Mein Kind wird so oft ausgeschlossen

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von johanna01 22.09.06 - 22:39 Uhr

Hallo, ich habe eine 7-jährige, recht ausserordentliche Tochter
die leider nicht sehr beliebt bei Ihren Altersgenossen ist. Das war schon im Kiga so und in der Schule geht es fast genauso weiter. Sie war in der geistigen Entwicklung schon immer etwas weiter, konnte schon mit ca 2,5 Jahren sehr gut reden, Zusammenhänge erkennen und beispielsweise singen oder Geschichten nacherzählen. Körperlich hing Sie lange Zeit den Anderen hinterher, hat sich aber jetzt gegeben. Sie ist ein sehr herzlicher und mitfühlender Mensch, der Lehrer hat in Ihrer Beurteilung im ersten Schulzeugnis das auch genau so beschrieben, also sie sei für ihr Alter sehr mitfühlend und einfühlsam und würde dadurch auch sehr zu einem harmonischen Klassenklima beitragen. Sie setzt sich immer für die Schwachen ein und ist dabei keineswegs zurückhaltend oder schüchtern; also eigentlich ein superlieber Charakter, der sich aber sehr gut kognitiv ausdrücken kann und sich auch gut durchsetzten kann. Sie ist auch eine sehr gute Schülerin und Ihr Lehrer läßt sie während dem Unterricht auch oft aus dem "Nähkästchen" plaudern, weil sie halt so lebhaft und detailliert erzählen kann.
Nun aber zu Ihrer anderen Seite: ungeduldig, nervös, undordentlich, laut und sie hat sehr schlechte Tischmanieren und macht sich oft eklig dreckig; sie ist also keinesfalls ein "feines" Mädchen.
Während Sie in der Schuld mittlerweile (auch durch Ihren netten Lehrer) besser bei Ihren Mitschülern ankommt, hat Sie keine richtige Freundin (vermisst auch keine) und wird bei ausserschulischen Veranstaltungen (z.B. Gebnurtstage) oft gehänselt und vom Spiel ausgeschlossen.
Das tut mir natürlich sehr weh und ich bin auch oft wütend auf bestimmte Mädchen, die halt sehr beliebt sind und dann andere gegen mein Mädchen aufbringen. Und diese belieben Mädchen sind fast alle gegen meine Tochter. Von z.B. Geburtstagen kommt Sie oft sehr traurig heim, da Sie aber immer noch so positiv eingestellt ist hat Sie das oft schnell wieder vergessen. Einige Mädchen kommen auch von Zeit zu Zeit zu uns nach Hause und laden Sie auch zu sich ein, das klappt meistens gut und auch die anderen Mamas mögen meine Tochter und unterstützen den Kontakt; es ist halt immer wenn Gruppen zusammen sind, und ehrlich finde ich auch das meine Tochter sich dann komisch benimmt. Ich glaube ich bin Ihr auch keine so große Hilfe im Moment, leide stark unter einem Burn - out und bekomme immer mehr Probleme mit mir selber und auch in meiner Ehe; Eigentlich müsste ich dringend zur Kur, kann aber meine Familie nicht zurücklassen. Ich bin jedenfalls innerlich total "leer" und kann Sie nur bedingt aufbauen.
Wer kann mir einen Rat geben????
Würde jetzt ja naheliegen das Ihr Problem mit meinem derzeitigen Problem zusammenhängt (tut es wohl auch ein wenig); aber als ich noch "normal" war, war es bei Ihr auch schon so.

Beitrag von marion2 23.09.06 - 15:32 Uhr

Hallo,

deine Tochter schließt sich selbst aus. Lass sie mal.

Lade weiter andere Kinder zu euch ein und feile noch ein bisschen an ihren Manieren. Den Umgang zu anderen Menschen muss sie selbst trainieren - das kannst du ihr nicht abnehmen.

Warum kannst du nicht zur Kur fahren? Wen würdest du denn zurück lassen? (Du hast ja leider noch keine VK angelegt)

LG Marion

Beitrag von johanna01 23.09.06 - 16:53 Uhr

Danke für Deine Antwort, ich finde auch das ich Ihr das selbst überlassen muss, Sie kann sich ja eigentlich gut helfen; trotzdem bleibt halt die Angst davor das Sie ein Aussenseiter wird und wenn es mal so weit ist ist es sehr schwer wieder heraus zu kommen. Ich bemühe mich sehr um Kontakte mit Gleichaltrigen und Ihren Müttern und eigentlich sind wir fest in den Kreis integriert aber halt mit keinem richtig eng. Ich selbst bin immer so abgehetzt und unter Zeitdruck oder müde und abgeschafft das ich oft von MO-Fr keine Zeit und ehrlich auch keine Lust habe mich mit jemandem zu treffen.
Ich bin nicht aussergwöhnlich belastet, habe Haus, Mann und Halbtagsjob und müsste eigentlich echt glücklich sein, mich frisst allerdings das schlechte Gewissen auf. Ich habe mir so sehr Kinder gewünscht und als Sie kleiner waren hat alles gut geklappt aber seit einiger Zeit wächst mir alles über den Kopf und ich bin keine "gute Mutter", jedenfalls nach meinen eigengen Maßstäben. Mein Mann investiert sehr viel Zeit in seine Hobbys und ich werde immer wütender und bin enttäuscht; Wenn er zu Hause ist, ist oft schlechte Stimmung, obwohl wir eigentlich eine "intakte Familie" sind und ich mir sicher bin das es eine vorrübergehende Krise ist. In Kur zu fahren kommt für mich nur in Frage wenn ich alleine fahren kann, ich möchte den Kopf dann wirklich mal frei haben, ich weiss aber nicht wohin mit den Mädis, meine Kleine ist 4 und sehr anhänglich und schüchtern; ich weiß nicht ob Sie das verkraften könnte. Aus dem Grund kommt auch keine Mutter-Kind Kur in Frage, Sie bräuchte sicherlich die Hälfte der Zeit um sich einzugewöhnen. In dieser Zeit wäre die Kur für mich ohne Nutzen. Trotzdem würde ich so gerne mal alleine weg, vielleicht mal 3 Tage Wellness, aber irgendwie trau ich mich nicht, habe Angst das die Kinder denken sie hätten mich zu viel gestresst und wären schuld daran das ich mal weg muss.

Beitrag von kleinkili 23.09.06 - 16:15 Uhr

http://www.ads-hyperaktivitaet.de/Kinder/K-Kim/k-kim.html

Mädchen sind genauso häüfig von Adhs betroffen wie Jungen.
Es gibt nicht nut einen Typus Adhs
Ausserdem ist ein hoher IQ häufig bei Adhs´lern anzutreffen, während sie körperlich oft etwas hinterher hinhen gerade was die Fein und Grobmotorik betrifft. Das merkt man z.B im Umgang mit Besteck oder beim Schleife binden.

Gruss Kk

Beitrag von susanni 24.09.06 - 00:15 Uhr

Sehr schnelle diagnose. So einfach sollte man es nicht sehen, sondern erst einmal Erziehungstile und Umfeld abklären.
LG
Susanne

Beitrag von kleinkili 24.09.06 - 12:31 Uhr

Das war keine Diagnose

Beitrag von marion2 24.09.06 - 14:03 Uhr

...sondern?

Nach deiner Beschreibung hat jedes 2. Kind, das ich kenne ADS oder ADHS.

LG Marion

Beitrag von kleinkili 24.09.06 - 14:56 Uhr

eine nahe liegende Vermutung ...........

Sowas hab, ich denn beschrieben?

Beitrag von johanna01 24.09.06 - 20:28 Uhr

Danke auch für Deine Antwort, auch wir hatten diesen Verdacht; der Kinderarzt ist aber anderer Meinung. Trotzdem: Meine Schwester war heute bei mir zu Besuch und hat mir von einem Ihrer Arbeitskollegen erzählt der mit seiner Tochter die gleichen Probleme hatte und auch bei Ihr war der Kinderarzt nicht der Meinung das das Mädchen und ADS leidet; durch einen Test beim Kinderpsychiologen stellt sich dann aber doch ADS 'raus und der Kleinen geht es mit entsprechender Therapie mittlerweile viel besser. Ich denke darüber nach auch so einen Test machen zu lassen; ich denke wir haben nichts zu verlieren, denn selbst wenn es ADS ist, ist es dann sicherlich eine "schwache" Form (kann man das so ausdrücken??) und wir wüssten woher Ihr Verhalten kommt und wir würden vielleicht anders mit Ihr umgehen.

Nochmals Danke,

Johanna

Beitrag von lorino2 23.09.06 - 19:12 Uhr

Hallo,
mir kommt´s vor, als würde hier meine Geschichte stehen! Mein Großer (jetzt 9) hatte die gleichen Probleme - wie gesagt, hatte! Er ist jetzt in der 3. Klasse und so langsam findet er Anschluß. Ich war auch sehr oft traurig darüber, wie er behandelt wurde und weinte sehr viel. Aber ihm schien das nicht wirklich zu stören (meistens jedenfalls). Jetzt hat er zwei richtig feste Freunde und trifft sich oft mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Auch in seiner Klasse wird er jetzt akzeptiert. Das freut mich sehr!
Die "privaten" Probleme von dir kenne ich auch nur zu gut. Mir geht es derzeit auch so. Bin auch völlig "leer" und laß meine Unzufriedenheit oft an meinem Mann aus. Dieser ist im Aussendienst tätig, ist daher nicht allzuoft zu Hause und hat noch ein sehr Zeit intensives Hobby.
Ich habe jetzt die Tage erst mit ihm darüber gesprochen und bin zu dem Schluß gekommen, mir auch mal etwas zu gönnen - ich nehme jetzt mein Hobby wieder auf und gönn mir einmal im Monat einen Tag ganz für mich alleine - bummeln, Kosmetikerin usw. Das hilft und wirkt Wunder!!!

Sprich mit deinem Mann und nimm dir die Zeit für dich, die du brauchst. Das ist wichtig für´s Wohlbefinden. Mach dir um deine Tochter keine allzugroßen Sorgen - das wird schon! Du sagst ja selber, das es schon etwas besser geworden ist.

Wenn du magst, kannst du mich ja über VK kontaktieren, dann können wir uns noch ein bißchen austauschen.

Alles Liebe für dich
- Lorino2

Beitrag von johanna01 24.09.06 - 20:42 Uhr

DANKE, DANKE, DANKE,

ich habe mich zum ersten Mal mit einer Frage hier ins Forum gestellt und hätte nicht gedacht so viele nette Antworten zu bekommen. Ehrlich ich hätte mich nicht gewundert wenn Ihr geschrieben hättet: selbst schuld, du musst dies oder das, ändere dich dann ändert sich dein Kind... u.v.m.; aber das Gegenteil ist der Fall, ich bekomme so nette, aufbauende Antworten wie jetzt von Dir und das tut soooooo gut. Ich glaube ich bin zur Zeit so ausgelaugt weil ich von mir selbst so enttäuscht bin und mir auch ständig die Schuld an allem gebe was schief läuft, und durch meine Überraschung über Eure positiven Antworten wird mir das klar, das ich gar nicht mehr an mich glaube oder stolz auf mich bin sonder mich selbst immer nur abwerte

Beitrag von susanni 24.09.06 - 00:14 Uhr

Hallo,
finde ich toll, wie du deine Tochter objektiv beschreibst und auch weisst, was sie für Probleme hat.
Das zeigt, wie sehr du sie lieb hast und eine super Mutter bist!
Bei meiner Schwester hat geholfen, könnte ihre Geschichte sein, das die Tochter auch Sportvereine und Kunstschule besucht hat, so dass sie neue Gruppen kennenlernte und sich da sehr gut behauptet hat, vor allem waren die da auch auf höherem Niveau, so dass die begabte Nichte nicht weiter auffiel.
Dieses Lernen in sozialen situattionen hatte meine Nichte dann auf die Schule übertragen, und jetzt in der 4. Klasse läuft das besser.
Eine Erziehungsberatung hat geholfen, weil die die Begabung der Kleinen sofort erkannte, mit den Lehrern sprachen und auch die Kurse empfholen. Aber es gibt ja auch viele andere Möglichkeiten, ich fand es nur toll, meine Nichte in "andere" außerschulische Gruppen zu packen, das war sie viel lockerer.
LG
Susanne

Beitrag von carolynca 24.09.06 - 21:28 Uhr

Hast zwar recht, aber realistisch ist das nicht. Die Bereitschaft zu einer EB ist leider nur bei bestimmten Eltern vorhanden, die selbstkritisch handeln koennen und selbstreflektiv in ihrer Erziehung sind (und zwar konstant).D.h. da wuerden sich solche Konstellationen auf Dauer nicht einstellen. Bei euch war das bestimmt eine gezielte intervention, die dann eine Spirale ingang gesetzt hat, das kann man auf andere Eltern nicht uebertragen. LG#katze

Beitrag von johanna01 25.09.06 - 16:09 Uhr

Hallo Susanne,
ich möchte mich ganz herzlich für Deine nette Antwort bedanken. Ich kann Deine Tipps gut gebrauchen; wie oder was ich umsetzte muss ich mir in Ruhe überlegen, ich bin leider schon wieder im Stress. Wir waren schon einmal bei einer Erziehungsberatung allerdings ohne Kind. Wir waren 5 mal dort und haben die Gespräche danach enttäuscht abgebrochen. Der Erziehungsberater hatte gute Ansätze was unsere Erziehungsmethoden anging und hat auch viele "Erziehungsfehler" aufgedeckt und auch Tipps zu Änderungen gegeben; er war aber auch sehr selbstgefällig und lies emotionen, launen und menschliche Abweichungen von "seinem" Regelwerk nicht gelten. Er ist der Meinung das ich eine schwache Mutter bin die mit Ihren Kindern viel zu launisch umgeht und natürlich viel zu unkonsequent bin. Er hat damit natürlich nicht unrecht, aber seine Strategien setzen voraus das man jeden Tag gleich gut drauf ist, das der Tagesablauf immer der gleiche ist etc.; Ich glaube schon das meine Tochter besonders ist, aber auch besonders schwierig und sie weicht zu sehr von der Norm ab um alles pauschalisieren zu können. Ich habe ja noch eine "Kleine", die ist 4 Jahre alt und ein ganz "normales" Kind mit Ecken und Kanten, aber sie kann sich an Regeln halten und kennt Ihre Grenzen, von daher kann ich doch nicht alles falsch machen (hoffe ich jedenfalls)
Aber vielleicht sollte ich mich von dem einen Fehlschlag nicht entmutigen lassen.
Ich danke auf jeden Fall noch mal, ich hätte nicht gedacht das ich so tolle und hilfreiche Antworten bekommen
Johanna

Beitrag von aggie69 26.09.06 - 15:32 Uhr

Die anderen Mädchen...?
Wieso Mädchen?
Ich habe früher fast nur mit Jungs gespielt! Die waren nicht solche Zimperliesen und haben nicht so viel rumgeheult. Vielleicht sollte sie mal versuchen in dieser Richtung Freunde zu finden. Klar kommt man da manchmal dreckig wie ein Schwein nach Hause. Na und? Meine Mama hatte eine Waschmaschine!
Die Jungs haben mich auch eher als Kumpel aktzeptiert und später, als es dann mit "Interesse" an den Jungs losging, hatte ich den Vorteil, daß ich einfach mit jedem von denen reden konnte ohne schüchtern zu sein. Es waren dann weiter einfach meine Kumpel. and ich echt toll!
Macht Deine Tochter in irgendeinem Sportverein mit?

Beitrag von johanna01 28.09.06 - 17:09 Uhr

Danke für Deine Antwort; Also .....
mit Jung's spielt sie "gut", möchte aber lieber mit Mädels befreundet sein. Das eine schließt das andere im Moment noch aus. Sie war bis jetzt immer in einem Verein, aber nie mit voller Begeisterung weil Sie körperlich den Altersgenossen etwas unterlegen ist, wir haben Sie jetzt vom Leichtathletik "befreit"; d.h. den Elternwunsch hinten angestellt und Sie hat sich entschieden bei einem "Zirkusprojekt" mitzumachen, also Einrad fahren, jonglieren, zaubern. Das passt irgendwie zu Ihr und sie ist fleißig am üben. Anschluß hat Sie in der Gruppe bis jetzt noch nicht, sie geht erst seit 5 Wochen hin, ausßerdem muß ein Elternteil dabei sein, so das Sie sich nicht mit anderen Kindern abgeben muss. Ansonsten geht Sie noch voltigieren(schreibt man das so???); aber auch da findet kein Kontakt zu Aneren statt, eher ist Sie zickig, wenn Sie mal warten muss und Andere eher an die Reihe kommen.
Du liest, Sie ist an sich schwierig und schließt sich auch oft selbst aus; aber vielleicht muss Sie wirklich noch im sozial-Verhalten weiter lernen und dadurch reifen. Wäre ja nicht so schlimm wenn Sie "eigenbrötlerich" ist, aber wenn Sie ,dann drunter leidet das die Anderen Sie nicht so sehr mögen, ist es halt problematisch und tut mir als Mama natürlich weh.

LG,
Johanna