Wie "verarbeitet" man Probleme????

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von hm 28.09.06 - 22:47 Uhr

Hallo Ihr,

hab da mal ne Frage, wie´s schon im Betreff steht.

Immer wieder höre ich den Satz "du hast das und das nicht verarbeitet"....................

Aber wie zum Geier verarbeitet man Probleme?

Was heißt Probleme..... naja, halt einfach negatives Erlebnisse oder so.

Z. B. meine letzte Beziehung....... (schon lange her) ..... der Mann hat´s echt geschafft, dass ich mich als der letzte Dreck fühlte.......... da hab ich ohne Scheiß heute manchmal noch dran zu knappern.

Gut, die Sache habe ich im Griff, hab das ganze einfach aus meinem Leben verdrängt, jetzt geht´s mir ja eigentlich echt gut.

Aber wenn jemand total gemein zu mir war und echt was blödes gesagt oder gemacht hat, da kann ich mich wochenlang...... ach wochenlang....... monatelang darüber aufregen!

Mein Mann sagt immer, du mußt doch irgendwann damit fertig werden und das "verarbeitet" haben...... ja aber wie?????

Ich verarbeite nicht, in dem ich nachts aufwache und mich dermaßen über Dinge ärgere, dass ich nicht mehr einschlafen kann.

Mit dem Betreffenden darüber reden und ihm/ihr sagen was ich von der Aktion o. ä. halte kann ich nicht, da fehlt mir der Mumm!! So bin ich halt!

Also, wie werde ich dann mit einem Problem fertig, so dass ich sagen kann...... mir doch wurscht, is rum um´s Eck, verletzt mich nicht mehr oder tut mir nicht mehr weh??

Wie macht ihr das?

Ich weiß, ist ein bisschen blöd die Frage, aber mich würde einfach mal interessieren was es für euch heißt ein Problem zu "verarbeiten"???

Falls jemande antwortet.... Danke schon mal

Grüße

Beitrag von nich blöd die frage... 28.09.06 - 23:45 Uhr

diese frage ist nicht blöd...auch wenn ich dir nicht helfen kann...aber mir gehts genauso.

ich hab grad ein mega problem, wie ich das verkraften/verarbeiten soll weiss ich nicht, seit 10monaten zieht sich das hin und wird nicht besser.

lg

Beitrag von samy_71 29.09.06 - 00:18 Uhr

Mhhhmmmmmmm#kratz. Gute Frage.

Das mit dem Nachts aufwachen und wegen irgendwas nicht mehr schlafen können, kenne ich nur zu gut! Viel zu gut. Manchmal ist es was ganz blödes, was mal vor Jahren passiert ist und man kann einfach nicht mehr schlafen, weil man sich so aufregt. Als z. B. vor 5 Jahren meine Mutter gestorben ist, fiel mir Wochen später plötzlich ein, daß sie mir als Kind mal was ganz tolles ins Poesiealbum geschrieben hatte. Ich suchte überall, bis ich zu dem Schluß gekommen bin, daß es mir wohl damals jemand nie wieder zurückgegeben hat. Nachträglich habe ich mich fürchterlich drüber augeregt und bin deswegen ständig grübelnd wachgelegen.#augen
Bei mir kommt das auch immer phasenweise. Manchmal "passiert" wochenlang nix, dann wacht man aus einem Traum auf oder so und zack#wolke, irgendein doofer Gedanke raubt dir den Schlaf.
Bei mir ist es z. B. seit Jahren meine ungewollte Kinderlosigkeit. Ich wach nachts auf, denke mir "Mein Gott, du bist 35, hast nicht wirklich viel erreicht im Leben, hast immer noch kein Kind, usw.#augen" Dann ist mind. 2 Stunden nix mehr mit Schlafen#gaehn. Aber wie soll man so eine Situation bitte "verarbeiten"? Ist ja brandaktuell und allgegenwärtig. Manchmal schaffe ich es, es eine Weile zu verdrängen, bis es mich wieder plötzlich überfällt.#augen
Ich weiß auch nicht so recht, was ich dir raten soll (und ob ich dich überhaupt richtig verstanden habe#kratz), bin aber echt gespannt auf andere Antworten.

Beitrag von 01wba056 29.09.06 - 00:52 Uhr

Ich finde, am besten verarbeitet man es, indem man den Ärger dort rauslässt, wo er hingehört: Nämlich beim Verursacher.

Man muss ja nicht unhöflich sein und gleich einen Streit anfangen. Es reicht schon, wenn man zB sagt ' Die Meldung war jetzt aber nicht notwendig!' Und nachher hat man ein gutes Gefühl, weil man darauf reagiert hat und es nicht einfach so hingenommen hat!

Wenn es keine blöde Meldung war sondern ernsthafte Kritik, dann kann man ja wirklich mal darüber nachdenken, ob das so ist und ob die Kritik berechtigt ist und versuchen nicht sofort beleidigt zu sein. Denn die Rückmeldung des Umfeldes ist meiner Meinung nach immer wichtig. Die positive Bestätigung als Streicheleinheit fürs Ego und die negative Kritik als Chance, etwas in Zukunft zu verbessern!

Und dann unterscheide ich immer zw. nahestehende Personen und andere. Wenn mich jemand beleidigt, der mich eigentlich gar nicht sooo genau kennt, dann denk ich mir: 'Was weiss der schon' und 'Ist mir eh wurscht, was der glaubt, wenn er meint....'. Ausserdem kann ich dann schon auch nachtragend sein und diese Person auf meine persönliche schwarze Liste setzten. Und daß sie auf dieser Liste ist, bekommt sie im Laufe der Zeit bestimmt zu spüren. Das kann ich schon auch ganz gut: Ignorieren, Ausgrenzen, lächeln, und wenn mich die Person anschaut plötzlich ernst schauen, dann kalt grüßen....

Wirklich kränken tu ich mich aber eigentlich nur, wenn etwas von Menschen kommt, die mir wichtig sind und dann gelobe ich entweder Besserung oder diskutiere das aus.

Hoffe, ich konnte Dir Anregungen geben!

lg
Mia

Beitrag von kleinaberfein 29.09.06 - 07:47 Uhr

Hallo,

also wenn man das rein psychologisch betrachtet verarbeitet man Probleme mit folgenden Schritten:

1. Erkennen, dass man ein Problem hat.
2. Analysieren woher das Problem kommt und welche Auswirkungen hat dieses auf mein Leben, Verhalten und Handeln.
3. Lösungsstrategien suchen, um das Problem zu bewältigen.
4. Lösungsstrategien anwenden.

Die meisten Leute scheitern daran, dass sie auf Lösungsstrategien kommen. Zudem passiert es, dass man erst Mal viele Probleme anhäuft und dann vor einem Berg steht, der einen erdrückt und man nicht weiß wie man kausal die Dinge ordnet, um sie nacheinander abzuarbeiten.

Es gibt die Sorte von Menschen, die das alleine schaffen und die, die dafür externe Hilfe brauche, um die Probleme sortiert zu bekommen. Meistens benötigt man dann auch eine Lenkung/Steuerung bei der Suche nach Bewältigungsstrategien.

Externe Hilfen können sein: Ratgeber, Freunde, Bekannte und zu aller Letzt fachliche Hilfe (Therapie).

Beitrag von katzeleonie 29.09.06 - 10:34 Uhr

Immer wieder reden,reden,reden, so verarbeitet man das was einem zu schaffen macht.

lg
leonie

Beitrag von hm 29.09.06 - 10:50 Uhr

Hallot Leute,

danke für eure Antworten.

>>Ich finde, am besten verarbeitet man es, indem man den Ärger dort rauslässt, wo er hingehört: Nämlich beim Verursacher.>>

Dieser Satz ist glaube ich wirklich wahr und die einzige Möglichkeit irgendwas abzuhaken.

Nur damit hab ich halt so meine Probleme. Und dann ärgere ich mich so über mich selber....... weil die anderen lassen immer alles raus und ich fress es in mich rein und ärgere mich schwarz dabei............. Naja...... das erstaunliche ist, dass ich in meinem Leben schon immer auf solche Menschen gestoßen bin.................. soll anscheinend ein Lernprozess für mich sein.... bis jetzt bin ich aber noch nicht weit gekommen :-(

Danke euch allen

Lg

Beitrag von 01wba056 29.09.06 - 11:47 Uhr

Wahrscheinlich merken die Leute, daß man das mit Dir machen kann und haben daher weniger Hemmungen ihren eigenen Frust bei Dir abzuladen!

Schau mal, ob es in Deiner Nähe Persönlichkeitsbildende Seminare gibt mit diesem Thema. Dort kannst Du mal ohne Agst haben zu müssen, beginnen zu trainieren etwas dagegenzusetzten. Du glaubst gar nicht wie schnell Dein Gegenüber einen Rückzieher macht, wenn er merkt, er ist bei Dir an der falschen Adresse. Denn oft sind es selbst eher schwache Menschen die die Schwäche anderer ausnutzen um sich besser zu fühlen!

lg
Mia

Beitrag von neinsagen 30.09.06 - 00:40 Uhr

Wenn man nicht lernt, für sich einzustehen, "nein" zu sagen oder "ich sehe das anders", dann nagt es immer mehr in dir und du kannst nicht verarbeiten, sondern höchstens verdrängen.

Das ist sehr schwer, ich weiß. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, meine Meinung zu äußern und meinem Gegenüber Grenzen aufzuzeigen, da eine Überschreitung meiner Grenzen mich verletzt. Genauso achte ich die Grenzen meines Gegenübers.

Leider gibt es viele Menschen, die sich darauf "spezialisiert" haben, sich diejenigen rauszupicken, von denen sie wissen, dass sie dort kein Kontra zu erwarten haben. Sie fühlen sich von vornherein obenauf und du trägst dazu bei, dass du diese Menschen sich größer fühlen lässt, als sie sind. Sie werten sich quasi an dir auf. Lass es nicht mehr zu!

Fang im Kleinen an; sag bei kleinen, nicht so wichtigen Dingen "das seh ich anders" oder "das finde ich nicht" oder einfach nur "nein". Je häufiger du das machst, umso mehr Respekt hat dein Umfeld vor dir. Du wirst merken, dass diejenigen, die dich früher mit Bemerkungen verletzt haben, dich mehr achten und vorsichtiger sind mit dem, was sie sagen.

Am Anfang ist es schwer, aber dann fühlt man sich besser und besser. Und irgendwann fällt es einem überhaupt nicht mehr schwer, dagegen zu halten.

Viel Glück!

Beitrag von sternenseherin 29.09.06 - 14:45 Uhr

Hallo, ich denke, jeder Mensch hat so seine eigene Art und Weise Probleme aufzuarbeiten. Was für den Einen ein Weltuntergang ist, ist für den Anderen eine Bagatelle.
Ich hatte viele Todesfälle in meiner Familie, Mein erstes Kind kam 6 Wochen vor der Geburt tot zur Welt, kurz darauf starb mein über alles geliebter Vater, Opa , Oma, Freunde, Tante um nur einige zu nennen. Da war unendlich viel abzuarbeiten, abzutrauern. Nach der "Unfassbarkeit kam ein tiefes Loch, da muss man irgendwie selbst raus. X -mal bin ich wieder reingefallen, verzweifelte, rappelte mich wieder hoch--so ging es Jahre.. ich trauerte es ab. So Sprüche wie...du musst es doch irgendwann verarbeitet haben, helfen da so wenig wie "das Leben geht weiter" ,,,bla bla bla...was weiss der davon, der noch nie Leid erfahren hat? Glaub mir, die können nicht mitreden!
Ich fiel immer seltener ins Loch und nun nach Jahren bin ich so damit durch, daß man mit leben kann, obwohl es immer noch hin und wieder weh tut.
Vielleicht ist es bei Problemen ähnlich, man braucht Zeit um alles zu "verdauen".
Diese Zeit muss man sich selbst geben. Manche reden viel, andere machen es sich mit sich selbst aus. Höre auf dein Inneres, es wird Dir sagen, was dir hilft.
Schönes Wochenende
Tina

Beitrag von hm 30.09.06 - 14:00 Uhr

Hallo du,

ganz ehrlich?? Nachdem ich deinen Beitrag gelesen hatte bin ich mir richtig mies und undankbar vorgekommen.

Rede hier wirklich von Bagatell-Problemen .......... mein Gott ist mir richtig peinlich.

Glaube um das durchzumachen was du mitmachen musstest, muss man ein sehr starker Mensch sein. Ich wäre wahrscheinlich daran zerbrochen.

Also, danke für deinen Beitrag und ich glaube damit hast du mir den Kopf wieder gerade gerückt.

Alles Gute
Ciao


Beitrag von cassiopeia68 29.09.06 - 20:38 Uhr

Zu dieser offenen Konfrontation solltest Du Dich wirklich durchringen. Ein Psychologe sagte mal zu mir, das ist ein Lernprozess. Wie bei einem Muskelaufbau, trainieren, trainieren, trainieren. Wenn Dir etwas nicht gefällt, nicht paßt oder Dir ärgert, gehe zu dem Betreffenden hin. Du wirst sehen, wie es Dich erleichtert.

Problemverarbeitung kann meiner Meinung nach auch passiv verlaufen. Eben dieses Aufwachen in der Nacht oder auch davon träumen ist ein innerer Verarbeitungsprozeß. ZEIT ist ein wichtiger Faktor zur Problemverarbeitung. Viele Dinge sehen nach Monaten oder Jahren völlig anders aus, ohne das man etwas dafür getan hat.
Wut, Trauer und Ärger rauslassen - auch das wird Dich erleichtern.
Und Gespräche helfen ungemein, auch Selbstgespräche. ;-)

Beitrag von hm 30.09.06 - 14:02 Uhr

Hallo,

du warst schon mal bei einem Psychologen? Ich überlege mir nämlich seit geraumer Zeit da auch mal hinzugehen. Vielleicht kann man da seine Sichtweise oder sonstiges ja ein bisschen ändern und verbessern???

Hat´s dir was gebracht?

Ja... der Spruch "Zeit heilt alle Wunden"... der stimmt schon.
Aber funktioniert halt nicht wenn immer wieder was dazukommt :-)

Vielen Dank für deine aufmunternden Worte......

ciao

Beitrag von thiyoweh 30.09.06 - 22:20 Uhr

Hallo

Dachte immer, nur mir gehts so!

Hab mal gelesen, dass Männer Probleme einach schubladisieren können und Frauen müssen darüber nachdenken, um sie verarbeiten zu können.

Wie ungerecht! Aber es ist wirklich so. Ich merke bei mir selbst, dass ich viel über Probleme nachdenken muss. Das braucht auch viel Zeit.

Bei Sport oder einem Waldspaziergang kann ich mich erholen und die Sache klären.

Leider ärgere ich mich auch immer so lange über zb meiner Schwägerins gemeine Aussagen, wo ich mich nicht wehren kann. Ich könnte ihr dann an den Kopf springen.

Es gibt natürlich auch Phasen wo man schwächer ist und stärker. So konnte ich mich nach der Geburt überhaupt nicht wehren und war wie ein schüchternes Reh. Jetzt nach ausgiebigen Sport, sehe ich klar und kann auch mal zurückgeben.

Liebe Grüssen

Beitrag von hm 02.10.06 - 14:06 Uhr

Ja genau...... die "liebe" Schwägerin ist bei mir auch so ein
"Problemfall"............ wir können uns eigentlich überhaupt nicht leiden, aber an Geburtstagen usw..... was soll man da machen???
Da sind die halt auch da... und mir graut schon jedesmal davor was wieder für saublöde Sprüche kommen und mir fällt verdammt nochmal nix drauf ein, immer erst später...... wenn´ s zuuu spät ist..... das nervt echt!

Und dann male ich mir aus, was ich alles hätte zu ihr sagen können und gesagt hab ich gar nix und dafür verachte ich mich wirklich. Würde das soo gerne ändern.

Naja... da hab ich noch ein Stück Arbeit vor mir.......

Dir alles Gute
Ciao