Erbrecht-Viel. kann mir ja hier jemand helfen?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von christa1976 21.09.06 - 14:53 Uhr

Also.....Es geht um die Familie meines Mannes. Der Vater meines Mannes hat einen Bauerenhof geerbt, dieser wurde verkauft und das Geld (75.000 Euro) und noch mehr (was aber nicht dokumentiert ist) in die Firma des Bruders meines Mannes gesteckt als Privateinlage. Das war 2000. Nun ist mein Schwi.vater sehr krank,falls er stirbt was wird dann aus dem Geld? Hat mein Mann dann Recht auf einen Anteil. So, noch ne Frage. Die Mutter hat auch einen Hof, da hat Brüderchen sein Haus gebaut und will jetzt (hat schon angefangen) eine Metzgerei hinbauen....Angeblich will die Mutter dem Bruder die ganzen Gebäude (Wohnhaus der Eltern, Scheune etc.) überschreiben und mein Mann soll ausgezahlt werden. Jetzt hat mein Mann mal gefragt was er denn bekommt (wir wollen demnächst ein Haus kaufen, haben 3 Kinder) und keine Antwort, oder nur vage (20000 Euro und die auch nicht auf einmal) bekommen. Da der Vater jetzt so krank ist, will die Mutter nix mehr davon hören. Aber der Bruder baut schön weiter. Die Gebäude der Mutter sind wohl auch alle mit Schulden für Brüderchens Firma belastet. Mein Mann hat noch nie einen Pfennig von denen gekriegt und wir könnten im Moment wg. dem Hauskauf sehr gut was Bares gebrauchen, wenn er das anspricht kriegt er gesagt daß wir sparen sollen. Ich find das unmöglich, würd am liebsten gar nicht mehr hinfahren.....Wie soll das denn alles noch werden?
Ich find wenn der Bruder meinen Mann nicht ausbezahlen kann/will sollte er auch keine Metzgerei machen können ... oder wie seht Ihr das? Mann kann doch als Eltern nicht so ungerecht sein.

Beitrag von klaus_ 21.09.06 - 15:53 Uhr

für die Geldübertragungen bei Lebzeiten gibts zwei Möglichkeiten


Schenkung - das geht Euch , sorry, nichts an . Die jeweiligen Eltern können mit ihrem Geld machen, was sie wollen
Wenn die Privateinlage dokumentiert ist in der Firma, dann gehört danach, wenn sonst nichts dokumentiert ist, dieser Teil auch in die gesetzliche Erbfolge.

Vorgriff auf das Erbe - dann wird das per Schreiben von beiden Seiten unterzeichnet, und wenn ganz gut geht, bekommt der/die da vorzeitig nicht Bedachte ne Kopie.
DANN und nur dann muß dann ggf. bei Ableben der bereits Bedachte was zurückzahlen....

Wenn ihr jetzt nicht Tacheles sprecht , ist das ganze Geld weg und die Hypothek auf dem bestandshaus so hoch, dass nichts übrigbleibt.


Klaus

Beitrag von nick71 22.09.06 - 10:42 Uhr

Schenkungen können m.E. (wenn der Schenkende verstirbt und die Schenkung nicht länger als 10 Jahre zurückliegt) gerichtlich angefochten werden und müssen dann in die Erbmasse einbezogen werden.

Da Erbrecht eines der komplziertesten und umfangreichsten Rechtsgebiete überhaupt ist, würde ich aber besser mal bei einem Fachanwalt um Rat fragen (kostet zwar was, kommt einem aber später evtl zugute).

Beitrag von flocke123 22.09.06 - 11:01 Uhr

Hallo,

schwierig zu beurteilen.

Es kommt zunächst darauf an, zu welchem Zweck der Bruder das Geld bekommen hat. Ist es eine echte Einlage, Darlehen oder ähnliches, ist es als Erbmasse zu berücksichtigen.

Läßt sich hinterher nicht mehr nachweisen, daß eine Gegenleistung damit verbunden war, würde es als Schenkung gelten. Schenkungen können, wenn sie nicht mehr als 10 Jahre zurückliegen, einen sog. Pflichtteilsergänzungsanspruch auslösen, dh. bei der Berechnung des Pflichtteils ist die Schenkung fiktiv der Erbmasse hinzuzurechnen. Sollte Dein Mann nicht nur pflichtteils- sondern voll erbberechtigt sein, kann er Ergänzung seines Erbteils bis zur Höhe des ergänzten Pflichtteils verlangen. Erbt er z.B. 20.000 EUR, betrüge sein Pflichtteilsanspruch aber unter Hinzurechnung der 75.000,00 EUR mehr, kann er entsprechende Aufstockung verlangen.

Für die Gebäude gilt das gleiche. Grundsätzlich sind Eltern nicht gehindert, schon zu Lebzeiten ihr Vermögen zu verteilen und dürfen dabei auch "ungerecht" vorgehen. Auch für die Gebäude kommt dann ggf. ein Anspruch auf Pflichtteilsergänzung in Frage, wenn Dein Mann weniger erhält, als ihm eigentlich als Pflichtteil zustehen würde.

Verhindern könnt Ihr es rechtlich leider nicht, auch wenn es in Euren Augen ungerecht zugeht.

VG
Susi

Beitrag von christa1976 22.09.06 - 13:28 Uhr

OH Mann, das kann ja dann heiter werden. Wie würdet Ihr Euch denn verhalten??
LG
Christa

Beitrag von susanni 22.09.06 - 14:35 Uhr

Christa,

das wird sehr schwierig. Tut mir echt leid. Ich kenne das aus dem Umfeld.
Ein Bruder wird bevorzugt, und der andere kann dann sehen, wie das alles abgeht.
Es kann auch viel gemauschelt werden, zwischen den Schwigis und Schwager, da helfen dann nicht mal die besten RA, nach meiner Erfahrung.
Einzige Vorsorge, so schnell wie es geht, alles Nachlasswerte dokumentieren, die Liste einem guten Anwalt, der auch auf Erbrecht spezialisiert ist geben und schon im verborgenen anfangen mit der Beratung, nur nicht schon der SM oder Schwager davon etwas sagen.
Viel Erfolg!