Shawn Oliver - Ein Ende mit Schrecken

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von cliffi 27.09.06 - 16:30 Uhr

Das ganze Wochenende hab ich sämtliche Rezepte ausprobiert um die Wehen mal in Gang zu bringen. Sonntag hatte ich dann schon aufgegeben und bin mit meinem Schatz noch nach Baby Walz gefahren (Sonntagsöffnung) um die letzten benötigten Sachen zu holen. War ja schließlich eine Woche vor dem errechneten Termin. Am Abend nach dem Essen meinte ich dann zu meinem Freund das sich unser Würmchen den ganzen Tag recht wenig bewegt hatte. Auf Toilette sah ich dann eine leichte rote Blutung. Das hat mich erstmal leicht geschockt. Als ich wieder neben meinem Schatz lag und die Hand auf meinem Bauch hatte bemerkte ich das unser Zwerg immer fast im gleichen Takt wie mein Herz wippte. Aber ziemlich extrem nicht nur ein bißchen. Als wir ihn geärgert haben, weil er sich mal bewegen sollte, kam nichts zurück. Keine Bewegung! Wir überlegten ins Krankenhaus zu fahren, aber da meine Ärztin mich immer für doof erklärte wenn ich mit irgendwas ankam, wollte ich nicht ins Krankenhaus.

Am nächsten Morgen war er auch wieder lebhafter. Gegen 14 Uhr hab ich mich dann in die Wanne gelegt in der Hoffnung das was passiert. Als ich dann gegen 15.45 Uhr mit allem drum und dran fertig war rief mich meine Mutter an wie es mir denn so geht. Da sagte ich „Leider noch keine Anzeichen das der Zwerg endlich raus will“. Ich entschloss mich abzuwaschen, da das am Wochenende mangels Lust liegen geblieben ist. Also Geschirr rein, Wasser marsch und schnell noch was zum Gelben Sack gebracht. Wieder an der Spüle angekommen merkte ich nur wie mein String auf einmal nass wurde und dachte noch das ich vor 5 Minuten auf der Toilette noch nicht inkontinent war. Also schnell erstmal auf Toilette und checken ob es wirklich der erhoffte Blasensprung war. Das ließ sich gar nicht so einfach feststellen in der ganzen Aufregung. Naja also erstmal neuen String anziehen und auf dem Weg ins Schlafzimmer schwappte immer wieder etwas nach. Also das war sie dann wohl wirklich. Schnell Schlüpper an und Pampers zwischen geklemmt ;-) Jetzt begann ich zu realisieren das es wohl soweit sein sollte und ich bekam das erste Mal Angst was die Geburt anging. Schatz ne SMS geschrieben das mir die Fruchtblase geplatzt sei und dies kein Scherz sei, und was macht er? Ruft zurück und fragt mich ob das mein Ernst sei?! *rolleyes* Naja er machte sich dann auf den Weg um mich abzuholen. In der Zwischenzeit dachte ich mir wechsle ich mal die Pampers, nicht das noch was daneben geht da es ja ständig lief. SCHOCK! Das Fruchtwasser war grün verfärbt. Ich bekam Angst. Was wenn es meinem Zwerg schlecht geht?!

Als wir im Krankenhaus ankamen und man mich ans CTG anschloss war der Puls von unserem Zwerg kontinuierlich zwischen 180 und 200. Der Muttermund war bei 2cm. Da fingen dann die Wehen auch an und das gleich im 3 Minuten Takt. Der Arzt kam und meinte man müsse jetzt erstmal beobachten wie es dem Kind weiter geht, sonst kann es auf eine Sectio hinauslaufen. Die Hebamme half mir die Wehen zu veratmen, mein Schatz saß neben mir und hielt meine Hand. Ich hatte mittlerweile 38° Temperatur und der Arzt gab mir ein Antibiotikum weil er eine Infektion vermutete die auch das Kind haben sollte. Wenig später hab ich dann alles was ich vorher trinken musste, also einen halben Liter Wasser, ausgebrochen. Eine typische Reaktion von mir auf so was *schäm*. Wir starrten die meiste Zeit aufs CTG. Nichts wurde besser. Der Arzt fragte mich ob ich eine PDA wollte und ich meinte: „Das war eigentlich das allerletzte was ich will, aber machen Sie jetzt irgendwas.“ Die Schmerzen waren echt kaum noch auszuhalten und die Abstände zwischen den Wehen nur noch 30Sekunden oder so. Der Muttermund war erst bei 3cm, der Zwerg saß sehr straff dahinter und der Arzt versuchte den Muttermund mit den Finger zu dehnen. Ich musste mich vor Schmerzen echt zusammen reißen, das ich ihn nicht „aus Versehen“ trete. Der Chefarzt kam und sah sich die Sache an und ich meinte unter Schmerzen zu ihm, ob wir nicht gleich einen Kaiserschnitt machen können. Er meinte nur mit einem Lächeln: „Ich denke nicht.“ Dann kam endlich die Dame mit der feinen Spritze die mich erlösen sollte. Sie meinte ich solle mich hinsetzen und das sie das in einer Wehenpause machen will. Die Hebamme erklärte Ihr das sie dafür sehr wenig Zeit habe, weil die Pausen so kurz sind. Gott sei Dank lag ich in einer so günstigen Position, das sie die PDA setzen konnte ohne das ich mich bewegen musste. Nach einer halben Stunde oder so wirkte sie dann auch endlich. Ich brach den Rest meines Mageninhaltes auch noch aus, und fror so stark das mir die Hebamme ne dicke Decke holen musste. Die PDA wirkt zwar Wunder was Schmerzen angeht, aber man fühlt sich wie besoffen und kann kaum noch koordinieren. Nach 4 Stunden (22 Uhr) schaute dann die Ablösung der Hebamme noch mal nach dem Muttermund. Erst 5cm. Ich dachte das das nie endet, machte die Augen zu und versuchte ein bisschen Kraft zu tanken, immerhin würde ich normalerweise schon schlafen um die Zeit. Mein Schatz meinte nur das unser Zwerg ja dann wenigstens nicht am 11.9.06 zur Welt kommen würde. Die Wehen wurden gegen 22:45 Uhr wieder so stark das ich die Hebamme rufen musste und sie bat, mir die PDA aufzufrischen. Sie meinte das sie das nicht machen könne, weil die PDA noch nicht einmal 2 Stunden lag und eigentlich noch wirken müsste. Sie schaute noch mal nach dem Muttermund, fragte mich ob es denn ab und zu schon mal drückt. Ich bejahte dies. Sie meinte dann das sich der Muttermund innerhalb der letzten halben Stunde um 5cm geweitet hat und jetzt vollständig geöffnet sei. Sie sagte in einer halben Stunde ist das Kind da. 10 Minuten später bat ich meinen Schatz die Hebamme zu rufen, weil ich das Gefühl hatte das das Köpfchen sonst von alleine kommen würde. Er meinte nur sie würde bestimmt gleich wieder kommen und würde schon wissen was sie macht. Ich gnatzte ihn an das er sie holen soll. Er ging raus und suchte sie. Ich bemerkte in diesem Moment wie viel mir seine Anwesenheit bedeutete, als ich die nächsten Wehen alleine veratmen musste. Die beiden kamen wieder und die Hebamme guckte sich die Sache an und sagte nur: na jetzt wird’s aber Zeit. Sie erklärte mir wie ich pressen und atmen sollte. Der Arzt kam wieder dazu. Ich presste 2 mal und man konnte das Köpfchen schon sehen. Noch mal und das Köpfchen war da. Und noch 2 mal und der Zwerg war geboren.

Die Hebamme nabelte ihn ab (was eigentlich mein Schatz machen wollte) und der Arzt saugte ihm das schlechte Fruchtwasser ab. Mein Schatz wollte es filmen, wurde aber angemault das er das erst dürfe wenn man es ihm erlauben würde. Der Kinderarzt kam und untersuchte unser Kind. Eine ganze Weile. Dann wurde er mir sage und schreibe 2 ganze Sekunden auf die Brust gelegt, doch ich konnte es nicht einmal realisieren, da ich durch die PDA ja nicht ganz auf der Höhe war. Die Hebamme badete den Zwerg, was mein Schatz eigentlich machen wollte aber dann auch wieder nicht durfte. Sie zogen unser Baby an und legten es ins Wärmebettchen, natürlich mit Deckel drauf. Der Arzt musste mich an 3 Stellen nähen. Gott sei dank wirkte die PDA da noch. Wir hatten dann 2 Stunden alleine im Kreissaal. Ich durfte nicht aufstehen, mein Kind nicht einmal anfassen. Er lag so friedlich da und schaute uns an. Papa machte Fotos von seinem Frischling. Wir riefen unsere Eltern an, das sie jetzt Oma und Opa sind. Nach den 2 Stunden musste ich mich dann unter die Dusche stellen. Mein Schatz bekam sein Baby auf den Arm und sollte ihm das Fläschchen geben. Ich konnte es nicht sehen. Die Hebamme hat im sitzen versucht mir den Katheder der PDA zu ziehen, was ihr nicht gelang, mir weh tat und meinen Kreislauf zum Einsturz brachte. Im liegen hat es dann funktioniert und nach ein paar Sekunden konnte ich dann auch duschen. Mein Schatz kam rein und erzählte mir wie es gelaufen sei. Ich war fertig mit duschen, wusste aber nicht was ich anziehen sollte bzw. womit ich mich abtrocknen sollte. Die Hebamme maulte mich an was ich so lange machen würde. Wir fuhren dann im Rollstuhl Richtung Wochenstation. Unser Baby wurde ins Kinderzimmer gebracht und ich fragte warum er nicht mit in mein Zimmer kann, bekam aber keine anständige Antwort. Mein Freund war noch ca. eine halbe stunde bei mir, dann kam meine Zimmernachbarin reingerollt die 20 min. nach mir entbunden hatte und er fuhr nach hause. Was sollte ich jetzt machen? An Schlaf war doch momentan gar nicht zu denken. Mein Schatz weiß gar nicht wie gut seine Anwesenheit im Kreissaal getan hat. Auch wenn er nichts machen konnte, bin ich froh das er dabei war und mir die Hand hielt.

Am nächsten Morgen fragte mich die Stillschwester ob schon ein Kinderarzt bei mir gewesen ist. Als ich nein sagte war ihr das ein bißchen peinlich. Irgendwann kam dann endlich die Kinderärztin und sagte das mein Kind auf die Frühchen-Intensiv verlegt wurde. Er sei über Nacht blau angelaufen und auch so würde es im nicht besonders gut gehen. „Es gibt noch ein Problem“ meinte sie, „er ist der größte und stärkste auf der Station und deshalb müssen wir ihn verlegen, weil wir das Bett brauchen.“ Sie verlegten ihn in eine andere Klinik. Ich musste ,wenn ich zu ihm wollte, mit einem Krankentransport hinfahren. Mir ging soviel durch den Kopf. Wieso Frühchen? Wieso muss er verlegt werden? Wie geht’s ihm? Ich rief meine Mama an und heulte ins Telefon. Als sie nachmittags da war entschloss ich mich mit meinem Freund das wir zu unserem Baby fahren. Er sah so friedlich aus. Allerdings hatte er eine Flexüle in der Hand und den Sensor vom Überwachungsgerät am Fuß. Ich durfte ihn das erste Mal richtig in den Arm nehmen. Wir fütterten ihn abends und fuhren danach wieder getrennt nach Hause bzw. in die Klinik.

Am nächsten Tag (Mittwoch) bestellte ich den Krankentransport gleich zu halb zwei, um möglichst lange bei meinem Kind bleiben zu können. Als ich beim Mittag saß kam eine Ärztin an und meinte, da mein Kind ja nicht hier sei und so weiter und so fort, sie brauchen das Bett und würden mich auf die Station eine Etage tiefer verlegen. Eine Etage tiefer? Da war nur die Tumorstation?! Ich meinte nur das wir dann bitte sofort die Abschlussuntersuchung machen würden und ich dann nach Hause gehe. Gesagt, getan. Ich räumte meinen Schrank und hinterlegte meine Sachen im Dienstzimmer der Schwestern. Dann fuhr ich zu meinem kleinen Schatz. Schock! Er brach alles was er zu essen bekam wieder aus. Wurde jetzt per Sonde ernährt. Ich weinte und betete das mein Freund bald kam um mich seelisch zu unterstützen. Ich holte abends meine Sachen aus der Klinik und fuhr mit meinem Freund nach Hause.

Am Donnerstag musste ich zu meiner Frauenärztin, denn die Ärztin im Krankenhaus faltete mich zusammen ich solle ja mein Antibiotikum wegen der Infektion weiter nehmen, nicht das da noch schlimmeres passiert. Also hin zu meiner Ärztin um mir ein Rezept zu holen. Sie rief im Krankenhaus an, da ich ja keinen Brief mit bekam. Sie kam wieder und meinte: „Die Ärztin meinte sie brauchen das Antibiotikum nicht weiter zu nehmen. Die Infektion hat sich in Ihrem Blutbild nicht bestätigt.“ Ich war pappe satt, hätte schon bei meinem Kind in der Klinik sein können und vergeudete hier meine Zeit. Fragte mich dann woher mein Kind ne Infektion haben soll, wenn sie nicht von mir ist?!

Am Nachmittag fuhr ich mit meiner Mutter in die Klinik. Der nächste Schock! Jetzt hatte er auch noch Gelbsucht bekommen.

Am nächsten Tag gings dann weiter. Die Flexüle in der Hand brachte die Hand zum anschwellen und wurde nun in den Kopf gesteckt. Jeden Tag was neues dachte ich.

Nunja es wurde langsam aber sicher besser mit ihm. Er wollte mehr essen als er kriegen sollte und brüllte die ganze Station zusammen wenn er es nicht bekam. Letzten Donnerstag bekamen wir ihn endlich mit nach Hause. Und am Wochenende brüllte er dann gleich direkt alles zusammen weil er Bauchweh hatte. Ich hoffe nur das es nicht die Dreimonatskoliken sind, aber wenn, dann kommen wir damit auch noch klar.

Shawn Oliver kam am 11.09.2006 um 23:10 Uhr
in der Unifrauenklinik in Magdeburg
mit 52 cm Länge
3090 gramm
und 34,5cm Kopfumfang zur Welt.
(In der Kinderklinik wurden dann allerdings nur 49cm und 33cm Kopfumfang gemessen.)

Beitrag von baby2008 27.09.06 - 16:56 Uhr

Hallo cliffi,

erstmal herzlichen Glückwunsch zu Eurem Sohn!
Ich wünsche Euch eine schöne Babyzeit mit Ihm!

Allerdings tut es mir sehr Leid mit was für Ärztrn und Hebammen du dich da rumschlagen musstest!
Es wundert mich doch immer wieder was es für unsensible Menschen gibt und die dann auch noch so einen Job ausführen!

Aber dir alles Liebe!

LG Arijane mit Eve+Nieke une einem Engel im Herzen

Beitrag von becca04 29.09.06 - 08:47 Uhr

Hallo Cliffi,

das ist natürlich ein ganz furchtbares Geburtserlebnis, das Du gehabt hast.

Ich wollte Dir nur kurz von einer Freundin erzählen, bei der es so ähnlich war wie bei ihr. Sie hat ihren Sohn völlig komplikationslos entbunden, es ging ihr vollkommen gut (es bestand also kein Verdacht auf eine Infektion - im Gegensatz zu dir). Dem Kind ging es direkt nach der Geburt auch ganz gut - doch eine Stunde später war plötzlich alles anders: Er bekam große Atemprobleme (wurde "blau") und musste sofort auf die Kinderintensivstation verlegt werden, wo er 1 Woche blieb und man wirklich um sein Leben gekämpft hat.

Bis heute weiß keiner, woran das lag. Man hat meine Freundin ganz genau auf Bakterien etc. untersucht, aber alles (Gebärmutter, Vagina) war absolut in Ordnung. Den Ärzten zufolge KANN er die Infektion nicht von ihr gehabt habe. Aber woher dann, das ist wirklich die Frage, auf die es bis heute keine Antwort gibt.

Das nur zum Trost - es kommt anscheinend häufiger vor und v.a. bei Jungs, hat mir zumindest eine Hebamme erzählt.

Ach ja, dem Sohn meiner Freundin geht es heute (er ist 1 Jahr und bald 4 Monate alt) blendend, es war wirklich nur diese Schock-Zeit nach der Geburt!

Ganz liebe Grüße und bald ein unbeschwertes Leben zu dritt,
Sabi.