Nachweis einer Ovulation

jaci1205
Urbiasaurus
[1] 23.01.12, 01:47

Mittelschmerz, Ultraschall, Temperaturanstieg und/oder Schleimphase werden häufig als Nachweis für eine Ovulation interpretiert. Allerdings ist keine dieser Beobachtungen tatsächlich ein Nachweis.

Betrachten wir diese Punkte der Reihe nach:

Viele Frauen empfinden einen Mittelschmerz und interpretieren ihn als Zeichen für eine Ovulation. Dazu zwei Argumente:
Es gibt ein Zyklusblatt, auf dem ein X fünf(!) Tage nach dem Mittelschmerz eingetragen ist, und aus diesem X ist nachweislich eine Schwangerschaft entstanden. (Es handelt sich um das erste X in diesem Zyklus.) Da die Eizelle nur wenige Stunden befruchtungsfähig ist, muss die Ovulation in diesem Zyklus also mindestens fünf Tage nach dem Mittelschmerz abgelaufen sein.
Frauen berichten, dass sie den Mittelschmerz den ganzen Tag über spüren, zumindest einige Stunden hindurch. Manchmal findet man ihn auch an zwei Tagen im Zyklusblatt eingetragen. Die Ovulation hingegen dauert wenige Minuten, schätzungsweise eine viertel Stunde.
Was man beim Mittelschmerz tatsächlich spürt, darüber gibt es heftige Diskussionen - es ist jedenfalls definitiv nicht die Ovulation.

Betrachten wir die anderen Möglichkeiten, die als Nachweis einer Ovulation angesehen werden:

Überlegen wir uns zunächst, was im Zyklus abläuft: Viele Follikel wachsen, und einer davon wird ganz groß, der sogenannte Graaf'sche Follikel. Dieser soll dann aufplatzen (Ovulation) und die Eizelle freisetzen. Es kann sein, dass genau das passiert:
Der Follikel platzt auf, und die Eizelle wird für die Jagd freigegeben. Die verbleibende und nun nicht mehr benötigte Follikelhülle wandelt sich um in den Gelbkörper, und dieser Gelbkörper produziert Progesteron.
Allerdings gibt es auch noch andere Möglichkeiten:
Der Follikel wächst und wächst und wächst und wächst, nur fehlt ihm dann das letzte Bisschen, sodass er nicht platzen kann. Das ist vergleichbar mit der Situation, wenn es einen in der Nase kitzelt, man möchte nießen, nießen, nießen, aber es geht nicht.
Im Normalfall kann man nießen, klar. Aber es gibt eben auch diesen Fall, dass das letzte Stückchen, der letze Auslöser fehlt.
Bei dieser nicht-stattgefunden Ovulation spricht man von LUF oder dem LUF-Syndrom: luteinisierter unruptierter Follikel.
Der Follikel wird dann als Ganzes, mit der eingesperrten Eizelle, in den Gelbkörper umgewandelt und produziert fleißig Progesteron.
Es kann beim Platzen des Follikels die Eizelle an der Follikelwand hängenbleiben. Die Eizelle hängt dort ungefähr so gewollt fest wie ein Kaugummi auf der Schuhsohle: Man wird ihn erst nach umständlichen und lästigen Verrenkungen los - oder gar nicht. Für die Eizelle ist es zu spät, denn die Follikelhülle wandelt sich in den Gelbkörper um, und sie selbst hat ja nur eine beschränkte Befruchtungsdauer und befindet sich außerdem noch lange nicht dort, wo sie hin soll; sie ist nämlich immer noch im Eierstock, und die Befruchtung sollte am Ende des Eileiters in der Ampulle stattfinden.
Der Follikel kann aber auch leer sein! Auch das kommt vor. Da hilft natürlich die schönste Ovulation nichts, wenn der Inhalt nicht den Erwartungen entspricht.
All diese Vorgänge/Möglichkeiten finden auch bei der gesunden Frau statt und sind vollkommen normal. In den meisten Zyklen läuft allerdings erfreulicherweise tatsächlich eine "echte" Ovulation ab.


Im Ultraschall kann die Ärztin das Wachsen der Follikel mitverfolgen. Sie sieht die Ausbildung des Graaf'schen Follikels, und sie kann auch dessen Größe (bis zu 24mm) bestimmen. Sie wird eines Tages bemerken, dass der Follikel nicht mehr vorhanden ist. Was sie allerdings nicht erkennen kann, ist, ob eine "echte" Ovulation abgelaufen ist. Vielleicht war der Follikel leer? Vielleicht ist die Eizelle hängengeblieben? Vielleicht ist der Follikel gar nicht geplatzt, sondern hat sich mitsamt der Eizelle zum Gelbkörper umgewandelt?!
Sie hat keine Möglichkeit zu erkennen, welcher dieser Abläufe stattgefunden hat.

Das Gleiche gilt für das Zyklusblatt. Im Zyklusblatt sehen wir eine Schleimphase. Diese Schleimphase wird durch die Östrogene hervorgerufen. Weiters beobachten wir einen Temperaturanstieg und eine darauffolgende Hochlage; diese Temperaturerhöhung kann von einem Gelbkörper nach einer "echten" Ovulation stammen, aber genausogut von einem LUF-Gelbkörper; oder von einem Gelbkörper eines leeren Follikels; oder von einem Eizelle-hängengeblieben-Follikel. In allen vier Fällen wird ein Gelbkörper erzeugt, und im Zyklusblatt selbst kann man diese Gelbkörper nicht unterscheiden.