Allabendliches Ritual geht flöten!

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von 004 27.09.06 - 10:03 Uhr

Hallo!

Bin im Moment etwas ratlos. Mein Sohn (3 3/4) ist etwas aus dem Rhytmus geraten.

Wir haben eigentlich abends unser Ritual. Schlafi an, Abendessen und Sandmännchen gucken, Zähnchen putzen und waschen, Geschichte/Buch aussuchen, ins Bett kuscheln und Gute-Nacht-Geschichte vorlesen (alles er und ich zusammen!). Doch irgendwie ist im Moment an dieses Ritual nicht zu denken. Bis zum Zähne putzen gehts noch so halbwegs, aber er will dann keine Geschichte mehr vorlesen, lieber noch spielen. Ab und zu fängts sogar schon beim Abendbrot an, das er es verweigert. Er verdreht den ganzen Ablauf!

Wir haben es auch mal ausprobiert mit nem kurzen spielen, aber er spielt sich dann wieder total ein. Als dann seine Spielzeit abgelaufen war (wir haben ihm eine Eieruhr hingestellt, damit er weiß, wann Spielende ist - haben es ihm auch erklärt und er hats verstanden, er hats nämlich auch schon mal eingehalten!) gabs erst recht nen Aufstand. Experiment gescheitert.

Ist dann Bettzeit, wird er zunehmend sauer, es ist jetzt auch wirklich schon vorgekommen, dass wir gar keine Geschichte mehr vorlesen konnten, da ervvorher schon sauer war. Er wirft sein Kuscheltier und Schnuller sowie sein gesamtes Bettzeug über Bord und macht nen totalen Aufstand, bleibt nicht im Bett, schreit wie am Spieß und kommt als wieder raus. Er sagt dann immer: Mama, kann doch nicht schlafen. Decken etc. darf ich dann auch nicht mehr ins Bett zurücklegen, fliegt gleich wieder alles raus.#augen

Gestern hatte ich das Spielchen ca. 1 h (war bereits nach 21:00 Uhr), er läßt sich dann auch mit nichts beruhigen. Er weint aber nicht, es ist wirklich nur der Zorn. Ich habe ihn dann konsequent immer wieder in sein Bett zurückgebracht. Aber nach dem 20.000ten Mal hatte ich dann auch die Nase voll. War dann auch so, dass er in seinem Zorn mehrmals nach mir gehauen hat und mich auch einmal treffen konnte. Alle Erklärungen wg. Hauen darf man nicht etc. kamen nicht mehr durch zu ihm. #bla

Was ich nicht verstehe, ist, dass er auf seine Gute-Nacht-Geschichte immer bestanden hat, die ist ihm eigentlich sehr wichtig. Und auch, wenn er dann mit Protest im Bett ist, darf die Geschichte nicht fehlen.

Er geht seit Anfang September regelmäßig in den Kindergarten, ca. 6 Stunden (er hatte auch eine beständige Eingewöhnungszeit). Es macht ihm Spaß, er geht auch ohne Probleme, wenn er nicht so ein Morgenmuffel wäre, wärs noch besser. Eigentlich müßte er abends ja wirklich müde sein, nach so einem langen Kigatag, aber Pustekuchen. Mittagsschlaf ist schon lange nicht mehr, im Kiga auch nicht. Er schläft mittags schon ca. 1 Jahr nicht mehr. Sollte er doch mal, auch nur für 10 Min. einnicken, ist abends sowieso nichts zu machen, da ist er putzmunter.

Wenn er denn jetzt abends eingeschlafen ist, ist das auch nicht von langer Dauer. Zwischen 1 Uhr und 3 Uhr nachts steht er bei uns vorm Bett und klettert zwischen uns, möchte dann noch was trinken und kuschelt sich zwischen uns ein. Gestern war er ca. 03:30 Uhr wach, sagte: Mama, hab doch schon ausgeschlafen, ich geh spielen. Und schon war das große Licht in seinem Zimmer an und er wollte echt spielen! Bis ich ihn wieder zum einschlafen bekommen habe, wars ca.1 1/2 h später!#schwitz

Ich weiß im Moment net weiter. Die Aktionen kosten ganz schön Nerven, vor allen Dingen, weil wir seit 1 Jahr nicht mehr durchschlafen (können). Da fing das nämlich an, das er nachts angeschlunzt kam.

Hat jemand einen Rat? Was mache ich falsch? Soll ich das Ritual umgestalten? Bringt ihn das nicht durcheinander, Kinder brauchen doch immer die selben Abläufe, die Sicherheit. Ich weiß echt nicht, was jetzt richtig ist.#gruebel

Vielen Dank. Karola.

Beitrag von 004 27.09.06 - 10:36 Uhr

Sorry, hab mich vertippt! K.

Beitrag von lady_chainsaw 27.09.06 - 10:49 Uhr

Hallo Karola,

ja, viele Kinder brauchen gewisse Abläufe, aber erstens nicht alle Kinder und zweitens müssen sie nicht peinlich genau eingehalten werden :-)

Vielleicht ist er wirklich noch nicht müde? #gruebel Meine Tochter z.B. geht um 20 Uhr ins Bett.

Vielleicht ändert ihr einfach die Reihenfolge, führt ein neues Ritual ein (Spielen vor dem Zähneputzen, statt Geschichte danach oder so) und schmeisst dafür ein anderes über Bord.

Vielleicht braucht er zur Zeit jemanden zum Einschlafen? Dann sollte einfach einer neben ihm sitzen bleiben bis er schläft.

Vielleicht hat er einfach ein Problem, am Abend abzuschalten? Der KiGa ist ja neu und aufregend, da müssen einige Dinge überacht werden, neu gelernt werden und für den nächsten Tag "geplant" werden ;-)

Nur weil man Rituale der Situation anpasst, bringt es die Kinder nicht durcheinander - denke, sie haben eher das Gefühl, die Situation/Abläufe mitbestimmen zu dürfen.

Gruß

Karen + Luna (3 Jahre)

Beitrag von kat30 27.09.06 - 10:55 Uhr

Rituale sind ja schön und gut und sicherlich auch wichtig.... aber muss man wirklich auf biegen und brechen daran festhalten???

Bei uns ändern sich die Rituale mit der Zeit immer wieder mal. Im Sommer wurde z. B. gar kein Fernsehn mehr geguckt (Lauras Stern oder Kleiner König). Ich schätze mal im Winter könnte das wieder interessant werden. Manchmal wenn irgendwas (malen / Spiel) besonders wichtig ist und zum Abendessen unterbrochen werden muss, kommt Laura auch an und sagt, statt Gute-Nacht-Geschichte möchte sie lieber xy noch fertig machen - und warum denn auch nicht, wenn es ihr so wichtig ist!!!

Irgendwann ist es einfach mal an der Zeit was zu ändern vielleicht überlegt ihr Euch zusammen was neues. Oder wollt ihr mit 14 noch im Schlafi am Tisch sitzen und Sandmännchen gucken ;-).

Ach so nochwas was mir bei Deiner Schilderung einfällt- ich hab da mal was über ein "Zeitfenster" gelesen und bei Laura stimmt das eigentlich auch. Das besagt, dass Kinder abends so ca. in jeder Stunde ein Zeitfenster von ca. 15 Minuten haben, in dem sie müde sind und wo das mit dem ins Bett gehen gut klappt. Wenn man diesen Zeitpunkt verpasst hat, sind sie "über den müden Punkt hinaus" und wieder wach - bis zur nächsten Stunde. Vielleicht beobachtest Du ihn mal ein paar Tage lang. Dieses Zeitfenster kann ja eine ganze Weile zu eurem Abendablauf gepasst und sich jetzt verschoben haben!!!

Liebe Grüße

Katrin

Beitrag von monique_15 27.09.06 - 11:01 Uhr

Hallo Karola,

ich denke auch, du solltest es mal mit einem veränderten Ritual versuchen.
Ich hab das Gefühl, dein Sohn braucht viel Nähe momentan (weil er auch nachts zu euch ins Bett kommt). Vielleicht kannst du dich mit dem Gedanken anfreunden, ihn komplett bei euch schlafen zu lassen, für eine Zeitlang? Oder zumindest abends einkuscheln und ihm viiiiieeel Zeit widmen. Ich denke, es ist auch wichtig, den Tag nochmal Revue passieren zu lassen. Statt einer Geschichte über alles nochmal reden, was heute so war, wie es im Kiga war, was deinen Sohn beschäftigt. Psychologen empfehlen das bei unruhigen Kindern und auch bei Kindern, die schlecht schlafen.

Ich kann es so auf die Ferne nicht beurteilen, aber mir scheint, deinen Sohn treibt es um. Will sagen, die vielen neuen Erfahrungen sind so anstrengend für ihn, dass er nicht zur Ruhe kommen kann.
Zum Einen hilft da körperliche Aktivität (tobt er genug?), zum Anderen kann man auch mit so kleinen Kindern schon Entspannungsübungen machen.

Versuch vielleicht auch mal, nach dem Kindergarten bewusst den Tag ganz unaufregend zu gestalten. Kein Fernsehen, keine weiteren aufregenden Aktivitäten, einfach Alltag, gerne jeden Tag gleich. Das bringt Ruhe rein.

Hm. Das wär's, was mir so momentan dazu einfällt. Ist halt schwierig, auf die Entfernung Diagnosen zu stellen. #kratz

Lieben Gruß,
Monique

Beitrag von ayshe 27.09.06 - 11:07 Uhr

hallo,

ich frage mich gerade,
WER will denn das ritual eigentlich?
DU oder ER????

frage ich mal als mutter eines absoluten "nicht-ritual-kindes" ;-)

meine tochter ist 29 monate und macht ihre "rituale" schon immer selbst und dauernd anders.
für sie ist es am besten so.

was die eieruhr betrifft:
ich glaube nicht, daß ein kind vorher schon abschätzen kann, was diese zeit bedeutet, wann sie zuende sein wird.
das ding klingelt plötzlich los und das kind ist überrumpelt.
ich bin ehr für rechtzeitiges ankündigen, einige male immersagen, daß gleich schluß ist oder nach dem puzzle oder dem buch oder so.


zum im-bett-bleiben:
die frage ist erstmal, ist er wirklich müde?
meine tochter schläft in der kita (leider) noch ca. 45 minuten un dist dann bis mind. 21.00 putzmunter.
wenn sie am WE mittags nicht schläft, geht sie schon um 19.30/20.00 schlafen.
ja, wenn sie am We doch mal ganz kurz einnickt, ist sie abends auch bis in die puppen munter.
das ist blöd.


und warum kommt er raus?
ist er denn allein?
ich bleibe einfach bei ihr,
wir puzzeln im bett, bücher oder sonstwas, dann will sie das licht aushaben und ich bleibe bei ihr bis sie schläft, fertig, sehr problemlos.l


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Was ich nicht verstehe, ist, dass er auf seine Gute-Nacht-Geschichte immer bestanden hat, die ist ihm eigentlich sehr wichtig. Und auch, wenn er dann mit Protest im Bett ist, darf die Geschichte nicht fehlen.
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tja, vllt kommt das durch die allmachtsphanatsien, die kinder in dem alter haben.
sie merken, daß sie auch entscheiden können, denken, sie könnten ALLES tun und ALLES bestimmen.
und deshalb sagen sie auch zu vielen dingen NEIN, NEIN, obwohl sie sie wollen,
nur um ihre "macht" zu spüren.
hast du gefragt, was er anstelle der geschichte will?


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Er geht seit Anfang September regelmäßig in den Kindergarten, ca. 6 Stunden
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meine tochter wacht derzeit auch fast immer gegen 3.00 auf, will aber nicht spielen, komisch, nicht wahr?
sie schläft bei mir im kinderbalkon, braucht dann ein paar nette worte und etwas streicheln zum weiterschlafen.
vllt ist es die 2. loslösungsphase, weshalb kinder in dem alter auch nachts wieder mehr nähe brauchen.
aber durch den balkon, muß keiner aufstehen, kein licht und alle schlafen schnell wieder weiter.
ich habe in den ganzen jahren auch nicht so oft durchschlafne können ;-)


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Soll ich das Ritual umgestalten? Bringt ihn das nicht durcheinander, Kinder brauchen doch immer die selben Abläufe, die Sicherheit.
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also mit sicherheit nicht ALLE!
ich habe schon vor über einem jahr und länger irre über rituale nachgedacht,
versucht, welche einzuführen usw. keine chance.
nacheinem gespräch mit einer pädagogin, die auch ein "nicht-rital, nicht-rhythmuskind" hat,
ist mir einiges klargeworden.
ich habe es meiner tochter überlassen, seitdem läuft es auch.


frage ihn doch,
laß ihn selbst die zeit vor dem schlafen gestalten.

wir essen, putzen zähne und den rest kann sie sich aussuchen.
manchmal will sie auch gar nichts, nur ins bett, licht aus,
mal auch "spielen".


lg
ayshe

Beitrag von zaubertroll1972 27.09.06 - 11:43 Uhr

Hallo,
kann es sein daß Euer Ritual Dir wichtiger ist als Deinem Kind?
Nicht alle Kinder müssen Tag für Tag, Abend für Abend den selben Ablauf und das selbe Ritual haben. Zwanghaft daran festzuhalten finde ich nicht so gut.

LG Z.

Beitrag von .claudi. 27.09.06 - 12:27 Uhr

Hallo!

Ich habe auch kein richtiges Abendritual. Bei uns schaut es so aus: Essen, dann darf meine Tochter Sandmännchen anschauen (will sie oft gar nicht) und danach verbringe ich intensiv (ca. 1 Stunde) Zeit mit ihr in ihrem Zimmer. Ich versuche es möglichst ruhig zu gestalten, aber meine Tochter darf sich aussuchen war wir machen. Dannach wird gewaschen, Zähne geputzt, Schlafanzug angezogen und wir setzen uns zusammen auf ihr Bett und schauen ein Buch an oder ich lese ihr vor. Sie darf sich immer ein Buch aussuchen, aber meistens ist es eh das gleiche, daß sie schon auswendig kann und oft "liest" sie mir das Buch vor #freu oder wir haben ein Musikbuch mit Abendliedern und wir singen gemeinsam.

Meine Tochter versucht zwar manchmal mich zu überreden, daß wir noch ein zweites Buch anschauen, aber ohne Erfolg.

Meine Tochter geht auch seit Anfang September in den Kiga, anfangs war es auch Abends schwierig sie ins Bett zu kriegen, mittlerweile hat es sich aber wieder fast ganz eingespielt.

Meine Tochter macht auch nur noch selten einen Mittagsschlaf und schläft Abends auch meistens nicht vor 21 Uhr, aber ihr langt es.

LG Claudia

Beitrag von 004 27.09.06 - 22:08 Uhr

Erstmal herzlichen Dank für Eure Antworten!

Ich denke, Ihr habt überwiegend Recht. Zumal mir beim Schreiben meiner Anfrage schon selbst aufgefallen ist, das sich alles so zwanghaft anhört.

Ich werd jetzt mal einen anderen, lockereren Weg einschlagen. Ich kenn mein Kind zwar, muß aber doch noch lernen, ihm zu vertrauen und zu akzeptieren, dass er einen eigenen Willen entwickelt und ich diesen nicht ignoriere, sofern er im Rahmen bleibt. Ich bin zwar keine "Klammermama", aber die Zeit abends mit ihm genieße ich total. Trotzdem bin ich auch verunsichert bzgl. der weiteren, vielleicht heftigeren Trotzphasen, die noch kommen (können). Aber auch die gehen vorbei und das ist auch ein anderes Thema.

Sein Papa ist längst nicht so wie ich. Er versteift sich nicht darauf, dass unbedingt das und das gemacht werden muß. Er läßt unserem Kleenen dann doch noch mehr Freiheiten abends, während ich darauf gepocht habe, dass er in seinem Alter doch endlich ins Bett muß.

Wir schauen mal, wies weiter geht.

Vielen herzlichen Dank nochmal!#danke

Karola!