Kinderwunsch

jaci1205
Urbiasaurus
[1] 23.01.12, 00:52

Kinderwunsch - besonders unerfüllter Kinderwunsch - ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Der Gesprächspartner ist damit oft überfordert, und man hört Phrasen wie "Das wird schon werden, du wirst sehen". Der/Die Betroffene empfindet einerseits den starken, unerfüllten Wunsch, andererseits aber auch oft - und das ist Außenstehenden vielfach weder klar noch erklärbar - ein persönliches Versagen. Von Außenstehenden wird dem Thema meist bei weitem nicht dieselbe Bedeutung beigemessen. Außenstehende, die entweder keinen Kinderwunsch haben oder bei denen das Schwangerwerden verhältnismäßig rasch von statten gegangen ist, können sich meist auch nicht in die gedankliche Welt der Kinderwünschenden hineinversetzen. Darum geht man mit diesem Thema auch nicht an die Öffentlichkeit.
Da auch die nett gemeinten wiederholten Fragen der (Schwieger-)Eltern nach dem Nachwuchs bedrücken können, wird oft sogar die engere Familie von dem Thema ausgeschlossen.

Eine wesentliche Rolle kommt hier dem Internet zu: In einem Kinderwunschforum findet man Gleichgesinnte, die die eigenen Ängste und Gedanken verstehen. Man ist nicht alleine mit seinen Empfindungen, man schließt Freundschaften, man freut sich mit anderen mit, man tröstet und umarmt aber auch andere, denen es gerade nicht so gut geht und bekommt auch unheimlich viel zurück, wenn man selbst wieder eine Enttäuschung zu verkraften hat.
Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch

Interessanterweise ist es enorm wichtig, dem eigenen Kinderwunsch weniger Bedeutung zuzumessen: Einerseits ist es natürlich eine Beeinträchtigung der Lebensqualität, wenn man die gemeinsame Zeit mit dem Partner nicht richtig genießen kann, sondern die Gedanken auf ein Thema fixiert sind. Andererseits kann Kinderwunsch auch Stress bedeuten. Bei Stress verkrampfen die Eileiter - so wie man selbst oft Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich spürt. Die Eileiter können dabei gänzlich undurchlässig werden, so als wären sie verklebt oder zugewachsen. Die Eileiter spielen allerdings bei Kinderwunsch eine wesentliche Rolle: Zunächst müssen die Spermien durch den Eileiter zur freigesetzten Eizelle gelangen, und anschließend wandert die befruchtete Eizelle während mehrerer Tage durch den gesamten Eileiter in Richtung Gebärmutter, um sich dort einzunisten. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt der Eileiter verkrampft ist, kann somit in diesem Zyklus keine Einnistung stattfinden, selbst wenn es zu einer Befruchtung gekommen ist.
Somit ist es äußerst wichtig, jede Art von Stress zu vermeiden, sowohl beruflichen als auch privaten (auch Kinderwunschstress!), oder die Belastungen zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. Magnesium wirkt entspannend, es kann aber klarerweise nur als Unterstützung gesehen werden - Stressabbau muss auf jeden Fall erfolgen.

Die Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch liegen zu 40% bei der Frau, zu 40% beim Mann, der Rest ist ungeklärt. Wenn sich nach einem Jahr Kinderwunsch und entsprechend platzierten Herzchen keine Schwangerschaft einstellt und der Zyklusverlauf im Zyklusblatt hübsch aussieht (entsprechende Schleimphase, Temperaturanstieg, ausreichende Hochlage), sind erste Untersuchungen angebracht: Die Frau wird gynäkologisch untersucht, weiters werden bei ihr einige Blutwerte gemessen, und beim Mann wird ein Spermiogramm erstellt. Bei der Frau sind es vor allem die Schilddrüse, Prolaktin und Androgene, auf die man achten sollte. Beim Mann sollte für das Spermiogramm eigentlich alles untersucht werden.
Falls bis hierher sämtliche Befunde unauffällig sind (inklusive Spermiogramm! Liebe Männer, bitte drückt euch nicht!), kann man daran denken, bei der Frau nachzusehen, wie es von innen aussieht. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Echovist (Ziel: Durchgängigkeit der Eileiter, Ultraschalldarstellung der Gebärmutterhöhle. Methode: In die Gebärmutter wird eine Flüssigkeit eingespritzt und am Ultraschall mitverfolgt: Erreicht/Durchquert sie die Eileiter?), Gebärmutterspiegelung/Laparoskopie (Ziel: Gebärmutterhöhle, Veränderungen darin. Methode: ev. Narkose. Kleines Röhrchen wird durch den Gebärmutterhals eingeführt und die Gebärmutter betrachtet.), Bauchspiegelung (Ziel: Durchgängigkeit und Beweglichkeit der Eileiter, aber auch Gebärmutter, Eierstöcke, ... ev. Verwachsungen, Myome, Endometriose, andere Veränderungen. Methode: Vollnarkose. Kleiner Schnitt im Nabel, Sichtgerät mit Lichtquelle wird eingeführt, Beobachtung über einen Monitor. Wenn man zeitgleich eine gefärbte Flüssigkeit über die Gebärmutter (vaginal) injiziert, sieht man über das Sichtgerät den Austritt der Flüssigkeit in den Bauchraum).

Meist findet man im Laufe der Zeit eine oder mehrere Ursachen. Falls nicht, ist es ganz wichtig, weder an sich selbst zu zweifeln noch am Partner. Manche Eizellen sind nun mal wählerisch, vielleicht ist gerade heute eine unlustige Truppe an Spermien unterwegs, und vielleicht passt ihnen einfach sonst etwas nicht.
Wir können sie nicht zu einer Vereinigung zwingen, und manchmal ist es auch gut, dass es gerade diesmal nicht zu einer Befruchtung gekommen ist, weil es hin und wieder - bei jedem Menschen - Gendefekte oder sonstige Probleme gibt.
Wir können aber optimale Bedingungen schaffen durch stressfreies Leben, vernünftige Ernährung, zyklusunterstützende Maßnahmen (vor allem bei recht knappen Hochlagen) und gesundheitsbewusste Lebensweise.

Tipps/Verhalten bei Kinderwunsch:
Über den Zeitpunkt und die Frequenz das Herzeln betreffend gibt es ja die seltsamsten Gerüchte, beispielsweise "vom 10.-20. Zyklustag jeweils jeden 2. Tag Verkehr". Ach herrje, die armen Paare, die danach leben! Klarerweise richtet man sich mit dem Herzeln nicht nach dem Kalender, sondern nach der Fruchtbarkeit der Frau. Da bei Kinderwunsch das Herzeln oft leider Stress bedeutet (Wiener Schnitzel schmeckt hervorragend, aber wer mag jeden Tag Wiener Schnitzel?!), ist der Zervixschleim von größter Bedeutung. In wunderschönem, klarem, dehnbarem Zervixschleim können die kleinen Jäger länger überleben und - ganz wichtig! - auch befruchtungsfähig bleiben. Bei Top-Schleimqualität können das sogar einige Tage sein!

Wann soll man bei Kinderwunsch nun wirklich herzeln?

Ganz wichtig: Den "richtigen" Tag kann man nicht bestimmen. Man kann nur darauf achten, dass immer eine ausreichende Anzahl an einsatzfähigen Jägern vor Ort ist. So gesehen hat es auch keinen Sinn, sich Vorwürfe zu machen, wenn man die folgenden Tipps nicht eingehalten hat. Das Folgende möge bitte wirklich als Tipp/Hinweis verstanden werden und nicht als "Muss"! Kinder können auch ohne diese Tipps entstehen!
Statistisch gesehen ist der Höhepunkt vielversprechend. Fast ebenso gut sind der Tag-davor und der Tag-danach.

Bei einem wenigerguten Spermiogramm kann zu häufiges X dazu führen, dass man zu Zyklusbeginn die wenigen guten Jäger auf die Reise schickt, und wenn dann die Ovulation da ist, hat man(n) nur noch die lahme Truppe zu bieten. In diesem Fall wird empfohlen, am Zyklusbeginn nur zu kuscheln und erst später X zu platzieren, nämlich genau am Höhepunkt. Dann dafür gleich zwei Mal hintereinander. (Interessanterweise sind beim zweiten Mal lebendigere Jungs unterwegs!)
Die Sache mit dem Höhepunkt hat zwei Haken: Erstens weiß man während des Zyklus nicht, ob genau heute der Höhepunkt sein wird. Und zweitens kann die Ovulation ja bereits 3 Tage vor dem Höhepunkt ablaufen. Punktgenau kann man es also ohnedies nicht treffen, aber so ungefähr sollte man den Höhepunkt anpeilen.

Bei einem normalen Spermiogramm oder wenn nichts bekannt ist, startet man mit den X (spätestens) mit Beginn der Schleimphase. Falls die Schleimphase extrem kurz ist - manche Frauen haben nur 1-2 Tage - dann sollte man schon früher beginnen (3 Tage vor dem Höhepunkt kann ja bereits die Ovulation stattfinden!). Bei den meisten Frauen liegen die 3-Tage-vor-dem-Höhepunkt aber in der Schleimphase, sodass es sinnvoll ist, mit dem Beginn der Schleimphase Jägerchen auf die Reise zu schicken. Im Körper der Frau können sie bei wunderbarem Schleim durchaus einige Tage überleben und - was wichtig ist - auch beweglich und befruchtungsfähig bleiben. Nur von "beweglich" hat man nicht viel - die Kleinen sind nämlich länger beweglich als befruchtungsfähig. Aber sie bleiben auch einige Tage befruchtungsfähig - Spitzenschleim vorausgesetzt. Man muss also nicht jeden Tag X platzieren, es soll ja nicht zu Stress werden, aber bei Kinderwunsch sollte während der Schleimphase hie und da ein X eingetragen sein. Ob man punktgenau den Höhepunkt erwischt, ist nicht so dramatisch, wie gesagt ist auch das "Gestern" und "Morgen" des Höhepunkts fast genausogut.