Er lässt mich am langen Arm "verhungern"...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von :-( 27.09.06 - 13:27 Uhr

...tsja, das ist zwar nicht das einizige problem, aber das, was mich kaputt macht!

wir kennen uns seit ca 5 jahren, sind seit ca 2,5 jahren ein paar und seit 1,5 jahren eltern. der "anfang" dauerte leider nur ca 4 monate, er war sehr leidenschaftlich, sehr intensiv...

jaja, am anfang ist alles ja immer "ganz toll" - und jetzt?

eine ex-freundin von ihm sagte mir schon vor unserer beziehung, sie wäre "neben ihm erfroren". er konnte sich gar nicht vorstellen, was sie meinte, als ich ihm davon erzählte...und ich konnte mir das auch gar nicht vorstellen, war er doch der gefühlvollste, liebevollste, liebenswürdigste, humorvollste mann, der mir je begegnet war (war mir aber wohl die jahre zuvor nicht aufgefallen *scherz*)...wir küssten uns häufig (nein, wir knutschten nicht ständig vor anderen... :-) ), es gab zahlreiche liebevolle gesten. er konnte sich toll in mich hineinversetzen, nahm rücksicht, betüddelte mich, etc. naja, das ganze programm.

übrigens war nicht nur er so, sondern ich denke ich auch, in den meisten o.g. punkten!

aber dann: schon in der schwangerschaft - also wenige monate nach start der beziehung - fing es an: wir hatten fast von anfang der ss an wenig sex (ok, dachte ich, männer gehen halt mit diesem "umstand" anders um...), es gab kaum liebevolle gesten - bald gar keine mehr, kein küssen, kein in arm nehmen - gar nichts. ok, dachte ich, ist ja auch für den mann eine schwierige situation: kaum verliebt, schon ist die freundin schwanger und jetzt soll ja auch das ganze programm kommen: gemeinsam wohnen, haushalten, kinder (jeder brachte noch eines mit), alles, was dann zum eltern- und paarsein dazugehört - das ist für den mann, der dann künftig auch noch alleinverdiener sein soll ja auch schwer! bei unstimmigkeiten ging ich meist später wieder auf ihn zu, weil "er einfach die kurve nicht bekam" und sonst tage lang sauer war...ich schob es auf diese belastende gesamtsituation und dachte, wenn wir das alles erstmal hinter uns haben, alles geregelt ist...dann wird alles wieder anders. ich war also weiterhin bemüht, nach unstimmigkeiten hinterher alles wieder zu bereinigen (frei nach dem motto "nicht im streit schlafen gehen"), nahm ihn in den arm, versuchte ihn auch mit dickem bauch ab und an mal zu verführen (was dann auch manchmal klappte)...

ich sagte und schrieb ihm mehrmals, dass ich mich (nicht nur sexuell) sondern auch im alltag (aufmerksamkeit, liebevoller umgang miteinander, mal küssen oder in den arm nehmen, etc) vernachlässigt fühle. er gab darauf nie eine antwort, bis auf ein mal: er weiß, dass er mich vernachlässige, läge an der besonderen stresssituation im job und ich solle mir keine sorgen machen - er würde versuchen sich zu bessern...

wie gesagt, ich dachte, alles würde besser werden, wenn alles geregelt und/oder das baby dann da sei...

besser wurde es nicht, sondern schlimmer: er war weiter nicht in der lage, irgendwelche pos gefühle mir gegenüber zu zeigen (auch mit dem baby dauerte es mehr als ein halbes jahr)... als frischgebackene mutter war ich neben der wirklich tollen tatsache ein dach über dem kopf und essen zu haben auch wirklich auf "mal in den arm nehmen" angewiesen.

er tat es nicht...wenn, nur wenn ich mich wirklich aufdrängte. noch hatte ich ein paar pfunde zuviel (wirklich nicht viele), das baby schlief schlecht und an sex war erstmal nicht zu denken. aber nach ein paar monaten (ich glaube 4) hatte ich auch wieder lust...beim sex war er ja auch immer sehr liebevoll, leidenschaftlich, etc, so dass ich mir hoffte, dort wenigstens die nähe und zärtlichkeit zu holen, die ich bitter vermisste...

doch leider hatte er selten lust und es spielte sich dann so auf 1-2 mal sex im monat ein...

und liebevoller umgang, zärtlichkeiten auch im alltag, mal ein gute-nacht-kuss oder ein in arm nehmen und vieles mehr ist bis heute nicht vorhanden...

das hat mein ego so dermassen angekratzt, dass ich ihn schon seit monaten immer mal wieder frage, ob er mich eigentlich liebt, oder ob er eigentlich nur "verantwortlich" handeln wollte/will (wegen kind, etc.). er sagt ja - das war es. mangelnde zärtlichkeit - auch im alltag - schiebt er auf mein ständiges nörgeln (jeder hat da seine sicht der dinge), "da würde es ihm vergehen". ja, ich nörgel vielleicht in den letzten monaten mehr, als am anfang der beziehung.

aber bei mir ist einfach der akku alle. da er sich mir gegenüber so benimmt, kann ich eben auch nicht mehr immer auf ihn zu gehen oder dinge so hinnehmen, wie sie sind.

vieles würde auch gar nicht "hochkommen", wenn er mich mal in den arm nehmen würde oder ähnliches, mal ein nettes wort über mich, an mich! er sagt nicht was er denkt, was er fühlt, was er für mich fühlt, was er über mich denkt.

ich weiß nicht woran es wirklich liegt, dass er sich so verhält. denn dieses verhalten hat sich schon eingeschlichen, bevor wir eltern geworden sind. ob es an der "großen verantwortung", die auf ihm jetzt lastet, liegt?

ich weiß, dass es in seiner familie probleme gibt, positive gefühle zu äußern und zu zeigen, aber es ging ja am anfang mal... ich hatte an eine paartherapie gedacht, nach langem zögern hat er zugestimmt. aber aufgrund seines jobs und der sonstigen aktivitäten (auch der furcht vor großen kosten) haben wir es bislang nicht gemacht.

irgendwie weiß ich auch nicht, ob das sinn hat, sich mit der unterstützung eines therapeuten hinzusetzen und weiter um einen liebevollen, respektvollen umgang (nicht nur im bett) zu winseln. denn das hab ich in der tat ein paar mal getan...

ich habe das gemacht, weil ich ihn liebe. er ist ein toller mann, hat eigentlich viel humor, ich weiß, wie er (siehe am anfang) sein kann; er kann toll mit kindern, die lieben ihn, etc. aber ich komme einfach gefühlsmässig echt zu kurz und kann von mir aus jetzt nur noch schwer all das geben, was ich bei ihm schon seit monaten (jahren) vermissen...

was soll ich tun - auch ich "erfriere".



übrigens: selbst wenn ich dick und den herrschenden schönheitsgesetzen nicht entsprechen würde, wäre das aus meiner sicht kein grund sich seiner freundin und mutter seines kindes gegenüber so zu verhalten...blöd bin ich auch nicht, im job erfolgreich war ich schon mal und besonders anspruchsvoll bin ich nur im umgang und in der liebe miteinander.

Beitrag von muncablue 27.09.06 - 14:10 Uhr

leider kann ich Dir keine guten Tipps geben, .... ich befinde mich in ähnlicher Situation und weiss selbst nicht, was ich tun soll um dies zu ändern. Auch ich habe meinem Mann ein "Therapie"Wochenende vorgeschlagen, aber er sieht diesbezüglich keine Notwendigkeit.... leider! Also flüchte ich mich im Moment in meinen Vollzeit-Job, die wenige Zeit, die wir uns zu Hause begegnen, da wir zu sehr unterschiedlichen Zeiten arbeiten, konzentriere ich mich auf meinen Sohn (2 Jahre) und ansonsten ... ja, beschäftigt es mich doch permanent, trotz aller Anstrengung es auszublenden.
Wir lernten uns auch vor 5 Jahren kennen, und alles war einfach zu perfekt... wir kauften ein Haus, heirateten bekamen unseren Sohn und bis vor ein paar Wochen war ich soooo blind dass ich mit diesem "Bilderbuch"leben zufrieden und glücklich war.... ich wollte die Gefühlskälte nie sehen und auch nicht wahr haben... jetzt frage ich mich immer und immer wieder, ob er wirklich schon immer so kalt und egoistisch war und ich das bis vor ein paar wochen erfolgreich verdrängen konnte... oder ob er sich so entwickelt hat...

das wird dir jetzt sicher keine große Hilfe gewesen sein... aber vielleicht fällt uns ja noch etwas ein ... würde mich freuen von Dir zu hören...

Beitrag von hoppypoppy 27.09.06 - 14:25 Uhr

Tachen,
ich kann Dich sehr gut verstehen. Zieh Dir bloss nicht den Schuh an, dass es an Dir liegt. Ich bin auch durch alle möglichen Phasen durchgegangen.

Ich habe mir Jahrelang Erklärungen zurecht gelegt:
- Momentane Phase
- Vielleicht will ich wirklich zu oft
bis hin: Ich bin nicht attraktiv genug.

Die Aussage, "Du bist ja immer unzufrieden und das turned mich ab" habe ich mir auch zur genüge angehört und irgendwann daran geglaubt.

Ich habe ihm Fremdgehen vorgeworfen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Mann so wenig (später KEINEN) Sex braucht.

Irgendwann habe ich festgestellt, es liegt nicht an mir und ich bin auch nicht alleine. Es gibt unglaublich viele Beziehungen, die daran zerbrechen. Allein in meinem Bekanntenkreis waren es 4 Partnerschaften. Keine hat sich geoutet. Erst als ich meinen Freundin erzählt habe, dass wir uns getrennt haben und alle aus allen Wolken gefallen sind. Ich konnte irgendwann den Satz "Wie konntest Du nur" nicht mehr hören und habe den Grund für unsere Trennung offen ausgesprochen. Und auf einmal waren ganz viele Frauen um mich rum, die das gleiche Problem haben: Einen Mann, der keine Lust hat. Bei den meisten kam raus, dass es am "Leistungsdruck" lag, den sich die Männer auch nicht haben nehmen lassen.

Ich will Dir nicht raten, Dich zu trennen, aber .... tja, wie soll ich es sagen? Ich habe für mich festgestellt, dass mein ehemaliger Partner eine Frau gefunden hat, die das auch alles nicht braucht und ich einen Partner, der verrückt nach mir ist.
Seitdem sind wir beide glücklich und gute Freunde.

Ist zwar eine Geschichte mit Happyend auf Umwegen, aber ich hoffe, ich konnte Dir trotzdem einbischen helfen.
LG
Sandra

Beitrag von dhyan 27.09.06 - 16:22 Uhr

eine frage könnte auch lauten:
wie finde ich zurück zu mir?
zu meiner eigenen kraft, meiner weiblichkeit, meiner inneren stärke!
wie kannst du die "abhängigkeit" (bitte nicht falsch verstehen)
die du hast, wieder auflösen

und siehe auch das posting: die gunst des augenblicks
wie lange willst du warten um mit dem leben anzufangen

glg
Marcus

Beitrag von agostea 27.09.06 - 16:46 Uhr

Kann dich gut verstehen. Hatte selber mal so ein Exemplar.

Ein tiefgefrorenes Fischstäbchen hatte mehr Gefühl als der.
Ein hoffnungsloser Fall,hab dann schnell das Weite gesucht...nach über 4 Jahren Dauerfrost....#schock

Gruss
agostea

Beitrag von heute in schwarz 28.09.06 - 02:21 Uhr

Hallo !

kann Dich sehr gut verstehen. Ich bin seit 3 Jahren in einer ähnlichen Beziehung. Wenn ich mit meinen Freundinen darüber rede, können sie es immer nicht verstehen, wenn ich sage, dass ich mich in meinem ganzen Leben noch nie so einsam gefühlt hab.

Naja, bin nicht verheiratet und hab auch keine Kinder. Für mich steht fest, bis an mein Lebensende werd ich das nicht aushalten. Ich hab ihm jetzt noch eine Chance gegeben. Hab in 2 Wochen nicht sehen wollen. Mit dem Erfolg, das er eigentlich nur gejamert hat, das ihm alleine langweilig ist (als ob das nicht egal ist, ob er mit mir oder ohne mir auf der Couch schläft, ok, der obligatorische, tägliche Sex vorm schlafen geht dann nicht, aber "mann" kann sich ja auch selbst helfen, oder). Er hat überhaupt nichts kappiert. Hört nicht zu. Ich werd jetzt wohl den Schritt machen und mich trennen.

Wünsch Dir noch viel Glück !!!

P.S. Es gibt ziemlich viel Literatur über solche fälle, vieleicht findest Du ja ein passendes Buch, das Dir weiterhilft.