Psychosomatische Reha / Kur - Erfahrung?

    • (1) 02.02.17 - 08:54

      Hallo #winke

      Unsere Hausärztin hat meinem Mann eine psychosomatische Reha / Kur nahegelegt. Grund: Angst, Depression, Erschöpfung. Die psychischen Probleme wirken sich mittlerweile auch pysisch aus... Sie meinte, wir sollen uns darüber Gedanken machen und ihr Bescheid sagen.

      Ich befürworte diesen Vorschlag. Mein Mann ist wohl nicht abgeneigt, in Ruhe reden konnten wir in den letzten zwei Tagen aber auch nicht, da wir uns dank Schichtarbeit kaum gesehen haben.

      Vor 2 Jahre etwa wurde ihm schon einmal zu solch einer Kur/ Reha geraten, damals wollte er nicht. Der damalige Hausarzt hat ihm eine bestimmte Klinik empfohlen, mein Mann hatte dann mit den Mitarbeitern dort vorab schon einmal telefoniert und sich im Internet erkundigt und wollte nicht dort hin #augen andere Möglichkeiten haben weder er noch der HA in Erwägung gezogen...

      Ich möchte meinem Mann gerne mögliche Sorgen nehmen im Gespräch, hat jemand vielleicht Erfahrung mit solch einer Reha? Er fürchtet, sich von morgens bis abends in Gruppensitzungen wieder zu finden und das wäre für ihn (Einzelgänger) nichts, seine Aussage! Kann jemand von euch eventuell Kliniken empfehlen? Am besten im südwesten Deutschlands...

      Vielen lieben Dank schon einmal vorab!
      LG
      Jessi

      • Meine Schwester hat sowas durch. Das sind nicht nur lange Gruppensitzungen. Es gibt auch Einzelgespräche und vor allem viel Beschäftigungstherapie, Sport, aber auch genügend Freizeit.

        Ich finde nur schade, dass man wenig bis fast nichts davon in den Alltag rüber retten kann, weil einfach durch die Arbeit die Zeit fehlt. Gesprächstherapie macht man vielleicht noch, aber für Beschäftigungstherapie fehlt dann meist die Zeit.

        Wichtig ist vielleicht auch, dass eine solche Kur 4 bis 5 Wochen dauert.

        Meine Schwester war in Potsdam.

        • Dankeschön für deine Antwort.

          Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass mein Mann dort etwas findet, was ihm dann auch später im Alltag eine Art Ausgleich bietet. Sei es durch Sport oder Beschäftigungstherapie... Mal abwarten. :-)

      (4) 02.02.17 - 18:03

      Erst einmal zum Antrag selbst. Meine Erfahrung ist, dass psychosomatische Rehas schwer zu beantragen sind. Meist lehnt die Rentenversicherung mit der Begründung ab, dass ambulante Maßnahmen nicht ausgeschöpft wurden. Deshalb empfehle ich, zuerst eine Empfehlung vom Facharzt (Psychotherapeut reicht nicht, muss ein Psychiater sein) zu holen. Dann sind die Chancen sehr gut, dass so eine Reha auch genehmigt wird. Wichtig ist auch noch, im Antrag zu betonen, das die Arbeitsfähigkeit oder der Arbeitsplatz durch die Krankheit bedroht ist.

      Nun zu den Rechten: Grundsätzlich hat man ein Recht auf Reha alle 4 Jahre, wenn man eine chronische Erkrankung hat und ambulante Maßnahmen nicht ausreichen, um die Gesundheit wieder herzustellen. Man hat als Patient ein Wunsch- und Wahlrecht. Das heißt, man darf sich die Klinik selber aussuchen, wenn die Indikationen stimmen.

      Eine psychosomatische Reha dauert meist 4-6 Wochen. Am Anfang der Reha hat man ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt und wahrscheinlich auch noch mit dem Psychotherapeuten. Da werden dann GEMEINSAM die Reha-Ziele festgelegt. Jeder darf auch sagen, was er will und braucht und was nicht. Es gibt immer ganz unterschiedliche Therapien, denn nicht jede ist für jeden geeignet. Einzel- und Gruppengespräche gibt es immer, Sport und Freizeit auch. Je nach Klinik gibt es auch noch Kreativtherapien wie Mal- und Gestaltungstherapie, Musiktherapie...Da ist man zwar mit mehreren in einem Raum, aber jeder macht sein eigenes Ding. Häufig wird auch Ergotherapie und Entspannung angeboten.

      • (5) 03.02.17 - 06:17

        Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

        Die Hinweise bezüglich des Antrages sind gut! Ambulante Maßnahmen? Hm... Mein Mann ist, bis auf die letzten 2 Jahre ca., seit rund 12 Jahren in therapeutischer Behandlung... Aber mittlerweile gehts einfach nicht mehr. Mal schauen, was schlussendlich raus kommt.

        Wie ist das, stellt man den Antrag dann bereits für eine bestimmte Klinik oder wählt man erst, wenn der Antrag überhaupt genehmigt wurde?

        Der Ablauf in der Reha klingt für mich sehr gut, ich hoffe wirklich, ich kann ihm seine Sorgen nehmen und er lässt sich darauf ein!

        • (6) 03.02.17 - 18:04

          Du kannst gleich bei der Antragstellung die Wunschklinik angeben. Auf den Formularen gibt es dazu keinen Extra-Platz. Du kannst es irgendwo hinschreiben oder ein Begleitschreiben dazulegen, in dem Du genau erklärst, warum Du in diese Klinik willst. Du kannst aber auch, wenn der Antrag genehmigt wurde, einen Umstellungsantrag auf die Wunschklinik stellen und an die Rentenversicherung faxen, dauert dann mindestens eine Woche extra.
          Noch etwas: Beim Erstantrag muss die Rentenversicherung ab Eingang des Antrags nach einem Monat entschieden haben. Diese Zeit braucht sie auch meistens. Intern dauert der Postweg jeweils nochmals etwa eine Woche. Also insgesamt musst Du mit 6 Wochen rechnen, bis der Bescheid kommt. Wenn sie ablehnen, hast Du einen Monat Zeit für den Widerspruch (Hiermit Widerspreche ich Ihrem Bescheid vom XXXX. Begründung folgt)Die Begründung (am Besten vom Facharzt) kannst Du dann ohne zeitliche Begrenzung in Ruhe nachreichen. Dann hat die Rentenversicherung aber Monate Zeit, dafür gibt es vom Gesetzgeber keine Bearbeitungsfristen! Bei uns hat es mal 9(!!) Monate gedauert, bis der Widerspruch durch war!!. Also schau, dass Ihr gleich vom Facharzt eine EMpfehlung bekommt, das ist definitiv der schnellere Weg!!
          Wenn Du noch mehr Fragen wegen Antragstellung ... hast, kannst Du mir auch eine PN schicken.

          Viele Grüße!

    Grundsätzlich kann Dein Mann einfach auch Mal Kliniken googeln. Es gibt ein Bewertungsportal Klinikbewertungen.de
    Allerdings darf man nicht unterschätzen, dass die zufriedenen Patienten wesentlich seltener (zumindest im psychosomatischen Bereich) bewerten, als die unzufriedenen, die gerne Mal unpersönlich ihren Frust ablassen können.
    Ich persönlich war in Bad Grönenbach, allerdings schon 2003. Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens,.
    Nur Mut, die Suche nach der richtigen Klinik und der recht zähe Weg dahin, gehört schon mit zur Therapie.
    Alles Gute
    Marlene

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