Jakobs Geburt: KH statt Geburtshaus wegen Gestose (lang!!)

Archiv des urbia-Forums Geburtsberichte.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von karinbrigitta 14.09.06 - 11:50 Uhr

Hallo ihr Lieben#liebdrueck

auch wenn es jetzt schon einen Monat her ist, muss ich mir mein Geburtserlebnis von der Seele schreiben, denn sowohl die Geburt als auch das Drumherum war ziemlich traumatisch.

Zunächst vorweg: ich wollte unbedingt von Anfang an im Geburtshaus entbinden. Eine Geburt ist ja keine Krankheit, sondern etwas Natürliches, und einige KH-Horrorgeschichten hatte ich auch schon gehört.

Doch daraus wurde leider nichts, da ich eine Gestose bekam. Für alle, die es nicht wissen: Eine Gestose nannte man früher SS-Vergiftung, man hat sehr hohen Blutdruck, Wassereinlagerungen, Eiweiß im Urin - und es ist nicht ganz ungefährlich. Es kann sich das sogenannte HELLP-Syndrom entwickeln, und dann muss das Kind sofort geholt werden. Außerdem ist eine Gestose häufig die Ursache von Frühgeburten, so wie bei Jakob.

Das Schlimme war: Meine FÄ hat die Gestose nicht bemerkt. Ja, ich weiß nicht mal, ob sie diese Krankheit kennt. Denn obwohl ich einen Blutdruck von 140/90 hatte, Eiweiß im Urin, Ödeme in den Beinen und einen Hb-Wert von 15,7 hat sie nichts unternommen. Dass diese Werte alles andere als normal sind, habe ich erst im Geburtsvorbereitungskurs erfahren, im Geburtshaus, wo ich entbinden wollte!!!!#:-[

Zum Glück gab es die Hebammen, die mir das alles erklärt haben. Sie haben sofort angefangen, bei mir regelmäßig Akupunktur durchzuführen, um den Blutdruck zu senken. Außerdem haben sie mir gesagt, dass ich mich salz- und eiweißreich ernähren soll (Empfehlung des AK Gestose-Frauen). Meine FÄ hat mich statt dessen zum Internisten geschickt - aber was weiß der über schwangerschaftsbedingten Hochdruck!?! Außerdem hat sie mir ständig geraten, Brennesseltee zu trinken (was man aber auf keinen Fall machen soll!!) Das einzige, was sie immer interessiert hat, war mein Gewicht - was natürlich wegen der Gestose und den Wassereinlagerungen ziemlich hoch geschnellt ist.

Etwa in der 28. SSW oder sogar schon früher traten bei mir die ersten Gestose-Symptome auf. Irgendwann sind mir Hände und Füße so angeschwollen, dass mich die diensthabende Geburtshaus-Hebamme in die Klinik geschickt hat. Dort war erstmal alles in Ordnung, doch nach dem Schock habe ich sofort die FÄ gewechselt. Meine neue FÄ hat sofort einen Doppler-Ultraschall gemacht. Tatsächlich wurde mein Baby nicht optimal ernährt, aber es war noch kein Grund zur Sorge. Außerdem hat mir die FÄ Medikamente gegen Bluthochdruck verschrieben und mir gesagt (sie ging leider kurz darauf in Urlaub) ich solle regelmäßig ins Hebammenhaus zur Kontrolle gehen, dort sei ich in guten Händen.

In der 36. SSW schließlich hat mich die Hebamme dann wieder in die Klinik geschickt, weil das Medikament nicht so recht anschlug, mein Blutdruck dauerhaft bei 150/100 lag und ich Wasser auch im Gesicht eingelagert hatte. Dort musste ich dann zur Beobachtung bleiben. Trotzdem habe ich noch immer gehofft, vielleicht doch im Geburtshaus entbinden zu können. Mein kleiner Schatz wollte es aber anders. Einen Tag, bevor ich nach fünf Tagen Klinik entlassen werden sollte, haben die Wehen angefangen.

Die Wehen begannen um ca. 22 Uhr. Nach einer Stunde rief ich die Schwester und fragte, ob das vielleicht Senkwehen seien (waren nicht sehr stark). Sie hat mich dann zum CTG geschickt. Um eins habe ich meinen Mann aus dem Bett geklingelt. Leider ging in der Nacht nichts recht voran, trotz Badewanne, Spazierengehen und Einlauf. Daraufhin bekam ich ein Schmerzmittel und ging nochmal ins Bett. Doch richtig gut schlafen kann man damit ja nicht.

Am nächsten Tag gingen die Wehen dann weiter und wurden immer stärker. Ich war noch guter Dinge und hab die ganze Zeit Witze gerissen#;-) Allerdings waren wir beide todmüde, beim CTG bin ich zum Teil eingeschlafen, meinem Mann sind im Stehen die Augen zugefallen. Am Nachmittag um zwei oder so sagte die Hebamme dann, sie wollte mir ein Schmerzmittel geben und die Fruchtblase öffnen, weil die Geburt nicht richtig vorangehe. Ich habe sie dann gebeten, noch einen Moment zu warten. Prompt wurden die Wehen stärker.

Irgendwann hatte ich dann Presswehen, und die Fruchtblase wurde doch geöffnet. Plötzlich schoss mein Kleiner gefühlsmäßig einen halben Meter runter. Ich hab geschrien wie am Spieß, aber für Schmerzmittel war es da natürlich zu spät. Das Problem war, das ich so fertig war, dass ich kaum noch Kraft zum Pressen hatte. Ich hab überhaupt nicht kapiert, was die Hebamme von mir wollte. Ich konnte nicht mehr unterscheiden, wann die Wehen anfingen und wann sie aufhörten. Irgendwann waren dann sechs Leute um uns rum, zwei Ärzte, zwei Hebammen, eine Schwester, eine Kinderärztin. Der Arzt hat auf meinem Bauch mitgedrückt, aber obwohl das Köpfchen schon zu sehen war, kam Jakob nicht raus. Dann wurde er mit der Saugglocke geholt. Um 17 Uhr 16, nach 20 Stunden, war unser Schatz endlich da.#freu

Damit war die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Denn wir durften unseren Schatz grade mal fünf Minuten im Arm halten, dann wurde er uns weggenommen, weil er für eine Stunde ins Wärmebettchen sollte (er hatte zuviel Fruchtwasser geschluckt). Ich lag im Bett im Flur, mein Mann bei mir, und wir wussten nicht, wo unser Kind ist!! Dann kam ich schließlich auf Station nach einer Stunde, mein Mann durfte zu Jakob, aber mitnehmen durfte er ihn nicht. Erst nach drei Stunden, nachdem mein Mann richtig laut wurde, konnte er ihn mir bringen. In der ganzen Zeit ist niemand zu mir gekommen und hat mir gesagt, wieso und weshalb das jetzt gemacht werden muss!!

Von der Panik, die die Krankenschwestern wegen dem Stillen und wegen angeblich niedriger Zuckerwerte in den drei Tagen danach gemacht haben, mag ich gar nicht mehr erzählen. Ständig haben sie mir Panik gemacht, dass wir nicht wie geplant nach der U 2 rauskönnen aus dem KH - es war echt schlimm!!#heul

Tatsächlich musste Jakob dann noch fünf Tage auf die Kinderklinik unter die Lampe wegen Neugeborenengelbsucht. Mich wollten sie da zuerst auch nicht rauslassen, aber da hab ich dann zuviel gekriegt. Denn wir wohnen quasi neben der Klinik, sind in fünf Minuten da. Zuhause hat sich meine Milchmenge außerdem verdoppelt!! Wenn wir in all der Zeit nicht unsere Hebamme hätten anrufen können, wir wären echt verrückt geworden. Niemand hat es für nötig befunden, uns mal ganz in Ruhe zu erklären, was notwendig ist. Ständig wurde Panik gemacht.#:-[

Ich kann allen nur raten: Sucht euch rechtzeitig eine gute Hebamme, geht zur Vorsorge nicht nur zum Arzt, entbindet, wenn möglich, zu Hause oder im Geburtshaus. Krankenhäuser sind echt der Horror. Und das unsere wird sogar als besonders gut gelobt - Frauen haben es unter die 15 besten Entbindungskliniken in Deutschland gewählt. Vom Stillen haben sie aber zum Beispiel null Ahnung.

#danke fürs Zuhören, falls ihr es bis hierhin ausgehalten habt#:-)

Ach ja, Jakobs Daten bei der Geburt:

2440 Gramm
46 cm
Kopfumfang 33 cm

#herzlichKarin mit Jakob*15.08.06 und Papa Matthias

Beitrag von cathrin23 14.09.06 - 12:59 Uhr

Alles Gute zur Geburt Eures Sohnes!

Ich hatte auch ein Gestose, beginnendes HELLP Syndrom. Kennst Dich ja aus. Ich sag aus wie ein Elefant. War wirklich keine schöne Zeit im KH. Jorina musste noch 2 Wochen dort bleiben. Sie hatte eine Infektion mit B Streptokokken. Mein FA hat nach meiner Sicht und nach der meiner Hebamme auch einiges verschlampt. Bei der nächsten Schwangerschaft bin ich schlauer.

Alles Gute für Eure kleine Familie

Liebe Grüße
Cathrin

Beitrag von karinbrigitta 14.09.06 - 20:53 Uhr

Hallo Cathrin,

ja, wenn es Hebammen nicht gäbe... die haben oft einfach mehr Ahnung als Ärzte. Beim nächsten Kind werde ich sofort nach Feststellen der SS zur Hebammen-Vorsorge gehen. Die sind auch viel sorgfältiger, man kann viel mehr Fragen loswerden und wird nicht so abgefertigt. Naja, und zum Glück habe ich jetzt eine FÄ, die zum einen technisch super ausgestattet ist, zum anderen auch sehr sorgfältig ist.

Auch Dir alles Gute #klee

Karin