Was kann ich für meine noch Mutter tun??? Bitte, bitte hilft mir!!!

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von missoklahoma 17.09.06 - 00:42 Uhr

Vor über 5 Jahren ist mein Papa an Krebs gestorben. Meine Mutter hatte ihn mit 24 geheiratet und war die ganze Krankheit über bei ihm.
Schon während der Zeit, als meine Mama meinen Papa viel pflegen musste, 80% Stelle hatte, Kind daheim, total viel im Krankenhaus war, hat sie total abgebaut. Sie war 4 Monate krankgeschrieben, das muss man sich mal vorstellen. Sie war teilweise auf weit unter 50 kg runter und total deprimiert. Sie hat dann auch irgendwann eine Alkoholsucht entwickelt. Wann genau das angefangen hat, weiß ich nicht mehr, denn ich war ja auch noch etwas jünger.
Direkt nach dem Tod meines Papas ist sie mit einem Typen zusammengekommen, der emotional ein totales Arschloch war (immer noch ist) und der sie (uns) eigentlich nur 2 Jahre weiter runtergerissen hat. Dann hatte sie etwas länger keinen Freund und war total unglücklich, das mit dem Alkohol wurde schlimmer. Irgendwann gings dann aber wieder Berg auf und sie ist zu den Anonymen Alkoholikern gegangen. Eigentlich schien es ihr wieder ganz gut zu gehen, dann bin ich ein Jahr nach Amerika für einen Schüleraustausch, das war ein klasse Jahr, vielleicht das beste in meinem Leben als Jugendliche und es hat alles in allem auch mal mir sehr viel geholfen. Als ich wiederkam habe ich herausgefunden, dass sie am selben Tag, an dem ich abgeflogen bin, mit irgend so einem Typen zusammengekommen ist. Diesmal emotional nicht so minderbegabt, aber total dumm. Also echt nett, aber eben keinen Grips. Meine Mama hat studiert, an der Uni mit gelehrt und liebt(e) es anspruchsvolle Literatur zu lesen. Sie ist nicht Glücklich mit diesem Neuen und mal ist wieder schluß, dann wieder nicht. Der Neue verführt sie wohl auch immer mal wieder zum Alkohol und nun ist sie schon wieder so oft schlicht und einfach besoffen. Sie ist nur noch deprisiv, sie will nicht mehr, sagt sie, und wenn ich zum studieren weggehe(n muss), wird sie sich vielleicht umbringen, mal sehen. Ich bin ja eh nie da und auch, wenn sie sich mit dem Neuen überhaupt nicht unterhalten kann und ihn auch nicht liebt oder so, hat er wenigstens Zeit für sie. Es hat ja sonst niemand mehr Zeit für sie, alles ist scheiße.

In den letzten Jahren ist auch noch das ein oder andere dazugekommen, einer ihrer besten Freunde ist an einem Herzinfarkt gestorben, ihr Vater/mein Opa, den einzigen Mann, den sie in diesem Leben noch liebt, hat sich auf enttäuschende Weise von der Familie abgewandt und nun hat sie der Alkohol wieder komplett eingeholt, wahrscheinlich wird sie in 2 Jahren gekündigt, das hat sie vor kurzem gesagt bekommen.

Es ist zum verzweifeln, meine Mutter bringt sich durch permanentes Rauchen und Trinken und Depressionen noch selbst um.

Sie ist alles, was ich noch habe, ich muss ihr helfen, aber wie? Eben kam sie wieder besoffen in mein Zimmer, das Übliche...
"Mama, du bist betrunken, geh schlafen."
"Nein, ich habe doch nicht zu viel getrunken...." *lall*
"Ich bin deine Tochter, ich merke es, du kannst ja nicht mals mehr stehen, ich bring dich jetzt ins Bett!" Dann bring ich sie ins Bett, räume das Wohnzimmer und die Küche auf und hoffe, dass sie ihren heftigen Rausch friedlich ausschläft.

Jetzt fängt morgen wieder die Schule an, ich komme nachdem ich die 11te Klasse dank Austauschjahr praktisch übersprungen habe, in die 12te und muss mich jetzt wirklich ran halten. Ich möchte Medizin studieren.

Ich habe so Angst, ich muss ihr wieder Mut zum Leben geben, sehr viele Aufgaben übernehmen, die eigentlich "Elternsache" sind, viel nachlernen und vorbereiten für die Schule, mein eigenes Leben als 16-jährige führen und so weiter.

Vor ein paar Tagen ist meine allerbeste Freundin, die meine Geschichte als einzige kennt und die schon seit 16 Jahren zu mir steht, für ein Jahr nach Spanien gegangen. Mein Opa hat sich uns abgewandt und mein Papa ist ja tot, Geschwister habe ich keine.

Meine Mama und ich brauchen Hilfe. Was soll ich machen? An wen kann ich mich wenden???
Könnt ihr mir irgendwie trost spenden oder helfen?

Beitrag von missoklahoma 17.09.06 - 01:20 Uhr

Hab mir gerade noch mal alles durchgelesen und wollte nur anmerken, dass ich total aufgewühlt und am heulen war.
Soll als Betreff natürlich auch heißen
"WAS KANN ICH FÜR MEINE MUTTER NOCH TUN? BITTE; BITTE HELFT MIR!!!".
Nicht mals das kann ich noch richtig schreiben, hab die letzte Stunde, obwohl ich Rechtshänderin bin, alles mit links gemacht und alles ist natürlich runtergefallen oder sonst was. Wie kann ich da noch meiner Mama helfen...

Beitrag von mm1902 17.09.06 - 01:45 Uhr

Hallo!

So lange deine Mutter nicht selbst einsieht, dass sie ein Alkoholproblem hat, wirst du leider nicht viel ausrichten können...!

Du wirst ja bestimmt schon ganz oft mit ihr darüber gesprochen haben.
Im nüchternen Zustand sieht sie dies wohl auch ein...!?!

Ich finde es schlimm und bemerkenswert zugleich, wie viel Verantwortung du in deinem Alter schon übernehmen musst!
RESPEKT!!!

Aber du darfst dir diese Bürde nicht länger alleine aufladen!!!
Du hast dein eigenes Leben, deine beruflichen Pläne usw.!
Du bist nicht für deine Mutter verantwortlich!!!
SIE sollte es für dich sein!!!

Wende dich an die Anonymen Alkoholiker, da gibt es eine Gruppe für Co-Abhängige - dort kann man dir vielleicht helfen!

Evtl. wäre es für dich sogar besser, wenn du in ein betreutes Wohnen oder ähnliches gehen würdest, um etwas Abstand zu deiner Mutter zu bekommen.
Beim Jugendamt kannst du dich ja mal unverbindlich informieren!

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft!!!

LG
M.


Beitrag von mamakind 17.09.06 - 12:25 Uhr

Hallo Mae!

Laß dich erst mal drücken#liebdrueck!

Ich kann so gut nachvollziehen, was in dir vorgeht, wie weh es tut, einen Menschen, der einem so viel bedeutet, so zu sehen, wie er sich selbst zerstört.
Aber mit freundlich-lieben Worten hilfst du deiner Mutter nicht, denn sie zieht dich damit auch runter. Hol dir Hilfe. Wenn dein Opa nicht zur Verfügung steht, dann gehe mal zu einem Treffen der AA, dort findest du sicher Hilfe. Es gibt auch z. B. den Kreuzbund, ist sowas ähnliches wie die AA.

Ich weiß wovon ich rede, denn als ich in deinem Alter war, hatte mein Vater das selbe Problem. Und das ging jahrelang so - seit ich denken konnte. Seine ganze Familie hatte sich schon von uns abgewandt, weil das ja kein gutes Licht auf sie warf. Man fühlt sich so alleine und denkt, man ist die einzige mit solchen Problemen auf der ganzen Welt und schämt sich dazu. So ging es mir zumindest. Mein Vater hat bestimmt 6 Entziehungskuren hinter sich gebracht und fiel immer wieder zurück. Nach spätestens ein paar Monaten fing immer alles wieder an.
Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und habe Hilfe gesucht bei den AA. Die waren supernett und haben mit meinem Vater geredet und ihm zu seiner letzten Kur überredet. Er war wieder ein halbes Jahr weg, hat es dann aber letztendlich geschafft. Er ist jetzt seit knapp 10 Jahren trocken, doch man hat immer die Angst, dass er mal wieder anfangen könnte.

Geh mal zu einem Treffen der AA, dort gibt es auch Angehörigentreffen und du lernst, wie du dich verhalten mußt. Sie werden dir helfen und vielleicht tut dir und deiner Mutter auch mal Abstand gut. Denn sie merkt erst, wenn sie ganz unten ist, dass es so nicht weitergeht. Aber sie muß freiwillig einen Entzug machen und nicht dir zu liebe.

Schau mal auf die HP der jeweilgen Gruppen, dort findest du sicher Adressen und findest heraus, wann ein treffen stattfindet oder so eine Art Nothilfe. Brauchst keine Angst haben. Den ersten Schritt hast du schon getan. Es wird sicherlich zwischendurch mal hart werden, aber es ist der richtige Weg.

http://www.anonyme-alkoholiker.de/

http://www.kreuzbund.de/

LG Simone

Beitrag von kugel1980 17.09.06 - 14:22 Uhr

hi!

also ich speche aus erfahrung, da es ein a. auch bei uns in der familie gibt, das ging seit mehr als 9 jahren so. bis er dieses jahr in eine stationäre entgiftung gegangen ist. 2 wochen lang mal wieder entgiften, haben es sonst daheim gemacht, war nicht schön mit anzusehen. aber seitdem hat er die kurve bekommen.

er ist seit 9 jahren das erste mal so lange trocken wie jetzt. irgendwas hat klick gemacht, wir hoffen dass es so bleibt!

deine mutter muss auch wollen. vielleicht machst du ihr mal den vorschlag mit der klinik?!

ist aber trotzdem ein harter weg. in meiner familie hat derjenige nicht mal eine therapie genehmigt bekommen, welch ein scheiss bürokraten deutschland. mit in die klinik gehen geht eigentlich auch nicht so schnell, hätten 3-6 wochen wartezeit gehabt, haben aber druck gemacht.

schau auf den seiten, die schon weiter oben genannt wurden. und versuche dir irgendwie hilfe zu suchen!

bedenke aber immer, dass deine mum das nicht macht um dich zu ärgern, oder weil eben einfach so. alkoholismus ist eine krankheit!!! es kamen bei ihr bestimmt viele faktoren zusammen, die dazu geführt haben, aber du musst ihr irgendwie helfen da raus zu kommen und zu schauen, dass sie es selber erkennt, dass sie sich zu grunde richtet. ich denke, wenn sie trinkt ist sie bestimmt auch nicht sie selber, also ich meine in ihrem verhalten oder denken.

ich hoffe du kannst irgendwo hilfe finden. wenn du sie vom krankenhaus überzeugen könntest, wäre vielleicht schonmal ein erster schritt getan. zwangseinweisen kann man sie leider nicht, da muss sie freiwillig mitmachen.

ich wünsche dir alles gut. ich weiss es ist schwer, erst recht wenn man alleine ist! drücke dich unbekannter weise und bitte gib deine mum nie auf!

Beitrag von dunki 19.09.06 - 15:25 Uhr

Hallo,
ich fürchte Du kannst Deiner Mutter nicht wirklich helfen, geredet hast Du ja schon genug mit ihr.
Sieh zu das Du Hilfe bekommst, Du hast ein Recht auf ein eigenes Leben, lass nicht zu das Deine Mutter es zerstört.

Geh zum Jugendamt, vielleicht kannst Du in einer Jugend-WG wohnen. Sieh zu das Dein Abi gut klappt, dann sind die Türen für Dein eigenes Leben weit geöffnet. Vielleicht kannst Du ja auch wieder in das Ausland gehen, und dort Dein Abi machen.
Du schreibst ja das der Auslandsaufenthalt die schönste Zeit für Dich war.

Lass Dich nicht kaputt machen durch die Alkoholsucht Deiner Mutter. Eigentlich sollte sie die Stütze für Dich sein, vielleicht kannst Du ihr ein letztes Mal den kleinen Finger reichen und zusammen mit ihr zu einer entsprechenden Gruppe gehen.

Kannst Du nicht versuchen Deinen Opa zu kontaktieren? Vielleicht hilft er Dir ja?

Bitte nimm Deinen ganzen Mut zusammen, sorge dafür das Dein junges Leben funktioniert. Deine Mutter kann sich eigentlich nur selber helfen.

Lass Dich nicht unter Druck setzen von Drohungen wie "Ich bringe mich um", wenn Du in einer anderen Stadt studierst.

Natürlich musst Du studieren gehen, und gerade in Deiner Situation am besten in einer anderen Stadt, Du brauchst dringend Abstand.

Alles Gute
dunki