kennt das jemand?geistige leere ...und zwangshandlung,soziale angst?

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von mailin78 26.09.06 - 21:22 Uhr

hallo,

ich studiere und habe ein immer wiederkehrendes syndrom:

jedesmal,wenn ich im seminarraum von der professorin gefragt werde,bekomme ich einen hochroten kopf und bin total aufgeregt,jedes wort das ich rede dauert eine ewigkeit und ich blockiere mein gehirn mit dem angstgedanken:ach du scheisse,jetzt muss ich was sagen,alle gucken,was wenn ich jetzt garnichts sage..#schock
und bin so in diesen gedanken,dass ich auch wirklich wie weggetreten rüberkomme..ich schaffe es nicht mich in diesen momenten zusammenzureissen und wieder 100 prozentig zu denken...#augen

neuerdings ist es wie eine zwangshandlung,auch mit der nachbarin auf der strasse..ich erzähle ihr was und dann denke ich extra wieder,wie es denn wohl sei,wenn ich jetzt einen blackout bekomme und bekomme den dann auch und muss mich total zusammenreissen..#schmoll

warum denke ich das?wieso hole ich diesen ablenkungsgedanken hervor und begebe mich dadurch in diese situationen..die uni könnte so spass machen,wenn es das nicht gäbe..und vor allen dingen..ist es therapierbar?und wie?#heul

oftmals komme ich so rüber,als sei ich dumm,dabei weiss ich total viel interessantes zu manchen themen in der uni,nur das handicap verfälscht mich für aussenstehende..
kennt das jemand?

was soll ich tun???

LG #danke

Beitrag von 01wba056 27.09.06 - 00:32 Uhr

Hallo!

Das was Du machst, ist Autosuggestion. Bei Hypnose oder bei Autogenen Training wird Deine 'Taktik' auch eingesetzt, allerdings positiv. Du suggerierst Dir selbst etwas Negatives ein. Du wartest und vertraust darauf, daß Dein Blackout kommt und natürlich kommt es. Du hast es Deinem Körper ja 'befohlen' und er führt den Befehl aus. Es geht aber natürlich auch in die andere Richtung indem Du Dir zB selbst einredest, daß Dein Geist hellwach ist.

Ich kann dir einen Kurs für Autogenes Training wärmstens empfehlen. Er sollte allerdings nur von einem Psychologen geleitet werden. Ich habe einen an der Volkshochschule gemacht. Kostet so um die 100 Euro.

Du lernst bei dem Kurs, Deinen Körper bewusst zu steuern. Dadurch bringst du Dich selbst in einen Trancezustand und in diesem Zustand sagst Du Dir selbst immer wieder einen positiven Merksatz wie zB : Der Geist ist hellwach, er nimmt alles auf und reagiert blitzschnell. (Man sollte nicht sagen 'Mein' Geist, da du das dann aufgrund Deiner negativen Erfahrung innerlich leugnest. Daher verwendet man nur Sätze wie 'DAS Herz schlägt ruhig und regelmäßig, DER Körper ist schwer und warm'...

Es dauert zwar einige Zeit bis man diese Technik beherrscht (ca 6 Monate) und man sollte 3 mal tgl. 5 Minuten üben. Aber wenn Du diese Technik beherrscht, hast Du ein Instrument, daß Du für sehr viele Alltagssituationen einsetzen kannst.
Wenn ich zB ein Meeting habe und nervös bin, verschwinde ich ein paar Minuten aufs Klo und 'tanke' Stärke und Selbstbewusstsein. Durch diese mentale Vorbereitung gehe ich dann ganz anders in die jeweilige Situation hinein.

Und glaube mir, es gibt sehr viele Menschen, die sehr stark wirken und die dieselben Probleme haben wie Du! Wichtig ist, daß man eine Strategie hat. Dann wirst Du dir sicherer, da Du weißt Du kannst mit der Situation umgehen, auch wenn es passiert und Du wirst sehen, es wird immer seltener und irgendwann gar nicht mehr passieren.

So wie du dir Dein Blackout herholst, genauso kannst Du es auch wieder verbannen!

Alles Gute
Mia

Beitrag von mailin78 27.09.06 - 11:53 Uhr

hallo Mia,
danke für deinen Beitrag!
ich habe letztens mal einen Kurs(aut.Training) besucht.da war ich schwanger..wir mussten uns immer auf den rücken unter eine decke legen,ich musste den kurs abbrechen,weil der bauch immer dicker wurde...;-)
so recht hat er mir auch nicht gefallen,denn ich fands am tag so doof,dass ich mich hinlegen sollte..
habe den leiter dann gefragt,ob man das auch im sitzen machen könne,er meinte ja,wäre aber nicht so gut,da man sich nicht so entspannen kann..also hab ichs dann sein gelassen..:-(

meinst du wirklich,dass der kurs mir was bringt??
wirklich ich würde einiges tun,damit die symptomatik verschwindet...meinst du nicht,dass es auch ein bischen was mit einer zwangshandlung zu tun hat?
ich versuche mir vorzustellen,dass ich im seminarraum sitze und mir in einem nervösen moment was gutes versuche zu suggerieren,aber ich könnte mir vorstellen,dass ich dann auch wieder nur wie weggetreten das gute mir versuche zu denken,aber eigentlich die angst vor dem blackout da ist..
meinst du nicht,ich müsse zum psychologen?
oder besser ich müsste mich diesen momenten extra aussetzen,learning by doing so in etwa.
aber ich habangst,dass sich die negativen erfahrungen so manifestieren,dass ich bald nix mehr mach...

schwierig,schwierig,aber toller ansatz,mit dem autogenen Training..klingt eigentlich auch logisch..

LG Anne#danke

Beitrag von 01wba056 27.09.06 - 23:32 Uhr

Hallo Anne,

Bei den Kursen kommt es sicher ganz stark auf den Kursleiter an.
Mein Kurs wurde wie gesagt von einem Psychologen geleitet. Er hat uns das Autogene Training übrigens im Sitzen beigebracht. Und zwar deshalb, weil er meinte, im Sitzen ist es ein wenig schwieriger sich fallenzulassen aber der Vorteil ist, man kann es überall anwenden wenn man es im Sitzen kann. Und man kann ja zusätzlich, wenn man die Möglichkeit hat auch im Liegen üben (zb Abends vorm Einschlafen). Dadurch ist es dann wirklich viel intesnsiver. Also wir haben uns im Kreis hingesetzt, die Ellenbogen auf die Knie gelegt und den Oberkörper locker fallen gelassen.

Als ich mich so schon gut selbst in Trance versetzten konnte, war ich nach und nach auch in der Lage in der Öffentlichkeit zu üben. ZB im Zug. Man kann sich mit der Zeit immer tiefer selbst in Trance versetzen und bekommt dann gar nichts mehr rundrum mit!

Ich habe den Kurs gemeinsam mit meinem Freund gemacht. Wir hatten beide ein ähnliches Problem wie Du: Ich habe damals studiert und wir mussten sehr oft Präsentationen abhalten. Da war ich immer wahnsinnig nervös. Und zwar in dem Ausmaß, daß mich die Nervosität total gebremst hat. Ein bischen Nervosität ist ja angeblich positiv, da du dann geistig viel wacher bist. Aber bei mir war es immer ein Drama. Ich bin vorne getanden, habe gezittert, alles sehr schnell runtergeratscht damit ich schnell fertig bin und danach habe ich mich geärgert, weil ich das viel besser und lebendiger erzählen hätte können.
nach diesen Präsentationen hatte ich immer Kopfweh, daß ich dachte, mir platzt die Birne! Kam wohl von der nachlassenden, extremen Anspannung.
Mein Freund spielt Tischtennis im Verein. War bei den Trainings immer der Beste und bei echten Matches so nervös, daß er um Klassen schlechter spielte.

Uns hat beiden das Autogene Trainig geholfen. Bei mir war es so, daß ich dann vor einer Präsentation noch wahnsinnig aufgeregt war, aber wenn ich dann vorne stand, war die Nervosität zum Großteil weg und ich konnte sehr gelungene Präsentationen abhalten. Bei meinem Freund war es genauso.

Ich bin aber zusätzlich 4 mal zu diesem Psychologen, der mein Kursleiter war gegangen um mich hyphnotisieren zu lassen, nachdem ich mal in der Pause mit ihm über mein Problem gesprochen habe. Hyphnose wirkt viel stärker als Autogenes Training, da du dich nicht selbst aus der Trance zurückholen musst und Dich viel tiefer in diesen Zustand fallen lassen kannst, da dich ja jemand anders leitet.

Vielleicht findest du ja einen Psychologen, der für Mentaltraining bekannt ist und einen guten Ruf hat und suchst ihn einmal auf. Es muss ja nicht unbeding Autogenes Training sein, vielleicht hat er ja andere Methoden die helfen, Deinem Kopf zu lernen, umzudenken. Autogenes Training hat halt den Vorteil, daß du Dich, wenn Du es einmal kannst, jederzeit und überall selbst 'theraphieren' kannst!

Ich persönlich bin mir sicher, daß Du das Problem so in den Griff bekommen kannst. Die Angst wird noch eine Zeitlang bleiben, aber wenn Du nach und nach positive Erfahrungen sammelst in dieser Situation, wirst Du sicherer und irgendwann ist es ganz weg.

Sicher ist es auch gut, Dich diesen Ängsten zu stellen, indem Du dich diesen Situationen aussetzt. Aber das würde ich nicht ohne 'Werkzeug' tun. Denn jede negative Erfahrung bestätigt und verstärkt Dein jetziges Denken. Wenn du mental vorbereitet bist, denn dann weisst Du, früher ist es zwar immer schlecht gelaufen aber jetzt bin ich besser vorbereitet und deshalb wird es jetzt besser sein! Und gehst schon anders in die Situation rein.

Und wie ich im ersten Mail schon geschrieben habe, wenn man mit den Leuten über das Thema spricht, kommt man drauf, daß sehr viele irgendwann mal ein Problem dieser Art hatten oder haben.

Du wirst das ganz bestimmt in den Griff bekommen, wenn Du dich dem stellst und aktiv etwas dagegen tust. Davon bin ich fest überzeugt! Und es ist sehr positiv, denn die meisten Menschen neigen eher dazu, solchen Situationen dann eben auszuweichen und nichts zu tun. Da hast du schon viel voraus!

lg
Mia

Beitrag von mailin78 28.09.06 - 13:51 Uhr

hallo mia,

ich find es echt lieb von dir,mir zu schreiben..ich erkenne mich in deiner beschreibung über dich wieder!
ich finde auch,dass mein kopf durch die angst blockiert ist und ich nur froh bin wenns vorbei ist und der schein sicher in der tasche..stolz bin ich leider nie danach...
und das ist halt das problem..ich habe länger schon nachgedacht,warum ich die letzten semester nicht mehr gegangen bin..dann habe ich gedacht,ich möchte auch mal schwanger werden und vielleicht kickt mich mein pädagogikstudium danach wieder...
jetzt hatte ich soviel zeit nachzudenken und es ist mir immer klarer geworden,was mein problem ist..

wo finde ich denn einen geeigneten mentaltrainer?Hypnose klingt auch gut,wie teuer ist sowas denn?und wie finde ich einen guten hypnotiseur...??

lieben dank schon mal!!#herzlich

LG Anne:-)

Beitrag von 01wba056 28.09.06 - 14:47 Uhr

Hallo!
Wo Du den findest kann ich Dir leider nicht sagen. Ich hatte das Glück, daß ich meinem Kursleiter sofort vertraut habe und dann eben zu ihm gegangen bin. War also Zufall!

Versuch es doch mal übers Internet. Vielleicht kann dir jemand aus einem Forum einen guten Mentaltrainer/Psychologen nennen aus Deiner Umgebung. Schau mal hier zB:

http://www.panikstoerung.com/soziale-phobie.html

oder über den Berufsverband der Psychologen:

http://www.bdp-verband.org/service/anbieter.shtml

Die Hypnose war relativ teuer: hat 100 Euro pro Sitzung gekostet! Wars mir aber Wert. Ich war wie Du soweit, daß ich alles geopfert hätte, um befreit zu werden von diesen Panikzuständen!

Was mir noch einfällt: Ich habe die Notfalltropfen (Bachblüten) immer verwendet und gute Erfahrungen damit gemacht. Die Nervosität war zwar da, aber die körperlichen Sympthome wurden viel besser. Und wenn die anderen nicht sehen, daß man gerade total fertig ist, beruhigt das schon mal. Die bekommst Du in der Apotheke und kosten soweit ich es in Erinnerung habe ca 7 Euro.

Im Ganzen habe ich ca 1/2 Jahr gebraucht um diese Angstzustände loszuwerden und habe ziemlich viel Zeit (3x tägl. 5 Minuten konsequent üben) und Geld (in Summe so 500-600 Euro) ausgegeben. Aber es hat sich gelohnt! Bin viel lockerer, entspannter und sicher auch selbstbewusster geworden.

lg
Mia

Beitrag von mailin78 29.09.06 - 22:42 Uhr

lieben dank an dich ,mia!

das war echt lieb von dir#liebdrueck
LG Anne