Empfehlungen der WHO zur Babyernährung

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von aniina 26.09.06 - 13:54 Uhr

Stillen, das ist unumstritten, ist das Beste für einen Säugling. Was aber ist das "Zweitbeste", wenn die Mutter nicht stillen möchte, oder was auch in ganz seltenen Fällen passiert, nicht stillen kann?

Würde es nach den Vorstellungen der Nahrungsmittelindustrie gehen, würde ein gestilltes Baby mit einer sog. adaptierten (Pre) Nahrung gefüttert, wenn es mit dem Stillen "nicht richtig klappt" (anstatt auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie die Milchmenge erfolgreich gesteigert werden kann). Nichtgestillte Babys sollten von Anfang an mit einer sog. teiladaptierten Nahrung (die 1er Nahrung), nach dem vierten Monat mit einer 2er und ab dem 8. Monat mit einer 3er Nahrung ernährt werden. Nach dem 4. Monat solle, so die Aussagen der Nahrungsmittelindustrie, mit Beikost begonnen werden, weil es von der Flasche oder den Stillmahlzeiten allein nicht mehr ausreichend und vor allen Dingen ausgewogen ernährt werden würde. Man berücksichtige bei diesen Empfehlungen die wahren Interessen der Nahrungsindustrie, das Beste zu wollen, nämlich Ihr Geld!

Im März 2001 veröffentlichte die WHO (World Health Organisation = Weltgesundheitsorganisation) eine weltweit durchgeführte Studie, in der von WissenschaftlerInnen folgendes untersucht wurde:

* Die Entwicklung des Säuglings: Immunsystem, Stoffwechsel, Entwicklung im Mund-, Kieferbereich, zentrales Nervensystem
* Die Physiologie der Milchbildung
* Die Physiologie des Saugvorganges
* Die biologische Bedeutung des ausschließlichen Stillens
* Die Häufigkeit von Erkrankungen sowohl bei akuten Erkrankungen (wie z. B. Infekten) als auch bei chronischen Erkrankungen (wie z.B. Diabetes)



Die Studien wurden in Europa, Australien, Asien, Amerika und Afrika durchgeführt.

Das Fazit dieser Studie lautet, 6 Monate ausschließlich stillen,

* das heißt, keinerlei andere Nahrung oder Flüssigkeit außer Muttermilch
* danach neben geeigneter Beikost das Fortsetzen des Stillens bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, besser darüber hinaus.




Für Babys, die nicht gestillt werden, heißt der Grundsatz der Ernährung in punkto Milchersatznahrung, dass dem Baby ein Produkt angeboten wird, das in seiner Zusammensetzung der Muttermilch am "ähnlichsten" ist. Hier gibt es nur eine Produktklasse: Die adaptierte Pre-Nahrung. Ein Umsteigen auf ein anderes Produkt ist demnach nicht erforderlich, auch wenn das Baby "nicht mehr satt" wird. Ein Baby befindet sich im Lauf seiner ersten 15 Lebensmonate in mindestens 8 bekannten Wachstumsschüben, die oftmals über mehrere Wochen andauern. Hier gilt, genau so wie bei gestillten Babys: Häufigeres Füttern statt Nahrungswechsel.

Für nichtgestillte Babys gelten bezüglich Beikosteinführung die selben Empfehlungen wie bei gestillten Babys, also keinesfalls vor Ende des 6. Lebensmonats mit dem Zufüttern zu beginnen.

Für Kleinkinder nach dem ersten Lebensjahr haben sog. "Kinderlebensmittel" nichts auf dem Speiseplan einer ausgewogenen, gesunden Ernährung verloren. Ernährungswissenschaftler und Verbraucherzentralen haben herausgefunden, dass diese Produkte zu süß, fett, kalorienhaltig und zu teuer im Vergleich zu "normalen" Lebensmitteln (Bsp. "Fruchtzwerge" oder Alete Joghurts contra normale Fruchtjoghurts) sind. In einem dieser Produkte wurden 18 :!: Gramm Zucker auf 100 Gramm gefunden (das ist ungefähr so, als wenn man einer Tasse Tee 7 Würfelzucker hinzufügen würde), naturbelassene Joghurts hingegen haben einen ungefähren Anteil von 6 Gramm Zucker auf 100 Gramm. In "Kinderwurst"-Produkten wurden Fettanteile von 50 % entdeckt.

Beitrag von ayshe 26.09.06 - 13:55 Uhr

schön! #pro


*ironie on*

aber jede mutter weiß doch am besten,
was für ihr kind gut ist.

*ironie off*

;-)

Beitrag von uta27 26.09.06 - 13:58 Uhr

Hallo!


Wenn man bedenkt, dass die Reihenfolge folgenermaßen aussieht, wenn die Ernährung des Kindes mit eigener Muttermilch/ stillen nicht geht:

1. Muttermilch
2. abgepumpte Muttermilch
3. Muttermilch einer anderen Frau
4. industrielle Babymilch,

dann finde ich es erstaunlich, dass gerade das Produkt, was an letzter Stelle steht, wirtschaftlich so große Erfolge erziehlt.

Es ist ein verschwindend geringer Prozentsatz an Mütter, die Nicht stillen können. In solchen Fällen sollte auf industrielle Babymilch zurückgegriffen werden.

Alles in allem ist es ein Problem unserer Gesellschaft. In Deutschland gibt es keine Stillkultur mehr.

Liebe Grüße, Uta

Beitrag von sunflower.1976 26.09.06 - 14:11 Uhr

Da kann ich nur sagen: #pro
Leider hat die Industie sehr viel Macht...

Beitrag von guldamar 26.09.06 - 16:45 Uhr

Hallo,

danke für den Bericht, den kenn ich auch schon aus anderen Foren.
Ich wollte nicht stillen und bin der Industrie sehr dankbar, daß ich auf deren Produkte zurückgreifen kann.
Man soll das nicht immer alles so verteufeln. Ich bemühe mich, genauso wie jede andere Mutter auch, eine gute Mutter zu sein und will für mein Kind nur das BESTE!
Alles gute für unsere Zwerge!!!

Gul Damar

Beitrag von claudia_71 27.09.06 - 09:37 Uhr

Huhu!

Ich hab aber ein Exemplar hier, das mit der pre nach 200ml Nahrung immer noch Hunger hatte! Er schrie wie am Spiess! Sollte ich ihn 2h schreien lassen??? Sobald er die 1er bekam, war Ruhe! Er kennt aber die Industrie nicht;-)!
Ausserdem passt sich Mumi dem Kind an, Pre kann das nicht - oder ist das eine Zaubermilch?#kratz

LG Claudia mit Johannes (heute 20 Wochen #schock#freu#freu)

Beitrag von alphafrau 27.09.06 - 11:27 Uhr

Naja das mitdem Stillen ist ja keine Frage schon seit Jahren bekannt. Aber macht das denn auch jede Frau richtig??? Die Ernährung der mama hat ja ziemlich viel Einfluss auf den Körper des babys. Kann sich den jede Stillmama auch leisten ausschließlich Bio Sachen zu essen während der Stillzeit (Pestizide)??

Hat die Studie denn auch untersucht, welche krankheiten entstehen, wenn halt solche Sachen wie Pestizide oder andere Schadstoffe in den Körper des Babys gelangen oder was ist mit mangelerscheinungen von Vitaminen, Mineralstoffen, wenn die Mama davon zu wenig zu sich nimmt??? Wurden diese Dinge bei der Studie auch untersucht???