Besteht das Leben nur noch aus Regeln?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von ss120875 15.09.06 - 09:32 Uhr

Hallo,

bin etwas verärgert/verwundert. War gestern mit Lukas (2 Jahre) im Kindergarten, weil ich mir gedacht habe, damit er Kontakt zu anderen Kindern bekommt könnte ich ihn in einem halben Jahr dort hintun. Auch, damit ich mehr Zeit für Niklas (6 Monate) habe, der doch sehr darunter leidet, dass Lukas so viel Aufmerksamkeit braucht.

Nun zu meiner Frage. Die Leiterin des Kindergartens -man muss dazu sagen, dass es nur 1 Gruppe von 25 Kinder jeglichen Alters gibt- hat mir die Räumlichkeiten gezeigt, die ich sehr kindgerecht fand. Jedoch habe ich von Anfang bis Ende mitbekommen, dass es dort nur Regeln gibt. Wenn eine Gruppe Kinder in der Turnhalle ist, müssen andere Fragen, ob sie mitspielen dürfen, obwohl die Halle riesengroß war. Oder es darf nur gegessen werden wenn ein Symbol auf "grün" hängt. Auch müssen andere Kinder immer Fragen, ob sie z.B. mit dem grünen Auto spielen dürfen, obwohl das andere Kind mit dem blauen Auto spielt. Die Dinge gehören doch keinem der Kinder. Wird dadurch nicht ein Besitzanspruch unterstützt? Klar darf ein Kind einem anderen nicht das Spielzeug wegnehmen, aber fragen ob es mitspielen darf find ich übertrieben.

Regeln müssen sein, das verstehe ich, aber wie soll ich das meinem Kleinen beibringen, der versteht mich ja noch garnicht richtig.

Ist das in allen Kindergärten so?

Beitrag von bigfam 15.09.06 - 09:45 Uhr

Hallo,
Ich denke das,das ein kindergarten ist und keine benimm schule!#kratz
Klar müssen Regeln sein aber ich denke das kinder doch dort spielen sollen!Die kleinen müssen noch genug in ihrem leben lernen.Und ein bisschen müssen kinder noch kinder bleiben dürfen!
lg bigfam

Beitrag von silberlocke 15.09.06 - 09:49 Uhr

Hi Du
also gewisse Regeln ("Darf ich mitspielen", nicht mehr als vier Kinder in einer Spielecke, zu bestimmten Zeiten ist Essenszeit,....) müssen in einem Kiga eben sein. Und das lernen auch die 2-jährigen Kinder sehr schnell und es ist dann auch normal. Es dient eigentlich der Übersicht und der Ruhe im Kiga - überleg mal, was das für ein Gekreische, Gestreite usw gäbe, wenn diese Regeln nicht bestünden! Und Dein Kleiner versteht und kapiert schon mehr als Du ihm zutraust....

Und Du musst es ihm nicht beibringen - das erledigen die anderen Kinder und die Erzieherinnen.
Und das klappt super gut und ohne Probleme.

In unserem Kiga sind seit 2 Jahren 2-jährige Kids und seit Anfang des Jahres sind auch 1-jährige Kids dabei. Es funktioniert hervorragend! Mach Dir nicht ganz so viele Gedanken, die Kinder schaffen vieles besser und ohne größere Anpassungsschwierigkeiten als wir Erwachsenen immer denken.

LG Nita

Beitrag von silberlocke 15.09.06 - 09:51 Uhr

ach ja noch vergessen - es ist auch eine Frage des "wo ist wer" - die Erzieherinnen verlieren ja sonst total den Überblick, wo welches Kind ist. Und das mit der Turnhalle ist reiner "Verletzungsgefahrschutz".

LG Nita

Beitrag von heike74 15.09.06 - 09:52 Uhr

Nein, so extrem ist es bei uns nicht. Bei uns gibt es aber
1 Krippengruppe,
4 Kindergartengruppen (davon 2 integrativ und altersgemischt, 1 altersgemischt),
1 Vorschulgruppe,
1 Hort (Klasse 1 - 4).
Normales Alter in den Kindergartengruppen ist 3 - 5/6 Jahre, bei altersgemischten Gruppen ab ca. 2/2,5 Jahre. Krippe ist ab 1 Jahr.

In den Turnraum oder nach draußen gehen die Kinder einer Gruppe gemeinsam, in die Kinderküche bzw. die Kinderwerkstatt in kleinen Grüppchen nach einem festgelegten Plan, damit jeder mal drankommt.

Nach einem Spielzeug, das keiner hat und zur freien Verfügung steht, müssen sie nicht fragen, bestimmte Dinge werden aber gemeinsam zu bestimmten Zeiten gemacht (Kneten, mit Farben malen), weil das halt auch sehr kleckert.

Die größeren Kinder gehen 1x pro Woche in den Wald, in den Sommerferien ist der Hort fast immer im Wald (sie machen aber auch andere Dinge, den Wald lieben die Kinder aber am meisten).

Gegessen wird gemeinsam zu festgelegten Zeiten (Frühstück, Mittag, Vesper). Das ist auch gut so, ich finde gemeinsame Mahlzeiten in einer ruhigen Atmosphäre sehr wichtig. Es ist auch ein Stück Tischkultur. Esst ihr zuhause jeder so wie er will? Getrunken darf natürlich immer werden, dafür muss jedes Kind seine Trinkflasche mitbringen (zu den Mahlzeiten gibt es Tassen, die Flaschen sind nur für zwischendurch und für draußen).

Ich finde es noch sinnvoll, dass gefragt werden muss, wenn man in die Turnhalle will. Die Erzieherinnen müssen schließlich wissen, wo die Kinder sind. (Ich nehme an, die Kinder müssen die Erzieherin fragen, nicht die anderen Kinder.)

Übrigens verinnerlichen die Kinder die Regeln im Kiga sehr schnell, sie lernen viel durch Nachahmung. Außerdem wird keiner böse sein, wenn ein Kind am Anfang da noch nicht genau durchblickt.

LG, Heike

Beitrag von tinalein123 15.09.06 - 10:06 Uhr

Zitat:

"Regeln müssen sein, das verstehe ich, aber wie soll ich das meinem Kleinen beibringen, der versteht mich ja noch garnicht richtig."

Zitatende
**************
Darf Dein Kleiner zu Hause alles? Hast Du überhaupt keine Regeln zu Hause, oder wie versteht er die zu Hause?

Ein einigermaßen geregelter Tagesablauf im Kindergarten ist wichtig, damit alle Kinder zu ihrem Recht kommen.

Also erst Freispiel während der Ankommzeit, dann gemeinsamer Stuhlkreis, danach Freispiel+ parallel Angebote + offenes Frühstück bis 10 Uhr...

Das die Kinder fragen müssen, ob sie in die Turnhalle dürfen, ist wichtig für die Erzieherinnen. Die müssen ja wissen wo das Kind ist. Bei uns dürfen in den Toberaum immer nur max. 4 Kinder und es wird gewechselt.

Das die Kinder andere Kinder auch nach unbenutztem Spielzeug fragen sollen, soll eigentlich nur der Kommunikation untereinander dienen, eben dass die Kinder allgemein lernen, immer erst zu fragen und auch eine Antwort abzuwarten, ehe sie handeln.

Kindergarten ohne Regeln muß das einzige Chaos sein.

Neue Kinder gewöhnen sich meistens ruckzuck an die Regeln und sie sind auch durchaus fähig zwischen Kiga und Zuhaus zu unterscheiden.

Beitrag von hummelinchen 15.09.06 - 19:27 Uhr

Hallo, ich kann dich wirklich verstehen.
Doch damit du die Erzieherinnen verstehst würde ich dich bitten, mal einen Tag mitzualufen und versuch mal die Verantwortugn der Erzieherin mitzuberechnen.
Eine große Gruppe lebt von Regeln sonst würde nichts funktionieren.
Stimmt 3-jährige brauchen länger aber auch sie schaffen es.

Ich bin Erzieherin und habe eine Menge Regeln.
Der Kindergarten hat eigene Regeln. In vielerlei Hinsicht....

Viel Spass wünscht Tanja

Beitrag von ss120875 16.09.06 - 08:29 Uhr

Hallo an Alle,

danke für Eure Antworten. Wie schon geschrieben, verstehe ich, dass es Regeln geben muss die gibt es ja bei uns zu Hause auch. Ich dachte nur, dass gerade im Kindergarten die Kinder noch Kinder sein dürfen.

LG
Silke

Beitrag von hummelinchen 16.09.06 - 12:21 Uhr

Hallo silke,
das dürfen sie doch auch. Aber denk doch mal an die antiautoritäre Erziehung seinerzeit. Holla! Soviel zu "keine Regeln".. #schock
Unser ganzes Leben ist gespickt von Regeln, nicht nur für die Kids.
Denk mal an deine eigene Umgebung. Es gibt geschriebene und ungeschriebene Gesetze. Und viele halten sich daran. Darum funktioniert das System. Wenn jemand bei dir zu Hause deine Regeln nicht beachtet empfindest du das als störend. Isso!!#augen
Und dazu kommt, dass Regeln Sicherheit bieten.

Sieh das ganze Mal aus dem Blickwinkel eines Kindes, deiner ist "zu hoch" - in vielerlei Hinsicht... :-)

lg Tanja