Bedingt Treue die Erfüllung sexueller Bedürfnisse?

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Forum: Liebesleben

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Beitrag von cuchulain 18.09.06 - 16:02 Uhr

Oder anders: Ist das Bedürfnis nach Treue nicht genauso wichtig wie das Bedürfnis, der Partnerin ein guter Liebhaber zu sein? Wenn man von der Partnerin sexuelle Treue verlangt, hat man dann nicht auch die Verpflichtung, alles für ihre sexuelle Zufriedenheit zu tun? Wenn ich meiner Partnerin sexuelle Erfüllung in der Partnerschaft verwehre, schicke ich sie dann nicht geradezu in die Untreue?
Selbst in unseren heutigen lockeren Zeiten ist doch Treue in Beziehungen noch immer gern gesehen, habe ich zumindest den Eindruck, und bei einer Heirat verspricht man sich ja auch gegenseitige Treue. Damit ergibt sich doch aber auch eine gewisse Erwartungshaltung bzgl körperlicher Liebe - ich muss doch auch dafür sorgen, dass mir meine Partnerin überhaupt treu sein kann, ohne auf bedeutenden Bedürfnissen zu verhungern.

Ich mache mir so meine Gedanken. Es geht nicht um ausnutzen oder sich bedienen, auch nicht darum, eine Partnerschaft auf Sex zu reduzieren, sondern darum, den Partner oder die Partnerin aus eigenem Antrieb glücklich zu machen. (Na gut, evtl mit Hinblick darauf, auch selbst glücklich gemacht zu werden.)

Bei GMX (Focus?) hab ich heute früh was über eine x. Studie zum Fremdgehen gelesen. Interessant und vorhersehbar zugleich: 80% der Befragten haben angegeben, sie wären nicht fremdgegangen wenn sie daheim nicht sexuell unbefriedigt gewesen wären. Also nix mit Abwechslung suchen oder Selbsterfahrung oder was Verpassen oder Jemand besseres finden und den alten eben noch warmhalten oder was man sich wohl auch immer für Gründe vorstellen kann (gibts überhaupt welche die nicht doch wenigstens indirekt was mit sexueller Ödnis zu tun haben?) ... hätten alle viel lieber mit ihrem Partner schön Sex gehabt, aber halt nich gekriegt ...

Nun lese ich hier viele Beiträge und Ratschläge, in denen sexuelle Selbstbestimmung hochgelobt wird, und der Rat erteilt wird, doch lieber den Partner zu wechseln, wenn es halt eben nicht stimmt. (Was auch unbestritten und ganz sicher eine Lösung des Problems darstellt, nur eben für Paare die schon viele Jahre zusammen sind und/oder noch sein wollen, weil vielleicht "alles andere" so gut passt wie noch nie oder wie vielleicht nie wieder, oder Kinder da sind, oder ein Haus, oder eine Firma, nicht so anstrebenswert ist. Liegt vielleicht einfach auch nich jedem.) Also genaugenommen: Tut nichts wozu ihr nicht Lust habt, und auch nicht häufiger als ihr dazu Lust habt, egal was andere (v.a. der Partner) davon halten, im Zweifelsfall (also wenn der Partner nervt, Vorwürfe macht, körperliche Zuneigung zu erpressen versucht oder auch nur einfach still und leise eingeht) trennt euch lieber und sucht einen anderen. Warum ändert ein (explizit oder implizit gegebenes) Verprechen, für den anderen zu sorgen (in guten und schlechten Zeiten, also immer), und treu zu sein, nichts an der Normalität des Nur-für-sich-selbst-dahin-Lebens eines Nicht-Gebundenen ohne (wenigstens moralisch vorhandene) Verpflichtungen einem Partner gegenüber?
Auf der anderen Seite wird (mit manchmal recht vorwurfsvoller Deutlichkeit) über alle hergezogen, die Affären haben oder suchen oder gehabt haben und ggf. bereuen ... Wie kann er nur der garstige Typ, soll sich gefälligst zusammenreißen, Sex ist nicht das Wichtigste, wird ja mal paar Monate ohne auskommen, wenn er Dich liebt wird er bei Dir bleiben auch ohne Sex, warum macht er es sich nicht selbst, hat doch zwei gesunde Hände, etc. Jedenfalls wird ein unerfülltes Bedürfnis nach Sex, also der Grund des Fremdgehens, völlig abgewertet. (Wie wäre es denn, wenn man dem mit wenig Einfühlungsvermögen gesegneten Partner mal offenbart, dass man ihn / sie eben nur einmal pro Woche liebt (im nicht-sexuellen, sondern seelischen Sinne), mehr ist leider nich drin, weil man auch andere Dinge im Kopf hat, Hauptsache ist doch man arbeitet im Team an denselben Zielen, wer braucht schon Schmetterlinge, und überhaupt ... ?) Trotzdem ist die Erwartung an ungebrochene Treue hoch und fundamental wichtig. Offenbar.

Wenn man beides zusammen sieht kann das nur bedeuten, dass eine Partnerschaft, in der nicht beide Partner in körperlicher Sicht einwandfrei zueinander passen, nie eine Chance auf beiderseitige Glückseeligkeit hat und man sich zwischen drei Möglichkeiten entscheiden kann: Weitersuchen, eine offene Beziehung führen (oder sich eine Affäre suchen) oder sich mit seinen unerfüllten Bedürfnissen arrangieren. Das spricht nicht gerade für die Beziehung als solche, oder? Entweder man hat mordsmäßig Schwein und findet Traumpartner oder -partnerin gleich oder man probiert die ersten zwanzig durch und nimmt dann den dreißigsten, weils eh nich besser wird und irgendwas is ja immer. Glauben an Ehrlichkeit und echte Liebe und Pläne für eine strahlende Zukunft können da auch schonmal auf der Strecke bleiben ... Wenn man dieses "Zusammenpassen" nämlich nicht nur so schwer (durch langjähriges oder langmonatiges Erleben) herausfinden könnte, dann gäbe auch nicht so viele Beiträge zu Unlust in Beziehungen und Angst vor Krisen und Trennungen wegen sexueller Unerfülltheit.

Andererseits steht in jedem Beziehungsratgeber (ich pauschalisiere mal anhand der paar Exemplare / Artikel, die ich gelesen habe, so vor mich hin) mehr oder minder ausgeschmückt der Rat, die Bedürfnisse des Partners, auch die sexuellen, nach Kräften zu erfüllen (neben viel und oft Küssen etc). Eine kleine Mühe (die Rede ist da v.a. vom Befriedigen mit Hand und Mund, weniger vom Poppen bei eigener Unlust ... das muss wohl eher auf Männer abzielen ... ) mit großem Ergebnis. Es ist schließlich der Mensch, mit dem Sie ihr Leben verbringen wollen. Sorgen Sie dafür dass er glücklich ist. Oder so. Warum machen das so wenige "in echt"? Oder schreiben diejenigen nur nicht darüber (ja warum sollten sie auch)? Statements wie "Also mein Schatz kommt täglich, dafür sorge ich" sind ja nun wirklich die Ausnahme ...

Es ist wahrscheinlich schwierig. Wie seht ihr das?
Nachdenkliche Grüße von einem regelmäßigen Mit-Leser ...

(Sie hörten soeben das kleine Wort zum Montag.)

Beitrag von geisterfahrer 18.09.06 - 16:34 Uhr

Der moralische Imperativ, den Du bezüglich Treue ansprichst, gilt in unserer christlich geprägten abendländsichen Kultur nachwievor als hohes Gut zivilisatorischer Entwicklung. Nichtsdestotrotz wird er wissentlich ignoriert. Sind die Verlockungen grösser geworden, die Hemmschwellen gesunken, das "anything goes" nicht als ultimative persönliche Erlebnisebene dargestellt worden?

Moralisch betrachtet existiert die Institution der Ehe eigentlich schon gar nicht mehr, denn das "in guten wie in schlechten Zeiten" wird in der Praxis zu einem "aber nur in guten Zeiten, in schlechten Zeiten, sieh zu, wie Du klarkommst".......

Glaubst Du nicht? Lies mal nach, wie oft hier schon aufgrund marginaler Beziehungs-Probleme die Trennung als die einzig machbare Lösung hervorgekramt wird. Diese Menschen sind nicht nur nicht zu einer Konfliktlösung befähigt, nein, die überhöhte Sichtweise des eigenen Egos lässt ein konstruktives Miteinander gar nicht mehr zu.

Die meisten Ehen oder Beziehungen scheitern weniger an den Symptomen ihrer kläglichen Existenz sondern vielmehr an den Ursachen unserer individualistisch geprägten Gesellschaft. Die Herausstellung des Ich über alles macht es ziemlich schwer, einen Dalog aufzubauen, die Meinung des Gegenüber auch nur ansatzweise zu verstehen geschweige denn, darauf einzugehen.

Gerade Frauen, nach Zenturien der Unterdrückung und Bvormundung durch den Mann werden heute zu singulären Ein-mann-Armeen erzogen: Kind-Karriere-Küche, das vierte K "Kerl" kommt bestenfalls als Samenspender noch vor......

der Druck wird grösser, für beide, Männer wie Frauen.

Es gibt leider auf beiden Seiten der Geschlechter immer seltener ein Wir sondern nur zwei Ichs, welche dann zum Überfluss auch noch eher nach den gegensätzen als denn nach den Schnittmengen suchen......

Hoffnungsschimmer für mich: Mein hohes Alter und man sieht nicht mehr alles so verbissen....(Körperliches) Fremdgehen übrigens auch nicht...tut nur noch ein bisserl weh.....:-)





Beitrag von thiui 18.09.06 - 17:04 Uhr

das richtige sexuelle verhalten in urer beziehung bezieht sich auf eure indiviuellen beduerftnisse. gut der schlecht gibt es nur in der bibel, nicht im echten leben.

jeder, der behauptet deine frage sinnvll beantworten zu koennen, ist ein dogmatiker, der anderen seine beduerftnisse aufdraengen will.

ich persoenlich finde nicht das treue noetigerweise monogamie bedeutet, finde aber, dass vertrauen und toleranz ein absolutes muss sind. ich wuerde meinem partner niemal vergeben, wenn er mich hinterginge, bin jedoch offen fuer seine sexuellen beduerftnisse.

wir arbeiten mit der vorraussetzung, dass nur geht, was beiden 100% passt, wenn einer bedenken hat, dann gilt das fuer beide und nur weil ich heute mit einer situation o.k. bin, heisst das nicht, ass ich meine meinung nicht aendern kann.

in diesem sinne moechte ich auch mal daraufhinweisen, dass es sich heirbei auch um ein gesundheitliches problem handelt: menschen, die mit ienem fremdgehenden partner leben, haben ein erhoetes risiko sich unwissentlich mit geschlechtskrankheiten anzustecken udn diese nicht rechtzeitig zu behandeln. das gilt fuer alle krankheiten von herpes bis hiv udn betrifft besonders frauen.

Beitrag von cuchulain 19.09.06 - 10:34 Uhr

Ich finde jeder kann meine Frage sinnvoll für sich allein beantworten, wer würde denn die Antwort gleich allen aufzwingen wollen? Es ist einfach interessant und in einem gewissen Sinne beruhigend zu wissen, was andere dazu denken. Man muss nicht alles so machen wie die Mehrheit, aber man kann sich daran orientieren.
Ich persönlich verbinde Treue zwingend mit Monogamie. (Bin bissel altmodisch.) Ich bin mir auch sicher, dass das für viele andere hier auch so ist. Die Frage ist - was macht Dein Partner mit den Bedürfnissen, welche Deine übersteigen, und vice versa, so Euch denn das Problem überhaupt beschäftigt? (Vielleicht eher nicht, oder?) Kannst Du Dir vorstellen, dass die Schnittmenge von dem was bei Euch beiden passt, mal so klein wird, dass es für Dich zum Problem wird? Was würdest Du dann tun?

Beitrag von thiui 19.09.06 - 13:40 Uhr

also, ich denke mir mal, dass es im leben phasen gibt, wo man sich perfekt ergaenzt und in anderen aber auch nicht. da geht dann echt nicht gleich die welt unter.

mich wunderts nur oft, wie wenig leute sich mit ddiesen fragen auseinandersetzen, bevor sie sich jemanden als partner fuer's leben aussuchen. da gehen viele menschen extrem unbewusst dran, weil ihnen solche gespraeche ein bisschen unangenehm waeren. und im nachhinein ist das gejammer gross... das bezieht sich ja nicht nur auf das sexuelle. wenn ich mir manchmal anhoere, worueber sich leute beschweren, dann frag ich mich wirklich, worueber sich leute eigentlich unterhalten und vorallem welche motivation sie hatten sich an diesen menschen zu binden.

was die allgemeinheit macht ist meisstens luegen und so tun als ob. daran orientiere ich mich dann mal lieber nicht.

Beitrag von deoris 18.09.06 - 18:29 Uhr

Ich fürchte ich habe überhaupt nicht verstanden ,was genau du damit sagen willst #kratz
Aber eins was mir in den Kopf geschoßen hat als ich dein beitrag gelesen habe ist ,dass wir einfach zu bequem geworden sind um mit Menschen die an unserer Seite stehen auch schlechte Seiten durch zu stehen.Unsere Gesellschaft ist darauf bedacht und auch erzogen als Individuum zu überleben ,nicht als ein Stamm ,wie es mal vor jeglichen Jahrhunderten war.Und das Problem bezieht sich überwiegend auf unsere Industrieländer.Ich persönlich bewundere meine arabischen nachbarn ,sie haben so viel Leben in der Familie ,Oma ,Mutter,zig Schwestern und Tanten und auch natürlich die mänlichen Mitglieder,sie leben zusammen ,helfen in allen Sachen ,die es können,ein Haus wird zusammen gebaut auf die Kinder wird zusammen aufgepasst ,so dass die anderen Frauen sich dem Haus oder anderen Sachen widmen können.Die Kinder werden geboren und jedes Kind wird mit Freude in der Familie aufgenommen ,je mehr desto besser und wir die (wie manche es so schön ausdrücken Zivilisierten) regen uns über diese menschen auf ,wie können die nur ,die Frauen sind Gebärmaschinen und so weiter.....Bei uns wird jede Schwangerschaft überdacht.Unsere Gesellschaft ist von Deprissionen geprägt ,Frauen müssen alles alleine schaffen ,wenn keine Betreuung für die Kinder gibt ,dann gehen sie zu Hause einfach kaputt,weil sie die Welt nicht mehr sehen oder einfach wenig Kontakt zu anderen Menschen haben,doch die Anforderungen werden immer höher ,Arbeit ,Kinder,Haushalt ,gut aussehen und........
Kein wunder ,dass wir es nicht auf dauer zusammmen aushalten ,wir haben es nie gelernt unsere Mitmenschen mit allen ihren Schwächen zu akzeptieren,weil wir schon lange nicht mehr diesen Zusammenhalt haben ,weil wir es einfach zu gut haben.

Ja,meine Meinung hat zwar wenig mit deinen Gedanken über Sex zu tun,doch das alles muss zuerst überdacht werden ,bevor man an die Intimitäten übergeht.

LG

Beitrag von cuchulain 19.09.06 - 10:50 Uhr

Kann Deine Antwort gut nachvollziehen. Ist auch nicht so weit weg vom Thema, eben eine Stufe vom Trieb entfernt. Es läuft auf die Herausstellung des eigenen Egos heraus.
Hab ganz schön daher gelabert ... Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass es rein logisch betrachtet ein auffälliges Missverhältnis gibt zwischen dem Verlangen von Treue einerseits und Bedürfnissen, die ggf. unerfüllt sind und bleiben (wegen unserer modernen individualistischen Prägung?), andererseits. So als würde ich meinem Hund verbieten, Futter von Fremden zu fressen, und dann versäumen, selbst für genug Futter zu sorgen. (Als bildliches Beispiel, ich will nicht Menschen mit Hunden vergleichen. Ziemlich simple Frage eigentlich.)
Hab mal einen Einzeiler gelesen, hat sich eine junge Frau angesichts ihrer Beziehungsprobleme gefragt: Wie haben das nur unsere Großeltern geschafft [haben sich zusammengerauft und nich aufgegeben ...]? Das habe ich mich auch gefragt ... So wie Du von den arabischen Nachbarn schreibst, so ähnlich war es bei uns vielleicht auch noch vor 100-200 Jahren. Aber egal. Ich denke ja, dass das gute Harmonieren (?) früher viel mit der klassischen Rollenverteilung zu tun hattte. Die heute nich mehr so sehr gewünscht ist. Trotzdem halten wir aber an Wertvorstellungen fest, die aus dieser Zeit stammen, z.B. Treue und Ehrlichkeit, beides unnötig in einer Welt voller überdimensionaler Egos ... Ich persönlich mag ja Treue und Ehrlichkeit ...

Ich wollte gern ein paar Statements zum gegebenen Widerspruch hören. Wie ernst nehmt ihr das mit der Treue bzw. wie deutlich erwartet ihr Treue von Eurem Partner / Eurer Partnerin (auch: was ist Treue, aber davon wird ja öfter mal was geschrieben), und wie sorgt Ihr im Gegenzug dafür, dass die Erfüllung Eurer Erwartungen für Euren liebsten Menschen auf der Welt nicht zum selbstquälerischen Kampf gegen die Bedürfnisse wird?