Künstliches Koma....

    • (1) 29.01.17 - 20:45

      Hallo alle zusammen,

      mein Mann liegt seit dem 15.01.2017 wegen einer akuten nekrotisierenden Pankreatitis im Krankenhaus Krankenhaus. Weil er beatmet werden muss, wurde er ins künstliche Koma gelegt. Zuerst nur mit Propofol, hier 20-22 Einheiten. Zudem bekommt er Sufenta 8 Einheiten und Novamin. Unter dieser Dosis konnte er schreiben und richtig reagieren. Daher wurde Midazolam hinzu genommen. Dann wurde es ruhiger. Nun soll er am Tag wacher sein, bekam heute 14 Propofol, 3 Midazolam und zudem noch Dexdor, Sufenta 7 und weiterhin Novamin.

      Er kann nicken, ob er Schmerzen hat und so. Robbt sich aber im Bett immer hin und her. Zieht sein OP-hemd vor allen Leuten vom Körper.

      Trotzdem interessiert es mich, weil die Ärztin meinte, er könne adäquat antworten, für wie voll ich Antworten nehmen kann. Kann ich alles für wahr nehmen? Ich meine, dass sind echt harte Medikamente. Sufenta ist 1000x stärker, als Morphium und das stärkste Opiat in Deutschland, das bekommt er seit zwei Wochen.

      Kann mir da vllt jemand helfen?!

      Liebe Grüße

      • Hallo,

        es tut mir leid, was Ihr durchmachen müsst. Hoffentlich geht es Deinem Mann bald besser.

        Du sagst ja selber, er bekommt starke Medikamente und Opiate.

        Ich kann mir nicht vorstellen, dass man unter derartem Medikamenteneinfluss lügen kann...
        ... Wahnvorstellungen dürften aber drin sein, leider.

        Trauen kannst Du ihm damit nicht, die Wahrheit kann es trotzdem sein.

        Alles Gute für euch.

        jg

        • Lügen nicht, aber klar sein, was er sagt? Er sagte, er liebe mich nicht mehr, ich solle nicht mehr kommen, unser neues Haus sei ihm egal. Vor dem Koma und an dem Tag, als er voll da war trotz Propofol, war alles bestens, sind gerade in der Kinderplanung. Ich war baff, aber ich weiß halt nicht, wie viel ich drauf geben kann. Ob er weiß, was er so von sich gibt.

          • Wie gesagt, könnten auch Wahnvorstellungen sein.

            Emotionen sind komplexe Gebilde. Ich erinner mich, dass ich gelegentlich unter Medikamenteneinfluss (und das waren nicht so heavy Medis, wie Dein Mann hat) nicht nur äußerst gereizt war, sondern genervt ohne Ende.

            Ich wollte einfach meine Ruhe und wen ich mit meinen Ausbrüchen verletzte, war mir egal, hauptsache ich bekam meine Ruhe.

            Nichts davon war die Wahrheit. NICHTS - ich war AUF DROGEN.

            Ist Dein Mann auch gerade - in der Regel leidet die Empathie und das Liebensempfinden bei manchen Patienten massiv. Das ist ja der Knackpunkt. Er kann sein Emotionsempfinden nicht steuern - das hat ja nix mit Faktenwissen zu tun.

            So schlimm das auch ist, Du kannst nur abwarten.

            Ich wünsch Dir ganz viel Kraft dafür.

            Alles, alles Gute für Dich

            jg

            • Das ist eine sehr hilfreiche Antwort und erklärt vllt., warum er so ist, wie erst ist.

              Dann werde ich die nächsten Wochen wohl noch so einiges erleben und ein noch "dickeres" Fell brauchen. Diese ständige Lebensgefahr, in der er noch immer schwebt ist schon echt heavy, das nun auch dazu, ist echt ein Brocken.

              Aber, nochmal DANKE!

              • Ich kann mir nicht vorstellen, was Du (und auch Dein Mann) durchmachen musst.

                Ist unglaublich, was so passiert.

                Such Dir Hilfe und vor allem psychische Unterstützung - besser früher, als später. Du musst das nicht alleine durchstehen, das solltest Du auch nicht. Das macht alles nur schlimmer im Kopf.

                Das Krankenhauspersonal kann Dir bestimmt Auskunft zu Hilfeprogrammen für Angehörige geben.

                Ich wünsch euch das Beste.

                jg

      Hallo, also ich kann aus persönlicher Erfahrung im engeren Familienkreis sagen, dass man nach dem künstlichen Koma ein Durchgangssyndrom erleiden kann. Das Gesagte ist dann manchmal wirr und der Patient empfindet Dinge als bedrohlich, die garnicht passieren oder er redet über Ereignisse, die ebenfalls nicht passierten. Die Ärzte klärten uns damals übrigens nicht darüber auf und erst nachdem wir uns mit dem Thema beschäftigten, bekam der Schrecken einen Namen. Das ganze ging einige Tage lang, bis sich der Zustand wieder normalisierte. Aber auch nach Monaten war die betroffene Person davon noch überzeugt, dass das alles tatsächlich geschah. LG und gute Besserung

      • Danke für deine Antwort. Das Syndrom habe ich mir auch gerade gegoogelt. Am Tag ist er wacher, nachts wird er abgeschossen. Kann das Syndrom dann auch kommen? Unsere Beziehung ist toll, alles war super, bauen gerade. Aber vorhin kam, dass ich nicht mehr kommen soll, dass er mich nicht mehr liebt, das Haus sei ihm egal. Halt alles mit nicken und schütteln auf Nachfrage, er kann ja wegen des Tracheostomas nicht reden. Das war echt ein Schlag. An dem Tag, als trotz Propofol durch kam, schrieb er der Krankenschwester, dass wir bauen, wann seine wundervolle Frau endlich käme und heute kam das. Auf der anderen Seite, er macht sie vor ALLEN Menschen nackt, was er sonst nie tun würde, reißt sich ständig das O2 Teil vom Finger ab und schmeißt es voller Kraft weg. Vorher ließ er es natürlich dran...

        • Also so wie du eure Beziehung beschreibst, hört sich das ganz schwer nach Nebenwirkungen an, denen du (so schwer es bestimmt auch fällt) garkeine Beachtung geben solltest. In der Medizin gibt es nichts, was es nicht gibt und jeder reagiert ja anders auf Medikamente. Wurde er auch operiert? Sprich doch mal mit den Ärzten, ob das ein Durchgangssyndrom sein könnte. Er hat ja eine lebensbedrohliche Erkrankung, da bekommt er zusätzlich bestimmt noch Antibiotika oder Corticoide dazu. Da kann es auch zusätzlich noch Wechselwirkungen geben. Geb ihm Zeit, um wieder gesund zu werden und sei für ihn da. Mehr kannst du im Moment nicht machen. Und ich würde an deiner Stelle auch garnicht auf das eingehen, was er sagt oder mit Diskussionen anfangen. Er ist in einer Extremsituation und auf andere Menschen angewiesen. Da würde Diskutieren bestimmt nichts bringen. In unserem Fall waren auch Aggressionen und Ablehnung dabei, dazu Hallus und ganz viel Angst. Und der Mensch kommt ganz klar rüber. Die Aussagen waren wie bei vollem Bewusstsein.

          • Noch ein Nachtrag, weil es mir erst jetzt auffiel....du stellst ihm in diesem Zustand Beziehungsfragen, die er wegen der künstlichen Beatmung nur mit Kopfbewegungen beantworten kann? Wenn das so ist, dann tut mir dein Mann echt leid! In so einer hilflosen Situation sollten solche Fragen wirklich nichts verloren haben!

            • Nein, stelle ich ihm nicht. Mich jetzt so anzumachen, finde ich gerade mehr, als daneben. Dass man in in diesem Moment, wo er um sein Leben kämpft, keine Beziehungen klärt, sollte ja wohl jedem klar sein. Ich habe gesagt, dass ich ihn liebe und, wenn er wieder reden kann, dass er mir das auch wieder sagen kann. Dann schüttelte er den Kopf und ich sagte dann nur so nebenbei mit einem Lächeln, dass er es nicht sagen muss, dann nickte er. Als ich ihm vom Haus erzählte, weil man ja durchaus vom Alltag erzählen kann zuckte er mit den Schultern. Als ich mich verabschiedet habe uns sagte, dass ich morgen wieder komme, schüttelte er den Kopf, habe dann während des Kopf streichelns gefragt, ob ich nicht komme soll und da schüttelte er den Kopf.

              Also reg dich ab.

              • Das sollte doch kein Anmachen sein, ich habe mich wahrscheinlich unpassend ausgedrückt. Du hast aber auch unverständlich formuliert, dass er auf Nachfrage genickt hat. Das hörte sich halt wie ein "Verhör" an. Aber in so einer Situation liegen die Nervern auch blank, kann ich verstehen, wenn man es anders meint, als man schreibt. Also sorry! Ich drück dir die Daumen, dass alles wieder wie vorher wird!

                • Es tut mir leid. Es soll keine Entschuldigung sein,aber ich weiß im Moment selbst nicht. Wo mir der Kopf steht. Typisch für diese Erkrankung ist ja, dass es sie plötzlich einsetzt und es hat uns voll getroffen. Er war noch nie krank.

                  Wie gesagt, dass tut mir leid. :-(

    Als meine Mutter im künstlichen Koma lag hat es lange gedauert, bis man alle Antworten für voll nehmen konnte. Sie hat noch Monate danach teilweise einfach "Blödsinn geredet". Man kann es nicht anders nennen.

    Mein Vater lag auch schon auf der Intensivstation ziemlich sediert, aber nicht im richtigen Koma. Auch er hat wirres Zeug geredet.

    Nimm das nicht für voll. Das dauert.

    Alles Gute für deinen Mann.

    LG

Top Diskussionen anzeigen