Prügel - lang ists her und doch nie vergessen

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von nicht vergessen 26.09.06 - 21:58 Uhr

Ich möchte Euch mal was erzählen, was ich kaum jemandem so erzählt habe. Ich wollte nie jemanden wissen lassen, dass ich so schwach sein kann. Und ich erzähle es, weil ich mich insbesondere frage, wieso mich das nach so langer Zeit wieder beschäftigt und ich gerne wissen würde, wie Ihr nun damit umgehen würdet:

Also .... vor ca. 5 bin ich mit meinem jetzigen Ex zusammengekommen. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick und eine Beziehung mit Gefühlen, die ich heute so nicht mehr zulassen würde. Damals war ich 18, er gut 10 Jahre älter. Nach dem ersten Jahr hatten wir schon viele auf und abs und er wurde dort schon, wenn wir uns gestritten haben, sehr -nennen wir es mal- gemein. Allerdings nur verbal (obwohl das, wenn ich heute so zurück denke, das schlimmste war). Oft hat er in der Wut Totschlagargumente gebracht, die mich gezielt treffen sollten. Er hat Dinge gegen mich verwendet, die ich ihm im Vertrauen gesagt hatte usw. Meist so lange, bis ich vor lauter weinen kaum noch atmen konnte um mir dann sagen zu lassen: "und nun heulst Du schon wieder - wie armsellig Du bist". Diese Vorfälle ereigneten sich ca. alle drei Wochen und immer bin ich bei ihm geblieben weil ich der Meinung war, dass die dazwischenliegende Zeit alles aufwog.
Die Beziehung war zum Schluss sehr angespannt - sicherlich auch mit meinem beitun. Ich wollte häufig einfach recht behalten, was insbes. finanzielle Angelegenheiten betraf und habe ihn mit meiner Zukunftsplanung sehr eingeengt. In der Nachbetrachtung denke ich, dass dies die auslösenden Faktoren waren, wieso er letztlich oft so böse reagiert hat. Aber er hat nie darüber gesprochen, Situationen, die schließlich so fies in einem Streit geendet sind, hatten meist ganz banale Auslöser: Der Müll, der nicht runtergebracht wurde oder dass ich früh müde war und früh ins Bett bin ectr...
Am Ende der Beziehung war ich gerade mitten im Prüfungsstress und konnte ihm dementsprechend wenig Aufmerksamkeit schenken. Oft gab es dann fiese Bemerkungen und böse Blicke. An einem Abend, der Abend vor einer wichtigen Prüfung, war er mit Freunden bis nachts etwas trinken. Anscheinend eine ganze Menge. Er kam um drei Uhr morgens ins Bett - ich war natürlich schon am schlafen wegen meiner Prüfung. Er ist reingestürzt mit einem riesen Krach, machte das Licht an, das mir in den Augen wehtaten, kniete sich auf die Bettkante und begann, an mir zu rütteln. Lass es bitte, ich möchte schlafen, sagte ich. Aber weiter, immer wieder hat er meinen Namen gerufen und weiter an mir gerüttelt. Erst habe ich garnicht weiter reagiert, weil ich dachte, er wird schon irgendwann aufhören. Das tat er aber nicht. Das ging bestimmt 5 Minuten so. Ich habe Ihn dann gebeten, es zu lassen, weil ich doch um sechs schon wieder raus musste wg meiner Prüfung. Keine Reaktion. Weiter rüttelte er an mir und weiter sagte er: Martina, aufwachen, Martinnnaaaa" Ich habe deutlicher gesagt, er soll es endlich lassen, ich muss schlafen, was soll das denn? Aber er hörte einfach nicht auf. Man merkte an seiner Stimme, dass er Spass daran hatte, mich zu ärgern. Und meine Prüfung war ihm völlig egal. Ich habe gesagt, wenn er nicht bald aufhört, dann passiert was. - keine Reaktion, weiter rütteln, weiter rief er meinen Namen. Das hämische Grinsen habe ich aus seinen Worten herausgehört. Ich habe gesagt, wenn er jetzt nicht sofort aufhört, würde ich ihm eine scheuern ....... und er hörte nicht auf....... er hörte einfach nicht auf. Ich war so müde, seine Worte und sein Verhalten sagten mir, dass er mich vorsätzlich wieder provozieren wollte..... und nach einem letzten 'jetzt lass es endlich sein' auf das wieder keine Reaktion folgte, holte ich schließlich aus und gab ihm (unverhofft wirklich passgenau ins Gesicht) eine Backpfeife......... einen Moment herrschte Stille. Wir schauten uns in die Augen. Ich kroch schon in mir zusammen, als ich den Zorn und die Wut in seinen Augen aufsteigen sah.
Er packte mich an den Haaren und riss mich quer durchs Bett. Ich schrie wie am Spieß: Aufhören, bitte, lass mich los!!! Er fing an, meinen Kopf gegen den Bettpfosten zu schmettern und zischte durch die Zähne: Du blöde Schlampe, na warte, Dir werd ichs zeigen. Immer weiter hämmerte er meinen Kopf gegen den Pfosten. Ich schrie und weinte, aber keine Reaktion. Ich konnte mich vor Schmerz und Angst nicht wehren, weil ich meine Hände an meinem Kopf hatte und er auf meinen Beinen kniete. Immer wieder stieß er meinen Kopf gegen den Pfosten, dann gegen die Wand. Und meine Schreie und mein Bitten und Betteln und Weinen half alles nichts.
Ich weiß garnicht, wie lange das gedauert hat und wann es schließlich aufhörte. Ich weiß, dass ich irgendwann ins Wohnzimmer geflüchtet bin und geweint habe. Als ich mich an dem Schlafzimmer vorbei rausschleichen wollte, habe ich ihn dort schnarchend schlafen sehen.
Ich habe in der Nacht im Krankenhaus übernachtet. Weil keine Ärzte verfügbar waren und ich bis auf dicke Beulen auch kein wirklicher Notfall war, habe ich im Wartesaal geschlafen. Morgens bin ich zur Schule, habe die Prüfung geschrieben und bin nachmittags zu ihm zurück - ohne ein Wort zu sagen.

Er verlor kein Wort mehr darüber. Und ich traute mich nicht, etwas zu sagen.... alles lief weiter, wie bisher. Eine Woche später hatten wir glaube ich wieder eine kleine Auseinandersetzung, die auf eine offene Drohung von ihm endete nach dem Motte: sonst.......... Ich habe dann gesagt: Sonst was? Verprügelst Du mich dann wieder??? - da fing er an zu lachen. ER mich verprügeln, dass er nicht lache - so ein schwachsinn. Er habe mich ja bloß wachgerüttelt.

Wir haben dann ein paar Monate nicht mehr darüber geredet. In einem schönen Moment in unserer Beziehung, es war Silvester und wir saßen morgens früh allein noch im McDo - kam es wieder zur Sprache. Er war wieder betrunken, aber diesmal im positiven Sinne (es gab immer zwei Seiten- entweder aggressiv oder total liebevoll). Ich habe ihm meine Version der Geschichte erzählt und er fing an zu weinen. Er meinte, wenn das wirklich so gelaufen sein sollte und er beteuerte, er könne sich an den Abend nicht erinnern, täte es ihm schrecklich leid. Danach haben wir auch nie wieder darüber geredet.

Einen Monat später haben wir uns sehr unschön getrennt. Ich bin wortlos ausgezogen - er hat gebeten, ich solle bleiben - aber ich bin gegangen. Und habe dann noch gut ein halbes Jahr Liebeskummer gehabt, weil ich ihn doch zurück wollte, er mich aber nicht mehr.

Heute weiß ich definitiv, dass es die richtige Entscheidung war. Er hat zwar eine sehr herzliche Schale, aber keinen positiven Kern. Wir reden heute noch miteinander über alltägliche Dingen und halten Pläuschchen (alle paar Monate mal) Ich wüsste auch nicht, wieso das anders sein sollte. Ich weiß für mich, ich kann ihm nicht trauen und mich als Freund nicht auf ihn verlassen. Aber wenn er anruft, wird halt geklönt.

Bis heute bin ich mir ziemlich sicher, dass er mir nach wie vor nicht glaubt, was in der Nacht damals passiert ist. Als hätte ich mir das alles nur ausgedacht. Nicht das verprügeln an sich, sondern diese Tatsache trifft mich bis heute. Und doch würde ich ihn nicht mehr darauf ansprechen wollen aus Angst, er könnte es wieder ins lächerliche ziehen und mich so erniedrigen.

Die Beziehung damals hielt knapp zwei Jahre. Das ganze ist also gut 3 Jahre her. Ich habe heute einen Freund, mit dem ich glücklicher nicht sein könnte. Er weiß auch, was mir damals passiert ist. Aber lange nicht so detailliert.

Ich frage mich nun, wieso ich diese Geschichte nicht einfach ad acta legen kann, wie meine ganzen anderen Ex-Geschichten auch. Versteht mich nicht falsch: Ich habe keine Angst, jemals nochmal von jemandem verprügelt zu werden. Aber die Geschichte an sich beschäftigt mich. Wieso? Und wie stelle ich das ab?

Vielen Dank fürs zuhören. Und vielleicht hat jemand ja einen nützlichen Tipp.

P.S.: Ich habe mir damals lange die alleinige Schuld an diesem Vorfall gegeben, da ich schließlich als erstes die Hand erhoben habe. Und ich würde dies bestimmt nie mehr tun. Das habe ich daraus gelernt. Verkneift euch also bitte die Kommentare dazu. Ich bin heute bestimmt reifer als damals und weiß, dass ich nicht hätte anfangen dürfen. Damals wusste ich mir nicht anders zu helfen. Heute würde ich wohl schon bei dem kleinsten Streit, sofern er denn in verbalen Verletzungen endet, einen Schlussstrich ziehen, um garnicht mehr in eine solche Situation mit einem Partner zu kommen.

Beitrag von eineve 26.09.06 - 23:24 Uhr

wie lange hast du zugelassen - das deine grenzen überschritten werden?

wie oft hast du ohne erfolg deine grenzen genannt?


wundert es - wenn du dann über deine grenzen (für dich) hinausgehst und ebenso "respektlos" deine grenze einfach verteidigst - weil worte ignoriert werden?

diese fähigkeit - das zu können ist wohl dein "schockerlebnis" weil ja mädchen brav sein müssen huldvoll und geduldig. lerne daraus - für ein gesundes selbstbewustsein UND fülle dich selber innerlich aus.

dann wirst du zur ruhe kommen. und feststellen:

du hast gelernt mit dir zu leben.

Beitrag von enti1976 27.09.06 - 00:47 Uhr

Wieso solltest du DIR die schuld geben?!?

ist doch widersinnig - selbst wenn du zuerst die Hand erhoben hast - es diskutiert sich schlecht mit betrunkenen -und du hast ihn vorher gewarnt!!!

ich habe selber so eine Horrorbeziehung hinter mir - und bin einfach nur froh, dass es vorbei ist!!!! würde so etwas nie mehr mitmachen.
wär aber auch ganz dankbar, wenn er sich nicht mehr melden würde - er meint nämlcih, auf guten Freund machen zu müssen und mich immer mal wieder anzurufen etc... aber ab und an ist er ganz nützlich - ist KfZ -ler und wenn was am Auto ist ;-) aber letztlich versuch es zu vergessen - ich denke schon,dass es schwierig ist, hab mich im nachhinein auch geärgert, warum ich ihn in einer ähnlichen Situation nicht angezeigt habe - dann hätte ich mir glaub ich viel erspart... aber das ist das einzige, was mich daran ab und an ärgert, dass ich auch schon gewalttätig wurde (oder angefangen habe wie du) das war leider in diesen 2 Situationen absolut gerechtfertigt!
Notwehr ist das mitldeste Mittel zur Abwendung von Gefahr...

Reden ging nicht - also war ein schlag ins gesicht ja wohl noch ein mildes mittel.

Beitrag von manavgat 27.09.06 - 09:10 Uhr

Du behälst es für Dich, weil es ein Übergriff auf Deine Person war. Wenn hier eine Frau die Anfänge beschreibt (genau wie bei Dir) und einige User dann warnen, dann kommen unter Garantie die Hei-Tei-Teis, die ihr zureden: "ist doch (noch) nicht so schlimm".

Was macht eine betroffene Frau dann? Sie schweigt, duldet und flüchtet nicht.

Warum tun das viele? Weil sie die Realität nicht sehen wollen. Wer sich eingesteht, dass diese Übergriffe jedem! passieren können, der muss sich der realen Lebenswelt stellen. Männer (die selbst nie so wären), reden diese Dinge klein, weil sie Angst haben so werden zu können, so die Kontrolle zu verlieren.

Jetzt hast Du eine Erklärung. Aber noch keine Lösung. Traumata, ausgelöst durch Gewalt können ein Leben lang verfolgen. Nimm Dir eine gute Therapeutin, die Dir hilft zu erkennen, dass dieser Vorfall nicht in Deiner Person, sondern in seiner begründet war. Dann kannst Du damit abschließen.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von sanders_vs 27.09.06 - 10:10 Uhr

Wer dieses Verhalten verteidigt, der stellt einen Freibrief für alle Männer aus, die garantiert schon mal erlebt haben, wie die Freundin einen mitten in der Nacht weckt und ein „wichtiges“ Gespräch beginnen möchte.
Ein gewisser Stolz schwingt auch noch bei Ihrer genüsslichen Beschreibung mit. „(unverhofft wirklich passgenau ins Gesicht) eine Backpfeife.........“
Ist dann nur blöd, wenn das alles durch Gegenwehr zunichte gemacht wird.
Wenn er sich allerdings schon nach 12 Stunden nicht mehr an den Vorfall erinnern kann, liegt es entweder an einem Alkoholproblem oder an der eigenen Phantasie. Wer mit dem Kopf dermaßen an den Bettpfosten gehämmert wurde, und die Nacht deshalb in einem Krankenhaus verbracht hat und ohne Behandlung am nächsten Morgen eine Prüfung absolviert, der sollte wenigstens am Nachmittag noch ein paar Gebrauchsspuren aufweisen können, die den Kontrahenten als Diskussionsgrundlage zur Verfügung stehen.
Also, wohin waren plötzlich die dicken Beulen? Keine blauen Flecken, wenn ein offensichtlich körperlich überlegener Mann auf zarten weiblichen Oberschenkeln kniet?
Deshalb: Irgendwie glaube ich dir nicht!!

Beitrag von badguy 27.09.06 - 13:37 Uhr

Ich bin mal im Dunklen gegen die Speichertür gestoßen. Die Narbe sieht man heute noch...

Mein Junior ist mal auf unseren Bettpfosten gefallen. Folge: Offener Nasenbeinbruch...

Wenn ich meine Freundin auch nur einmal mit dem Kopf gegen den Bettpfosten oder die Wand schlagen würde, würde man das mindestens noch eine Woche später sehen und sie würde unter Garantie keine Prüfung schreiben können.

Wenn denn eine so zugerichtete Frau in ein Krankenhaus kommt, wird sich auch mit Sicherheit ein Doc finden, der sie behandelt.

Sprich, ich glaube dir kein Wort.