Lieber kein Kind oder fremdes Kind?

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Forum: Unterstützter Kiwu

Dein Arzt hat Hindernisse für eine normale Empfängnis festgestellt und du bist in Behandlung in einer Kinderwunschpraxis? Hier kannst du dich mit anderen über die künstliche Befruchtung etc. austauschen. Auch nützlich: Lexikon der Abkürzungen. Unser Kinderwunschmediziner Dr. David Peet beantwortet deine Fragen in unserem Expertenforum.

Beitrag von finnya 14.09.06 - 19:34 Uhr

Hallo,

nachdem ich vor ein paar Wochen schonmal hier hinein geschrieben und ein paar nette Antworten bekommen hatte, stelle ich die nächste Frage mal wieder hier rein (wüsste auch nicht, wo es sonst hin passen würde).

Das letzte Mal ging es darum, wie ich meiner Freundin, die seit langem den Kinderwunsch hegt (übt seit 2 Jahren, hatte vorher eine Fehlgeburt) schonend sagen soll, dass ich wieder schwanger bin.
Gut, das ist mittlerweile erledigt und überraschenderweise freut sie sich sogar riesig mit mir auf das neue Baby und jedesmal wenn wir uns treffen, hat sie wieder was neues für´s Baby gekauft, weil sie meint, sie hätte jetzt endlich einen Grund ein paar süße Strampler auszusuchen und Babygeschäfte betreten zu "dürfen".

Gestern Abend hatten wir ein paar Freunde (u.a auch sie) zu uns in den Garten zum Grillen eingeladen.
Wir haben etwas rumgealbert und kamen irgendwie auf das Thema Kinder. Ich meinte scherzhaft, dass ich ihr ja mal meinen Mann ausleihen könne, denn der trifft ja jedesmal sofort. Da wurde sie etwas ernster und meinte, ja, an sowas hätte sie auch schon gedacht. Allerdings nicht unbedingt mit meinem Mann, sondern halt bloß mit irgendeinem, der zeugungsfähig ist oder gefrorenes Sperma von fremden Männern.. Als ich fragte, was ihr Kerlchen denn davon hält, meinte sie, er würde dem zustimmen, denn er liebt sie sehr und weiß, wie sehr sie sich ein Baby wünscht. Da sie schon schwanger war (allerdings von ihrem Ex damals noch), liegt es definitiv an ihm und er wolle, dass sie ihr Wunschbaby bekommt -so oder so.

Ich war total baff und dachte nur "Wow, das muss Liebe sein"...find ich total klasse von ihm, aber ich glaube, ich persönlich würde kein Kind von "irgendeinem" haben wollen. Allerdings hatte ich auch noch nie einen großen Kinderwunsch, weiß also nicht, wie verzweifelt man sein kann..
Ich glaube, ich würde lieber kinderlos bleiben wollen, als ein "fremdes" Kind zu bekommen..
Was meint ihr? Würdet ihr sowas als letzten Ausweg machen oder das Thema Kinder lieber abhaken?
#kratz

Naja, Danke für´s Zuhören schonmal,
LG, Finnya.

Beitrag von chatta 14.09.06 - 19:47 Uhr

Hallo,

ich gebe zu: in der Zeit, als ich so ganz verzweifelt war (ist so ca. 10 Monate her... um den Dreh...), hab ich auch daran gedacht. Und mit meinem Freund darüber gesprochen (wie über alles). Er wurde ganz traurig und sagte, dass ihn das sehr verletzen würde und dass er das auf gar keinen Fall will. Ich hab dann so 2 Tage dran rumgeknabbert (gedanklich, nicht an meinem Freund #freu) und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich doch ein Kind von IHM und mit IHM haben will. Es geht nicht nur um mich, auch er wünscht es sich sehr, auch er will sein (!) Fleisch und Blut aufwachsen sehen und lieben können.

Ich finde es grossartig, dass viele Frauen die Möglichkeit haben, per Fremspender schwanger zu werden und sich ihren Kiwu erfüllen können, aber ich könnte es nicht. Der Gedanke, wie wohl der Vater wäre, psychisch wie auch physisch, würde mich mein Leben lang nicht verlassen... es wäre immer irgendwie nur mein Kind, nicht unseres...

LG
cha

Beitrag von willow19 14.09.06 - 19:49 Uhr

Hmm, also ich persönlich würde es nicht schlimm finden, wenn mir z.B. von einen Samenspender eben der Samen eingesetzt werden würde. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, warum nicht? Bzw. wenn beide Partner damit einverstanden sind. Aber mit nen anderen Mann ins Bett zu steigen ist natürlich Schwachsinn.
Meine Schwägerin wurde auch nur durch eine künstliche Befruchtung schwanger, weil sie zu viele männliche Hormone hatte und er nicht gerade die besten Schwimmer hatte. Wäre dieser Versuch gescheitert, hätten sie auch auf Spendersamen zurück gegriffen und ich finds wie gesagt gar nicht schlimm. (Schwägerin erwartet gerade ihr 3. Kind und Nr. 2 und Nr3 sind auf völlig normalen Wege entstanden)

Liebe Grüße

Beitrag von percanta 14.09.06 - 20:18 Uhr

Hallo Finnya,
interessante Frage.
Es wäre ja kein ganz fremdes Kind... Ich glaube für mich (mit meinem Mann habe ich über diese Option noch lange nicht geredet), ich hätte 1. am liebsten 3 -4 Kinder, die von UNS sind. 2. wenn es gemeinsam nicht klappt, ein Kind, das von EINEM von uns ist - die Variante ER Samenspender und fremdes Ei ist sicher ungewöhnlicher als die von Dir genannte, aber mir wären beide Varianten recht - wenn es kein GEMEINSAMES sein kann, was NATÜRLICH der große Wunsch ist, aber einer von uns keine Probleme beim Fortpflanzen hätte - warum nicht wenigstens die Chance nutzen, etwas von ihm (oder mir) weiterleben zu lassen in einem Kind? Wäre es so, dass ER nicht kann - ich würde sehr daran knabbern, deswegen selbst nie schwanger zu sein und kein Kind zu bekommen, ja! Und mir vielleicht die Variante "fremder Vater" wünschen. Und umgekehrt wäre ich glücklich, wenn es SEIN Kind wäre. So wie ich mir ja auch für ein Kind von uns erwünsche, dass es so manches von ihm bekommt (ihr kennt diese Spinnereien - man hofft, schwanger zu werden, spinnt aber gleichzeitig schon rum, dass das Baby hoffetnlich seine Augen, seine Grübchen, seine Stimme bekommt?!), und das würd ich auch wünschen, wenn "mein Anteil" (genetisch) fehlt.
Wunsch 3 wäre dann Adoption - also ein ganz anderes Kind. Aber ein Kind! Oder Geschwister... Adoption macht ein neues Faß auf ;-) und erst auf Nr 4 --- nein, Nr 6 oder 7 oder 8 kommt die Variante "KEIN KIND".
Ich weiß nicht, ob mein Schatz das SO mittragen würde... und hoffe, ich hab mich einigermaßen verständlich ausgedrückt. Und hoffe, es klang nicht so, als würde ich unsere "Linien" fortsetzen wollen um jeden Preis #schwitz nein nein!
Sollte uns die Variante KEIN KIND treffen, das wäre wirklich existenziell schlimm für mich... aber das ist ja hier im Forum nichts neues.
Liebe Grüße
Percanta

Beitrag von klaus_ 14.09.06 - 20:25 Uhr

wir haben mit zwei Kindern "aufgehört" und leihen uns bei Bedarf ein Drittes aus der Nachbarschaft aus.

Sehr schön


Klaus

Beitrag von marjolaine 14.09.06 - 23:34 Uhr

wenn dann wirklich alles versucht wäre... (waren die beiden schon in ner kiwu-kliniK?)

würde ich glaub ich lieber adoptieren... aber das ist nur mein persönliches gefühl...

Beitrag von jenny133 15.09.06 - 11:22 Uhr

Hallo Finnya,

wir sind schon seit über drei Jahren am üben. Deshalb kann ich deine Freundin verstehen, wie sehr es schmerzt...
Bei uns ist aber fast sicher, dass es nicht an meinem Mann liegt (Spermio war ok), deshalb hat sich diese Frage nie ernsthaft gestellt. Allerdings könnte ich glaub ich auch kein Kind von einem anderen bekommen.
Dann würde eher Adoption in Frage kommen.

Wünsch dir alles Gute für deine SS und hoffe, dass deine Freundin (egal auf welchem Weg) wieder glücklich wird!

LG
Melanie

Beitrag von xandora 15.09.06 - 11:58 Uhr

Hallo Ihrs,

meine Freundin steht auch kurz vor der Entbindung. Sie ist aber schwanger durch Heterologe Insemination (also Fremdsperma).

Ihr Mann ist zeugungsunfähig, und das ganze Drama hab ich hautnah miterleben können. So lange ich meine Freundin kenne (20 Jahre immerhin) hat sie sich mit Kindern beschäftigt. Sie war in der Jugend viel Babysitten, wollte später Kindergärtnerin werden und am liebsten eine ganze Fußballmannschaft als Kinder zu hause haben. Und dann wurde durch das Spermiogramm festgestellt, dass ihr Mann zeugungsunfähig ist. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was da los war.

Für die beiden ist eine Welt zusammen gebrochen und meine Freundin wusste nicht mehr ein noch aus. Adoption schien scheinbar unmöglich. So machte ihr Mann den Vorschlag zu Heterologen Insemination. Anfangs fand ich den Gedanken etwas befremdlich, da bin ich ehrlich. Tiefgefrorenes Sperma? Von einem fremden Mann? Ich hatte das Auge von irgendwelche "sozial armen" Menschen vor Augen, die aus Geldmangel ihr Sperma hergaben, um evtl. ihren Alkoholismus zu finanzieren.

Meine Freundin erklärte mir, dass die Spender jedoch genau untersucht werden, es sich meist um Studenten handelt.

Ich sagte mir immer wieder "Es ist deren Sache, es geht mich nichts an".

Heute kann ich nur sagen, dass das das Beste war, was meine Freundin je tun konnte. Sie ist so glücklich, sie blühte in der Schwangerschaft so auf und sie freut sich so auf ihr Baby, dass ich manchmal direkt daneben erblasse. Auch ihr Mann hat alle Hände voll zu tun, denn sein Sohn kommt bald.

Ich freue mich sehr für die Beiden und ich weiß, dass es von seinen Eltern geliebt wird, und zwar mit jeder Faser des Herzens.

Ich glaube außenstehende können das nicht nachvollziehen - man muss schon mitten drin stecken ....

Viele Grüße
Xandora

Beitrag von claudia_31 15.09.06 - 12:26 Uhr

Hallo,

diese Möglichkeit würde für mich nicht in Frage kommen. Sicher wäre der Schock erstmal riesengroß, aber ich habe diesen Mann geheiratet, weil ich mit IHM und nicht mit irgendeinem x-beliebigen ein Kind möchte.
Ich wollte nie ein Kind nur um des Kindes Willen oder um mal eine Schwangerschaft erleben zu dürfen, sondern weil ich mit meinem Schatz eine Familie haben möchte.
Ich würde lieber alle medizinischen Möglichkeiten ausschöpfen. Und wenn es am Ende trotzdem heißt: nicht schwanger, dann müssten wir unsere Lebensplanung ändern.

Mein Mann wäre über eine solche Möglichkeit nicht nur nicht erfreut, sondern tief gekränkt und das meiner Meinung nach zu Recht.
Denn wie heißt es so schön: In guten wie in schlechten Zeiten...

Also lange Rede, kurzer Sinn, für mich kein fremdes Kind, somit auch keine Adoption.

LG Claudia

Beitrag von xandora 15.09.06 - 14:17 Uhr

Hallo Claudia,

ich denke das ist Einstellungssache.

Es ist ein Kind mit IHM, weil ohne sein Einverständnis hätte es diese Schwangerschaft nie gegeben. Das hat mit X-Beliebigen nix zu tun.

Ich erlaube mir nicht zu sagen, dass ich "sowas" niemals tun würde. Dazu müsste ich erstmal in diese Situation kommen um mitreden zu können.

Und wenn dein Mann nicht damit klar kommt ist das natürlich eine Begründung. aber es gibt Männer, die für diese Möglichkeit dankbar sind.

Grüßle
Xandora

Beitrag von jacqui29 15.09.06 - 19:37 Uhr

Da bei meinem Mann Azoospermie festgestellt wurde, bleibt uns nur der Weg der HI.

Ich finde, es ist sehr leicht über jemanden oder eine bestimmte Situation zu urteilen, wenn man sich selbst nicht in so einer Situation befindet.

Das Frauen, welche durch HI schwanger geworden sind, Schwangere 2. Wahl sind, habe ich in einem anderen Forum gelesen, und finde es erschreckend.

Ich hätte auch gern ein Kind von meinem Mann, aber dies ist leider unmöglich. Soll ich ihn deshalb verlassen?

Übrigens kam mein Mann von sich aus auf das Thema zu sprechen. Tja, und als fremdes Kind, würde ich solch einen Krümel nicht "abstempeln".

Irgendwelche abfälligen Bemerkungen über Spendersamen etc. fallen immer ziemlich schnell, eben, weil sich die Wenigsten in so einer aussichtslosen Situation befinden.

Beitrag von xandora 16.09.06 - 00:29 Uhr

Hallo Jacqui,

ich kann dir nur zustimmen. Und ich wünsch dir für deine HI-Behandlung alles Gute!!

Gruß
Xandora

Beitrag von heidy 16.09.06 - 00:49 Uhr

Hallo Finnya,

mein Freund und ich haben uns (vorsorglich) darüber unterhalten, was wir machen würden, wenn es bei uns aus medizinischen Gründen nicht klappt. Der Gedanke an Fremdsperma ist uns dabei gar nicht gekommen. Mein Freund möchte dann ein Kind adoptieren!

Ich persönlich könnte mir das nicht vorstellen ein Baby mit fremden Sperma zu bekommen. Bin aber auch nicht in der Situation, da wir ganz frisch am Üben sind...

Liebe Grüße Heidy#klee