Massive Trennungsangst 10-Jähriger

Hallo liebe Forengemeinde,
ich wollte die Gelegenheit nutzen und mir hier soweit wie möglich Rat holen, ich hoffe Ihr könnt mir bei meinem ernsten Problem weiterhelfen. Ich hole mal ein bisschen weiter aus und versuche die Geschichte möglichst in einem Zusammenhang zu bringen.
Ich habe vor einem halben Jahr meine Freundin kennengelernt, sie hat einen Sohn aus der frischen Trennung mit 10 Jahren (ich nennen ihn hier Nick) mitgebracht. Wir leben momentan noch in getrennten Wohnungen, da noch frisch und sehen uns überwiegend am Wochenende - Abwechselnd mit Sohn. Ich hatte von Anfang an kein Problem damit auch wenn der Sohn durch eine Behinderung gesundheitlich eingeschränkt ist. Er nach nach mehreren Operationen wegen einer Fehlbildung des Kopfes nicht die motorischen Fähigkeiten eines gesunden Menschen, bzw. hat Probleme mit der Konzentration Buchstaben, Wörter lesen und geht deswegen auf eine weiterführende Schule. Er ist halt einfach im geistigen Alter ein paar Jahre weiter hinter dran.
Aber das ist nicht der Punkt.
Ich hatte von Anfang an das Gefühl das er sehr, sehr stark klammert. Dieses Gefühl hat sich in den nächsten Wochen, als wir oft gemeinsame Ausflüge machten noch bestärkt. Mittlerweile sind wir ein halbes Jahr zusammen und ich mache mir große Sorgen.
Als ich Nick kennen lernte verhielt er sich schon sehr auffällig, kein Vergleich zu anderen Kindern. Anfangs dachte ich es läge an der frischen Trennung, aber meine Freundin lächtelte nur, das hat er schon immer. Es fängt damit an, das er sie, wenn wir unterwegs sind ständig anfassen muss, er versucht ständig ihre Hand zu greifen. Wenn sie ein bisschen Abstand von Ihm beim Spazieren gehen hat, läuft er sofort hin und greift wieder nach Ihr, so ähnlich er könnte was verlieren.

Auf dem Spielplatz macht er nichts allein, Mama muss alles machen. Schaukeln, rutschen, klettern. Er steht meist nur daneben und versucht sie irgendwie zu berühren oder zu schupsen. Ein Versuch ihn mit anderen Kindern am Spielplatz zusammenzubringen verlief sich im Sande. Nach einer Minute lief er wieder Mama hinterher und griff nach Ihr. Dabei gibt er immer wieder Anweisungen das sie höher schaukeln oder schneller rutschen soll, oder das sie das gar nicht kann. Dabei macht er aber selbst gar nichts!?!
Und es ist noch schlimmer. Sobald Mama 30 Sekunden nicht zu sehen ist fängt er das Weinen und Schreien an. Diese Situation hatten wir schon öfters, auch wenn wir uns nur kurz auf eine andere Parkbank gesetzt haben und er uns nicht gleich gesehen hat. Ganz schlimm war ein Krankhausaufenthalt von Nick bei dem er mehrere Tage drinnen bleiben musste. Sobald meine Freundin nur das Zimmer verlässt fängt er zu schreien und weinen an. Sie musste praktisch rund um die Uhr bei ihm sein, konnte also nicht anders als mit im Zimmer zu schlafen. Als wir bei mir in der Wohnung waren spielten wir zusammen ein Spiel, als die Mama schnell aufs Klo musste stand er nach 20 sek auf sagte kein Wort und wartete vor der Toilette. Ich weis nicht mehr was ich machen soll. Mich macht das mittlerweile fertig. Das Spielen klappt nur wenn wirklich viele Leute die er kennt in der Nähe sind, aber sobald Mama mit ihm alleine ist kommen wieder diese großen Verlustängste. Zu spielenden Kindern hat er keinen Zugang. Er steht meistens Teilnahmslos daneben und beobachtet, aber mitspielen - keine Chance.
Seit der Trennung wohnt meine Freundin bei Ihren mit Ihrem Sohn zusammen bei den Eltern. Da wir durch die Situation eh nicht viel zeit zu zweit haben, fährt Sie abends nachdem sie Nick ins Bett gebracht hat, zu mir. Sie sagt Ihm natürlich bescheid das Sie noch fährt und morgen früh wieder da ist. Nick erwidert meistens mit den Worten "Mama es ist schon spät und du bist schon müde, du musst nicht mehr fahren" bis zum richtigem Befehlston "Wenn du wegfährst musst du mich um Erlaubnis fragen". Mittlerweile klappt es einigermaßen, das Sie zu mir darf. Anfangs kontrollierte er oft in der Nacht ob Sie im Bett liegt und wenn nicht weckte er das Haus auf :( Sobald meine Freundin zuhause schläft wird Sie grundsätzlich in der Früh so lange geweckt bis Sie zum Spielen aufsteht, da er es irgendwie nicht schafft sich mal allein zu beschäftigen. Auch Brote schmieren oder Anziehen geht nicht ohne Mama und das mit 10 Jahren. Das alles stellt mich auf eine harte zerreis probe, ich versuche aber weiterhin mein bestes - Aber so kann das nicht weitergehen. Vor allem da die Situation schon Jahre so geht. Ich habe Angst das die Situation eskaliert, wenn Sie mal wieder eine eigene Wohnung hat. Denn sie hat mir schon gesagt allein in Keller oder zum Briefkasten gehen war noch nie möglich :( Nick kommt mir nicht so glücklich und unbeschwert vor, wie Kinder mit 10 Jahren doch sein sollten, sondern wirkt durch die ganze Sache eher depressiv.
Habe mich schon im Internet kundig gemacht, und ich glaube eine Verhaltenstherapie wär das beste. Aber jeder Versuch von meiner Seite wird irgendwie nur belächelt und ich höre immer wieder das wird schon.... Aber da die Situation jetzt schon seit 8 Jahren so ist, glaub ich nicht das das schon wird.
Vielleicht hat irgendjemand einen Rat für mich...
Danke und Grüße

1

Ganz ehrlich? Nicht Deine Baustelle!
Im Übrigen schreibst Du selbst, dass das Kind gerade die Trennung vom Vater durchmacht und durch eine Behinderung auch geistig eher ein paar Jahre zurück ist. Ich finde es da mehr als verständlich,dass er gerade so klammert. Und wenn er das "schon immer" getan hat und die Mutter keinen Handlungsbedarf sieht, wirst Du da sicherlich nichts dran ändern.

Zumal es sich für mich auch so liest, als ob es um Dich geht, Du also die Mutter des Kindes gerne für Dich hättest und nicht darum, dem Jungen in irgendeiner Form zu helfen.
Sollte ich das falsch interpretiert haben, und es geht Dir tatsächlich um den Jungen, dann wirst Du nur mir vorsichtigen Gesprächen mit der Mutter weiterkommen. Warum ist er so anhänglich, hat die Mutter ihn vielleicht aufgrund seiner "Baustellen" immer extrem betüddelt, kann sie nicht loslassen? Will sie überhaupt was ändern?

2

Ich würde auch de zwei Fragen von blumella stellen "Warum ist er so anhänglich, hat die Mutter ihn vielleicht aufgrund seiner "Baustellen" immer extrem betüddelt, kann sie nicht loslassen? Will sie überhaupt was ändern?"
Von außen wirst du da nicht viel machen können, das Loslassen bzw. der Wille, an der Situation etwas zu ändern, muss von der Mutter kommen. Du kannst deine Sicht mit ihr besprechen, mehr nicht.