie schrie noch gar nicht. Mir kamen die Sekunden so lang vor… die Hebamme nabelte sie schnell ab und endlich quäkte sie! Mein Mann riskierte auch mal einen kurzen Blick. Aber das Blut auf den Tüchern ließ ihn gleich wieder in seine Vergrab-Stellung zurückfallen. Es war 2.18 Uhr als sie geboren wurde.

Sie zeigten mir Mara ganz kurz und nahmen sie mit zur Untersuchung. Dort wurde ihr Sauerstoff zugeführt und sie wurde unter die Wärmelampe gelegt. Ihre Finger und Füße waren ganz kalt und blau. Das alles konnte ich selber nicht miterleben, aber mein Mann durfte dabei sein. Ich presste derweil die Plazenta heraus und die Hebamme zog an der Nabelschnur. Dann wurde ich von der Ärztin genäht. Bald kamen mein Mann und die Hebamme mit Mara wieder. Sie wurde gesäubert, gewogen und gemessen, während ich noch fertig genäht wurde. Mein Mann war sehr ergriffen von der Situation. Dann bekam ich Mara endlich in den Arm gelegt.

Aber leider nur sehr kurz. Denn nun war die Kinderärztin zur genaueren Untersuchung gekommen. Also musste ich sie wieder hergeben. Da ich aber endlich fertig genäht war, konnte ich mich (mit Hilfe von der Hebamme) aufs Krankenhausbett hieven und wurde zu dem Untersuchungsraum geschoben. Dort lag Mara unter der Wärmelampe und mein Mann konnte sich zu ihr stellen und mit ihr sprechen und sie berühren. Ich hatte nur die Möglichkeit vom Bett aus zuzusehen. Nach der Untersuchung wurden wir drei in ein Wehenzimmer gebracht, wo wir noch eineinhalb Stunden bleiben sollten. Mara hatte ich nun auf meinen Arm. Und ich konnte ihr eine Glucoselösung zum Trinken geben. Um 5 Uhr wurden wir in die Wochenstation gefahren und Mara verbrachte die restliche Nacht im Kinderzimmer. Ich konnte nach 27 Stunden Wehen und 45 Stunden ohne Schlaf endlich ausruhen.

Susan mit Mara (3 J.), Linus (14 Mon.) und Justus (8 Tage alt)