Bedauernswert miese Romanverfilmung

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Beitrag von gretchens.armee 20.09.06 - 16:52 Uhr

So, an alle, die vielleicht "Das Parfum" gucken wollen und noch skeptisch sind: Tut es nicht, bitte, wenn ihr das Buch liebt, lest es lieber noch einmal, zweimal, dreimal.

Ein wenig hatte ich noch auf eine ähnlich kongeniale Verfilmung wie beim "Name der Rose" gehofft, wo zwar auch extrem viel gekürzt war, die Intention aber nicht völlig verdreht wurde und verlorenging.

Sicherlich "liest" jeder ein Buch anders, allerdings fehlten beim "Parfum" so derart wichtige Elemente, daß sie einem Grenouilles Motive nur durch komplette Verdrehung seines Wesens erklären konnten.

Schade, schade, denn so reiht sich Grenouille in der Verfilmung ein in den Stereotyp "Killersoftie", das arme, bedauernswerte Wesen, welches doch nur geliebt werden wollte...

Hä? #kratz Als was wurde Grenouille denn im Buch beschrieben? Als selbstsüchtiger, größenwahnsinniger Zeck, der Mitgefühl mit wesentlich subtileren Methoden erweckte als auf die Holzhammerheul- Art.

Ich könnte noch viel weiter gegen die Verfilmung anstänkern, vielleicht, weil ich mich furchtbar darüber ärgere, auf den ganzen Hype hereingefallen zu sein und dieses einzigartige Buch mit einer einzigartigen Geschichte nicht so sein zu lassen, wie es ist.

Aber wenn jemand ähnlich empfindet, dann lästere ich gerne mit ;-)

Und wenn nicht, dann zieht mir mit dem Holzbesen eins drüber :-p

Beitrag von susanne1973 20.09.06 - 17:22 Uhr

Hallo,

na das ist mal eine klare Aussage. Nach unzähligen Ausschnitten, die schon im Fernsehen gelaufen sind, kennt man den Film ja schon fast.

Ich werde mir jetzt wohl das Buch kaufen, es scheint sich ja zu rentieren es zu lesen.

:-) Susanne

Beitrag von pretty.kitty 20.09.06 - 17:42 Uhr

Tykwer und Eichinger haben wohl gedacht, dass ein sensibler, liebesbedürftiger Softie bei den Kinogängern besser ankommt als der grausige, egozentrische Killer im Buch... da schmachten vielleicht auch ein paar Frauen ;-) und es passt besser in die ganze Atmosphäre des Films.
Tja, bei den Machern hat die Intelligenz eben nicht gereicht für ne wirklich gute, adäquate Verfilmung. Ihnen kam es wohl nur aufs Geldverdienen an, da verdreht man die Ursprungsstory gern.
Werde mir "Das Parfüm" auch nicht ansehen.

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 18:17 Uhr

Wenn ich mich recht erinnere, war auch der grausige, egozentrische Killer im Buch sensibel und liebesbedürftig. Ganz davon abgesehen ist eine Investition von 50 Millionen Euro für so eine Romanverfilmung eine risikoreiche Angelegenheit, denn das kann auch gewaltig schiefgehen. Allein ums Geldverdienen gings hier wohl kaum.
Bevor man etwas derart kritisiert, sollte man es auch gesehen haben.

Grit

Beitrag von karl.hsr 21.09.06 - 10:21 Uhr

"der grausige, egozentrische Killer im Buch"
Na gut, wer "Sara die kleine Prinzessin" als Lieblingsbuch angibt, ist wohl kaum qualifiziert hochwertigere Literatur zu analysieren. Aber du scheinst das Buch gar nicht gelesen zu haben.

Karl

Beitrag von p.zwackelmann 20.09.06 - 17:52 Uhr

Dann muss ich wohl einen anderen Film am Wochenende gesehen haben, ich fand ihn sehr gut und auch am Buch orientiert.

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 18:12 Uhr

Hallo,

wer mit der Erwartung in diesen Film geht, den Roman 1:1 umgesetzt zu erleben, ist selbst Schuld, wenn er am Ende enttäuscht ist. Das Geruchskino ist nunmal noch nicht erfunden.
Mir hat der Film, obwohl oder gerade weil ich ein grosser Fan des
Buches bin, sehr gut gefallen. Man findet auch die Geschichte sehr gut wieder.
Natürlich hat er auch ein paar Längen, aber das ist nicht wirklich ein Grund ihn nicht anzuschauen. Da sollte sich wirklich jeder sein eigenes Bild machen.
Tom Tykwer hat seinen eigenen Stil mit einfliessen lassen und das ist auch gut so.....ganz davon abgesehen ist es höchst erfreulich, das auch ein deutscher Film endlich ein kommerzieller Erfolg werden kann und weltweit Beachtung findet.

Ich kann den Film nur jedem empfehlen, ob Leser der Vorlage oder nicht.

Grit

Beitrag von p.zwackelmann 20.09.06 - 18:30 Uhr

So sehe ich es auch!

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 18:37 Uhr

.....da bin ich aber froh, sonst müsste ich vielleicht als eklige Unke in deinen Verliesen schmoren......;-)

Beitrag von p.zwackelmann 20.09.06 - 18:50 Uhr

Die wurde doch aber befreit! Da käme doch bestimmt ein Kaspar oder Seppl daher!;-)

Beitrag von gretchens.armee 20.09.06 - 18:31 Uhr

Na, eine 1:1 Umsetzung habe ich kaum erwartet, siehe meinen Kommentar zu "Name der Rose". Aber auch keine völlige Verfremdung der Figur Grenouille mit ordentlich Weichzeichner drauf. Wo blieb denn die nicht unwichtige Erkenntnis, daß er keinen eigenen Geruch besitzt?

"Das Geruchskino ist nunmal noch nicht erfunden."
Stimmt. Das Geruchsbuch aber auch nicht ;-).

Beitrag von p.zwackelmann 20.09.06 - 18:44 Uhr

"Wo blieb denn die nicht unwichtige Erkenntnis, daß er keinen eigenen Geruch besitzt? "

Wurde doch in der Szene in der Höhle wunderbar erklärt, ich habe danach im Buch auch nochmals nachgelesen, es stand auch so drin.

Beitrag von gretchens.armee 20.09.06 - 18:44 Uhr

Und? Spielte es danach noch eine Rolle im Film?

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 18:48 Uhr

Da hat aber jemand nicht aufgepasst.......;-).
Die Erkenntniss, das er selbst keinen Eigengeruch besitzt, kommt ihm auf dem Weg nach Grasse. Das war aber eigentlich gut zu verstehen.

Liebe Grüsse
Grit

Beitrag von gretchens.armee 20.09.06 - 18:50 Uhr

Oh doch, habe ich. Eine Bemerkung am Rande, das war es. Es folgte keine Konsequenz daraus. Und die ganze Bergpassage wurde innerhalb kurzer Zeit durchgenudelt. Damit war ohnehin die Figur Grenouille eine völlig andere als im Buch.

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 18:56 Uhr

Ich persönlich finde schon das mit dieser Erkenntniss im Film, das Drama seinen Lauf nahm und das auch sehr verständlich rüberkam.
Das Passagen nicht im Detail wiedergegeben werden können ist bei einem derart komplexen Roman zu verstehen. Der Film hätte sonst wahrscheinlich 8 Stunden gedauert.

Grit

Beitrag von gretchens.armee 20.09.06 - 18:59 Uhr

Er wollte schon vorher nach Grasse, um sich zu eigen zu machen, Düfte aufzubewahren.
Und wieso nicht Grenouilles Ekel vor Menschen und schließlich vor sich selbst zum Thema machen? Dafür wurde auch einiges meines Erachtens Überflüssiges mit reingeschnitten.

Aber darüber kann man sich ewig streiten ;-)

Beitrag von betty_boop 20.09.06 - 19:17 Uhr

Nicht streiten...nur diskutieren#schein
Aber nu is gut.

Einen schönen Abend noch.
Grit

P.S.: Die beste Romanverfilmung ist für mich Fear and Lothing in
Las Vegas. Aber auch darüber kann man streiten.

Beitrag von mara299 21.09.06 - 09:32 Uhr

Danke für die Warnung.

Ich warte schon seit Wochen gesapannt ... hier startet er etwas später ... aber jetzt glaube ich es ist besser wenn ich ihn mir nicht ansehe.

Haben die diesen wunderbaren Klassiker der Literatur wirklich so verpfuscht ?

Ich habe allerdings nun bei den Vorschauen schon immer etwas skeptisch geschaut ... man sah so viel Interaktion und Unterhaltungen von Grenouille mit anderen Leuten ... spinn ich oder habe ich das Buch so schlecht in Erinnerung, das stand da doch anders, oder ?

Selbst der Schauspieler ... ich denke Fehlbesetzung denn er gibt mir einfach nicht Grenouille wie im Buch.

Ach menno, so viel dann zur Vorfreude ... aber das ist ja meist so, verfilmen die ein Buch wird es Mist ... siehe Krieg der Welten zum Beispiel ... Buchverfilmungen, egal aus welchem Gebiet, sind einfach nicht gut ... dabei hatte ich so viel erwartet #schmoll, Mara

Beitrag von gelberkrokus 21.09.06 - 13:59 Uhr

Hallo,
ich war gestern im Kino und kann nur aus meiner Sicht darlegen, (habe das Buch noch nicht gelesen) was mir gefallen hat und was nicht. Die Darstellung bzw Filmkullise fand ich sehr gut, man hat einen tollen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, auch die Kostume fand ich super. Die Musik war toll und hat die Szenen super betont. ABER, leider empfand ich die Darstellung des Grenouilles irgendwie neutral und nichtssagend. Irgendetwas hat gefehlt, man konnte sich nicht so richtig in seine Lage hineinversetzen. Eigentlich ist es ja die Geschichte dieses Mannes, die interessieren soll. ABER er ist so uninteressant und neutral, da passt etwas nicht zusammen...

Beitrag von bibabutzefrau 22.09.06 - 21:33 Uhr

anders hätte ich es nicht sagen können!

Beitrag von jazzanova05 25.09.06 - 07:49 Uhr

Ich fand ihn auch schlecht, aber unsere Freunde fanden ihn gut... So verschieden sind Geschmäcker. Ich hab mich einfach fast nur gelangweilt, das Buch ist 1000 Mal besser (obwohl es bereits vor über 10 Jahren das letzte Mal gelesen hab)

LG Jazza