Kann ich als Ehefrau meinen Mann einweisen lassen?

    • (1) 31.07.17 - 17:14

      Hallo Ihr Lieben!!

      Mein Mann hat nach einem Jahr Therapie und diverser Tabletten endlich die richtige Diagnose bekommen. ADHS! Und nun hat er das dritte Medikament innerhalb von sechs Monaten bekommen. Über die Nebenwirkungen und Weschelwirkungen brauchen wir nicht reden.

      Es ist für mich echt anstrengend und mein Verständnis für seine "Launen" schwindet immer mehr. Denn jedes Mal kriege ich zu hören: "Du hast keinen Respekt vor meiner Krankheit", "Du musst nur zwei Wochen durchhalten, dann hat das Medikament angeschlagen" und so weiter.

      Es ist so zermürbend. Und jedes Mal ist das Medikament heftiger und macht es alles irgendwie noch schlimmer.

      Mein Mann möchte gerne in eine Klinik. Zumindest hat er das jetzt schon zwei Mal gesagt. Doch dann ändert er seine Meinung wieder. Das macht mich wütend. Denn ich bin überzeugt, dass das genau das Richtige ist und Ihm dort besser geholfen wird.

      Nur die Therapie und die Tabletten sind nicht wirklich ausreichend. Dafür ist das alles zu viel. Und ich bin auch der Meinung, dass die ganzen Medikamente nicht gut sind und dass er erstmal einen Entzug braucht.

      Kann ich nun hingehen und Ihn einweisen lassen? Habe ich das Recht?

      Vielleicht hat ja jemand einen Rat.

      Danke und liebe Grüße

      Jenny

      • Nein, kannst du nicht.

        Gegen den eigenen Willen kann man nur eingewiesen werden, wenn eine erhebliche Gefahr für die Person selbst oder die Personen im Umfeld besteht und diese Gefahr nicht durch eine ambulante Behandlung abgewendet werden kann. Und das ist nach deiner Schilderung ganz eindeutig nicht der Fall.

        Und auch dann muss das ganze amtlich gemacht werden, das geht nicht, nur weil ein Angehöriger es für sinnvoll empfindet. Da sind das Ordnungsamt, Ärzte, Verfahrenspfleger und Richter mit eingebunden.

        • Danke dir, für deine Antwort!

          Na ja ich habe nicht alles geschrieben. Er ist schon zeitweise eine Gefahr für andere und sich selbst. Ich denke da besonders an unsere Kinder. Die kriegen ja leider alles mit. Aber das ist eine sehr lange Geschichte.

          Er hat mich heute zumindest schon mal gebeten, Ihn nächste Woche zu seinem Arzt zu begleiten. Mal sehen was wir da erreichen können.

          Trotzdem danke!

          Viele Grüße Jenny

          • Es ist super, dass er dich mit einbindet. Ich denke, da besteht dann durchaus Hoffnung, dass du ihn zu seiner Einweisung bewegen kannst, früher oder später. Ich drücke auch alle Daumen, dass ihr das auch so geregelt bekommt.

            Unter die Selbstgefährdung fällt zum Beispiel konkrete Suizidgefahr, Verweigerung von lebensrettender Behandlung, Verwahrlosung oder Gefahr von Verhungern, Erfrieren oder ähnliches. Das ist bei deinem Mann vermutlich nicht der Fall.

            Die Fremdgefährdung ist etwas konkreter, und lediglich auf wirklich akute Situationen bezogen. Die alleinige "Neigung" zu Agressivität oder ein risikofreudiges Verhalten reichen nicht. Sprich, erst wenn er anfängt, euch (oder andere) körperlich anzugreifen oder die Wohnung zertrümmert, oder du davon ausgehst, dass das oder ähnliche drastische Sachen aufgrund seiner Stimmung in absehbarer Zeit (in den kommenden Stunden oder Tagen) geschieht, dann könntest du das Ordnungsamt rufen, die Situation schildern und das Ganze vielleicht ins Rollen bringen.

            • Ja, da hast du Recht!

              So dramatisch, wie du es schilderst ist es tatsächlich nicht. ;-)
              Und ich hoffe, dass es da auch nicht hingeht. #kratz

              Und ich hoffe auch, dass der gute Wille mich einzubeziehen bleibt. Und nicht nächste Woche wieder gesagt wird: "Ne ich mach das alleine." Denn dann wird alles was wir besprochen haben und entschieden haben, einfach ignoriert.
              Denn so langsam gehe ich auf dem Zahnfleisch, weil ja alles auf mich abgewälzt wird und er sich nur um sich "kümmert". Sprich er geht arbeiten und wenn er nach Hause kommt, wird sich vor den Laptop gehockt und "nach mir die Sinnflut".

              Und ich hätte es schon gerne geklärt, bis ich mit den Mädels im Herbst in die Kur fahre.

              Vielen Dank für deine Meinung und dein Wissen! #pro#winke

              • <<<Denn so langsam gehe ich auf dem Zahnfleisch, weil ja alles auf mich abgewälzt wird und er sich nur um sich "kümmert". Sprich er geht arbeiten und wenn er nach Hause kommt, wird sich vor den Laptop gehockt und "nach mir die Sinnflut".>>>

                Das wird gefährlich für eine Beziehung. Er darf sich trotzdem nicht aus allem zurückziehen. Denn es wird sich irgendwann nur noch um ihn drehen. Und das macht eine Beziehung kaputt, weil du nicht für ihn ständig dasein kannst. Er hat trotzdem Verpflichtungen, die er zu erfüllen hat, denn du machst es ja auch.

                Mein Ex war nach einem Entzug furchtbar anhänglich. Er war sogar schlimmer als die Kinder und bockig, wenn ich nicht gleich Zeit hatte für ihn. Ich musste Verständnis für ihn aufbringen, aber wenn ich was verlangt bzw. erwartet habe, dann kam er eben mit seiner Phase, die er erst überstehen müsse. Also hat er sich aus allem zurückgezogen (seinen Pflichten), aber verlangte von mir die volle Aufmerksamkeit. Ich konnte irgendwann nicht mehr. Ich sah ihn nicht mehr als Partner, sondern als viertes Kind an. Das hat mich von ihm entfernt und es kam zur Trennung.

                Ich will damit sagen, überschätz dich nicht. Du brauchst auch deine Auszeit, auch wenn er es manchmal nicht einsieht.

                Alles Gute.

                LG

                PS: Therapieplatz wäre das Beste für ihn und auch für euch.

                • Vielen Dank für deine Erfahrungen!

                  Das kommt mir alles sehr bekannt vor! Ich denke täglich über die Trennung nach und wir sprechen auch oft darüber. Doch noch habe ich große Angst davor den Schritt zugehen.

                  Ich weiß im Kopf das es das Beste wäre und es mir und den Kindern besser gehen würde.

                  Ich möchte zumindest die Mutter Kind Kur abwarten im Oktober. Das war mein Ziel. Danach wird eine finale Entscheidung fallen.

                  Er macht ja seit Anfang des Jahres eine Therapie.

                  Ich denke, ich brauche wohl auch eine. Denn ich bin "betriebsblind".

                  Viele Grüße Jenny

                  • <<<Ich weiß im Kopf das es das Beste wäre und es mir und den Kindern besser gehen würde.>>>

                    Das meine ich, ihr leidet schon alle drunter und er bekommt es nicht mit bzw. will es nicht mitbekommen. Er wird in dieser Phase nur an sich denken und Verständnis erwarten. Was er aber nicht aufbringen kann.

                    Die Kur für euch wird sich sehr gut sein. Da bekommt ihr alle mal Abstand und vielleicht siehst du dann klarer und weißt, was du zu tun hast.

      ADHS ist eine Krankheit für die man sich in eine Klinik einweisen lassen muss??

      Das hab ich tatsächlich noch nicht gehört.

      • Also bei meinem Mann kommt noch ein bisschen was dazu! ;)

        Depressionen, eine sehr schlechte und schlimme Kindheit, die nie wirklich aufgearbeitet wurde und noch einige andere Begleiterscheinungen.

        Mein Mann hat dazu auch noch ein ziemlich schlimmes Suchtverhalten. Energie Drinks, Online Spiele in die er einen Haufen Geld investiert hat, ohne das ich es wusste.

        Und bis vor zwei Monaten war die Diagnose auch noch "Impulsive Persönlichkeitsstörung".

        Das alles zusammen und die vielen verschienden Medikamente die er jetzt bekommen hat, ist schon nicht ganz ohne. Und auch sein Therapeut findet die Idee nicht verkehrt.

        Aber ich weiß leider nicht, ob es tatsächlich möglich ist eine stationäre Behandlung zu machen.

        Viele Grüße Jenny

        • Okay, angesichts der ganzen Thematik die sich da oben drauf setzt, ist es verständlich.

          Engeriedrinks, Onlinespiele und Depression, und ADHS - das ist doch alles völlig kontraproduktiv. Weißt du was mir dazu einfallen würde: halbes Jahr in einer Holzhütte in Sibiren ohne Strom und Heizung, Holz hacken, fischen gehen, Brot über dem Feuer backen. Dann wären sicher die meisten Symptome gleich weg. Da hätte der Mann richtig was zu tun, wenn er nicht hungern und frieren wollte. Das Leben hätte plötzlich einen Sinn.

        Suchtgefahr ist bei ADHS um ein vielfaches erhöht.
        Kennt sich sein Therapeut wirklich mit ADHS aus?

        Grade wenn so vieles zusammen kommt, wird es schwierig, weil ADHS anders reagiert als "nur" das andere ohne ADHS.

        Was ich mich grade frage: ob die anderen Medikamente mit dem ADHS Medikament kontraproduktiv sind oder Wechselwirkungen hervorrufen.
        Welches der Medikamente die Schwierigkeit verursacht oder auch nicht.

        Ich selbst nehme nur das ADHS Medikament und das wirkt sofort. Entzugserscheinungen keine. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen andere Medikamente zeitgleich zu nehmen.

        Besser gesagt: durch das ADHS Medikament hat sich so vieles zum Guten verbessert, dass ich andere Medikamente (die mir Ärzte schon aufdrehen wollten) nicht mehr in Frage kommen. z.B. schlafe ich seither sehr viel besser (bei Kindern weiß ich aber, dass manche Medikinet und andere Ritalin besser vertragen und wovon die einen ruhiger/besser schlafen, die anderen gar nicht mehr schlafen können)

        Ich bin nicht generell gegen Antidepressiva und so. Allerdings ist mir ins Auge gesprungen, dass da sehr viel experimentiert wird. Wie ist es denn, wenn er NUR ADHS Medikament nimmt? Inzwischen verstehe ich deine Idee mit dem Entzug.

        Bei Kliniken kann es passieren, dass er die volle Dröhung bekommt. Grade bei Antidepressiva und so. Erst mal volle Dosis und ausschleichen, reduzieren soll dann der Arzt zu Hause. :-( Je nachdem welche Klinik es ist.

        Alles gefallen lassen brauchst du dir deswegen nicht!
        Kur ist eine gute Idee für dich mit Abstand vieles zu betrachten.

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