Putzlappen & Kochtopf auf Beinen und total am Ende

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von phyromenia 14.09.06 - 16:06 Uhr

(Achtung lang und frustig!)

Hallo Ihr alle!
...ich muss mir jetzt mal so richtig meinen Frust von der Seele schreiben. Kennt ihr das? Ich habe das Gefühl, für meine Kinder (Sohn 16 und Tochter 20) bin ich ein Putzlappen und Kochtopf auf Beinen. Nur dazu da, Ihren Bequemlichkeiten und Vergnügungen zu dienen. Ein Ding ohne Gefühle, zum Benutzen und Ausnutzen.... und wenn man nicht mehr funktionieren kann, kriegt man nen Arschtritt.

Dabei hätte ich bis vor 1,5 Jahren gesagt, bei uns ist alles in Ordnung und ich habe ein super Verhältnis zu meinen Kindern. Aber dann wurde ich arbeitsunfähig krank (bis heute) und alles brach zusammen.

Meine Tochter fuhr ihren Egotripp und war nicht bereit auch nur ein klitzekleines bisschen im Haushalt zu helfen, geschweige denn mich mal zum Arzt zu bringen. Der Hammer: sie hat ihren Anteil (da volljährig und im Abitur) vom Arbeitsamt, der für unsere Lebenshaltungskosten gedacht war, jeden Monat für Schnickschnack und Schminke ausgegeben, und ich wußte am Ende des Monats nicht womit ich einkaufen soll und ich mußte hinterher betteln. Und das, obwohl sie Taschengeld bekam und zusätzlich noch einen Schülerjob hatte.
Und weil aus Mama nichts mehr rauszuholen war und ich zusätzlich ja durch mein Kranksein auch noch lästig war, hat sie hinter meinem Rücken mit ihrem Vater (von dem ich seit Ewigkeiten getrennt bin) ihren Einzug bei ihm geplant. Das erinnerte mich stark an: die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

Als ich das herausgefunden habe, hab ich gesagt, gut, dann aber JETZT sofort (das war letztes Jahr). Der holde Vater indes war der Meinung, er muss mir, da nun das Töchterchen bei ihm lebt, auch keinen Unterhalt mehr für unseren 16jährigen Sohn bezahlen. Hat sich eine 5-zimmer Wohnung zugelegt (vorher 2 Zimmer) denn das braucht man ja wenn die Tochter mit hohen Ansprüchen zu einem zieht und hat auf stur geschaltet.

Die Schulnoten meines Sohnes gingen rapide bergab, zu Hause wie in der Schule der totale Schlumpf, obwohl ich während meines 3monatigen Krankenhausaufenthaltes noch für eine sehr teure Schülernachhilfe gesorgt habe. Auch hier keine Beteiligung des Vaters. Alles eine reine Katastrophe.
Nach zig Versuchen mich mit ihm privat zu einigen, hab ich dann eine 10monatige Unterhaltsklage führen müssen, die ich jetzt nun endlich gewonnen habe. Meine Tochter ist gemeinsam mit ihrem Vater zu der Gerichtsverhandlung erschienen, und seitdem haben wir kein Wort mehr miteinander gesprochen. :-( :-(

Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie weh das alles getan hat. Mein Sohn besucht am Wochende immer seine Schwester & seinen Vater und kommt natürlich mit Lügen vollgestopft zurück. Mir ist natürlich bewußt, welche Belastung das (nicht nur) für ihn ist und war. Nun ist er sitzengeblieben und ich habe gedacht, ok, wenn er das Jahr wiederholt, ist ja kein Beinbruch, der Stoff wiederholt sich und die Noten werden besser. Aber Pustekuchen.
Das gleiche Lernverhalten, nämlich schnellschnell hingeschmiert und ansonsten nur Interesse an PC, Fernsehen und Playstation.
Die Lehrer haben mir schon eine andere Schulform empfohlen und ich hab mir die Finger wund telefoniert; alles übervoll und nichts zu machen. Nun fühl ich mich total schuldig, dass es ich es mir erlaubt habe krank zu werden, denn als ich mich noch kümmern konnte, lief ja alles.....

Auf meine Frage, warum er nicht lernt, antwortet er: kein Bock und keine Motivation. All mein Zureden, wie wichtig das 10. Schuljahr ist, egal ober er Abitur machen oder abgehen und eine Lehre machen möchte, fruchtet nicht. Egal ob ich ihn alleine wurschteln lasse, oder mich mit ihm gemeinsam hinsetze und lerne, es bringt einfach nichts. Auch die Nachhilfe hat bisher nichts geändert.
Er kommt z.b. nach der Schule nach Hause und fragt nur "ESSEN"? Ein Wort, nicht mal in ganzen Sätzen wird man mehr angesprochen. "Taschengeld"?
Ich kenne meine Kinder nicht mehr wieder!!!
Ich war immer für meine Kinder da, hab sie bei allem unterstützt und war immer der Meinung, Kinder brauchen Liebe und Zeit.

Aber jetzt frage ich euch: sind wir als Eltern nur Putzlappen und Kochtöpfe und Goldesel auf Beinen? Haben wir nur Pflichten? Sind wir für alles was schief läuft verantwortlich zu machen? Können wir nicht auch etwas Rücksicht und Hilfe von unseren Kindern erwarten? Was haben die für ein soziales Verständnis? 0? Und das schlimmste: ich hänge mir auch das selbst ans Bein, denn es ist ja MEINE Erziehung!!! #gruebel

Aus einem "Meine Kinder und ich" ist plötzlich ein "Meine Kinder gegen mich" geworden. Ich kann euch nur raten: keine Schwäche zeigen, nichts erwarten und vor allem: NIEMALS richtig krank werden!!

Phyro

Beitrag von alpenbaby711 14.09.06 - 19:22 Uhr

Hey du!

Ganz ehrlich du bist schon gestraft genug mit der Krankheit, aber jetzt auch noch die Kinder gegen dich ist schlimm. Ich meine, mein Sohn ist zwar erst 17 Monate, aber alleine die Vorstellung sowas später erleben zu müssen kann einen schon traurig machen.
Man zieht sie groß und dann sowas. Aber ich bin sicher das funkt der Vater mächtig rein nur schade das Kinder ja immer sooooooooo erwachsen sein wollen, aber dann doch net sooooooooo schlau sind.
Dich mal feste drückt

Ela

Beitrag von butterfly72 14.09.06 - 21:34 Uhr

Hallo,

man du kannst einem ja echt leid tun. Je mehr ich gelesen habe, desto größer wurde mein Bedürfnis deine Kinder mal kräftig in den A.... zu treten. Vor allen deine Tochter sollte mit 20 Jahren ja echt reif genug sein, das mit deiner Krankheit zu verstehen und dich entsprechend zu unterstützen statt zu kneifen und bei Paps unterzukriechen. :-[:-[:-[

Da bin ich ja echt froh über meine Tochter (14). Wenn ich nur mal mit einer Erkältung flachliege kommt sie schon mal von selbst drauf, mir einfach mal 'ne heiße Milch mit Honig ans Bett zu bringen.
Aber ich bin mir nicht sicher ob das eine reine Erziehungssache ist oder vielleicht auch "genetisch" ist. So könntest du die Unarten deiner Kinder aber wenigstens dem Vater zuordnen und brauchst dich nicht noch mit Selbstvorwürfen quälen.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

#herzlichbutterfly72#herzlich

Beitrag von menno89 14.09.06 - 21:40 Uhr

>So könntest du die Unarten deiner Kinder aber wenigstens dem Vater zuordnen und brauchst dich nicht noch mit Selbstvorwürfen quälen. <

Was für eine Charakterlosigkeit! Es ist immer einfacher anderen die Schuld zu zuweisen, oder?!?

Beitrag von butterfly72 19.09.06 - 06:52 Uhr

Es geht gar nicht darum, die "Schuld" jemand anderen zuzuweisen sondern vielmehr, das ganze vielleicht mal mit eine gewissen Abstand aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Außerdem ist es schon eine Charaktersache wenn man immer den "Weg des geringsten Widerstandes" nimmt, wie es diese Tochter ja zu tun scheint.

Aber du scheinest ja ohnehin lieber zu kritisieren als jemanden mal ein wenig aufbauen zu wollen...

Beitrag von menno89 14.09.06 - 21:39 Uhr

Nun, ich mag es zwar nicht am Boden Liegende zu treten, aber es ist wirklich deine Erziehung.

Zurzeit bin ich fast 60 Stunden außer Haus und zusätzlich krank, dank Klimaanlage eine böse und hartnäckige Erkältung. Letztes Wochenende habe ich total flach gelegen.

Die Kinder haben mich umsorgt. Tochter1 und ihr Freund melden sich abends regelmäßig bei mir, wenn ich auf dem Nachhauseweg bin, ob sie mich am Bahnhof abholen sollen.
Tochter2 kümmert sich darum das hier geputzt wird, Tochter3 kümmert sich um die Wäsche und Sohnemann um die Tiere.

Klar verursachen sie auch Chaos, dann haben sie die Möglichkeit es selbst zu beseitigen oder halt eine Putzfrau von ihrem Taschengeld zu finanzieren.

Meine Pflicht den Kindern gegenüber besteht darin sie in das Leben zu begleiten, spätestens mit 18 haben sie rein rechtlich sehr viele Pflichten und halt auch Rechte.

Irgendwann weit vor den 1,5 Jahren habt ihr den Kontakt zueinander verloren, denn dies geschieht nicht "so schnell".

Beitrag von paulfort35 15.09.06 - 05:57 Uhr

Hallo,
Du tust mir sehr leid. Ich weiß nicht, ob Du mit deiner Tochter noch etwas retten kannst, aber ganz sicher bei deinem Sohn. Auf "Essen" und "Taschengeld" würde ich nicht mehr reagieren. Du hast es schon im Guten versucht, nun ist es an der Zeit, Deinen (berechtigten) Ärger über diese Behandlung zu aktivieren und zu sagen: Stop! So nicht weiter!! Lass Dich nicht so behandeln, mache das Deinem Sohn klar. Du gibst ihm dadurch auch die Chance, sein Verhalten zu ändern.

Paule

Beitrag von mm1902 16.09.06 - 01:02 Uhr

Hallo!

Erst mal tut es mir sehr leid für dich, dass du krank bist und von deinen Kindern so im Stich gelassen wirst...! :-(

Ich denke, du hast die Beiden vielleicht zu sehr verwöhnt.
Mussten sie im Haushalt mal mithelfen oder hast immer du das alles erledigt?
Deine Tochter bekam Geld vom AA, hatte einen Nebenjob und trotzdem hast du ihr noch Taschengeld gegeben??? #kratz
Das war ganz bestimmt ein Fehler von dir...!
Normalerweise hätte sie einen gewissen Betrag zur Haushaltskasse beisteuern müssen!!!
Aber dass sie dann zum Vater 'übertritt', finde ich doch sehr unreif von ihr...!
Oder gab es noch andere Probleme zwischen euch?

Vielleicht schreibst du ihr mal einen Brief und schilderst ihr, wie du dich fühlst, ohne ihr (zu viele) Vorwürfe zu machen...!

Mit deinem Sohn solltest du dich dringend einmal in Ruhe zusammensetzen.
Erkläre ihm, dass es so nicht weitergehen kann und frage ihn, warum er so unmotiviert ist!
Die Situation mit seiner Schwester, seinem Vater und deiner Krankheit scheint ihn zu überfordern...!
Er sitzt ja zwischen 2 Stühlen.
Da hilft nur : REDEN !!!
Stelle zudem klare Regeln auf bezüglich PC, Playstation usw.!
Erst werden die HSG ordentlich gemacht, danach kommt erst sein Vergnügen!
Wenn mein Sohn mal wieder nicht so will, dann kommt die Playstation eine ganze Zeitlang weg, genauso wie das Handy oder der Fernseher...!

Wünsche dir viel Glück und alles Gute!!!

Beitrag von phyromenia 25.09.06 - 10:04 Uhr

Hallo und ganz vielen Dank für eure Antworten, vor allem an Ela, butterfly und paule :-)

Das mit dem Verwöhnen ist so eine Sache.... Meine Kinder mußten beide schon ab der Schulzeit jeder seine kleinen Aufgaben im Haushalt übernehmen, ja nach Alter. Z.B. Spülmaschine ausräumen, Blumen gießen, Staubputzen -so Kleinigkeiten eben. Wer seinen Kindern alles hinterherwischt und trägt, darf sich nicht wundern, wenn er als Putzfrau angesehen wird. So war es aber bei uns nicht. Es war aber immer ein ständiges Erinnern und Mahnen notwendig, und es ging nie von alleine. Das Bewußtsein, dass jeder in der Famikliengemeinschaft Dreck macht, und auch mithilft diesen wieder zu beseitigen, habe ich leider nicht in meinen Kindenr erwecken können.

Das Taschengeld hat meine Tochter übrigens von ihrem Vater erhalten, nachdem ich, da sie mich und ihren Bruder mehrmals bestohlen hat, das Taschengeld eingestellt habe.
Es ist fast unmöglich erzieherische Maßnahmen zu ergreifen, wenn diese dann vom Partner/Vater regelmäßig unterwandert werden. Was man bei Mama nicht bekommt, holt man sich dann eben beim Vater...... So können jegliche Konsequenzen umgangen werden und das denke ich ist genau das Problem.

Erst die Hausaufgaben und dann das Vergnügen ist bei uns schon immer selbstverständlich. Dann werden die Hausaufgaben aber eben schnell schnell hingeschmiert....und bei einem 16ährigen kann man auch nicht mehr sagen: so mein Freund, du schreibst das ganze jetzt solange ab, bis es leserlich und ordentlich aussieht.

Das ist ja das Vertrackte, je älter die Kinder werden, desto weniger Einfluß hat man auf sie, alles was man sagt wird als Angriff empfunden oder als Schikane. Die Möglichkeiten, die man noch hatte, als die Kinder klein waren, fallen einfach weg.

Ich wünsche Euch jedenfalls, dass es euch gelingt, dass eure Kinder auch ein Gespür für eure Bedürfnisse entwickeln- nicht nur für die eigenen, und keine egomanen kleine Monster werden....

Phyro

Beitrag von baumhoernchen 06.10.06 - 21:09 Uhr

Liebe Phyro,

Du erlebst anscheinend den Albtraum aller Mütter. lange hab ich überlegt was man denn da machen könnte- habe sogar schon mit meinen Freundinnen über so einen "worst case" diskutiert und sind einheitlich zu einer "Lösung" gekommen.
Befreie Dich!
Deine Familie hat Dich anscheinend nicht mehr wirklich lieb genug- sie schätzen Dich nicht! Vielleicht solltest Du Dich rar machen....
Schlag Dich einfach nicht mehr mit Deiner "Familie" rum.
Mach Deinem Sohn klar, dass er nicht im Hotel ist, rede mit Deinem EX wegen dem Unterhalt für Sohnemann. Schau Dir das Spielchen noch eine Weile an, vielleicht einen Monat, nicht länger, dann mach Nägel mit Köpfen.
Wenn der Prophet nicht zum Berg geht, dann geht der Berg eben zum Propheten. (Mein Lieblingsspruch)
Setze Sohnemann einfach zum Papa in die Wohnung- er hat ja Platz. Soll ER sich doch mit der Pubertät rumschlagen!!!
Außerdem zahlt er ja dann indirekt Unterhalt.
Genieße Deine neue Freiheit- das Leben ist viel zu schade um es mit solchen Problemen zu sehr zu belasten.
Deine Kinder können ja ab und an mal Sonntags zum Essen kommen- ansonsten gestalt die Wohnung nach Deinen Wünschen um, fahre in den Urlaub, sobald es Deine Finanzen zulassen, gehe zum Friseur oder zur Wellnessmassage und lasse Dich verwöhnen.
Pflege Freundschaften oder lerne neue Leute kennen (z.B. durch VHS-Kurse).
Glaube mir, Dein Ex bekommt die Motten #heul#huepf!!!
Sei mutig und mach das! BITTE! Tu es für Dich- Du gehst sonst vor die Hunde!

Liebe Grüße, und viel Mut

Baumhoernchen