Ich hab so Angst um meinen Mann

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von kruemlschen 21.09.06 - 09:59 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

vielleicht wisst Ihr einen Rat für mich bzw. meinen Mann.

Mein Mann ist seit wir uns kennen regelrecht vom Pech verfolgt und hat schon so unheimlich viel durchmachen müssen, dass ich wirklich schreckliche Angst um seinen psychischen Zustand habe.

Zum besseren Verständnis erzähl ich Euch mal die Schicksalsschläge:

Wir haben uns Ende Juli 2004 kennen gelernt, da kam er gerade von einem Besuch bei seinem Vater in den USA wieder, sein Vater lag derzeit im KH, Verletzung im Irak, Schusswunden in Schulter und Hüfte.
Als wir uns kennen lernten lebte er gerade in Scheidung und die KM verweigerte ihm jeglichen Kontakt zum Kind. Bis Ende des Jahres hatten wir dieses Problem geklärt, der Gerichtsbeschluss des Familiengerichts sicherte einen regelmäßigen Umgang. Im März 05 wurde ich Schwanger, hatte dann aber eine Fehlgeburt. Im April 05 starb sein Vater an Herzversagen aufgrund einer Infektion herbeigeführt durch die Kriegsverletzungen. Mangels Geld konnte er nicht mal zu Beerdigung. Im Juli 05 wurde ich erneut schwanger, stellte sich aber leider als Eileiterschwangerschaft heraus, also OP, 1 Woche KH Aufenthalt.
Als wir das verdaut hatten, ist er in der Arbeit (arbeitet seit Studiumende als Promoter in der Mobilfunkbranche) umgekippt und kam ins KH, nach Wochenlangem Aufenthalt endlich die Diagnose: Burgada-Syndrom Stufe 2 -> einsetzen eines Defis. Seither hat er immer wieder mit Kreislaufproblemen und Schmerzen in Herz und Schulter (verursacht durch den Defi) zu kämpfen. Ende des Jahres starb dann seine Cousine (15) bei einem Autounfall in den USA, er hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihr. Auch zu ihrer Beerdigung konnte er nicht fliegen.
Im Juni 06 bekam seine Mutter eine schwere Meningitis und war wochenlang im KH in der Zeit musste er sich um seine kleine Schwester kümmern, außerdem war ich psychisch ziemlich angeschlagen.

Seit dem Tod seines Vaters wird sich um das Erbe gestritten, die Oma meines Mannes erträgt es nicht, dass sein Vater nur ihn, seinen Halbbruder, seine kleine Schwester und seine Tante als Erben eingesetzt hat und hat das Testament angefochten. In den USA gibt es ja keinen gesetzlichen Pflichtteil...

Seine Tante und sein Onkel haben sich kurz nach dem Tod der Tochter getrennt weil sie nicht gemeinsam mit ihrer Trauer umgehen konnten. Im Frühjahr hat seine Tante versucht sich das Leben zu nehmen.
Ende Juli rief sie meinen Mann an und bat ihn so schnell wie möglich zu Ihr zu kommen, sie braucht ihn und kommt überhaupt nicht mehr klar. Sie hat ihm einen Scheck geschickt, damit wir den Flug bezahlen können, der Scheck kam mitte August aber es dauert mindestens 8 Wochen bis das Geld gut geschrieben ist, er hat ihr gesagt er könne erst im Oktober kommen, wegen dem Scheck.

Aber sie hat nicht durchgehalten und hat sich am Montag das Leben genommen.

Mein Mann macht sich nun die größten Vorwürfe, er meint wenn er früher geflogen wäre, wäre das nicht passiert, er hätte sich mehr kümmern müssen.
Ich bin allerdings der Meinung es hätte sich vielleicht verzögert, aber er hätte es doch nicht verhindern können. Denn seine Tante kam einfach nicht klar mit dem Tod ihrer Tochter und sie hatte niemanden mehr außer meinem Mann und der lebt ja in Deutschland. Also hätten sie sich ja weiterhin höchstens 1mal im Jahr gesehen und sie wäre doch trotzdem immer allein!

Mein Mann frisst immer alles in sich rein und spricht nie über seine Trauer, als er den Scheck im August bekam waren wir an diesem Abend aus und er hatte etwas getrunken, bei der Heimfahrt hat er mit seiner Tante telefoniert um ihr zu sagen, der Scheck ist da, anschließend ist er total zusammen gebrochen, konnte vor Tränen nicht mehr sprechen und fast nicht mehr atmen, er konnte sich gar nicht beruhigen.

Zu allem Übel ist er selbst auch noch Psychologe, er fängt im Dezember sein 1. Praktikum in einer Klinik an nach über 1,5 Jahren Suche nach einer Stelle!
Und da er selbst Psychologe ist, bildet er sich ein er bräuchte keine Hilfe!

Was soll ich nur tun? Ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann!
So viel sollte kein Mensch ertragen müssen! Ich habe solche Angst um ihn!!! #heul

Ich würde ihn so gerne dazu bewegen sich selbst an einen Therapeuten zu wenden um sich helfen zu lassen, ich glaube nicht, dass er das alles alleine verkraften kann und mit mir redet er leider nicht viel darüber #schmoll

Kennt jemand vielleicht ein Forum oder sonst eine Anlaufstelle die etwas "anonymer" ist als ein Therapeut. Vielleicht kann ich ihn dazu bewegen sich dorthin zu wenden.

Gestern als er es mir erzählt hat, sagte er zu mir "als ich das erfahren habe, hätte ich es am liebsten auch getan, aber dann hab ich an Dich gedacht und wusste es ist falsch"

Nun stellt Euch mal vor der nächste Schicksalsschlag kommt wenn wir einen Streit haben! Dann wird er bestimmt nicht so denken, dann denkt er vielleicht er hat ja eh niemanden mehr!

Ich bin verzweifelt und habe wirklich Angst um ihn!

Sorry für das lange #bla aber vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich!

#danke

Krüml

Beitrag von girl1986 21.09.06 - 10:24 Uhr

Hallo,
wirklich helfen kann ich dir nicht!Aber ich wollte mal sagen,wie schrecklich ich es finde!Ihr müsst soviel durch machen!Wo bleibt da die Gerechtigkeit!?Ich wünsche euch echt von #herzlich alles,alles Gute!!!Versuche immer für deinen Mann da zu sein!Ich weiß,dass es schwer ist!#liebdrueck Ich zünde noch eine große #kerze für alle Verstorbenen und Sternchen an!

LG Kathrin+Jolina

Beitrag von kruemlschen 21.09.06 - 15:54 Uhr

#danke #liebdrueck

Beitrag von dunki 21.09.06 - 11:36 Uhr

Liebe Krüml,
so viel Leid kann kein Mensch ertragen. Ich glaube Du musst ihnwirklich zu einer Therapie bewegen.
Nicht das er auch noch Gefahr läuft sich das Leben zu nehmen.
Auch wenn er selber Psychologe ist, sein Leid sieht er ja aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Sag ihm wie sehr Du ihn liebst, das Du ganz schlimme Angst um ihn hast, und wenn er es schon nicht für sich tut, dann doch wenigstens für Dich.

Lass das nicht schleifen, sonst machst Du Dir vielleicht mal schwere Vorwürfe, so wie Dein armer Schatz im Moment.

Alles Liebe
dunki

Beitrag von kruemlschen 21.09.06 - 15:53 Uhr

Hallo Dunki,

#danke für Deine lieben Worte #liebdrueck

"Nicht das er auch noch Gefahr läuft sich das Leben zu nehmen. "

Seit dem Satz von gestern ist es genau das, was mir immer durch den Kopf geht! Ich habe einfach Angst.

Das Problem ist nur ich hab ihm schon oft gesagt, dass er was tun muss und sich dringend jemand zum reden suchen muss, weil ich so Angst um ihn hab.
Aber er tut das immer nur ab aller Motto "ich weiß schon was ich tue" "mach Dir mal keine Sorgen" "mir gehts gut"

Ich werde am Wochenende noch mal ganz intensiv mit ihm darüber sprechen und hoffe, dass es fruchtet.

Danke Dir noch mal, für Deine Anteilnahme!

LG Krüml #mampf

Beitrag von dunki 21.09.06 - 16:12 Uhr

Ich drück Dir ganz fest die Daumen.
Ich hoffe ihr findet einen Weg für Euch.

#liebdrueck

Beitrag von lilli14 27.10.06 - 14:43 Uhr

Hallo Du!

Ich habe grade deine Text gelesen und es tut mir so unentlich leid was ihr durchmachen müsst. Weißt du es ist alles ungerecht verteilt. Ich selber habe auch eine Fehlgeburt gehabt und kurz darauf eine Eileiterschwangerschaft letztes Jahr. Dieses Jahr ist mein Vater mit 51 Jahren gestorben und das alles ist einfach zuviel. Mir kann auch keiner so recht helfen ausser für mich da sein und das müsst ihr auch füreinander. Sicher denkst ihr öfter das alles keien Sinn hat, aber irgendwo hat es den noch, denn ihr habt euch und eure Liebe. Zwing ihn nicht zu etwas, aber mach ihm klar das es so nicht beser wird wenn an nichts unternimmt. ich selbst bin zu einem Hospitz gegangen, dort konnte man reden mit welchen die ähnliche Schicksale durchlebt haben. Das hilft zwar nicht ganz, aber ist immerhin ein Schritt. Aber vorallem denk auch dabei an dich. Wenn du willst kannst du mir schreiben.
Ich wünsch euch alles alles gute
Lilli