Geld annehmen?

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Beitrag von lolli23 27.09.06 - 20:24 Uhr

Hi.

Folgendes: Mein Schwiegervater hat meinem Mann Geld angeboten. Eine anschauliche Summe. Und er hat schon für uns ein Grundstück in der Gegend gefunden mit einem (wenn auch alten, aber neu gemachten) Haus drauf.
Mit dem Geld sollen wir das Haus kaufen. Naja, einen Kredit müssten wir schon noch nehmen...
Jedenfalls weiß ich nicht so recht. Ich bin so erzogen, dass es mir schon widerstrebt meinen Nachbarn mal um ein Ei zu bitten wenn meine aus sind. Hoffe ihr versteht, was ich sagen will.

Außerdem sind wir gerade erst vor einem Jahr in eine größere Wohnung gezogen, wir haben damals gesagt das wir nicht Bauen wollen. Die Eltern meines Mannes haben schon immer verstanden ihn zu manipulieren (klar, sind ja auch seine Eltern #hicks ). Ja, mein Schwiegervater lockte meinen Mann jetzt auch mit der Vorstellung, dass es auf besagtem Grundstück alleine ein 90qm große Garage gibt #augen (mein Mann ist Autobastler).
Desweiteren argumentierte er, er wolle das Geld jetzt seinem Sohn geben, bevor er stirbt und Vater Staat dann seinen Teil nimmt...

Hört sich vielleicht für viele von euch traumhaft an. Mir ist aber nicht wohl bei der Sache. Mir drängt sich die ganze Zeit das Gefühl der Abhängigkeit und der ewigen Dankbarkeit bzw. Schuldigkeit auf. Kapiert ihr, was ich denke? #kratz
Nee, ich bin total durcheinander. Ich hab die Vorstellung, sobald wir das Angebot annehmen, haben sie irgendwie Macht über uns. Und das will ich nicht. Ich will nicht von irgend einem Menschen abhängig sein...
Und was ist, wenn wir uns in Zukunft nicht mehr verstehen? Ewige Vorhaltungen wie: "Wenn wir euch damals nicht das Geld gegeben hätten...", darauf will ich auch verzichten.

Ach, nein ich weiß echt nicht weiter. Ich als Hausherrin? Ich wollte eigentlich nie ein Haus besitzen. Klar, die Miete hier ist hoch. Aber wenn was kaputt ist oder das Haus einen neuen Anstrich braucht -der Vermieter macht es. Hausmeisterarbeiten? Macht der Hausmeister. Im einem Eigenheim bist du für alles selbst zuständig. Und wenn dir die Gegend, das Haus oder die Nachbarschaft nicht mehr gefällt? Hier in der Mietswohnung bin ich nach drei monatiger Kündigungsfrist draussen. #schein

Puh, das ist jetzt alles etwas wirr geschrieben. Und ich habe noch so viele Gedanken -werde wohl nicht gut schlafen.
Helft mir doch mal. Bringt mir Argumente, schreibt was ihr in dieser Situation tun würdet.
Ich brauche Denkanstöße...

LG lolli #schock

Beitrag von birkae 27.09.06 - 20:33 Uhr

Hallo,

verstehe ich es richtig, dass das Geld nur fliesst, wenn ihr das Haus auch kauft? Oder giebt er euch das Geld auch, wenn ihr es erst einmal in den nächsten 10 Jahren überlegen wollt? Denn der Staat holt sich seinen Anteil auf jeden Fall, also wenn der Schwiegervater wirklich dem Staat die Steuern nicht "zusteuern" will, sollte er das Geld ohne Bedingung geben und was dein Mann dann damit macht, ist ja wohl seine Entscheidung.

Ich selbst bin zu einem Mann gezogen, der ein Haus hat. Und ich muss dir sagen, sollte unsere Ehe auseinander gehen, werde ich nie wieder etwas eigenes wollen. Deine Argumente sind genau der Grund! Früher habe ich zur Miete gewohnt und konnte einfach die Miete zahlen und habe mich um nichts kümmern müssen.

Teste doch deinen Schwiegervater. Suche ein anderes Haus, (vielleicht viel weiter weg...) und sage, dass dir dieses Haus mehr liegt. Dann wirst du ja sehen, was passiert...

LG
Birgit

Beitrag von mariella70 27.09.06 - 22:23 Uhr

Hi Birgit,
ich bin damals auch zu meinem Partner ins Eigenheim gezogen, nachdem ich immer in einer Mietwohnung glücklich und zufrieden war. Da auch meine Eltern keine Haus besitzen, kannte ich das gar nicht, für mich war "eigenes Haus" totales Neuland. Eigentlich wollte ich das nie.
Hm, bei mir trat der gegenteilige Effekt ein: Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, wieder in einer Mietwohnung zu leben - es wäre mir zu eng, zu nah an Nachbarn. Ich mag es, nachts Musik aufzudrehen, zu Baden oder auch Staub zu saugen, wenn ich will. Es ist toll, wenn sich man aufwändige Wandgestaltung oder genau das Parkett, das man möchte, einfach leistet, weil es uns ja bleibt. Ein fest eingebautes deckenhohes Bibliotheksregal über eine ganze Wand hätte ich in einer Mietwohnung nie riskiert, aber ich habe immer davon geträumt. Wir sind allerdings beides typische "Bastler, Gärtner und Heimwerker", insofern macht uns die Arbeit, die ein Haus zweifellos mit sich bringt, nicht sooo viel aus.
Und dann noch die Sache mit der Altersvorsorge - da ist Wohneigentum einfach unschlagbar.
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von bezzi 28.09.06 - 09:57 Uhr

"Denn der Staat holt sich seinen Anteil auf jeden Fall, also wenn der Schwiegervater wirklich dem Staat die Steuern nicht "zusteuern" will, sollte er das Geld ohne Bedingung geben"

Das Gegenteil ist der Fall.
Wird das Geld zweckgebunden zum Kauf einer bestimmten Immobilie verschenkt, orientiert sich der Steuerfreibetrag von EUR 205.000,- am Ertragswert der Immobilie und kann sich im günstigsten Fall nahezu VERDOPPELN !

Vorsicht bei Aussagen zu Themen, bei denen man sich nicht auskennt !

Gruß

bezzi

Beitrag von birkae 28.09.06 - 10:10 Uhr

Sorry, ich bin davon ausgegangen, dass die Ursprungsposterin sich diesbezüglich auskennt. Hat sie doch geschrieben: "Desweiteren argumentierte er, er wolle das Geld jetzt seinem Sohn geben, bevor er stirbt und Vater Staat dann seinen Teil nimmt..."

Ich persönlich weiss nur, dass eine Schenkung nur dann steuerfrei bleibt, wenn der Schenker danach noch 10 Jahre lang lebt. So war es zumindest bei meinem Opa vor 5 Jahren. Oder hat sich da auch etwas geändert?

LG
Birgit

Beitrag von bezzi 28.09.06 - 12:58 Uhr

den Freibetrag hat mal alle 10 Jahre neu.

Bekommt ein Kind vom Vater EUR 205.000,- geschenkt, bleibt
das steuerfrei.
Lebt der Vater dann nur noch 5 Jahre und vererbt weiteres Vermögen, so muss das Kind DAFÜR (nicht für die ersten EUR 205.000) Steuern zahlen.
Lebt der Vater noch 10 Jahre oder länger, kann das Kind wiederum EUR 205.000,- steuerfrei erben oder geschenkt bekommen.

Beitrag von tinalein123 28.09.06 - 09:11 Uhr

Zitat:
"Hört sich vielleicht für viele von euch traumhaft an. Mir ist aber nicht wohl bei der Sache. Mir drängt sich die ganze Zeit das Gefühl der Abhängigkeit und der ewigen Dankbarkeit bzw. Schuldigkeit auf. Kapiert ihr, was ich denke?
Nee, ich bin total durcheinander. Ich hab die Vorstellung, sobald wir das Angebot annehmen, haben sie irgendwie Macht über uns. Und das will ich nicht. Ich will nicht von irgend einem Menschen abhängig sein...
Und was ist, wenn wir uns in Zukunft nicht mehr verstehen? Ewige Vorhaltungen wie: "Wenn wir euch damals nicht das Geld gegeben hätten...", darauf will ich auch verzichten."
Zitatende
********

Ich versteh schon was Du meinst.

Wir haben im Rahmen der vorgezogenen Erbfolge vor 11 Jahren den Hof meiner Schwiegereltern übernommen. Gut, in der Landwirtschaft ist das so üblich und alles auch etwas anders als bei "normalen" Familien ;-)

ABER: - und jetzt kommen die Parallelen - die zwischenmenschlichen Konflikte sind überall gleich.

Wenn wir was machen und sei es nur einen Baum zu fällen, der uns auf dem Hof im Weg steht... es heißt sofort:"Das kannst Du doch nicht machen, den habe ich gepflanzt... Du reißt alles ein, was ich aufgebaut habe..."

Mit der Zeit bekommt man ein dickes Fell dafür, aber trotzdem, ein schales Gefühl läßt sich nicht vermeiden. Von daher kann ich Deine Gefühle und Bedenken sehr gut verstehen.

Ich an Deiner Stelle würde das Geld nicht nehmen, wenn es so zweckgebunden ausgegeben werden soll. Das wird mit Sicherheit Knatsch geben.

Beitrag von zoltan76 28.09.06 - 11:10 Uhr

Hallo Lolli!

Ich kann Dir keinen Tipp geben, ob Ihr das Geld nehmen sollt oder nicht, da ich nicht weiss, was für ein Verhältniss ihr zu Deinen Schwigis habt.

Aber ich kann Dir mal schreiben, was meine Ma immer sagt, wenn sie uns ein paar Euros zuschustert, obwohl ich das nicht will.

"Ich möchte Euch das Geld jetzt geben, weil ich dann sehe, dass ihr Euch darüber freut. Wenn ich mal unter der Erde bin, habe ich da nichts mehr von!"

Klar, es geht nicht um solche Summen wie bei Euch wahrscheinlich. Aber bei meiner Mutter weiss ich dass ich nie Vorhaltungen hören würde. Wir suchen momentan ein Haus und wenn meine Ma könnte, wie sie wollte, würde sie da auch mehr zuschustern, aber es geht eben nicht und das was sie gibt, ist für sie schon eine Menge Geld.
Ich verstehe aber sowohl meine Mutter als auch Dich.
Meine Mutter freut sich einfach riesig, wenn ich ihr dann am Telefon erzähle (wir wohnen 500 km auseinander) das wir mit dem Geld "das und das" gemacht haben und sie merkt, wie sehr wir uns freuen.
Auf der anderen Seite hätte ich bei einem nicht so guten Verhältniss wahrscheinlich auch immer das Gefühl "in der Schuldigkeit" zu stehen.

Zwickmühle #schmoll

Ich drücke Dir die Daumen, dass ihr die für Euch richtige Entscheidung findet.

Liebe Grüße

Angy