Jähzorn, 12jähriger

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von nickikole 28.09.06 - 09:02 Uhr

Ich hoff, ich kann das ganze etwas zusammenfassen und die Situation knapp schildern:

Unser Grosser, knapp 12 Jahre alt, ist ein intelligentes, temeperamentvolles Kind.
Bis hierhin okay - mit temperamentvoll allein könnten wir gut leben.

Nun ist es so, dass er sich zunehmend immer weniger "im Griff" hat, auf Regeln, Ermahnungen oder Kritik nahezu jähzornig reagiert.
Zuhause zeigt sich das so, dass er beispielsweise kleinste Dinge ständig diskutieren muss - seien es nun zu erledigende Hausaufgaben, oder nur der kleine Hinweis auf "Geh doch bitte noch duschen". Beispiele gäbe es viele.

Tat ich das Ganze bis jetzt noch als ein blosses "Grenzen austesten" ab, gab nicht zuletzt ein Gespräch mit seinen Fachlehrern den Ausschlag, mich wirklich zu sorgen.

Seine Frustrationsgrenze ist sehr niedrig, er lässt sich sehr schnell provozieren, was den Schulalltag wohl schon sehr stört. Er ist nicht unbedingt jemand, der Streit anzettelt, er ist einfach sehr leicht "mitzuziehen" - er sucht quasi die Nähe von Kindern, die ebenso wie er eine grosse Klappe haben, stören und rumhampeln.
Er ist ein guter Schüler, sein soziales Verhalten wirkt sich also glücklicherweise nicht auf seine Leistungen aus, dennoch sprechen die Lehrer von sehr auffälligem Verhalten.
Es fällt ihm schwer, sich zu sammeln, seine Aufmerksamkeit dem Unterricht zuzuwenden, erst nach mehrmaligen Ermahnungen klappt das.

Ich merke ja selber, wie schwierig es ist, an ihn heranzukommen.
Gespräche mit mir umgeht er so gut er kann, auf Nachfrage antwortet er mit "Nö nö, alles in Ordnung".

Ich weiss nicht, ob verständlich ist, was ich beschreibe.
Er ist nicht ständig unaufmerksam, frech. Ich selber würde ihn sogar als sensibel einstufen, da er sehr feine Antennen dafür hat, wenn es anderen nicht gut geht, er hasst Ungerechtigkeiten, und trotz seines rumhampelns im Unterricht ist er hilfsbereit, ist zur Seite, wenn andere Probleme mit Aufgaben haben.
Deswegen habe ich so Probleme, einzuordnen, was sich in ihm abspielt, warum er es nicht schafft, Provokationen aus dem Weg zu gehen, warum er ständig bei jeder Kleinigkeit so in die Luft geht.
Teilweise geht es so weit, dass er vor lauter Ärger Dinge durch die Gegend wirft, auch sich selber mal an den Kopf haut.
Ich würde nicht so weit gehen, von selbstverletzendem Verhalten zu sprechen, und doch.....

Ersatunlich ist, dass er nach einiger Zeit schon einsichtig ist, und auch versteht, warum es beispielsweise wichtig ist, nun wirklich alle Hausaufgaben zu erledigen ( was meistens wirklich unschön ist, er schimpft und flucht, hat keine Lust dazu, ist unorganisiert, packt seine Schultasche nur halbherzig, usw. )
Wie gesagt - nachher versteht er, in der Situation selbst ist kein vernünftiges Herankommen an ihn.

Er ist ein Kind, dem ich viel zutraue, und frage mich ab und an, ob er schlicht und einfach unterfordert ist. Oder nicht genug Anerkennung bekommt - ich gestehe, dass ich leicht dabei bin, ihn zu kritisieren, weil ich schon erwarte, dass er zumindest seine Pflicht in Sachen Schule erfüllt.

Nun möchte er wahnsinnig gern Taekwondo machen, und ich habe Hoffnung, dass er dort genug Raum zum "Austoben" bekommt, um seinen Jähzorn und sein Temperament dort austoben zu können - ein Allheilmittel erhoffe ich mir davon aber besser nicht.

Wie ist es einzuschätzen ? Wie ist mit Jähzorn umzugehen ? Oder ist es schlicht und einfach eine pubertäre Begeleiterscheinung ?
Braucht er nun besonders viel Zuwendung oder einfach eine klar strukturierte Umgebung mit festen Regeln ? Ich denke, dass wir ihm die schon bieten - genau das ärgert ihn ja :)

Übrigens ist er selber sehr unglücklich damit, dass er so schnell "ausrastet" .......

Kluge Ideen nehme ich gerne an.
Danke schon einmal.

Beitrag von spaceball6666 28.09.06 - 09:15 Uhr

Ich hab eine Tochter in dem Alter und weisst Du was:

Pubertät ist wenn die Eltern schwierig werden!

Das ist das Einzige das dazu passt. Cool sein , abwarten und konsequent. Das ist das Einzige das uns in den nächsten Jahren hilft!

Beitrag von manavgat 28.09.06 - 09:36 Uhr

Ferndiagnosen sind immer schlecht.

Mein Rat: mach einen Termin mit der Schulpsychologin. Dort werden verschiedene Tests gemacht und mit Deinem Sohn gesprochen. Dann siehst Du weiter.

Das kann alles mögliche sein:

Pubertät

Depressionen (kommen oft maskiert als Aggressionen)

Allergie (das ist vielen Leuten nicht bekannt)

Hochbegabung

ADS

usw.

Frag jemanden der etwas davon versteht.

Gruß und alles Gute

Manavgat