Sollte eine Geburt nicht etwas Schoenes sein???

Archiv des urbia-Forums Geburtsberichte.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von floeckchen 27.09.06 - 23:31 Uhr


Hallo Ihr Lieben,

mein Anton ist nun 8 Wochen alt und zuckersuess (wie jedes Baby). Wir leben in Spanien und hier ist er auch zur Welt gekommen. Nach einer unkomplizierten Schwangerschaft war ich "ueberfaellig" und die Geburt sollte am 25. Juli eingeleitet werden. Nachts hat sich Klein-Anton dann doch ncoh von selber auf den Weg gemacht - kam aber leider nicht weit...

WER HAT AEHNLICHES ERLEBT???

In der Nacht von Montag, 24.Juli auf Dienstag, 25. Juli bin ich an sich ganz gut und zufrieden eingeschlafen, denn ich wusste ja, dass es am naechsten Tag geplant losgehen sollte. Im Schlaf habe ich im Unterbewusstsein gemerkt, dass ich Wehen habe – aber das war die vergangenen 2 Wochen genauso. Gegen 2:45 bin ich wach geworden durch die Wehen. Ich hatte dann noch ein oder zwei Wehen, die ich waehrend des wachwerdens staerker registriert habe, und dann war mir, als wuerde mein Koerper einen Schalter betaetigen (wie das Betaetigen eines Lichtschalters) und danach kamen die Wehen sofort mit einer imensen Wucht. Ich bin noch etwas liegengeblieben und habe auf die Uhr geschaut – bereits alle 5 Minuten. Mein Gott dachte ich, das geht aber schnell. Michael ist durch mein Wegatmen der Wehen (es war zumindest ein Versuch wert) wach geworden und wir beschlossen dann, uns auf den Weg zu machen. So, so dachte ich, da macht sich der Kleine doch noch von alleine auf den Weg...Ich bin nochmal in die Dusche gegangen und als ich mich dann abtrocknete und fertig machte (ein bisschen geschminkt habe ich mich auch noch, man will ja schoen sein im Kreisssaal!!!) da haben mich die Wehen mit einer Wucht ueberrollt, das haette ich nie fuer moeglich gehalten. Ich konnte mich nur noch muehsam aufrecht halten und habe versucht zu atmen was das Zeug haelt – aber im Ernst, es war so schmerzhaft, dass ich glaube ich ganz falsch geatmet habe – es hat mir schier die Sinne geraubt. Und nun kamen die Wehen bereits alle 3 Minuten...wir mussten uns beeilen. Gegen kurz nach 4 waren wir dann in der Klinik und sind nach der Anmeldung auch gleich in den Kreisssaal runtergefahren. Und die Wehen kamen und kamen und ich hatte nicht mehr das Gefuehl, dass sie mir zwischendurch viel Zeit zum erholen lassen. In den „ Sala de Parto“ ( Kreissaal) bin ich erst einmal alleine gegangen, Michael musste draussen warten. Man gab mir ein OP-Hemd dass ich im Bad anzog, dann war ich nochmal auf Toilette und da lief das Blut schon. Dann stellte sich die Hebamme vor, ihr Name war „Luz“ und setzte mich auf das Bett. In diesem Moment habe ich schon nach der PDA gefragt – in dem Moment war mir meine natuerliche Geburt so ziemlich egal. Nun ja, erst aber mussten mich die Hebammen untersuchen bzw der Aerztin Bescheid geben. Und ich konnte es kaum noch aushalten. Die Hebammen meinten, das der Muttermund bereits 7 cm geoeffnet sei und staunten – ich habe es also zu Hause recht lange ausgehalten, bzw, die Wehen kamen ja nicht langsam sondern ploetzlich und sehr heftig. Dann kam die Anaestesieaerztin und sagte mir, wie ich mich auf das Bett zu setzen habe – naemlich im Schneidersitz. Die Hebamme hielt mir vorne den Kopf runter und ich sollte mich nicht mehr bewegen – was schier ein Ding der Unmoeglichkeit ist wenn man alle 2 Minuten Wehen hat. Immer wenn eine Wehe kam, habe ich Ihnen das auch gesagt und dann haben sie gewartet. Endlich bekam ich den erloesenden „Dolchstoss“ in den Ruecken – es war unangenehm, weil die Nadel anscheinend recht lang war und sehr langsam eingefuehrt wurde. Anschliessend legte ich mich aufs Bett und es verging noch ein bisschen Zeit, bis die Betaeubung wirkte. Als sie wirkte war es an sich gar nicht so komisch wie ich mir das dachte – es war als wenn die Beine und der Unterkoerper eingeschlafen waeren. Aber die Beine hin und her und hoch und runter von diesen Beinstuetzen zu bewegen, dass konnte ich nicht mehr koordinieren, da haben die Hebammen geholfen. Von nun an war ich sehr viel entspannter, merkte ich doch die Wehen garnicht mehr. Die Hebamme tastete immer nur auf dem Bauch und sagte mir, wenn eine Wehe kam. Nach dem Setzten der PDA kam auch Michael in den Kreisssaal (den ich im uebrigen schlimmer in Erinnerung hatte). Nun ging das Warten los. Ich lag da und Michael sass neben mir. Die Hebammen meinten, dass das ja wohl eine schnelle Geburt werden wuerde und ich freute mich riesig darueber – es sollte aber alles noch anders kommen. Die Hebammen und Aerzte kamen staendig und untersuchten mich und dann meinten sie, ich sollte doch mal versuchen zu pressen. Gesagt getan, war ja alles nicht mehr schmerzhaft. Aber nach diesem ersten Pressen meinten sie, wir muessten noch ein bisschen abwarten. Und so verging die Zeit – und irgendwie ging es nicht voran. Irgendwann informierten uns die Hebammen, dass es nicht voran geht so wie es sollte und dass sich der Arzt das mal anschauen sollte. Also kam ein Arzt von ca 120 kg Gewicht und mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck (aber er war nicht unfreundlich, glaube er war nur konzentriert). Er kam mit zwei anderen – wahrscheinlich Assistenzaerzten und auf einmal war der Kreisssaal mit 6 Hebammen und Aerzten voll. Na da konnte einem schon Angst werden – ich dachte es ist sonst was los. Der Arzt also untersuchte mich und hoerte garnicht mehr auf damit. Irgendwann hat es mir dann wehgetan und mir wurde die PDA nachgespritzt. Was machte er? Er versuchte das Koepfchen von Puenktchen-Mops zu drehen. Man sagte uns dass der Kopf fuer meine Verhaeltnisse sehr gross waere und dass er irgendwie schief liegen wuerde. Dass heisst immer wenn ich presse, rutscht er wieder ein Stueck zurueck. Und da auch alle Assistenzaerzte ueben muessen, duerfte jeder mal ran um ein bisschen zu drehen. Das hoert sich jetzt sehr unangenehm an, ich glaube Michael empfand das auch als sehr unangenehm, dass jeder mal „reinfassen durfte“, aber mir war es recht egal. Es ist wirklich so, man verliert jegliches Schamgefuehl in so einer Situation. Dann sollte ich pressen und nicht nur die Hebamme, sondern auch der 120 Kg Arzt stuetzten sich mit ganzem Gewicht auf meinen Oberbauch, um mein Pressen durch ihr „Ausstreichen“ zu unterstuetzten. Ich dachte jedesmal mein Torso bricht in der Mitte auseinander...Mein Gott, meine Rippen fuehlten sich blau und gruen an. Michael hat immer maechtig mitgepresst und mir den Kopf gehalten. Nach bestimmt einer Stunde staendigen erfolglosen Dreh-, und Pressversuchen meinte der Arzt, dass er es in einer halben Stunde noch ein letztes Mal probiert und wenn sich bis dahin nichts getan hat, sprich der Kopf noch immer schief liegt, dann muessten sie einen Kaiserschnitt machen. Ja, damit habe ich ja nun ueberhaubt nicht gerechnet. Ich wollte es erst nicht warhaben, obwohl ich es verstanden hatte was der Arzt zu Michael sagt. Und Michael uebersetzte mir auch nicht gleich – ich glaube, auch wenn er es versuchte positiv darzustellen, war ihm das auch ein bisschen komisch. Nun gut, auch der letzte Versuch scheiterte und der Arzt sagte, dass er mich operieren muesste – da liefen dann die Traenen und alle Hebammen und sonstigen Assistenzaerzte schauten mich ganz mitleidig an. Nun musste Michael wieder aus dem Kreisssaal raus und durfte auch nicht beim Kaiserschnitt dabei sein, was ich sehr schade fand. Mir wurde also noch einmal ein bisschen PDA nachgespritzt und ab ging es in den OP. In der Zeit rief Michael meine Mutti an um ihr zu sagen, dass es nun doch ganz anders laufen wird als wir uns das vorgestellt haben. Mein Gott – ich dachte nie im Traum daran, dass ich mal eine Entbindung per Kaiserschnitt haben wuerde – ich habe mich immer vehement dagegen gewehrt und habe alle bedauert, die in meiner Baby-Serie nicht normal entbinden konnten. Naja, dann lag ich auf dem OP Tisch, man verkabelte mich, deckte alles ab, ich bekam ein Tuch vor die Nase damit ich nichts sehen konnte, man piekte mich ein paar mal ob ich was spueren wuerde und los ging es. Gemerkt habe ich wirklich nichts, es hat nur manchmal etwas gerueckelt und so gegen Schluss hat sich unser 120 Kg Arzt wieder halb auf mich drauf gelegt – weiss nicht warum, vielleicht hatte sich Puenktchen-Mops „verhakt“ (ich glaube da haben sie die Nachgeburt rausgeholt). Irgendwann dachte ich dann, dass sie ihn jetzt bestimmt schon rausgeholt haben...gehoert hat man nichts...war eben nur so ein Gefuehl. Aber kurze Zeit spaeter hoerte ich ein klaegliches Schreine, eher wie ein Meckern oder so...hat sich auf jeden Fall sehr gequaelt angehoert und war das Ganze Gegenteil eines kraeftigen Schreis. Da liefen dann meine Traenen und die Schwester die an meinem Kof sass hat mir ueber die Wange gestreichelt und mir gratuliert. Ich habe dann auch kopfueber mal an die Uhr geschaut wie spaet es war, aber anscheinend hatte ich mich verguckt. Ich dachte erst es waere 11:13 oder so, aber die Aerzte sagten spaeter, dass er 10:00 Uhr geboren ist. Waehrend des Kaiserschnitts haben mich die Aerzte auch gefragt wie wir ihn denn nennen und waren erstaunt, dass wir noch keinen Namen festgelgt hatten. Wir wollten eben auf das Gesicht warten. Also alle waren sehr sehr nett zu mir, dass muss man echt sagen. Man zeigte mir den Kleinen dann ganz kurz und ich konnte nur das Naeschen und den Mund sehen, er war in blauen OP Tuechrn eingehuellt und gab ihm einen Kuss auf die Hand. Dann versorgten sie ihn weiter und zogen ihn an. In dieser Zeit wurde mir schlecht und ich rief nur noch „Nauseas“ was Uebelkeit heisst. Die Schwester legte eine Unterlage links neben meinen Kopf und drehte meinen Kopf dass alles rauslaufen koennte falls denn was kommen sollte. Gluecklicherweise war ich ja seit Montagabend nuechtern und der Magen war leer. Es kam also nichts, aber gewuergt habe ich wie eine Wilde und das war der Horror – denn beim Uebergeben und Wuergen spannt man ja automatisch die Bauchmuskulatur an und die wurde in meinem Falle aber gerade zusammengeflickt. Die Schwester befahl mir immer mit ihr zusammen tief durchzuatmen was garnicht so einfach war. In diesem Moment kam auch Dr. Serra in den OP, strich mir ueber die Wange und fragte mich wie es mir ginge. Ich war ja richtig ein bisschen weggetreten und habe nur irgendwas gemurmelt. Dann ging es wieder einen Moment besser und 5 Minuten spaeter ging es wieder los....In dem Moment kam die Kinderaerztin und zeigte mir nochmal Puenktchen-Mops, der bereits eine Krankenhaus-Muetze trug. Mir war so elend, dass ich sie nur wegschob und garnicht den Kleinen sehen wollte bzw konnte. Das Zusammenflicken dauerte sehr lange und endlich war ich fertig und bin fuer eine Stunde in einen Ueberwachungsraum gefahren worden. Ich hatte hoellische Schmerzen – es waren wie satrke Seitenstiche, dies aber im gesamten Bauchbereich. Derweilen hat man Michael Puenktchen-Mops in den Arm gelegt so dass wenigstens die beiden Maenner sich schon einmal miteinander bekannt machen konnten. Waehrend ich im Aufwachraum lag, hat Michael den Hebammen die Anziehsachen gebracht und ist dann wohl mit Puenktchen-Mops schon auf das Zimmer gegangen. Spaeter sgate mir Michael, dass der Kleine doch ganz schoene Startschierigkeiten hatte (habe gelesen dass das viele Kinder haben die per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden). Auf jeden Fall hat er wohl nicht gleich geatmet und musste Sauerstoff bekommen. Der Apgar-Test der ersten 2, 3 Minuten ergab wohl nur eine Punktzahl von 5 (von 10 erreichbaren Punkten). Aber als man ihm Sauerstoff gab, erreichte er sofort 10 Punkte – ein Glueck. Ich muss sagen, dass das gesamte Team des Kreissaales super nett war, alle waren wirklich sehr zuforkommend und richtggehend lieb. Auch im Ueberwachungsraum waren alle sehr nett. Ein Arzt stellte sich vor (Alex hiess er), er sprach so langsam und deutlich mit mir wie mit einer Geisetskranken – ich glaube das hat er so gemacht, da ich doch ein bisschen neben mir stand. Vielleicht hat er auch meine schlechten Spanischkenntnisse bemerkt. Nun ja, dann fuhr man mich ins Zimmer wo bereits Michael und Puenktchen-Mops warteten. PM lag in so einem Plastekarren auf der Seite, mit einem Muetzchen und schlief. Michael zeigte mir ganz stolz den Kleinen. Ich muss jedoch ehrlicherweise sagen, dass ich schon geschaut habe, aber eher mit meinen Schmerzen zu tun hatte und nicht allzu grosses Interesse gezeigt habe. Spaeter habe ich den Kleinen dann auch mal kurz im Arm gehabt, aber ich war zu schwach, ihn laenger zu halten. Ja und dann kam die Namensfrage – schliesslich mussten wir das Namensschild an seinem Bettchen ausfuellen. ..

Ja, jetzt 8 Wochen spaeter geht es mir wieder gut und Anton ist unser Sonnenschein - aber 5 Wochen habe ich trotzdem gebraucht, um mich von der OP sowohl physisch als auch psychisch zu erholen.

Ich hoffe Ihr habt alle schoenere Geburten erlebt!

Liebe Gruesse

Floeckchen mit Anton

Beitrag von steffi82 28.09.06 - 03:52 Uhr

Hi Flöckchen!

erstmal Herzlichen G. zu deinem Anton!

ich kenne das auch! bei meinem ersten Sohn habe ich insgesammt fast 64 Stunden gebraucht, Wehenmittel, dann Wehenhemmer, dann Wehenmittel usw...

Ich konnte nicht mehr weil das Monster nicht weiterwollte und dann kam dieses wort: KAISERSCHNITT!!!!!

ich dachte das kann nicht wahr sein, ich bin noch nicht mal in der Lage ein Kind zu gebären! naja, nach fast 64 Stunden haben sie meinen Süßen ( heute 5 Jahre alt) rasugeholt und ich habe auch 4 Wochen gebraucht um seelisch damit fertig zu werden ( physisch ging es ja).

Aber mache dir nicht so viele Gedanken, manchmal geht es nun mal nicht anders, mittlerweile habe ich auch eine kleine Tochter ( fast 2) die "ganz normal" zur Welt kam, es heisst also nicht dass du wieder einen Ks hast falls du noch ein Kind bekommen solltest! freue dich dass dein Sonnenschein da ist und genieße die Zeit mit ihm, glaube mir!!

Alles gute für euch wüscht Steffi

Beitrag von fraz 30.09.06 - 17:21 Uhr

Hallo!

Bitte nimm es mir nicht übel, wenn ich dir hier folgendes schreibe:

Ich hatte auch eine sehr traumatisierende erste Geburt und wollte bei der zweiten unbedingt eine PDA.
Als der Arzt mich untersuchte, war der MUMU schon 7 cm offen, wie bei dir. Mein Arzt meinte, die Geburt mit den kräftigen Wehen gehe so gut voran, da gebe er keine PDA (mehr), da die Gefahr, dass es zu einem Geburtsstillstand kommt, sehr gross wäre.
Ich hätte ihn natürlich am liebsten gelyncht, aber eine Stunde später war der MUMU tatsächlich schon 10cm offen und eine weitere Viertelstunde, und mein Kleiner war da.

Im Nachhinein bin ich so froh, dass es so gelaufen ist.

Trotzdem: Es kann nur noch besser werden bei der zweiten Geburt! Und schlussendlich: Hauptsache ist, dass dein Kleines gesund ist#freu

Alles Gute

Franziska