loslaasen meiner tochter

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von meerhexe 15.09.06 - 01:49 Uhr

Hallo, bin das erste Mal in einem Chat, wollte einfach mal wissen wie es anderen mit dem Loslassen ihrer Töchter geht. Habe da nämlich jetzt ein richtiges Problem damit! Meine Tochter ist 19 und hat ihren ersten Freund. Die Beziehung dauert jetzt ca. 8 Monate. Am Anfang habe ich mich noch riesig für sie gefreut, inzwischen, nachdem ich merke es wird immer ernster, bekomme ich richtige Beklemmungen und Angst sie immer mehr an ihn zu verlieren. Er hat jetzt seit neuestem eine eigene Wohnung und sie verbringt immer mehr dort ihre Nächte. Ich weiss, dass das ganz normal ist und der Lauf der Dinge, habe aber richtig Angst davor, dass sie sich immer mehr von mir entfernt (wir hatten immer ein supergutes, vertrautes Verhältnis, mit vielen Gesprächen, die jetzt leider auch immer weniger werden). Und dann kommt noch dazu, dass sie in 1 Monat für 1 Jahr nach Australien geht und das eh noch zusätzliches Loslassen meinerseits erfordert (wobei ich echt stolz auf sie bin, dass sie so einen mutigen Schritt in die Welt rauswagt)! Zum Schluss muss ich halt auch noch erwähnen, dass ihr Freund ein ganz Lieber ist, wie ich aber finde total auf sie fixiert (wie ich?!?) und außer ihr keine anderen Interessen hat. Vielleicht ist es auch das was mir so Angst macht, dass er jetzt schon Zukunftspläne schmiedet (Häuschen, Familie etc.). Hoffe ehrlich gesagt, dass sie auch noch andere Erfahrungen sammeln kann. Danke schon mal für eure Meinung, meerhexe

Beitrag von aggie69 15.09.06 - 09:05 Uhr

Mit 19 den ersten Freund? Finde ich ziemlich spät! Normalerweise geht sowas mit 14-15 los. Ich sehe jetzt nicht wirklich ein Problem. Sag und zeig ihr, daß Du immer für sie da sein wirst, auch wenn sie jetzt erwachsen ist.
Ist doch gut, daß ihr Freund auf sie fixiert ist. Wäre es Dir lieber, wenn er massig Kumpels und Hobbies hätte und sich kaum um Deine Tochter kümmern würde.
Ich finde es klasse, daß sie jetzt ein Jahr weg geht. Da haben beide Zeit zu prüfen, ob ihre Gefühle sowas überstehen. Laß Deine Tochter mal machen - sie ist auf dem richtigen Weg. Finde ich auf jeden Fall besser, als wenn ich hier über 19-jährige mit zwei Kindern lese, die nun sofort unbedingt geheiratet werden wollen.

Beitrag von captpicardvonsdh 15.09.06 - 09:34 Uhr

Hallo!

Ich kann verstehen, wie du dich fühlst, bei meiner Mutter war es nicht anders.

Ihr erste Tochter ist schon mit 16 ausgezogen und ich dann mit 17 Jahren. Sie konnte auch erst nicht richtig los lassen, denn es war bei uns beiden die erste richtige Feste Beziehung, wo eine Zukunft dahinter stand.

Meine Mutti hatte das gefühl uns zu verlieren, denn wir hatten alle ein super Tochter-Mutter Verhältnis. Aber ich kann dich beruhigen, es ist noch besser geworden.

Bei meiner Schwester hat sie es so gemacht, dass wir uns alle am Sonntag zum Mittagessen getroffen haben und somit konnten die Frauen ihre Gespräche führen und wenn meine Mutti das Gefühl hatte allein zu sein, hat sie meine Schwester angerufen oder hat sich mit ihr verabredet.

Bei mir war das Gefühl noch schlimmer, weil ich das Nesthäckchen war und sie überhaupt nicht loslassen konnte. Ich hab sie jeden Tag besucht oder wenigstens angerufen oder wir haben am Anfang auch noch manchmal bei meinen Eltern geschlafen. Das hat sie beruhigt. Heute besuche ich sie mindestend 3 Mal die Woche oder telefoniere mit ihr.

Manchmal, wenn sie traurig ist, komme ich zu ihr und nehme ihr die Angst, denn sie weiß, dass sie auf mich zählen kann, wie ich auf sie.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass eine Mutter nie richtig los lassen kann, aber man kann es versuchen, nur eng deine Tochter nicht ein, dass hat meine Mutti nämlich nie gemacht.

Ich hoffe, konnte dir etwas helfen.

MFG Franzi

Beitrag von willow19 15.09.06 - 15:38 Uhr

Ich selbst kann dazu nur meine Erfahrungen schildern, wie es mir mit meinen Eltern ergangen ist. Mit 13 hatte ich hier und da mal ein "Techtelmechtel" und mein Vater war da schon komisch bzw. er war eben nicht froh darüber, dass ich jetzt schon mit Jungs anfange. *lol*
Mit 14 lernte ich dann schon meinen jetzigen Mann kennen und dass da Probleme aufkamen, war eigentlich vorprogrammiert, zu dem mein Freund damals 24 war.
Meine Mutter hatte da weniger Probleme, sie freute sich für mich, weil sie merkte, dass "dieser komische Typ", mir richtig gut tat. (ich war nicht wirklich einfach in dieser Zeit)
Dann wurde alles schon recht früh ernster, denn mein Freund/Mann wohnte 250km weit weg und er suchte sich dann eine Arbeit hier bei uns. Als ich 15 war, ist er zu mir gezogen und auch mein Vater hatte nun nur noch gute Worte für meinen Partner übrig.
Sie hatten auch Angst, mich zu "verlieren", aber unser Verhältnis wurde dadurch eigentlich nur besser, obwohl ich schon vorher ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern besonders zu meiner Mutter hatte.
Mit 17 hab ich meinen Mann dann auch geheiratet und die Abnabelung war damit so zu sagen abgeschlossen. Aber alles in allem, war es das Beste, was mir und meinen Eltern passieren konnte.
Du wirst sehen, dass Verhältnis wird sich bestimmt nicht sehr verändern. Zumindest nicht wegen den Freund. Eher wird eine Veränderung statt finden, wenn sie ein 1 Jahr nicht da ist, aber dieses Jahr vergeht auch und dann habt Ihr wieder jede Menge Zeit Euch auszusprechen, vielleicht auch dann mit dem Freund Deiner Tochter.
Meine Eltern sehen meinen Mann eigentlich schon fast so an, als wäre es ihr eigenes Kind und auch ihre Schwiegertöchter haben die beiden so ins Herz geschlossen und das wird Dir sicherlich auch mal so gehen, wenn Du siehst, dass er Deine Tochter liebt und sie so zu sagen auf Händen trägt.

Alles Liebe

Beitrag von mariella70 16.09.06 - 15:50 Uhr

Hallo Meerhexe,
meine Eltern hatten schon in den 70er Jahren die sehr fortschrittliche Haltung: Man muss seine Kinder gehen lassen, damit sie bei einem bleiben.
Es hat funktioniert! Ich bin zwar mit 17 ausgezogen, aber freue mich sogar heute noch wie ein Dilldopp, wenn ich auf Besuch zu meinen Eltern fahre. Ich liebe es.
Dein Kind wird selbständig und zeigt dir das, also hast du sie sehr gut erzogen und für das Leben gerüstet. Sie geht nicht weg, eure Beziehung wird nur anders, nicht schlechter.
Ein Jahr Australien ist prima, du schenkst ihr Wurzeln und Flügel - freue dich daran.
Das Kind meines Partners war gerade auch ein Jahr im Ausland - es hat sie echt weiter gebracht und glücklich gemacht. Das andere Kind bewirbt sich gerade für Auslandspraktika und hat unsere volle Unterstützung.
Nur wer weggeht kann zurückkehren!
Liebe Grüße
Mariella